Besiedelung durch Weiße.

 

Die ersten Weißen, welche D.-S. aufsuchten, taten dies nicht, um sich dauernd niederzulassen, sondern um sich durch Handel mit den Eingeborenen oder durch Goldfunde rasch ein Vermögen zu erwerben. Die Rheinische Missionsgesellschaft (s. d.) war die erste, welche Kolonisten aussandte und sie in Otjimbingue ansiedelte. In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zog eine Anzahl südafrikanischer Buren unter der Führung von Johannes Jordaan in den Norden des Schutzgebietes und ließ sich in der Nähe der Etoschapfanne nieder. Ihre Absicht, ein politisch selbständiges Gemeinwesen zu errichten, scheiterte aber. Lüderitz (s. d.) sah in seinem Programm auch eine Besiedelung des von ihm erworbenen Landes vor.

In den ersten Jahren der deutschen Herrschaft waren die Sicherheitsverhältnisse infolge der Kämpfe der Eingeborenen zu ungenügend, um eine ausgedehntere Besiedelung des Landes zu gestatten. Allerdings wurden in den Jahren 1892 ff in Klein-Windhuk seitens des aus den Kreisen der Deutschen Kolonialgesellschaft gebildeten "Syndikats für südwestafrikanische Siedlung" Siedelungen auf kleinen Heimstätten geschaffen. Im Jahre 1893 betrug die Zahl der auf Veranlassung des Syndikats eingewanderten Personen etwa 50. Erst im Jahre 1895 kam die Besiedelung in einen etwas lebhafteren Gang. Von 1901 ab standen dem Gouvernement Mittel zur Verfügung, um die Niederlassung Weißer durch Gewährung von Darlehen zu unterstützen. Die Zahl Der Farmer vermehrte sich insbesondere durch zur Entlassung kommende Schutztruppenangehörige allmählich. Dagegen hatten die Versuche der Kolonialverwaltung, durch Verleihung umfangreicher Land- und Bergrechte an große Gesellschaften die Niederlassung Weißer zu fördern, nur geringen Erfolg (s. Landkonzessionen). Als im Januar 1904 der Hereroaufstand (s. d.) ausbrach, war die Zahl der vorhandenen Wirtschaftsbetriebe im Vergleich zu der Größe des Landes eine nicht erhebliche, der angerichtete Schaden wäre bei stärkerer Besiedelung ungleich größer geworden.

Seit der Niederwerfung des Eingeborenenaufstandes hat die Einwanderung nach D.-S. erheblich zugenommen. Ein Teil der Einwanderer wurde angelockt durch die Hoffnung auf raschen Verdienst im Aufstande, diese sind mit der Beendigung des Aufstandes meist wieder verschwunden. Daneben hat sich aber eine größere Anzahl als Farmer niedergelassen. Endlich brachte der sich entwickelnde Bergbau auf Kupfer und Diamanten weitere Weiße ins Land. Die Stärke der weißen Bevölkerung D.-S.s und ihre Zunahme in den Jahren 1900 - 1913 zeigen folgende Zahlen: 1900: 3387, 1901: 3643, 1902: 4674, 1903: 4682, 1906: 6372, 1907: 7110, 1908: 8218, 1909: 11 791, 1910: 12 935, 1911: 13 962, 1912: 14 816, 1913: 14 830. Von der gesamten Bevölkerung lebt reichlich die Hälfte in geschlossenen Plätzen, der Rest auf dem Lande. Über Einzelheiten der Statistik s. 7. Bevölkerung.

 

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