2. Bodengestaltung

Einer der ausgeprägtesten Züge Afrikas ist der Mangel an Gliederung derjenigen Größenordnungen, wie sie etwa in den südeuropäischen Halbinseln und in deren größeren Gliedern hervortreten. Eine feinere Gliederung dagegen fehlt manchen Teilen der afrikanischen Küsten keineswegs; und zumal in D.-O. ist sie gut entwickelt: so daß hier eine größere Anzahl brauchbarer Häfen zu finden ist. Ihr Vorkommen erklärt sich zum großen Teil aus der jüngsten geologischen Geschichte des Landes (s. unten und Creek sowie Tafel 35, 36, 141, 187); es bedeutet einen besonders günstigen Umstand für die wirtschaftliche Entwicklung der Kolonie (s. Daressalam, Kilwa-Kissiwani, Lindi, Mikindani, Tanga und auch Mombasa).

Wenn so die horizontalen Formen den Eintritt in das Gebiet erleichtern, setzen ihm die vertikalen meist ziemlich bald gewisse Schranken. Ganz Afrika, besonders aber die südliche dreieckige Hälfte, zu der unser Gebiet gehört, hat steile Abfälle der Hochländer gegen meist schmale Küstensäume. Mit diesen Formen hängen die zahlreichen küstennahen und darum so verkehrsfeindlichen Wasserfälle der Flüsse (s. Tafel 38) dieser Gebiete zusammen. Es sind große Bruchzonen, die die äußeren Umrisse des Kontinents und die erwähnte Eigenart der vertikalen Gliederung bedingen.

Gerade in D.-O. tritt der uralte Festlandskern des Gondwanalandes (s. d.) weithin zutage. Seit dem Archaikum ist der größte Teil von D.-O. nicht mehr vom Meer bedeckt worden. Im Verlauf jener ältesten Periode und dem älteren Paläozoikum war auch hier die Erdkruste zu Hochgebirgen zusammengeschoben worden. Dieser Vorgang erstreckte sich ostwärts nicht mit gleicher Intensität bis in die Zone, die heute vom Usambara-, Pare-, Ulugurugebirge usw. (s. u.) eingenommen wird. Denn die Schichten dieser Gneishorste zeigen meist (s. Schollenland) geringe Störungen, abgesehen von Verwerfungen, meist Einfallen etwa nach Osten, selten über 30°. Zugleich mit der Faltung im heutigen Innern vollzogen sich gewaltige Tiefenergüsse, die zu Granit (s. Tafel 196) erstarrten. Tätigkeit von Wasser, Luft, Wärme und von Organismen im Verein hat dann im Lauf einer enorm langen Festlandsperiode die Gebirgsformen eingeebnet. Heute hegen statt des Gebirges im Innern Ostafrikas weite ziemlich ebene Flächen (s. Tafel 37), die die steil einfallenden, oft fast senkrechten Urgneisschichten quer abschneiden. Deren Streichen ist sehr häufig WNW-OSO bei steilem und südlichem Fallen; aber oft ist es auch ganz anders. Die Beobachtungen sind noch viel zu spärlich und ungleichmäßig verteilt, um einen sicheren Überblick über diese Erscheinung zu erlauben.

Ganz allmählich vollzieht sich der Übergang aus dem Gneis- in das Granitland. Gut 3/5 der Oberfläche von D.-O. bestehen aus Gneis und Granit und ihren lockeren Verwitterungsprodukten. - Von jener großen Auffaltung wurden auch Schichten betroffen, die jünger als der Gneis dem älteren Paläozoikum angehören dürften. Freilich sind aus diesen steil stehenden Tonschiefern des Livingstonegebirges (s. d.) und seiner Nachbarschaft, aus den intensiv zusammengekneteten Eisenquarzitschiefern (Itabiriten) des Gebietes südlich und östlich vom Victoriasee (s. d. und Ikoma, Usindscha, Ussukuma) und aus dem kleinen, noch wenig geklärten Vorkommen am Pindirobach (zum Mbemkuru, s. d., von N), 20 km von der Küste des Indischen Ozeans, bisher keine Versteinerungen bekannt. In der ganzen Folgezeit bis heute sind die Formen von D.-O. nicht wieder von Faltungen verändert worden. Nur sehr flach gewölbte Verbiegungen, ganz besonders aber Brüche und Bewegungen der Schollen an ihnen haben das Vorhandene und neu Hinzutretendes umgebaut. So weicht die Lagerung aller Schichten, die jünger sind als jenes ältere Paläozoikum, wenig von der horizontalen ab. Hierher gehören zunächst jüngere paläozoische und altmesozoische Ablagerungen, soweit sich das nach den spärlichen Versteinerungen feststellen läßt; sie treten meist als Quarzite, Tonschiefer und Sandsteine auf. Hierher gehört die Zwischenseenformation, die große Teile des Landes zwischen dem Victoriasee und dem zentralafrikanischen Graben einnimmt (s. d. und Zwischenseengebiet).

In einigen Gegenden von D.-O., so am Njassa (s. d. und Konde) gehören diese Schichten der Karruformation (s. d.) an. Ferner treten Sandsteine dieses Alters mehrfach unmittelbar westlich von einer geraden Linie auf, die durch Amboni (s. d.) und die Panganifälle des Rufiji geht. - Fast nur östlich von dieser Linie und ihrer Verlängerung nach der Gegend von Ssongea, andererseits bis dicht zur Küste hin treten die jüngeren Schichtgesteine vom mittleren Jura bis ins Tertiär hinein auf, zum Teil durch reichliche Versteinerungen gut bestimmt. Das Gebiet der jüngeren Sedimente hat also innerhalb von D.-O. etwa dreieckigen Umriß, ist im Norden schmal (s. Tafel 38), im Süden ziemlich breit. Es sei im folgenden als sedimentäres Vorland von D.-O. bezeichnet, oder auch kurz als Vorland.

Ältere Gesteine fehlen aber hier keineswegs, nur treten sie zurück. Im südlichen Vorland tritt viel Gneis auf (s. Tafel 37). Im Jura herrschen Kalke, Kalksandsteine und Mergel vor, sehr im Gegensatz zum kalkarmen Innern; die Schichten der Kreide bestehen meist aus Sandstein, während im Tertiär und im küstennahen Teil des Quartär wieder Kalke auftreten. Die ältesten in mariner Ausbildung bekannten Schichten dieser ganzen Reihe gehören zum unteren Dogger. Die weitere Entwicklung des Jura weist durch Meeresrückzug (Regression) hervorgerufene Lücken auf. Eine größere Festlandsperiode scheint etwa in der Mitte des Oberjura zu liegen; gegen das Ende dieser Periode tritt starke Transgression (Vorrücken des Meeres) ein. Die untere Kreide ist zunächst eine küstennahe Meeresablagerung. In ihr finden sich die Reste der Dinosaurier, deren ziemlich ausgebreitetes Vorkommen zuerst am Tendaguru (s. d.) aufgefunden wurde. - Entweder noch in die Zeit der unteren oder, nach anderen, in die der oberen Kreide fällt die Ablagerung der besonders zwischen Ungoni und der Küste weithin ausgedehnten, im wesentlichen terrestrischen Makondeschichten (s. d.), die vielleicht auf ein Wüstenklima hinweisen; es sind Sandsteine, zum Teil verkieselt, sandige Letten und Schiefertone.

Wohl erst im Eozän, dann auch im Jungtertiär ereignen sich wieder Transgressionen, die allerdings nicht weit ins Festland eingreifen. Die entsprechenden Kalke und Mergel sind bisher nur aus dem Küstengebiet südlich von Kilwa bekannt, vermutlich durch eine Verwerfung von den westlich angrenzenden älteren Sedimenten getrennt. An Jura, Kreide und Tertiär schließt sich westwärts, auf weiten Strecken Steilküste bildend, ein Saum von Riffkalken quartären Alters (s. Tafel 35). Diese gelegentlich bis zu 12 m über den Meeresspiegel aufragenden Wände sind ein sehr augenfälliger Beweis für ganz jungen Meeresrückzug; aber für dieselbe Periode sind auch Bewegungen im entgegengesetzten Sinn festgestellt, für die ja auch die Creeks (s. d.) sprechen. Beobachtungen bei Mombasa (Britisch-Ostafrika) zeigen sogar, daß solche Schwankungen im Ausmaß von mehreren Metern sich noch seit Anfang des 16. Jahrh. vollzogen haben. - An der Küste und ebenso über weite Teile des Vorlandes (s. o.) sind deckenförmig Geröll- und Schuttmassen, Lehme und Sande ausgebreitet, die Mikidanischichten (s. d.). Sie entstammen zum großen Teil einer Pluvialperiode, d. i. einer Zeit, die sehr viel regenreicher war als die heutige. Sie dürfte das Pleistozän eingenommen haben, also zeitlich mit den nordischen Eiszeiten zusammenfallen.

Deutliche Spuren einer gleichzeitigen Glazialperiode, in der die Schneegrenze etwa 600 m tiefer lag, die Gletscher 1000 m tiefer herabreichten, sind am Kilimandscharo (s. d. und Tafel 107) festgestellt. Wohl gegen Ende der Trias hatte sich östlich der heutigen Küste Ostafrikas, ihr etwa parallel, ein tiefes, langgestrecktes Meeresbecken gebildet. Madagaskar, das später nochmals mit Ostafrika zusammenhing, wurde erstmals abgetrennt. Das war der Anfang jener spätestens im mittleren Jura auf das heutige Ostafrika übergreifenden Bewegung, der ziemlich zahlreichen Wechsel von Senkungen und Hebungen des Landes. Wieder und wieder hat sich der Rand des Kontinents unter den Ozean hinabgebogen, um nach Bedeckung mit Sedimenten dem Land wieder angegliedert zu werden. Die sedimentären Schichten fallen im allgemeinen flach nach Osten ein; nur an dem alten, aus Urgestein bestehenden Festlandsrande zeigen sie gelegentlich steileres Fallen nach Osten, ein Zeichen für nachträgliche Aufwölbung jener Zone. Wiederholt scheinen die flexurartigen Verbiegungen sich so vollzogen zu haben, daß, während der östliche Teil unter den Meeresspiegel gesenkt wurde, der westwärts benachbarte Landstreifen ein wenig gehoben wurde, eine Art Schaukelbewegung. Bei diesen Vorgängen sind auch nicht selten Verwerfungen (s. d.) eingetreten, die N-S oder NNO-SSW streichen; meist ist der östliche Flügel abgesunken. Eine Begleiterscheinung dieser Bewegungen der Erdkruste war auch die Abtrennung der küstennahen Inseln.

Unter ihnen nehmen die drei größeren des Sansibararchipels, Sansibar (s. d.), Pemba (s. d.) und Mafia (s. d.) dadurch eine besondere Stellung ein, daß sie einen jungtertiären Kern besitzen. Diesen bedecken lockere Schichten festländischer Herkunft, die Quarz- und Gneisgerölle enthalten und vermutlich altquartär sind. Erst nach dieser Zeit ist die Abtrennung dieser Inseln erfolgt. Die sehr zahlreichen kleineren Inseln bestehen durchweg aus Quartär, besonders dem erwähnten Riffkalk, und sind im Wechsel der jüngsten Hebungen und Senkungen entstanden. Ein auffallender Zug des sedimentären Vorlandes von D.-O. ist der Mangel an größeren, einigermaßen ebenen Flächen. Der Küste zunächst, oberhalb des erwähnten kleinen Steilhanges, erstreckt sich allerdings meist ein Streifen ebenen Landes. Aber er ist selten auch nur 10 km breit und meist in kleinen Abständen von steil eingeschnittenen Schluchten zerschnitten. Nur wo Flüsse münden, die im Urgesteinshochland wurzeln, finden sich gelegentlich etwas breitere Alluvialebenen, so besonders im Gebiet des Rufiji (s. d.), der das einzige größere Delta bildet. Hier zieht sich auch zu beiden Seiten des Flusses eine beim Beginn des Deltas 15 km breite, stromaufwärts sich verschmälernde Ebene bis auf etwa 150 km Entfernung von der Küste hin. Die Küstenebene an der Mündung des Wami (s. d.) ist ebenfalls etwas ausgedehnter.

Viel weiter oberhalb haben die Anschwemmungen dieses Flußsystems den Grabeneinbruch zwischen dem Westhang Ulugurus und dem Steilrand von Ussagara und Nguru in die sog. Mkattaebene (s. d.) verwandelt. Im Unterlauf des Pangani (s. d.), mehr noch in dem des Rowuma (s. d.) finden wir auf dem Grunde eines steilwandigen tiefen Tales eine vom Fluß geschaffene Alluvialebene, in die er sein jüngstes Bett eingegraben hat. - Das sedimentäre Vorland in seiner Gesamtheit ist ein hügeliges und bergiges Land mit einer großen Mannigfaltigkeit der Formen; die höchsten Erhebungen finden sich im Süden. Abgesehen von dem allmählichen Übergang in das Ursteingebiet der Gegend von Ssongea, liegen diese Höhen der Küste verhältnismäßig nahe: es ist die Zone der Plateaureste und Plateaulandschaften, die mit Usaramo (s. d.) oder erst mit Matumbi (s. d. 1) im N beginnend nach S weit über den Rowuma reicht. Südlich von Kilwa erhebt sich das Kreideplateau der Muera zu 850 m, das Makondehochland zu 790 m Meereshöhe. Jenseits des schroffen Westabfalls dieser Plateaus, einer Schichtstufenlandschaft, ragen aus etwa 350 m hohem ebenem Land einzelne der aus Gneis bestehenden Inselberge (s. d. und Tafel 37), steil aufragende, nackte Felsmassen, sogar zu über 900 m Mh. empor.

Sie verdanken ihr Bestehen der besonders großen Widerstandsfähigkeit ihres Gesteins gegen Verwitterung und Abtragung; fluviative Erosion hat in ihrer Entstehungsgeschichte, die ziemlich verwickelt und noch umstritten ist, wohl die Hauptrolle gespielt. Im Dondeland (s. d.) steigen flache Höhenrücken bis zu etwa 700 m auf. - Die weiten, welligen Flächen des Hochlandes von D.-O., so z. B. die von Unjamwesi (s. d.), dürften sich im Verlauf ihrer Entstehung aus einem Gebirgsland (s. o.) allmählich dem Niveau des Meeresspiegels auf geringen Abstand genähert haben; seine heutige Höhe von durchschnittlich fast 1500 m verdankt das Urgesteinsland jungem Wiederaufleben älterer Krustenbewegungen, die es über das Vorland bedeutend emporhoben. Diese Vorgänge sind ebenso wie die Ausbildung der großen Bruchsysteme im Innern des Hochlandes in der Hauptsache tertiären, zum Teil wohl erheblich jüngeren Alters. Das läßt sich in erster Linie aus den außerordentlich steilen, jugendlichen Formen vieler dieser Brüche schließen, ferner u. a. aus der Unfertigkeit der heutigen Entwässerung (vgl. 3. Gewässer, ferner Ostafrikanische Bruchstufe und Usambara).

Eine Möglichkeit, die Zeit der Brüche und der mit ihnen oft eng verknüpften jungvulkanischen Vorgänge (s. u.) genauer zu bestimmen, wird sich vielleicht durch die Verfolgung der neuen Säugetierfunde von Olduwai (s. d.) ergeben, die zumeist ins Pleistozän gehören dürften. Auch die neuen Funde im Osten des Victoriasees auf britischem Boden (Säuger und nichtmarine Mollusken des untern Miozän) werden wohl die Lösung dieser Fragen beeinflussen. Die durchschnittliche Richtung der ostafrikanischen Brüche ist etwa nordsüdlich, doch kommen alle Übergänge bis zu ostwestlicher vor. Man hat versucht, die Linien in zwei Hauptsystemen, einem NNW-SSO streichenden, dem erythräischen (Richtung des Roten Meeres), und einem NNO - SSW streichenden, dem Somalisystem, unterzubringen, ohne daß dadurch die umbildenden Vorgänge bisher dem Verständnis näher gebracht worden wären.

Doch kann kein Zweifel sein, daß diese Brüche des Innern in irgendeinem ursächlichen Zusammenhang mit den Bewegungen stehen, die sich während der Entstehung des Vorlandes an jenem zeigten. Der Gedanke an eine große Zerrungserscheinung, die durch den allmählichen Einbruch des Indischen Ozeans hervorgerufen wurde, liegt nahe. Freilich ist der Vorgang, wie gerade die Geschichte des Vorlandes zeigt, zum mindesten sehr verwickelt. - Die Bruchlinien und ihre Verknüpfung mit jungvulkanischen Massen sind ein sehr auffallender Zug in den Formen Ostafrikas; das gilt ganz besonders für das paarweise Auftreten ausgedehnter, einander annähernd paralleler Brüche und Bruchsysteme, zwischen denen sich ein Graben (s. Schollenland) gebildet hat. Die Gräben werden zum großen Teil von Seebecken ausgefüllt.

So liegen der Tanganjika und Kiwu im Zentralafrikanischen Graben (s. d.). Ein anderes gewaltiges System derart, der große Ostafrikanische Graben (s. d.), berührt, von Norden kommend, nur gerade noch das Gebiet von D.-O. Seine westliche Wand dagegen setzt sich als Ostafrikanische Bruchstufe (s. d. und Tafel 159), mit anderen Brüchen kombiniert, bis etwas über Kilimatinde hinaus fort. In beiden Grabensystemen herrscht zwar die Nordsüdrichtung vor. Es treten aber sehr starke Abweichungen auf. Etwa NO-SW-Richtung haben die Brüche, die westlich von der Ostafrikanischen Bruchstufe den Njarasa und den Hohenlohegraben einschließen (s. diese). - Systeme nordsüdlicher Brüche prägen dem Gestade des südwestlichen Victoriasees und dem benachbarten Hochland ihren Stempel auf. Der im übrigen sich etwa von Norden nach Süden erstreckende Graben des Njassasees (s. d. und Tafel 115) schwenkt in dem vom Nordende des Sees eingenommenen Stück in nordwestlicher Richtung ein und wird in seiner Fortsetzung von dem Rukwasee (s. d.) eingenommen.

Von diesem Graben zweigt sich der in mancher Hinsicht noch unklare des Großen Ruaha rechtwinklig nach Nordosten ab; er ist vermutlich viel älter wie die meisten anderen Gräben Ostafrikas. Da wo die beiden letztgenannten Gräben zusammenstoßen, sind mächtige jungvulkanische Massen der Erdkruste entquollen, die Hohlform ausfüllend und überwallend. Dies Vulkangebiet von Ober-Konde, das im Rungwe mit 3175 m gipfelt, war vielleicht noch vor 1000 Jahren tätig.

Eine ähnliche Lage besitzen die zum Teil noch heute tätigen Virunga (s. d.), die im Karissimbi 4460 m erreichen. Sie sperren den Zentralafrikanischen Graben nördlich des Kiwu ab. Auch das ausgedehnteste Vorkommen jungvulkanischer Massen in D.-O., das sich vom Kilimandscharo (s. d.) und Meru (s. d.) westwärts insgesamt über mehr als 300 km bis weit über die Ostafrikanische Bruchstufe hinaus erstreckt, liegt quer zur Richtung der Bruchstufe. Es besteht aus Vulkanbergen und vulkanischen Decken, schließt den Njarasa und den Hohenlohegraben nach Nordosten zu völlig ab. Der Kilimandscharo (s. Tafel 107), der mit 6010 m der höchste Berg Afrikas ist, und der noch tätige Meru (4630 m, s. Tafel 141) bilden den Ostflügel dieser Vulkangegend. Ihr Gebiet ist nach S durch Brüche begrenzt. Nordwestlich vom Meru, am Fuß der Bruchstufe liegt der ebenfalls leicht tätige Oldoinjo Lengai (s. d.).

Während hier nicht weniger als 30000 qkm jungvulkanischen Landes zu D.-O. gehören, treten weiter südwärts in der Nachbarschaft der Bruchstufe nur noch vereinzelte jungvulkanische Bildungen auf, wie z. B. der Hanang (s. d.) mit 3402 m. Der Beginn der Entstehung all der genannten Vulkangebiete fällt ins Tertiär, ebenso wie die der Gräben. Doch mag die erste Anlage einiger dieser Senken älter sein, was z. B. für den Tanganjikagraben gelten dürfte. An der Ostgrenze des zentralen Hochlandes haben die großen Störungen, Brüche und zum Teil wohl auch Flexuren, hauptsächlich zwei Formentypen geschaffen. Die einen Urgesteinsschollen brechen mit einseitigem Steilabfall nach O und SO hin ab; ihre höchsten Teile liegen dem Rand benachbart, die Abdachung nach Westen ist viel sanfter. Hierher gehören Nguru, Ussagara, Uhehe (s. d.).

Andere Schollen dagegen sind fast allseitig von Brüchen umgebene Horste (s. Schollenland). Derartige Formen größeren Ausmaßes sind von Norden nach Süden: das Paregebirge (s. Pare), die beiden Usambara (s. d.), getrennt durch den Luengeragraben, und Uluguru (s. d.). Zweifelhaft ist in dieser Hinsicht die Stellung der noch ganz wenig untersuchten Gneisscholle von Upogoro (s. d.). Eine Art südlicher Fortsetzung der vorgenannten Schollen bilden auch die Hochländer von Ubena (s. d.) und Ungoni (s. d.); ihnen fehlen aber ausgeprägte randliche Steilhänge. Die meisten dieser Gebilde haben eine vorwiegend nordsüdliche Längserstreckung, entsprechend der Richtung derjenigen Brüche, die am meisten zur Entstehung der Formen beigetragen haben. In ihrer Gesamtheit allerdings ordnen sich die genannten Schollen etwa von Nordnordosten nach Südsüdwesten an, d. h. eben an der Grenze des kristallinen Gebietes gegen das sedimentäre Vorland. Dies Grenzgebiet ist also keineswegs eine einheitliche Mauer.

In seiner Gesamtheit wird es auch Ostafrikanisches Randgebirge (s. d.) genannt. In den Horsten und in den von Brüchen begrenzten Rändern, auch in denen des Zentralafrikanischen und des Njassagrabens, steigt das altkristalline Land bis über 2000 m auf: in Usambara, Uluguru und Uhehe erreicht es 2300, 2650, 2500, östlich des Kiwu 2800, im Livingstone-Gebirge (s. d.) am Njassa 2933, im Longido (s. Kilimandscharo) 2620 m. Die durchschnittliche Höhe der meist welligen und hügeligen zentralen Flächen des Hochlandes ist etwa 1200 bis 1300 m. Auch die weit nach Nordosten vorgeschobene Hochfläche der Massaisteppe mit ihren Inselbergen dürfte diese Durchschnittshöhe haben. Im Gegensatz zum übrigen Hochland ist dieser Teil nicht ostwärts durch eine Bruchstufe begrenzt, sondern steht durch einen Abstieg in breiter Pforte, zwischen Usambara und Nguru, mit dem Vorland in Verbindung.

Abgesehen von den Gegenden der Bruchstufen, der Landstufen und der jungvulkanischen Bildungen tritt anstehendes Gestein in D.-O. verhältnismäßig selten zutage. In weiten Gebieten ist das Felsgerüst bis zu Tiefen von 30 m, vielleicht sogar bis zum doppelten Betrag, unter der heutigen Oberfläche verwittert. Zur Bildung eines so mächtigen Eluviums (s. d.) sind lange Zeiträume nötig; der Beginn der Entstehung der Massen, die die unzertalten Hochflächen des Innern bedecken, liegt wohl im frühen Tertiär. Nach Flächenausdehnung und Tiefe tritt diese Erscheinung in den Tropen viel stärker als in andern Zonen auf. Gelbe bis ziegelrote bis schokoladenfarbene Töne hat diese Roterde (s. Rotlehm) der Tropen. Zu ihrer Entstehung wirken zusammen die sehr reichliche Durchfeuchtung des Bodens - zum mindesten während der einen Hälfte des Jahres - bei hoher Temperatur, die Armut der Tropen an Humus und auch der verhältnismäßig hohe Gehalt des Regenwassers an salpetriger Säure. Häufig ist die Roterde zu Laterit (s. d.) umgebildet. - Die Eluvialböden sind zum großen Teil recht fruchtbar, übertreffen darin viele umgelagerte Böden, also alluviale, zumal wo diese sandig ausgebildet sind. Als sehr ergiebig erweisen sich nicht selten dunklere Alluvionen längs der Wasserläufe.

Bodengestaltung