Kamerun, apostolisches Vikariat.

Nach einigen früheren vorübergehenden Missionsversuchen wurde im Jahre 1890 von der Propaganda eine apostolische Präfektur in Kamerun errichtet und die Mission der deutschen Provinz der Pallottiner (s.d.) übertragen. Bedeutende Schwierigkeiten erwarteten die Missionare, die schon auf der Ausreise bei schwerem Sturm fast alle Habe verloren. An die 30 Missionare fielen in den ersten 15 Jahren dem Klima oder der aufreibenden Tätigkeit zum Opfer. Von Sanaga aus konnte man nach und nach neue Stationen gründen. Das 1894 am K.berg als Erholungsstation errichtete Engelberg trug viel dazu bei, die Kräfte der Missionare wiederherzustellen.

Der bedeutendste Aufschwung der Mission datiert seit 1901, wo man begann, den zahlreichen und intelligenten Stamm der Jaunde dem Christentum näher zu bringen. Augenblicklich ist in der westlichen Hälfte der Kolonie ein Kranz von 15 Hauptstationen in Blüte, zu denen über 100 Nebenstationen treten. 28469 Christen (die Gesamtzahl der seit 1890 Getauften ist 37592) und 17 650 Katechumenen werden von 34 Patres, 36 Brüdern und 29 Schwestern besorgt (die Statistik ist von Ende 1913). Durch die Abmachungen mit der Regierung haben sich die Vertreter beider Missionen bezüglich der Schule auf einen einheitlichen Lehrplan verständigt, bei dem fast ausschließlich Deutsch als Unterrichtssprache gilt. Von den 20000 M Schulprämien erhielt die, Katholische Mission 1911 über 11000 M. In 204 Schulen werden 18418 Knaben und 1158 Mädchen unterrichtet, 223 Eingeborene Lehrer leisten dabei gute Hilfe.

Für die Heranbildung von Lehrkräften dient das Lehrerseminar in Einsiedeln bei Buea; dort ist auch mit dem Versuch begonnen worden, einen einheimischen Klerus heranzuziehen. Neben der Schule wird Hauptgewicht auf Erziehung zur Arbeit in Landbau und Handwerken gelegt; auf den Hauptstationen (Duala, Marienberg, Kribi, Edea, Engelberg, Gr. Batanga, Jaunde, Ikasa, Einsiedeln, Victoria, Ngowajang, Dschang, Ossing, Elabe-Minlaba und Deido) bestehen meist Handwerkerschulen, besonders in Duala und Jaunde, sowie Farmen. Gute Resultate liefern die Kautschuk- und Kakaofarmen von Engelberg und die Kaffeefarm von Kribi. Die Aussichten der Mission, die nur einmal (1899) durch den Buliaufstand und 1903 durch Mangel an nötigem Finanzrückhalt (es mußten viele Außenschulen aufgegeben werden) im Fortschritt aufgehalten wurde, sind sehr gut. Wie anderswo waren auch hier die Patres bemüht, großenteils selbst geeignete Handbücher für die Schule zu verfassen. Gegen 69118 Bücher wurden bisher in der Schule und 31000 Schriften für religiöse Zwecke gebraucht. Die Schwestern Pallottinerinnen (s. d.) arbeiten erfolgreich in der Fürsorge für verwaiste und verwahrloste Kinder, in Schule und Krankenpflege, und besonders in der Anleitung zu Handarbeit und Haushalt.

Der apostolische Vikar, P. Vieter P. S. M. (1905 wurde das Gebiet zu einem Vikariat erhoben) residiert in Duala. Bemerkenswert ist das gute Verhältnis, das durchgehends zwischen Regierung und Mission herrschte. Die ältere Evangelische Mission (3 Gesellschaften, s. Kamerun 17 und Mission 2) ist der katholischen besonders bezüglich des Schulwesens weit überlegen. Nicht dem A. V. K. unterstehen 1. Die Mission der Sittarder in Nordkamerun. Im Juni 1911 hat die Propaganda das Adamauagebiet von Kunde bis zum 10. Breitengrade und die angrenzenden Teile der deutschen Neuerwerbungen bis zum westlichen Logone aus den Gebieten der Väter vom hl. Geist und der Pallottiner losgelöst und als neues Missionsgebiet den Priestern vom Herzen Jesu (aus Sittard, s. d.) übertragen. Zu Beginn dieses Jahres errichteten 2 Väter und 4 Brüder eine Station in Kumbo bei Banjo. 1914 wurde Adamaua von der Propaganda zur apostolischen Präfektur erhoben. Augenblicklich sind 22 Mitglieder, der Gesellschaft in Kamerun tätig. 2. Die Mission der Väter vom hl. Geist in Neukamerun. Durch die Gebietsabtrennungen Frankreichs sind im Süden Teile des Vikariats Gabun der Väter vom hl. Geist an Deutschland gekommen. Im neuen Gebiet befindet sich die 1891 gegründete Station Butika am Rio Muni mit einer Nebenstation. 3 Priester und 1 Laienbruder haben dort 500 Christen und 1000 Katechumenen. Die französischen Patres sind hier kürzlich durch deutsche abgelöst worden.

Literatur: Stern von Afrika, Limburg, fortlaufend, besonders der Halbjährige Bericht (seit 1911 Jahresbericht, d. i. Aprilheft des "Stern"). - Kleine Kamerunbibliothek. Limburg 1906 f. Bd. 1, 3, 4. Hettenkofer, Brevis Historia P. S. M. Romae 1906, 68 f. Schwager, Die Kath. Heidenmission der Gegenwart II. (Steyl 1908) 107 f. - Huch, Bis an die Enden der Erde II. (Frankenstein 1903) 276 ff. - Mirbt, Mission und Kolonialpolitik. Tübingen 1910, 51 ff. -Missionsberichte, Weißbuch. - Über die Sittarder vgl. Kathol. Missionskorrespondenz 1912, Nr. 1, Berlin. Das Reich des Herzens Jesu (Sittard) 1912, 256 f., 378 f. und 1913, 176. - Über die Väter vom hl. Geist vgl. Echo aus den Missionen der Väter vom hl. Geist. Knechtsteden 1912, 125 ff, 153 ff. und 1913, 111. Schmidlin. 
 

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