Geld- und Bankwesen.

Vor der Begründung der deutschen Schutzherrschaft waren in K. deutsches, englisches und französisches Geld und Maria-Theresia-Taler im Umlauf. Die Maria-Theresia-Taler von 1780 waren im ganzen Sudan und im Hinterlande von K. verbreitet und das beliebteste Zahlungsmittel. Daneben gab es noch verschiedene Arten von Eingeborenengeld, in erster Linie die Kaurimuscheln. Der Handelsverkehr mit den Eingeborenen vollzog sich in der ersten Zeit vorwiegend im Wege des Tauschhandels.

Das Bestreben der deutschen Verwaltung ging dahin, die Eingeborenen an den Verkehr mit Bargeld zu gewöhnen und das fremde Geld möglichst aus dem Verkehr zu bringen. Durch die V. vom 1. Febr. 1905 (KolGG. Bd. 9, S. 43) wurde in K. die Rechnung nach Reichsmark eingeführt. Gesetzliches Zahlungsmittel sind alle Münzen, die im Reichsgebiet gesetzliches Zahlungsmittel sind, mit der Maßgabe, daß neben den Reichsgoldmünzen auch die Reichssilbermünzen für jeden Betrag in Zahlung genommen werden müssen und daß Nickel- und Kupfermünzen bis zu 5 M gesetzliches Zahlungsmittel sind.

Reichskassenscheine sind bei allen amtlichen Kassen für ihren Nennwert in Zahlung zu nehmen. Im Privatverkehr findet ein Zwang zu ihrer Annahme nicht statt. Die amtlichen Kassen sind berechtigt (aber nicht verpflichtet), Reichsbanknoten in Zahlung zu nehmen; es ist jedoch beabsichtigt, die 1000 M-Reichsbanknoten von dem amtlichen Kassenverkehr in K. auszuschließen. Bei den Eingeborenen haben sich besonders die 1 M- und 1/2 M-Stücke und die 5 ? -Stücke eingeführt, 2 und 3 M-Stücke und 10 ?Stücke sind bei ihnen nicht beliebt. Für englisches und französisches Gold- und Silbergeld ist ein fester Kurs festgesetzt, zu dem sie von den öffentlichen Kassen des Schutzgebiets in Zahlung genommen werden; für 1 Pfd. Sterling 20 M und für 20 Franken 16 M.

Die Einfuhr von Maria-TheresiaTalern und von Kaurimuscheln ist bei Strafe verboten. Da der Maria-Theresia-Taler aber noch weit verbreitet ist, sind die öffentlichen Kassen K.s ermächtigt worden, ihn bis auf weiteres ungefähr zu seinem Silberwerte, nämlich zum Preise von 1,50 M, anzunehmen. Die Bargeldeinfuhr erfolgt fast ganz für Rechnung des Gouvernements und besteht zum größten Teile aus Silbermünzen. Das in K. umlaufende Geld ist demnach hauptsächlich Silbergeld. In den Jahren 1911 und 1912 ist allerdings auch ein größerer Posten Papiergeld eingeführt worden. Ein Bankinstitut, das amtlich den Geldumlauf zu überwachen und zu regeln hätte, besteht in K. nicht.

Die Deutsch-Westafrikanische Bank (s. d.) in Berlin, die eine Kolonialgesellschaft nach § 11 SchGG. ist und in Duala und Lome (Togo) Niederlassungen hat, besorgt den Geldverkehr im Innern und mit dem Auslande und die Zahlungsausgleichungen. Sie führt auch durch Vermittlung des Gouvernements Münzgeld ein, wenn das Bedürfnis dafür sich zeigt. Ihr Gesamtumsatz betrug im Jahre 1912 bei der Niederlassung in Duala rund 65 Mill. (1910 38 Mill.) M, die Zahl der Kontokurrent- und Depositenkonten war 450 (270). Neben diesen Bankinstituten besorgen auch die größeren Handelshäuser Bank- und Geldgeschäfte für den örtlichen Bedarf. S. a. Geld u. Geldwirtschaft und Banken.

 

Bankwesen