Bevölkerung.

 

a) Weiße. Die ungünstigen klimatischen Verhältnisse schließen eine Besiedlung des Landes mit Europäern für absehbare Zeit aus. Da die Unterhaltung einer europäischen Kraft in den Tropen wesentlich kostspieliger ist als in Europa, tritt sowohl bei den Privat- als auch bei den Regierungsbetrieben immer mehr das Bestreben hervor, Europäer nur in leitender oder in Aufsichtsstellung, die billigeren eingeborenen Hilfskräfte aber überall da zu verwenden, wo sachliche und politische Rücksichten es gestatten. Anfang 1913 befanden sich im ganzen 368 Europäer im Schutzgebiet, darunter 67 Frauen. 320 waren Deutsche. Von den 300 erwachsenen Män nern waren 94 Regierungsbeamte, 76 Geistliche und Missionare, 8 Pflanzer, 26 Techniker, Bauunternehmer, Ingenieure, 9 Handwerker, 66 Kaufleute, 2 Seeleute, 19 gehörten sonstigen Berufen an. -

 

b) Farbige. Die eingeborene farbige Bevölkerung wird wie folgt geschätzt:
Ethnologisch sind bei der eingeborenen Bevölkerung Togos folgende Gruppen zu unterscheiden:

1. die Ewegruppe (s. Ewe);

2. die Guanggruppe (s. Guangvölker);

3. die Tschi (Asante) - gruppe (s. Asante). In Togo wird die Tschisprache (s. d.) von den, Bewohnern der Landschaft Apai gesprochen, welche von den in der Goldküste ansässigen Okwawuleuten abstammen, ferner von den Bewohnern der Landschaften Tapa (s. d.), Worawora, Guámang und Borada (s. Buem). Die Tschokossi (s. d.) sprechen eine aus der Tschisprache und anderen Idiomen zusammengesetzte Sprache. Daß sich die Tschisprache im westlichen Teil Mitteltogos, vor allem in Tapa und Buem Eingang verschaffte, ist auf den weitgehenden politischen Einfluß des mächtigen Asantereiches zurückzuführen. Aber auch nach dessen Zusammenbruch dauerte die Kulturbeeinflussung durch das Tschigebiet in Togo noch fort. Sie wurde gefördert durch die Basler Mission, welche vor Abgabe ihres früheren Missionsgebietes in Süd- und Mittel - Togo an die Norddeutsche Missionsgesellschaft und zwar in Kpandu, Kunja, Worawora und Adele die Tschisprache als Schulsprache eingeführt hatte. Aber auch zahlreiche aus dem Tschigebiet der Goldküste nach Togo vorgedrungene Händler, insbesondere die Kautschukhändler, trugen zur Verbreitung der Tschisprache bei. Es kann deshalb nicht wundernehmen, daß die Tschisprache im westlichen Teil Mitteltogos neben den einheimischen Idiomen die Bedeutung einer Verkehrssprache erlangt hat. Handelspolitisch erwies sich dies als nachteilig; neigte doch der Handel dazu, der Verkehrssprache zu folgen und eine Richtung nach der tschisprechenden Goldküste einzuschlagen anstatt nach der Togoküste. Dies gab der Verwaltung Veranlassung, darauf hinzuwirken, daß in Togo die Tschisprache als Schulsprache aus geschaltet wurde.

4. Timgruppe. Ihr gehören an die Bewohner von Tschaudjo (s. d.) einschließlich der Landschaften Bo, Fasau, Dako, Bafilo, Sudu und Adje (Kirikiri), die Kaburestämme (s. Kabure), der Bogongstamm (nördlich Nawuri), der Ntribú (oder Delo-, auch Lölostamm), wahrscheinlich auch noch der die Landschaften Dume und Tschetti bewohnende Stamm. -

5. Die Dagomba - Mossigruppe. Ihr gehören an der Stamm der Nanumba (s. d.), Dagomba (s. d.), Mamprussi (s. d.), Sanga, Kusas (s. d.), Difále, Lósso (s. d.) und Moba (s. d.). -

6. Die Gurmagruppe (s. Gurma). Ihr gehören an die nördlich Sansane - Mangu lebenden Gurmaleute, der Konkombastamm einschließlich Kumongu und Dje, die Bassariten einschließlich Bitjem, die Tschambaleute und wahrscheinlich auch die Ssola und Tambermaleute. -

7. Die Joruba gruppe. Ihr gehören an der Stamm von Atakpame, sowie die Bewohner der, östlich des oberen Ogu zwischen Gubi und Afem gelegenen Ortschaften. -

8. Die in Süd- und Mittel - Togo zahlreich vorkommenden, sprachlich meist isolierten Splitterstämme der Adele (s. d.), Akpafu (s. d.), Akposso (s. d.), Awatime (s. d.), Báïka (s. d.), Bakpéle (Likpé) (s. d.), Bogó (Achlo) (s. d.), Borada (s. d. u. Buem), Bowiri (s. d. u. Buem), Guámang (s. d, u. Buem), Kebu (s. d.), Lógba (s. d.), Lólobi (s. d.), Njangbó (s. d.), Santrokofi (s. d.), Tafi (s. d.), Tapa (s. d.), Tetémang (s. d. u. Buem) und Worawora (s. d. u. Buem). Die bisherigen Forschungen lassen noch nicht erkennen, welchen der bekannten größeren Völkergruppen sie ethnologisch zuzuteilen sind. Die Bewohner der Landschaften Njangbó und Tafi haben eine gemeinsame Sprache, die nach Funke eine Mundart der Awatimesprache ist; sie zeigt nach Seidel auch starke Verwandtschaft mit der Sprache der Bewohner von Lógba. Man darf die Bevölkerung der Landschaften Awatime, Njangbó, Tafi und Lógba wahrscheinlich als eine ethnologisch zusammengehörige Gruppe ansehen, die man zweckmäßig Awatime - Gruppe nennt. -

9. Die Ga - Völkergruppe (s. Ga.). Der Hauptteil der Bevölkerung lebt vom Ackerbau, zu dem in Nord -Togo noch die Großviehzucht tritt. Verschiedene Stämme haben einen regen Handelstrieb, vor allem die Ewe-, Tschaudjo- und Dagombaleute. Fast in allen Teilen des Schutzgebietes findet man auch mohammedische Händler aus dem Sudan; unter ihnen nimmt der Haussa (s. d.) die wichtigste Stellung ein. - In Süd- und Mittel - Togo sind die Eingeborenen politisch in zahlreiche kleine Stämme unter selbständigen Häuptlingen zersplittert. In Nord - Togo kommen mehrere Stämme vor, denen eine politische Organisation fehlt, nämlich die Konkomba, Kabure, Lósso und Tamberma. Anderseits kommen dort auch größere Staatenbildungen vor. Die wichtigsten sind das Tschaudjo-, das Dagomba- und das Tschokossireich unter Oberhäuptlingen in Paratau, Jendi und Sansane - Mangu. - Der weitaus größte Teil der Eingeborenen ist heidnisch. Die Zahl der eingeborenen Christen betrug nach dem Stande vom 1. April 1913 rund 23 000. Die Zahl der in Togo heimischen Mohammedaner wird auf 14 000 geschätzt.

 

Bevölkerung