Bergwesen.

 

Die Kunde von dem Vorhandensein von Gold und sonstigen wertvollen Mineralien veranlaßte schon in der Zeit vor der deutschen Herrschaft über Südwestafrika Expeditionen zu ihrer Gewinnung. Eine Ausbeute von Bedeutung wurde aber nicht erzielt.

Als im Jahre 1888 das gelegentliche Auffinden reichen Golderzes die Hoffnung auf einen lohnenden Goldbergbau erweckte, erging die Ksl. V. vom 25. März 1888, durch welche der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika (s. d.) das Bergregal im Schutzgebiet verliehen wurde. Bereits durch V. vom 15. Aug. 1889 wurde aber dieses Bergregal beseitigt und Schürffreiheit für die Teile des Schutzgebiets, welche von der Bergbehörde für öffentliche Schürfgebiete erklärt worden waren, eingeführt.

In dem größeren Teile des Schutzgebietes standen. allerdings die Sonderrechte von Minengesellschaften der Einführung von Schürfreiheit im Wege. Der Bergbau erhielt infolgedessen zunächst keine wesentliche Belebung. Die Verleihung von Minenkonzessionen für große Gebiete in den neunziger Jahren hatte ebenso wenig Erfolg. Eine Ausnahme machte die Otavi - Minen- und Eisenbahngesellschaft, die zum Zwecke der Ausbeute der der South West Africa Company gehörigen Minen von Tsumeb und im Otavitale gegründet wurde.

Die Otavi - Gesellschaft unterhält seit dem Jahre 1907 einen ordnungsmäßigen Bergbaubetrieb in Tsumeb und an verschiedenen Stellen im Otavitale. Es werden hier Kupfer- und Bleierze gewonnen. - An die Stelle der Berg-V. vom 15. Aug. 1889 trat am 1. Jan. 1906 die Ksl. Berg-V. für D.-S. vom 8. Aug. 1905. Durch sie fand das Prinzip der Schürf- und Bergbaufreiheit eine weitere Ausdehnung. Allerdings mußte auch diese gesetzliche Regelung vor den Rechten der Minengesellschaften Halt machen. Die Verordnung findet deshalb in denjenigen Gebieten, in denen Gesellschaften Bergrechte auf Grund einer vom Reichskanzler oder vom Auswärtigen Amt, Kolonialabteilung, erteilten oder bestätigten Sonderberechtigung zustehen, nur insoweit Anwendung, als sich nicht aus dem Inhalte der Berechtigung ein anderes ergibt.

Schon im Jahre 1901 hatte die South African Territories in ihrem Bergrechtsgebiete Schürffreiheit eingeführt, allerdings belastet mit dem Rechte der Gesellschaft auf einen erheblichen Teil des Reingewinns im Falle der Entstehung eines Bergbaubetriebes. Die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika erklärte sich durch Vertrag vom 17. Febr./2. April 1908 zur Einführung der Ksl. Bergverordnung vom Jahre 1905 mit für die Interessen der Bergbautreibenden nicht wesentlichen Änderungen bereit. In beschränktem Umfange trat die Bergverordnung später im Bergrechtsgebiete der South West Africa Co. und in einem Teile des Gebietes der Otavi - Minen- und Eisenbahngesellschaft in Kraft. Nach dem Erlaß der V. des RK., betr. die Erhebung einer Bergsonderrechtssteuer, vom 10. April 1913 haben die Kaoko - Land- und Minen - Gesellschaft und die South African Territories Limited für den größten Teil ihrer Gebiete unter Vorbehalt einiger Flächen, die Otavi - Minen- und Eisenbahn - Gesellschaft für ihre Bergbaublöcke längs der Otavibahn und die Hanseatische Minen - Gesellschaft für ihr gesamtes Gebiet dem Inkrafttreten der Bergverordnung mit einer für die Bergbautreibenden nicht wesentlich ungünstigeren Ausnahme ihre Zustimmung erteilt. (S. die aufgeführten Gesellschaften und Bergrecht.)

Der Bergbau in D.-S. erstreckte sich im Jahre 1913 auf folgende Mineralien:

1. Diamanten. Die Gesamtförderung im Jahre 1912/13 betrug 1 183 615 Karat (ein Karat = 0,205g). Es entfielen durchschnittlich 5,65 Steine auf das Karat. Der Diamantenabbau erfolgt in zunehmendem Maße durch Maschinen, infolge dessen steigert sich die Mitgewinnung auch der kleinsten Steine. Diamanten sind bislang nur im Küstengebiete nördlich und südlich von Lüderitzbucht gefunden worden. (Näheres s. Diamanten und Diamantengesetzgebung.) -

2. Kupfer- und Bleierze. Außer in Tsumeb und im Otavitale sind Kupfererze in abbauwürdiger Menge im Khangebirge nahe der Station Khan der Staatsbahn Swakopmund-Karibib gefunden worden. Im Jahre 1912/13 wurden. aus der Khangrube bei Aufschließungsarbeiten 1000 t Kupfererze gefördert. Eine Anschlußbahn ist von der Grube nach der Station Arandis der Otavibahn hergestellt worden. Ferner wird Kupfer in nicht erheblicher Menge aus der Otjisongatimine bei Okahandja gewonnen. -

3. Gold. Bei Korichas im Gebiet der Kaoko - Land- und Minengesellschaft ist zwar Gold festgestellt, ob das Vorkommen aber einen Abbau lohnt, ist fraglich. Auch die gelegentlichen Funde von Gold an anderen Stellen haben bislang nicht zu einem Abbau geführt. -

4. Zinnerze. Zinnvorkommen sind nachgewiesen in den Bezirken Karibib, Omaruru und Swakopmund auf weite Strecken und von bedeutendem Umfange. Die .mächtigsten Vorkommen befinden sich in der Nähe des Erongogebirges. Die vielfachen Belegungen haben zu einem regelmäßigen Abbau noch nicht geführt. -

5. Marmor. Die Afrika-Marmor-Kolonial-Gesellschaft (s. d.) beutet in der Nähe von Karibib verschiedene Marmorbrüche aus, deren Material sie nach Deutschland verschifft.

6. Sonstige Erze. In dem Gebiete der KaokoLand- und Minengesellschaft sind Magneteisenlager von großem Umfang, aufgefunden worden. Auf der Farm Rietfontein ist das Vorhandensein von Mottramit festgestellt und auf der Farm Karious im Gebiete der South African Territories ist Wolframit gefunden worden. S. a. Bergbau.

 

Bergwesen