Eingeborenenbevölkerung

K. ist in. der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der Schauplatz großer Wanderungen und Völkerverschiebungen gewesen. Es stoßen hier 3 verschiedene Wanderrichtungen zusammen, und die Wanderungen sind heute noch nicht ganz zum Stillstand gekommen. Es kommt daher oft vor, daß Nachrichten älterer Reisender über Wohnsitze von Stämmen heute nicht mehr stimmen. Die drei in Frage kommenden Wanderrichtungen sind folgende: die erste, wahrscheinlich älteste Völkerbewegung kam aus Süden oder Südosten, veranlaßt von den in Ostafrika nach Süden drängenden Völkerschaften.

Es sind dies die Bantustämme. Die zweite Wanderstrasse benutzte wahrscheinlich die NilKongowasserscheide und hat eine direkt ostwestliche Richtung. Es sind das die Fangvölker. Und die dritte Richtung ist ein nordsüdliche, im allgemeinen das Bestreben der Saharavölker, in die fruchtbaren Gebiete des Sudans einzudringen. Sprachen. Wir wollen erst die Sprachen, die in unserem Gebiet gesprochen werden, betrachten. Die Bagielli, die über das äquatoriale Waldland verbreitete Urbevölkerung, sprechen ihre eigene noch wenig bekannte Sprache. Sie sprechen aber überall daneben die Sprache der Stämme, in deren Gebiet sie sitzen. Das Arabische wird nur von den Schua, südlich des Tsadsees gesprochen, ist aber als die Sprache des Islams, die Schriftsprache der ganzen mohammedanischen Völker und wird darum auch in einem großen Teile Nord-K.s verstanden (s. Araber). Zwei Sprachen, die zusammengehören, sind das Ful, das die Fulbe sprechen (s. Fulbesprache), und das Kanuri.

Beide Sprachen zeigen Verwandtschaft mit dem Somali, wenn sie auch vieles aus den Negersprachen schon übernommen haben, und sind also wohl hamitisch. Die Sprachen der Neger zerfallen in 2 große Gruppen, in die Sudansprachen (s. d.) und die Bantusprachen (s. d.). Beide haben gemeinsam, daß die Präfixe gegenüber den Suffixen für die Bildung von Begriffen außerordentlich hervortreten. Die Sudansprache umfaßt eine große Anzahl von Sprachen, die unter einander sehr verschieden sind, und die einzelnen Volksstämme der Sudanneger können sich also nicht untereinander verständigen. Gemeinsam aber ist allen die Eigentümlichkeit, daß die Worte einsilbig sind und verschiedene Tonhöhe besitzen. Zu der Sudansprache gehört wohl auch das Haussa, das als Verkehrssprache für K. sehr wichtig ist.

Die Grenze zwischen Bantu- und Sudansprache fällt ungefähr mit der Waldgrenze zusammen. Doch kommen sowohl in dem Bereich der Sudansprachen einzelne Enklaven von Bantu sprechenden Völkern vor, wie auch umgekehrt Sudanneger im Gebiete der Bantu sitzen. Die Bantusprache zerfällt eigentlich nur in eine große Anzahl von Dialekten, und die Völkerschaften können wenigstens zum Teil sieh untereinander verständigen. Hier muß der Fang erwähnt werden, einer großen Völkergruppe, die in Süd-K. sitzt, mit Bantusprache, die aber viele Sudanwortstämme enthält, was neben der anthropologischen Gleichheit dazu geführt hat, daß man sie als Sudanneger erkannt hat, die nur die Bantusprache angenommen haben.

Die Bagielli. Dieses Pygmäenvolk bewohnte früher vor der Einwanderung der eigentlichen Neger den ganzen afrikanischen Kontinent. Jetzt lebt es zurückgezogen im Urwald. Wir finden sie in K. wohl im ganzen Urwaldgebiet. Im Randgebirge südlich des Sanaga sind sie nachgewiesen, ebenso sind sie noch zahlreich im ganzen Ssangagebiet bis zu den Zuflüssen des Kadei und Mambere. Auch in Spanisch-Guinea und im südlichen deutschen Gebiet sind sie in kleinen Gruppen zerstreut. Sie sind bei den Dzimu unter den Namen Babinga, bei den Fang als Baiagga, bei den Küstenleuten als Bekue oder Akoa bekannt. Noch andere Namen sind Beköä, Bequelle, Boyaelli, Bakolo, Ebajagga. Sie sind 1,45 bis 1,50 m hoch, haben lange Arme, sind brachyzephal und prognath, haben wolliges Haar, relativ helle Hautfarbe. Sie wandern als Elefantenjäger weit umher und tauschen das Fleisch bei den Bantus gegen Maniok und Bananen ein.

Die Elefanten töten sie mittels großer Assagaien, die sie ihnen in den Leib stoßen. Ihre Hütten sind armselig, aus Laub und Zweigen gebaut und zwischen Felsen oft versteckt. Sie sollen von sanften Sitten sein, Blutvergießen verabscheuen und auch ziemlich hohe religiöse Begriffe haben. Sie tatauieren sich selten und dann nur linear. Die Neger. Die zwei Gruppen, die man sprachlich, bei ihnen unterscheiden kann, lassen sich anthropologisch nicht ganz einhalten. Der Wuchs ist mittelgroß, die Gliedmaßen muskulös, der Körper kräftig, oft schön gebaut. Das Gesicht ist rund, mit breiten Backenknochen, dicken, aufgeworfenen Lippen, breiter, flacher Nase und niedriger Stirn. Die Schädelform ist äußerst wechselnd, die Kiefer aber meist prognath. Die Hautfarbe ist meist ein rötliches Braun, wechselt aber ziemlich. Das Haar ist wollig und kräftig, der Bartwuchs ist gering.

Im allgemeinen sind 2 Typen zu unterscheiden unter den Negern, die aber gemischt in Sudan- und Bantugruppe vorkommen. Der erste Typ ist klein, kräftig, häßlich, mit dicken Nasen und typischen Negergesichtern. Der zweite Typ ist dagegen hochgewachsen, schlank, mit schmalen Nasen und weniger aufgeworfenen Lippen, auch oft heller Hautfarbe. Der erstere wird durch die ältere Bantugruppe, dann die Domme, Mambila, Bansso, Dumbo und Bafum, ferner durch die Musgu und Kotoko vertreten. Zur 2. Gruppe gehören die Fang, die Baia, die Batta, die Margi u. a. Man nimmt an, daß der 2. Typ durch Mischung mit hamitischen und semitischen Völkern entstanden ist. Körperverunstaltungen, Tatauierung, Stammesmarkierung, Beschneidung kommen überall vor. -

Bantuneger. Die Bantuvölker kann man in zwei Gruppen einteilen, die durch die Fang voneinander getrennt sind: einmal die K.- oder Dualagruppe und andererseits die Makagruppe oder Bangalagruppe, wie sie nach den am Kongo sitzenden Bangala genannt wird, die aber nicht mehr auf deutschem Gebiet wohnen. Die Dualagruppe zerfällt wieder in zwei Unterabteilungen, in die Bakokogruppe mit nördlicher Wanderrichtung und in die Bakundugruppe mit südlichem Wandern. Die Bakundugruppe sitzt im Küstenvorland um den Kamerunberg und nördlich von ihm. Sie grenzen im Norden und Osten an Sudanneger, von denen aber nur die Boki im Tiefland sitzen. Sprachlich lassen sich die Stämme der Bakundugruppe wieder in zwei Abteilungen teilen. Zu der ersten gehören die Ekombe, die Bafo, die Balong, die Barombi und die Abo.

Die Ekombe-Baji sitzen mit ihrem Hauptorte am Meine, die Bafo in einem langen Streifen von Joh.-Albrechtshöhe nach Norden bis zum Bamendagebirge. Die Balong wohnen am linken Ufer des Mungo, treiben Handel, und die Barombi schließlich, zu denen die Abo gehören, sitzen an den Seen und zwischen Mungo und Wuri. Zu der zweiten Gruppe der Bakundugruppe gehören die Babondo, die am Unterlauf des Meme und nördlich davon sitzen; die Barue, die ihre Wohnsitze in einem Streifen von Rio del Rey bis zu den Rumpibergen haben, die Mbonge, die südlich der Rumpiberge sitzen, die Bakundu, die einmal im Nordwesten der Rumpierge sitzen, andererseits die Bakunduplatte im Norden des K.berges bewohnen.

Außer diesen beiden Gruppen gibt es noch eine Masse anderer Stämme, deren Zugehörigkeit noch unbestimmt ist. Im Nordwesten der Rumpiberge zieht sich der Stamm der Ngolo weit ins Rio-del-Rey- Tiefland. Nordwestlich von ihnen sitzen die Odondop bis zur englischen Grenze. Nach Norden folgen, schon im Flußgebiet des Kreuzflusses, die Batanga und die Bakogo und nur mit einem Teil auf deutschem Gebiet der große Stamm der Ekoi, der bis zum Kreuzfluß selbst reicht. Östlich von diesen, südlich von Ossidinge, sitzen die Keaka und die Obang. Die ganze Banjangbucht wird von dem großen Stamm der Banjang eingenommen, während die Anjang nur im Nordosten von Ossidinge wohnen. Dort zieht sich auch ein kleiner Zipfel der zur Hauptsache auf englischem Gebiet sitzenden Boki, die den übrigen Bantustämmen völlig fremd gegenüber stehen, in deutsches Gebiet hinein.

Östlich der Banjang, am Fuße des Manengubahochlandes, sitzen die Basgssi. An den Hängen des K.berges sitzen im Westen die Bambuko, im Osten die Bakwiri, die beide vom Norden gekommen sind und der Bakundugruppe angehören. Weiter im Süden in der Mungo-Wuribucht sitzen eine Reihe von Stämmen, deren Zugehörigkeit nicht festgestellt ist, wie die Wuri, Pongo, Bodiman und Balong. - Die zweite Unterabteilung der Dualagruppe ist die Bakokogruppe, die in der Sanagabucht und im Verlande bis Kampo hinab ihre Wohnsitze hat.

Am K.ästuar sitzen die Duala, ein Volk von 15000 Seelen. Dann kommen wir weiter im Süden und Osten zu dem großen Volk der Bakoko, die über den Njong hinüber reichen und im Osten weit auf das Hochland hinaufgreifen. Man kann sie in mehrere Gruppen teilen. Am Sanaga sitzen die Bassa, östlich von ihnen im Ebomassiv die Loko. Südlich der Bakoko sitzen Mischstämme mit den Fang, die meist zu den Jaunde gerechnet werden. Im Flußgebiet des Lokundje sitzen die Ngumba, die von Südosten erst in relativ junger Zeit gekommen sein sollen. An der Küste wohnen die Batangaleute und etwas weiter im Innern auf der Strecke zwischen Lokundje und Kampo die Mabea. -Die Bangalagruppe soll sprachlich von der Makagruppe abzutrennen sein. Erstere ist danach der durch die Fang abgetrennte östliche Teil der Pualagruppe und muß sprachlich mit dieser vereinigt werden.

Dagegen soll die Makagruppe mit Stämmen der Küste zu einer Gruppe sich vereinigen, die eine andere Wanderperiode der Bantu repräsentiert. Wie weit das richtig ist, müssen Sprachuntersuchungen lehren. Wir wollen nun zuerst die Bangalagruppe, die sicher den vorher betrachteten Stämmen am nächsten steht, behandeln. Es kommen dabei für unser Gebiet nur die Bafuru des Ssangazipfels in Betracht, die sich am rechten Kongoufer, vom Likuala-Essubi bis hinunter zum Alima erstrecken, über die aber wenig bekannt ist. Nördlich der Bafuru sitzen die Baloi, die ebenfalls wohl zu dieser Gruppe gehören und einen Zipfel nach Süden in unser Gebiet hineinsenden.

Am Kongo selbst sitzen vielleicht auf unserem Gebiete noch die Bubangi, die in ihrer Hauptmasse auf dem rechten Ufer des Kongo wohnen. Nördlich dieser Völker treffen wir dann auf eine Reihe von Völkern, die, wie erwähnt, von den bisher behandelten Bantu abweichen, aber mit Völkern der Küsten, mit denen sie nicht im Zusammenhang stehen, zu vereinigen sind, nämlich mit den Baseke und den ihnen verwandten Völkern an der Coriscobucht und weiter südlich. Nördlich der Bafuru soll ein Volk der Bufinde sitzen an beiden Ufern des Ssanga. Weiter Ssanga aufwärts kommt man dann in das Gebiet der Basangavölker des oberen Ssanga, der Kaka (?), Gundi und Bukongo.

Am ganzen Unterlauf des Dscha sitzen die Sanga-Sanga, ein wohl mit den Basanga identischer Volksstamm. Sie werden auch als Misanga bezeichnet. Auf der Kunabembeschwelle sitzen die Bombassa und die Kunabembe. Nordwestlich von ihnen trifft man auf die weit verbreiteten Stämme der Ndsem oder Dsimu (s. d.) und Njem (s. d.), was wohl alles dasselbe bedeutet. Sie haben die Kultur und Gewohnheiten der Fang angenommen, wurden deshalb viel mit ihnen verwechselt, sind aber zu der Makagruppe gehörig. Sie senden einen Keil nach Süden Iwindo abwärts und sitzen auch im Ngoko-Ssangawinkel. Nördlich von ihnen sitzen die Kaka, die aber im Süden, südlich des deutschen Gebietes am Likuala noch einmal vorkommen sollen, und westlich der Bomome, die im Dumegebiet sitzen, treffen wir auf die eigentlichen Maka.

In den Süden unseres deutschen Gebietes ragen noch Teile von Völkern hinein, die zu einer großen Gruppe zusammengefaßt werden, welche ihr Zentrum einmal am mittleren Kongo und andererseits am unteren Ogowe besitzt. Für uns kommen in Betracht: zwischen dem oberen Iwindo und den nördlichen Zuflüssen des Likuala Mossaka die Bakota und um die Bucht von Gabun, sowie südlich und nördlich davon die Mpongwe. Die Fang. Dieses Volk, das erst in jüngster Zeit sich in die Gebiete der Bantuneger eingedrängt hat, spricht eine Bantusprache. Es sind aber ursprünglich Sudanneger und zwar aus dem Nilgebiet, wo sie den Niain Niam nahe stehen. Sie sind, bis sie in ihr jetziges Gebiet kamen, weit herum gekommen. Es wird ange- nommen, daß sie auf ihrer Westwanderung erst zum Ubangi kamen, dann nach Norden drängten und darauf von den Fulbe nach Süden getrieben wurden.

Dabei haben sie alle unterwegs angetroffenen Völker vernichtet oder aufgenommen. Ihre Südwestwanderrichtung, die noch andauert, wurde durch das Erscheinen der Europäer an der Küste veranlaßt, ist also mehr ein Drängen zur Küste. Jetzt ist ein Rückstoß eingetreten, seit einem Jahrzehnt etwa geht die Wanderung nach Osten über den Iwindo gegen die Bakota. Die Fang teilen sich in zwei große Gruppen, in die Betschi und die Makei, auch nach dem Satz, mit dem sie ihre Rede beginnen: Ich sage daß . . ., Masuna und Makina genannt. Die Betschi sitzen im Nordwesten, die Makei im Südosten. Sie teilen sich in eine ganze Anzahl von Stämmen, deren Name entweder mit Eb ... (Makei) oder mit Es ... (Betschi) beginnt.

Größere Völker unter ihnen sind: im Norden, südlich des Sanaga sitzend, die Etun und die Mwelle; dann südlich auf dem K.er Randgebirge und seinen Hängen die Jaunde, die nach Aussage eines Sprachgehilfen des Kolonialinstituts noch in der vorletzten Generation Bati, also eine Sudansprache gesprochen haben sollen; östlich von ihnen die Bane, am mittleren Njong; darauf im Süden bis zum Kampo das große Volk der Bule am Kampo selbst, an der Grenze von Spanisch-Guinea die Ntum, denen die Okak in Spanisch-Guinea nahe stehen. Im Osten, am Ntem und am Aina, die Mwai und weiter im Süden die eigentlichen Fang oder Pangwe. Die Sudanneger. Man hat Versuche gemacht, die Sudanneger in Gruppen zu teilen, doch ist die Kenntnis von den einzelnen Stämmen noch teilweise so gering, daß man nicht viele Resultate erzielt hat. Der westlichste Sudanstamm sind die schon erwähnten Boki, die im Nordwesten von Ossidinge sitzen.

Auf dem Balihochland sitzen eine Reihe von kleinen Stämmen, deren bekanntester der der Bali ist. Westlich von ihnen sitzen auf dem Bamettaplateau die Bametta und an den Abhängen und am Fuße des Abfalls die Muntschi. Im Norden der Bali wohnen die Bafat und im Quellgebiet des Katsena-Allah die Bafum. Im Osten auf dem Bamendagebirge und seinen Abhängen kleine Stämme wie Bamenda, Bamessong und andere, und weiter im Osten dann die Balikumbat und die Balibagam. Auf dem zum Kamkessel abfallenden Rand des Hochlandes sitzen unter anderen die Bangangte, im Manengubahochland die Elorng, Mbo und Bangwa und unzählige kleine Stämme. Auf dem Rand des Hochlandes bis zum Eboplateau wohnen dann wohl Mischstämme zwischen Bantu- und Sudannegern, z. B. die Bafia. Im Nuntal und auf dem Bamumgebirge sitzen die Bamum und östlich von ihnen im ganzen Tal des Mbam die Tikar. Auf dem Dommegebirge wohnt das Volk der Domme, südöstlich von ihnen das große Volk der Wute, die die Sanagamulde einnehmen.

Westlich von ihnen sitzen die Bati, an den Ufern des unteren Mbam; sie sind, wie die Wute, in die von den Fang verlassenen Gebiete eingerückt. Mischstämme von Sudan- und Bantunegern sind wohl die Jebaka und Keperre am Sanaga. Auf dem Kumbohochland sitzt eine Reihe von Stämmen, von denen die Bansso die wichtigsten sind. Andere sind die Tukum und die Mainbila, die weiter im Norden sitzen, ebenso wie die Bekom und die Ndoro. Wir kommen nun zu den im Osten des Plateaus von K. wohnenden großen Stämmen der Mbum und der Baia. Die Mbum, im Osten auch Mberre genannt, wohnen auf dem Ngaunderehochland, im Osten fast bis zum Penndé sich ausbreitend. Sie sind jetzt in ihrer ganzen Masse deutsch. Die Baia (s. Tafel 78) werden mit mehreren anderen Völkern zu einer großen Gruppe zusammengeschlossen, besonders mit den Yangere, deren Sprache der ihren völlig identisch ist, und dann mit den Mandjia, die im Ubangizipfel auch auf deutschem Gebiet sitzen.

Die Baia teilen sich in eine Reihe von Unterstämmen und sitzen am Ostabfall des Hochlandes sowie teilweise schon im östlichen Tieflande. Ihre Verbreitung geht von Bania bis zum mittleren Uam und vom Sanaga bis zum oberen Lobai. Die Unterstämme, in die sie sich teilen, sind die Baia-Buri von Bania bis zum oberen Mambere, die Baia-Baia auf dem Baiahochland, die Baia-Buar im Gebiet des oberen Uam und Lobai, die Baia-Kaia im Gebiet des oberen Logone, die Baia-Tala zwischen oberem Uam und Baria und endlich die Baia-Mbaka nördlich des unteren Uam. Man kann drei Dialekte bei ihnen unterscheiden, den ersten sprechen die Buri, den zweiten die Buar, Kaia und Baia und den dritten die Tala und Mbaka. Die Jangere sind in mehrere Enklaven zerrissen.

Die Hauptmasse sitzt wohl östlich des Mambere, eine zweite westlich davon am Kadei, ferner eine Enklave am mittleren Uam und eine andere, die nördlichste, zwischen oberem Penndé und oberem Baria. Das dritte Volk dieser Baiagruppe sind die Mandjia, die von den Ndri in zwei Teile zerrissen worden sind. Die südliche Partei sitzt am Ubangi zwischen Mpoko und Lobai. Wir müssen noch zwei Enklaven dieser Gruppe erwähnen, die weit südlich in das Gebiet der Bantuneger verschlagen sind. Das sind erst die am unteren Bumba sitzenden Bangandu, die zu den Baia zu rechnen sind, und zweitens ein kleiner Stamm Baia am Zusammenfluß von Kadei und Dume. - Sprachlich von dieser Baiagruppe verschieden sind mehrere andere Völker, die in Teilen in deutsches Gebiet hinein reichen. Es sind einmal die Ndri, die den Banda nahe stehen und auf deutschem Gebiet am mittleren Lobai und in einer kleinen Enklave zwischen Mbaere und Lobai vorkommen. Ein anderer Stamm, der nur zum ganz kleinen Teil in den Ubangizipfel hineinragt, ist das Volk der Mbaga, die am Ubangi unterhalb des Lobai sitzen. -

Mehr den Mbum als den Baia nahestehend sind die Stämme, die am mittleren Logone wohnen, die Laka, Sara und Mbei. Das Gebiet der Lakka beginnt an der unteren Wina und reicht nach Osten bis zum mittleren Schari. Die Sara, die ihnen wohl verwandt sind, reichen bei Lai mit einem Zipfel auf deutsches Gebiet hinüber. Eigenartig ist, daß die Lakka, die Sara und Mbei mit den Baia, den Jangere und auch den Mbaka eine gemeinsame Beschneidungssprache besitzen, die aber schon zur Verkehrssprache zwischen den einzelnen Stämmen geworden ist. Es ist das Labi, über dessen Herkunft aber noch nichts bekannt ist. - Westlich der Lakka sitzen in der Inselberglandschaft von Bubandjidda die Dama und weiterhin am oberen Benue die Durru.

Auf dem Ssarimassiv wohnen die kleinen Heidenstämme der Woko und Namdschi, nördlich davon der von den Fulbe vernichtete, früher große Stamm der Batta. Auf den Massiven von Nordadamaua sitzt eine ganze Anzahl von Heidenstämmen, die sich hier noch gegen die Fulbe haben halten können. So auf dem Alantikagebirge die Dere und weiter südlich die Tschamba. Auf dem Inselbergplateau von Gaschaka sitzen die Darra neben einer ganzen Anzahl von kleineren Stämmen. - Nördlich des Benue, zwischen Rei Buba und dem Mandaragebirge, wohnt der Stamm der Falli, der sprachlich von den übrigen Sudanstämmen sich sehr unterscheidet. In dem Tiefland des Mao Kebi und südlich bis Lame sitzt das Volk der Mundang und in den Tuburisümpfen im Osten die Tuburi. Am Logone nördlich von Lai bis zur Mündung der Tuburisümpfe treffen wir auf beiden Ufern die Massa und Mabba. Logone abwärts kommen wir dann zu dem wichtigen Volk der Musgu und noch weiter nördlich zu den ihnen sehr nahestehenden Kotoko, die aber schon Mohammedaner geworden sind.

Nördlich von Binder sitzt ein Stamm namens Suggi oder Mendie, im Tsadseetiefland eine Anzahl von Stämmen, die aber kaum mehr als dem Namen nach bekannt sind. Im Mandaragebirge sitzen die vielen Stämme der Mandara. Im Nordwesten des Gebirges und im Oberlauf des Jadseram treffen wir auf die Margi. Im Mittellauf des Jadseram breiten sich dann die Gamergu aus. Semiten und Hamiten. Semiten sind ursprünglich die Araber, die im Süden des Tsadsees in großer Menge, etwa 100000, sitzen. Es ist der Stamm der Schua, deren Wanderungen in islamischer Zeit von Arabien her Becker neuerdings an der Hand der arabischen Literatur verfolgt hat. Die Kanuri sind ein Mischvolk von Semiten und Negern, wobei aber ihr Negertyp am meisten hervortritt. Das Volk sitzt zur Hauptsache auf englischem Gebiet und reicht nur mit einem Teil in das südliche Tsadseetiefland hinein. Sie waren die Bewohner des alten Königreiches Bornu, das durch Rabeh zerstört wurde.

Die Fulbe (s. Tafel 58) sind zweifellos Hamiten, wenn auch oft ein Negertypus unter ihnen hervortritt. Sie sind groß, schlank, mit langen Nasen und dünnen Lippen. Sie gleichen fast völlig den Berbern Nordafrikas, sollen manchmal sogar blaue Augen und blonde Haare haben. Sie sind vor einigen Jahrhunderten als Hirten aus dem Senegalgebiet gekommen und nehmen ihre Machtstellung erst seit dem Anfang des 19. Jahrh. ein. Sokoto war die Hauptstadt, und unter ihr standen mehrere Vasallenreiche. Eins war Adainaua mit der Hauptstadt Jola. Die Vasallenstaaten des Emirs von Adamaua sind noch jetzt die Ausbreitungszentren der Fulbe. Auf dem Hochlande von Südadamaua liegen die Staaten Ngaundere, Tibati und Banjo, während die Hauptmasse der Fulbe in der Massivregion von Adamaua sich befindet. Um Marua haben wir außer einigen anderen kleinen noch eine, große Enklave. Die Bororo-Fulbe, die noch als Hirten herumziehen, haben sich am reinsten den hamitischen Typ bewahrt. Ebenfalls Hamiten sind die Haussa, die als Händler oder Handwerker über unsere ganze Kolonie verbreitet sind. Auch sie sind viel mit Negern vermischt. Sie haben die Fulbe, denen sie an Zahl über waren, in sich aufgenommen, so daß sie ein Mischvolk sind, das eigentlich keinen Volkstypus besitzt. Ihre Verbreitungszentren liegen einmal am mittleren Benue und seinen Nebenflüssen Taraba, Donga und Katsena-Allah, andererseits in der Massivregion von Nordadamaua mit Garua als Mittelpunkt.

Von da aus verbreiten sie sich über das ganze Hochland von Südadamaua und nach Osten hinunter bis zum mittleren Ssanga und Ngoko. Unter dem Einfluß der Europäer haben sie sogar die Küste erreicht. Passarge-Rathjens. Bevölkerungsstatistik. Die Zahl der Eingeborenen K.s betrug nach der amtlichen Statistik 1913: 2 648 610 (teils gezählt, teils geschätzt). Die Bewohner der neu erworbenen Gebiete waren hierbei noch nicht berücksichtigt. Die Zahl der nicht eingeborenen farbigen Bevölkerung (aus Liberia, Togo, Gabun, Goldküste, Nigerien usw. stammend) betrug 2 405, die der Mischlinge 110. Die Kulturverhältnisse der Eingeborenen (s. farbige Tafeln und Tafel 86). Über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Eingeborenen s. unter 8. Eingeborenenproduktion. Wie zumeist in Afrika tritt die Technik in der Form der Haus- oder höchstens der Dorfindustrie auf. Tongefäße von sehr bedeutenden Abmessungen aus älterer Zeit findet man im Logonegebiet. Tonpfeifenköpfe der verschiedensten Form und Größe, oft in der Form stilisierter Tier- oder Menschenfiguren, zuweilen auch mit aufgesetzten Tierkörpern werden gewerbsmäßig im Süden des Graslandes, vom Bamumgebiet bis Bali, Bansso und Banjo, hergestellt und vertrieben (s. farb.Taf. Kamerun, S. 200, Abb. 5 [Tabakpfeife] u. Tafel 86 Abb. 1).

Auch die Formen der tönernen Gebrauchsgefäße treten in diesem Gebiet ganz allgemein über die sonst allgemein feststellbare Nüchternheit heraus (s. Tafel 86 Abb. 4). Weit verbreitet und vielfach geübt ist auch die Schnitzerei. Künstlerisch am niedrigsten steht sie unzweifelhaft im Waldland, wo sie über schematisch wiedergegebene Tier- und Menschenfiguren nur vereinzelt hinwegkommt (s. farb. Tafel Kamerun, S. 196, Abb. 2 [Geheimbundmaske], 6 [Ruder] u. Tafel 86 Abb. 19). In der Mitte des Landes deckt sich der Bereich der Schnitzkunst fast völlig mit dem der Töpferei, mit der Maßgabe freilich, daß Bamum auf dem Gebiet der ersteren sehr bedeutend stärker ist. Hier ist denn auch fast jeder Gebrauchsgegenstand entweder zum freien Kunstwerk geworden oder zum mindesten doch künstlerisch verziert. Die Abb. 3 (Speiseschüssel), 6 (Schemel), 7 (Jujukopf) der farbigen Tafel Kamerun, S. 200, und die Abb. 3, 7, 22 der Tafel 86 vermögen nur einen sehr schwachen Begriff von dem Formenreichtum und der Phantastik dieser zwar barbarischen, aber gerade deshalb doppelt interessanten Kunstwerke zu geben.

Die Vorliebe für die Tierwelt, die in den Gestalten des Leoparden, des Hasen, des Chamäleons, der Krabbe, der Spinne, des Krokodils und mancher anderer, einstweilen nur schwer zu bestimmender Tiere, überall wiederkehrt, läßt auf einen früher vorhandenen Totemismus schließen, doch liegt eine einwandfreie Bestätigung, seines Vorhandenseins noch nicht vor. Auch das Schnitzgewerbe ist in besonderen Dörfern und dort oft auch noch wieder in bestimmten Familien lokalisiert, in denen es sich vom Vater auf den Sohn vererbt. Sehr hübsche Geräte versteht man im Grasland aus den als Bierbehälter verwendeten Kürbisflaschen herzustellen; man weiß ihnen durch Umwicklung während des Wachstums die gewünschte Form zu geben, überspinnt sie mit buntfarbigen Perlenmänteln und gibt ihnen Pfropfen in Tierform (s. farbige Tafel Kamerun, S. 200, Abb. 2 [Kürbisgefäß]).

Perlen europäischer Herkunft sind, wie seit den Zeiten der Venetianer oder gar der Phöniker, überhaupt ein gern verwandtes Verzierungsmittel für Hausrat jeder Art. Die Abb. 8 (Thronsessel), 9 (Kopfaufsatz) u. 11 (Tanzmaske) der farb. Tal. Kamerun, S. 200, geben einen hübschen Begriff davon. Ein ebenfalls landfremdes, aber immerhin afrikanischer anmutendes Verzierungsmittel sind Kaurischnecken, wie sie zur Ausschmückung der Tanzmaske (s. farbige Tafel Kamerun, S. 200, Abb. 12) verwendet worden sind. Sie werden als Ziermittel auch sonst viel benutzt. -Zwei nach Alter und Herkunft viel umstrittene Techniken Westafrikas sind die Gewinnung des Eisens samt der Schmiederei und der Metallguß. Jene hält v. Luschan gar für eine Erfindung des Negers selbst, was jedoch mit der sonstigen technischen Unfruchtbarkeit dieser Rasse nur schwer in Einklang zu bringen ist; den Metallguß hingegen sieht Leo Frobenius auf Grund seiner letzten Reisen für eine Entlehnung aus dem antiken mittelmeerischen Kulturkreis an. Benin, Joruba und das Kameruner Grasland würden dann kulturell wenigstens in dieser Beziehung zusammengehören.

Wie man auch über das Alter beider Techniken denken mag - in ihren Leistungen stehen sie beide recht hoch. Belege für die Schmiedekunst sind die Abb. 5, 8, 9, 23 der Tafel 86, Abb. 5 (Pulvergefäß) u. Abb. 10 (Helm) auf den farbigen Tafeln Kamerun, S. 196 u. 200, für die Gießkunst Abb. 10, 15, 20 der Tafel 86. Das verwendete Metall ist ursprünglich eine ziemlich reine Bronze; neuerdings nimmt man Messing und Patronenhülsen. Das Verfahren ist das bekannte der verlorenen Form. Während die Gußwerke älterer Art den Vergleich mit Benin nicht im mindesten zu scheuen brauchen, gehen aus den Werkstätten des Fürsten Njoja von Bamum (s. d.) nur noch sehr minderwertige Stücke hervor. - Unverhältnismäßig reich ist für afrikanische Verhältnisse der Hausrat vieler Kameruner Volksstämme. Der hohe Stand der Töpferei sorgt für Krüge, Töpfe, Schalen und Lampen aller Art, die Flechterei für Körbe, Teller, Schalen, Taschen, Netze und Matten von oft sehr feiner Arbeit, die Schnitzerei endlich für Speiseschüsseln, Schemel, Sessel u. a. m., die fast ausnahmslos mit nicht geringem Geschmack durchgeführt sind (s. farb. Taf. Kamerun, S. 200, Abb. 3 [Speiseschüssel], 6 [Schemel] u. 8 [Thronsessel). Unter den Musikinstrumenten weisen die Trommeln zwei stark verschiedene Formen auf: die ausgehöhlte Schlitztrommel von der Art der Duala-Sprechtrommel (s. Tafel 86 Abb. 24), die im ganzen Waldlande zuhause ist, und die mit Fell bespannten Zylindertrommeln, die sich vorwiegend im Sudan finden.

Weitere Schlaginstrumente sind ein primitives Xylophon, das aus einfachen Brettern von verschiedener Länge besteht; ferner das bekannte Negerklavier, die Marimba, bei der unter den Klangbrettern Kürbisschalen als Resonanzböden hängen; schließlich eiserne Doppelglocken von der Form der Abb. 13 Tafel 86, die zu Signalzwecken dienen. Blasinstrumente sind: die Flöte aus Rohr (s. farbige Tafel Kamerun, S. 196, Abb. 3 [Jaundemädchen]) oder Tierhorn, Tuthörner aus Elfenbein (s. Tafel 86 Abb. 14) und (im Sudan) Trompeten aus Blech. Unter den Saiteninstrumenten ist die Harfe von der Form der Abb. 11 Tafel 86 für die Fangvölker charakteristisch. Anderswo kommen vor: eine Gitarre, bei der jede Saite an einem besonderen Stege befestigt ist; eine Harfe mit nur einem Saitenträger; endlich der primitive Musikbogen mit nur einer Saite. Die Klimper-Sansa (im Süden von Deutsch-Ostafrika Ulimba; s. Tafel 144 ist auch in Kamerun zuhause.

Die Kleidung der Kameruner schwankt zwischen völliger Nacktheit und einem Überfluß von Stoffen. Ganz unbekleidet gingen noch vor einem halben Jahrhundert die Musgu, und Marghi; noch heute wird derselbe Kleidungsmangel von manchen Stämmen des Mbamgebietes und des Kumbe-Hochlandes erwähnt. Auch die Bali gehen zuzeiten nackt. Penisfutterale verschiedenster Gestaltung sind oder waren sowohl im Osten Nordkameruns, bei den Mattafall, Durru, Mbum usw. (s. Tafel 86 Abb. 18) gebräuchlich, wie auch im Waldland, bei den Bafia und anderen Stämmen des Mbamgebietes. (Ein Penisfutteral aus dem nördlichen Togo zeigt zum Vergleich mit Abb. 18 die Tafel 86 Abb. 16.) - Von wirklich flächenhafter Kleidung kamen früher vielfach Rindenstoffe und Palmfasergewebe in Betracht, jene bei den Waldlandstämmen des Südens, diese besonders im Kreuzflußgebiet. Heute ist auch über diese Gebiete entweder die Wolle des mohammedanischen Kleiderüberflusses oder der europäische Kattun geschritten. -

Einen hübschen Einblick in das Kapitel Schmuck und Haartracht gewährt die Abb. 3 (Jaundemädchen) der farbigen Tafel Kamerun, S. 196. Soweit die Waldlandstämme des Südens zu der großen Familie der Fang gehören oder von ihnen beeinflußt sind, reicht auch die hübsche Frisur, wie das Jaundemädchen sie trägt. Ein solches Kunstwerk ist natürlich nur schwer herzustellen und wird deshalb auch nur von Zeit zu Zeit erneuert. Auch weiter im Norden, bei den Bane und ihren Nachbarn, sind derart kunstvolle Frisuren im Schwange. Anderswo, wie bei den Schua-Arabern und den Kotoko, zerlegt man das Haar in unzählige feine, vom Kopfe herabhängende, Flechten. Im Schmuck sind die Ober- und Unterlippenscheiben, die Nasen- und Ohrpflöcke der Musgu und ihrer Nachbarn das Abenteuerlichste. Nasenpflöcke sind auch bei den Jaunde üblich (s. farb. Tafel Kamerun, S. 196, Abb. 3 [Jaundemädchen]). Sonst umfaßt dieses Kapitel alle die Ketten, Schnüre, Ringe und Spangen, die wir bei anderen Afrikanern auch finden.

Aus der Kosmetik der Haussa erwähnenswert sind jene, auch in den ethnographischen Sammlungen häufigen, hübsch gestalteten Fellbüchschen für Antimonpulver, das von den Schönen dieser weit verbreiteten Völkerschaft zum Unterschminken der Augen gebraucht wird (s. Tafel 86 Abb. 12). - Ungemein mannigfaltig ist naturgemäß die Bewaffnung der vielgestaltigen Kameruner Bevölkerung. Unter den Angriffswaffen walten Keule und Messer vor bei den Fulbe und den von ihnen beeinflußten Völkern. Stumpfe, nur zum Hieb geeignete Schwertmesser (s. Tafel 86 Abb. 5) sind auch im südlichen Grasland im Gebrauch. Schon nach der Kongoprovinz hinüber neigen sodann die Hiebmesser von der Form der Abb. 8 Tafel 86 und der Wurfmesser Abb. 9 ebenda. Die Sudanstämme tragen kürzere Messer gern am Unterarm oder am Halse.

Dolchmesser mit hohlem Handgriff, ganz ähnlich dem in Abb. 4 Tafel 195 wiedergegebenen verwenden die Djikum, die Wute und manche andere Stämme Südwest-Adamauas. Eine sicher von Europa her beeinflußte Schwertform ist das sog. Haussaschwert, eine fast meterlange gerade Waffe, die stark an unser altes Ritterschwert erinnert. Stoßspeer und Wurflanze sind nahezu allgemein verbreitet. Bei den Reitervölkern des Sudans sind die Lanzen von beträchtlicher Länge. Bei einzelnen Stämmen des Waldlandes verfeuert man kurze vergiftete Spieße aus Gewehren auf Großwild. Der Bogen ist durchweg einfacher Natur. Asiatischen Einfluß zeigt er nur im Sudan, indem er hier zuweilen in der Mitte eingedrückt ist. Der Pfeil zeigt nirgends Befiederung. In der Spannweise des Bogens interessant sind die Wute. Diese besitzen einen recht kräftigen, langen Bogen, den sie nur sehr wenig straff bespannen. Aus diesem Grunde schlägt die Sehne beim Schuß schwer auf die linke Hand. Zu deren Schutz legen die Wute nun große, schön gepunzte Lederkissen um das Handgelenk (s. Tafel 86 Abb. 17), auf die die Sehne aufschlägt.

Das Spannen des Bogens selbst geschieht mit Hilfe einer Spannvorrichtung. Diese besteht entweder in dem Hohlgriff des oben erwähnten Dolchmessers, mit dessen hinterer Kante die Sehne zurückgezogen wird, oder in einem Holzbügel von der in der Tafel 86 Abb. 17 erkennbaren Form, der sich um die Mittelhand legt. Während die Sehne hinter dem Bügel ruht, sucht der Schütze den Pfeil mit den oberen Teilen von Daumen und Zeigefinger festzuhalten. - Der Vergangenheit gehört heute das Wurfmesser an, eine auf Nord- und Zentralafrika beschränkte Waffe, die, horizontal geschleudert, bei ihrer Rotation mit den ihr eigentümlichen Zacken den Gegner an unbedeckten Körperstellen verwunden sollte. Eine der einfacheren Formen ist in Abb. 9 Tafel 86 wiedergegeben. - Zweifellos fremd im Lande und von den Europäern entlehnt ist hingegen die Armbrust.

Sie ist den Fangstämmen eigentümlich, findet sich aber auch am Kamerunberg und am Mbam. Im äußeren Aufbau gleicht sie vollkommen der europäischen Armbrust. Prüft man hingegen den Abzugsmechanismus, so erkennt man sofort, die technische Hilflosigkeit des Negers. Der Schaft ist nämlich der Quere nach aufgespalten. In der unteren Hälfte ist ein Pflock befestigt, der in ein durch den Oberteil gebohrtes Loch eingreift und es vollkommen ausfüllt, sobald die beiden Schafthälften aufeinander liegen. Quer über das Loch des Oberschaftes hin liegt die Nute, in die die Armbrustsehne sich einlagert. Kommt der Pflock von unten, so treibt er die Sehne nach oben aus der Nute heraus; sie schlägt nach vorn und treibt das Geschoß davon. Auf diesem Aufbau beruht die Spannweise: man muß die Finger zwischen die Schafthälften klemmen, um die Sehne in die Nute legen zu können. Erst wenn man sie mühselig aus dem Spalt löst, tritt der Abzugsmechanismus in Kraft.

Trotz dieser vollkommenen Unzulänglichkeit des Baues ist die Waffe früher gefürchtet gewesen, besonders allerdings wohl wegen der stark vergifteten, kaum häkelnadelgroßen Pfeile. Heute ist die Armbrust Kinderspielzeug. - Unter den Schutzwaffen stehen Schilde und Panzer obenan. Jene sind sowohl tierischer wie pflanzlicher Abkunft, wobei Rindenschilde auf das Kumbohochland beschränkt sind, während die übrigen Formen anscheinend regellos durcheinanderlaufen. Nur der Lederschild ist dabei mehr auf den Sudan und Adamaua, beschränkt, während der Holzschild das Gebiet seiner größten Ausbreitung im Südosten hat. - Panzer sind oder waren nur im Norden verbreitet: Tierhautpanzer bei den Tuburi und Musgu, Wattepanzer für Roß und Reiter bei den regulären Truppen der Haussa, Kanuri und Fulbe, Eisenpanzer bei den Mohammedanern (s. Tafel 86 Abb. 23). Mit diesem Eisenpanzer vereint trägt man Metallhelme von der Form des in Abb. 10 der farbigen Tafel Kamerun, S. 200, wiedergegebenen. Der geistige Kulturbesitz sei hier nur kurz gestreift, da eine eingehendere Behandlung bei dem verfügbaren Raum ja doch nicht möglich ist. Über die Trommelsprache als eine der bemerkenswertesten Errungenschaften s. Duala. Die bildende Kunst äußert sich weniger in der Malerei als der Plastik; jene hat, allerdings unter dem Einfluß europäischer Farben, einen größeren Aufschwung nur bei den Duala genommen (s. farbige Tafel Kamerun, S. 196, Abb. 1,2 [Geheimbundmasken], 4 [Idol Ekongolo], 6 [Ruder], 7 [Bootmodell]); im übrigen beschränkt sie sich auch hier auf die farbige Verzierung von Gegenständen aller Art.

Um so allgemeiner ist dagegen in dem vom Islam unberührten Teile die Plastik; sie begreift alle die zahllosen aus Holz, Horn und Knochen geschnitzten Gegenstände, wie auch die Keramik und den Guß aus Messing und Bronze und läßt kaum irgendeinen Teil des Kulturgutes dieser südlichen Völker außer acht (Abb. 1 [Hausleiste], 3 [Speiseschüssel], 4 [Tanzmaske], 6 [Schemel], 7 [Jujukopf], 10 [Helm] und Abb. 1, 2 [Geheimbundmasken], 5 [Pulvergefäß] der farbigen Tafeln Kamerun, S. 196 u. 200, sowie Abb. 2, 3, 7, 19, 21, 22 der Tafel 86]). Die Neigung zu naturalistischer Darstellung ist im allgemeinen unverkennbar, wenn anders Anläufe zur Stilisierung bereits deutlich erkennbar sind. - Auf dem Gebiet der Religion kommt der den ganzen Norden beherrschende Islam ethnographisch kaum in Betracht. Wo er noch nicht hingedrungen ist, herrschen Zauberglaube, Animismus und Ahnenkult in sicher stets vorhandener, wenn auch noch nicht klar erkennbarer Wechselbeziehung. Vermutlich ist auch noch mit dem Totemismus zu rechnen. Ihren sichtbaren Ausdruck finden alle diese Gefühle der Abhängigkeit von höheren, überirdischen Mächten in zahlreichen Amuletten, Masken, Kopfaufsätzen, Fetischfiguren u. dgl. m. Bei den Duala und den Völkern um den Kamerunberg ist das Gefühl der Abhängigkeit von den Seelen der Verstorbenen zusammengeflossen mit der alten Einrichtung der Altersklassen und Männerbünde und äußert sich nunmehr in Gestalt der Einrichtung der Geheimbünde (s. d. bei Duala). Weiter im Norden, im Kreuzflußgebiet und auch Nigerien hinüber, finden wir hingegen die alles beherrschende Einrichtung des Juju. Der Begriff ist seinem Inhalte nach noch nicht klar zu erfassen.

Mit großer Wahrscheinlichkeit bedeutet es ursprünglich nichts anderes als das irokesische Orenda oder das melanesische Mana, also die dem Menschen, den Tieren oder selbst den Dingen innewohnende Zauberkraft, die man zum eignen Nutzen oder zu des Nächsten Schaden anwenden kann, sofern die eigne Zauberkraft dazu ausreicht. Später scheinen sich Geister- und Ahnenfurcht hinzugesellt zu haben, so daß gegenwärtig ein wahrer Wust von Vorstellungen mit dem Begriff des Juju zusammenfällt. Seine Träger sind auch hier Männervereinigungen in besonderen Jujuhäusern; äußerer Ausdruck des Kultus vielgestaltige Fetischfiguren, Masken und Kopfaufsätze, die man als zeitweiligen Sitz der wirksamen Kräfte ansieht, die man im Jujuhaus aufstellt, mit denen man tanzt und Umzüge veranstaltet, und vor denen man gegebenenfalls auch opfert. Die Abb. 1, 2 [Geheimhundmasken], 4 [Idol Ekongolo] und Abb. 7 [Jujukopf], 9 [Kopfaufsatz], 11 [Tanzmasken] der farb. Tafel Kamerun, S. 196 u. 200, sowie Abb. 3, 7, 19, 22 der Tafel 86 geben eine Auswahl von Figuren aus diesem Pantheon wieder. Weule.

 

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