Bodengestaltung

 

Wir können innerhalb des Schutzgebiets verschiedene Hauptlandschaften unterscheiden, die durch ihren Aufbau deutlich voneinander geschieden sind. Das Küstenland, das Groß - Namaland, das Hereroland einschließlich des Kaokoveldes (s. die diese Landschaften behandelnden Artikel) und endlich das Gebiet der großen Nordebenen bilden ebenso viele geographische Provinzen. Manche trennen von diesen noch das Gebiet der Kalahari. Doch ist dies nicht in allen seinen Einzelzügen von den benachbarten Gebieten zu trennen, wenn man es nicht in seinen weitesten Grenzen als das Gebiet der vorwiegend von Sandböden eingenommenen Ebenen auffaßt.

In diesen aber wechselt wiederum der orographische Bau dergestalt, daß man es ebensogut den benachbarten Ländern angliedern kann. Indessen sind auch dem ganzen Schutzgebiet einige Züge des Baues gemeinsam. Betrachten wir es als einen Teil von Gesamtsüdafrika, so stellt D.-S. den erhöhten Westrand der gewaltigen inneren Mulde dar, deren südlicher Teil durch das Becken des Oranjeflusses, deren nördlicher durch die abflußlose Mulde der nördlichen Kalahari gebildet wird. Da auch auf der Westseite des südafrikanischen Dreiecks, ganz wie in seinem Süden und Osten, dieser Hochrand in der Nähe des Ozeans parallel zu der Küste emporragt, so nimmt die Abdachung zum Meere weit geringeren Raum ein als das zur Kalahari absinkende Gebiet.

Damit entfällt zugleich, genau wie im britischen Südafrika, nur ein Teil des Ganzen auf das in Bau und Höhe starkem Wechsel unterworfene Gelände, während ein sehr bedeutender Teil von fast ganz ebenen Landschaften eingenommen wird. Diese umfassen allein im Innern des Schutzgebietes eine zusammenhängende Fläche von der Größe des Königreichs Preußen. Entsprechend dem geologischen Bau des Landes überwiegt aber selbst in dem stärkerem Wechsel unterworfenen Gebiet die Form der Ebene oder des flach gewellten Landes so sehr die deutlicher geneigten Flächen, daß man ohne Übertreibung den größten Teil von Südwestafrika als eben bezeichnen kann, ein Umstand, der sich in der Natur des Landes, im Klima, in der Verbreitung der Gewächse, ja auch im Charakter der Tierwelt und selbst in dem Verhalten der Bevölkerung in vielen Einzelheiten wirksam zeigt, und der darum hier nicht übergangen werden darf.

Ebenso wie im Osten ist auch- in dem deutschen Westen von Afrika das Fehlen oder wenigstens die ungemeine Seltenheit echter Gebirge mit all ihren Folgen bezeichnend; das Hochland, vielfach die Hochebene im engeren Sinne, überwiegt alle anderen Charakterformen hoher Gebiete auch in den nach dem Atlantischen Ozean zu sich senkenden Teilen des Schutzgebietes. Zu diesem Grundzuge im Aufbau des Landes gesellt sich die außerordentliche Meereshöhe.

Noch nicht ein Viertel des 830 000 qkm umfassenden Landes liegt weniger als 1000 m hoch über dem Meeresspiegel, ein Süddeutschland an Ausdehnung annähernd gleichkommender Teil erhebt sich zu mehr als 1500 m über die See. Selbst die großen Ostebenen sinken außer im äußersten Norden und im Süden des Siedlungsgebiets nicht unter 1200 m herab. Daß auch dieser Umstand sich im Klima unserer Kolonie, insbesondere im Gange der Temperatur, in einheitlichen Wirkungen in jeder größeren Landschaft zur Geltung bringt, erscheint selbstverständlich. Schließlich hat diese Ähnlichkeit in den großen architektonischen Linien der Landschaft auch noch eine wichtige Folge für das Leben des Menschen. Dem Verkehr im Schutzgebiet werden auf diese Weise einige eigenartige Züge aufgeprägt, die den in Mitteleuropa geltenden natürlichen Gesetzen der Verkehrsentwicklung geradezu entgegengesetzt sind. Einmal ist für die Transportmittel des Landes, einerlei ob es sich dabei um Wagen oder Eisenbahnen handelt, die Überwindung der küstennahen Gebiete von jeher mit größeren Schwierigkeiten verknüpft gewesen als die Bewältigung der das Innere durchziehenden Richtlinien der Güterbeförderung, wobei hier natürlich nur der orographischen Hindernisse zu gedenken ist.

Zweitens aber, und auch das ist bezeichnend, gilt auch in Südwestafrika das verkehrsgeographische Gesetz in hervorragendem Maße, nach welchem die Täler eines Plateaugebietes, nicht aber seine Höhen die wahren Hemmnisse für unsere modernen Beförderungsmittel bedeuten. Ohne Zweifel hat auch diese Eigentümlichkeit des Landschaftsbaues zu der oben berührten Hinausschiebung engerer Beziehungen dieses Landes zu den Nachbargebieten und vor allem zur See das Ihrige beigetragen. Das ergibt sich schon daraus, daß die Anfänge der Kultur, sowohl der geistigen (Mission) wie auch der äußeren (Handel) eher von Süden nach Norden als von Westen nach Osten vorgedrungen sind. Noch ein letzter dem ganzen Schutzgebiet gemeinsamer Zug läßt sich feststellen.

Er beruht aber nicht sowohl auf der äußeren Gestaltung der Landschaft als vielmehr auf dem inneren Bau ihres Felsgerüstes. In dem zum Atlantischen Ozean absinkenden Gebiet ist es das Überwiegen des Urgesteins, dem nur wenig jüngere Schichten aufgesetzt sind, in dem ganzen Gebiet der inneren Ebenen ist es. die ungeheure Verbreitung jüngster Schichten, vor allem der endlos weiten Sanddecke, die man geradezu als Charakterformationen bezeichnen kann. Man kann auf Grund unserer jetzigen, übrigens noch mangelhaften Kenntnis der Gesteinszusammensetzung im Schutzgebiet annehmen, daß die älteren Sedimente nur ein Sechstel des ganzen Landes bedecken. Ihresgleichen sucht die Sandebene des Kalaharigebiets, die in ununterbrochenem Zusammenhange ein gutes Drittel des ganzen Schutzgebiets einnimmt.

Ein weiteres Kennzeichen der Eigenart dieser Kolonie, übrigens eines, das sie mit vielen anderen Ländern des Weltteils Afrika gemeinsam hat, ist die Seltenheit tiefgreifender Störungen in den geschichteten Gesteinen. Ein Grund für die Häufigkeit des tafelförmigen Auftretens dieser Massen, das sie zu den schärferen Formen, denen wir namentlich in den Gneisgebieten des Innern begegnen, in einen deutlich erkennbaren landschaftlichen Gegensatz bringt. - Wenden wir uns nunmehr der Bodengestaltung der Hauptlandschaften zu. Da ist es zunächst die große Wüstenlandschaft des Westens, die Namib (s. d.), die unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Und hier ist es wieder die Küste im engsten Sinne, die zunächst einiger Ausführungen über ihre Gestalt bedarf. Gleichzeitig ist es aber auch das Meer selber, dessen Eigenart die ihm benachbarten Striche in mannigfachster Weise beeinflußt. Kalte Gewässer, von Dunst und vielfach von dichtem Nebel überlagert, bespülen eine Uferlinie, der jede große Einbuchtung fehlt.

Selbst die bedeutendsten unter den vorhandenen, wie etwa die Lüderitzbucht, schneiden im rechten Winkel zur Streichungslinie der Küste nur um etwa 10 km in diese ein, was bei einer Länge derselben von mindestens 1300 km so gut wie gar keine Entwicklung bedeutet. Zu der Seltenheit merkbarer Einschnitte kommt aber als weitere ungünstige Erscheinung die von Süd nach Nord wirkende Drift, die zu den großartigsten Sandverschiebungen und damit zu einer unglaublich schnellen Veränderung dieser wenigen Buchten führt, wie sie L. Schultze an dem Beispiel von Sandwichhafen festgestellt hat. Wird der verkehrshemmende Bau der Westzone schon durch diesen Umstand sinnfällig genug, so bedarf es selbst nur einer oberflächlichen Betrachtung der Bodengestaltung in den nach Osten zu rasch ansteigenden Namibgegenden, um zu erkennen, daß wir es hier nicht allein in klimatischer und pflanzengeographischer Hinsicht, sondern selbst im Bau des Landes mit einer Wüste in vollster Bedeutung des Wortes zu tun haben.

Allerdings wird dabei ein sehr erheblicher Unterschied zwischen dem Süden und dem Norden dieser Folge menschenleerer Einöden deutlich, der aber wieder in der Verschiedenheit des Bodenreliefs seine Ursache hat. Im Norden sinkt nämlich das Hochland des Innern nach dem Ozean zu ab. Wie breite Pfeiler und Bastionen treten seine Ausläufer auf die steinigen Ebenen der Küstenzone hinaus, und zwischen ihnen ziehen die Täler selbst großer Riviere dem Meere entgegen, ebenso viele durch kräftigeren Pflanzenwuchs bezeichnete Oasenlinien außerhalb der Wüste. Der letzte von ihnen, der Kuiseb, bildet zugleich die Grenze der nördlichen und der südlichen Namib. - Diese Regenflüsse haben neben ihrer Bedeutung für die Pflanzen- und die sonstige Lebewelt eine solche auch für die Bodengestaltung selbst. Abgesehen v on den tiefen Einschnitten, in denen wir die Arbeit des Wassers in geologischer Vorzeit nicht verkennen dürfen, wirken sie hemmend auf die vor dem Winde hergetriebenen Sandmassen.

Namentlich der Swakop zeigt uns diese Seite der Tätigkeit großer Riviere innerhalb der Namib in großem Maßstabe. Während der nur selten abkommende, d. h. oberflächlich fließende Kuiseb (s. d.) nicht vermocht hat, die seinen Unterlauf erfüllenden Sandberge hinwegzuschaffen, befördert der viel öfter und weit stärker abkommende Swakop (s. d.) den in sein breites Bett hineingewehten Sand von Zeit zu Zeit in das Meer; sein Unterlauf bildet deshalb die Grenze der von Süden heranrückenden Dünenregion. - Ganz anders im Süden, wo infolge der nordsüdlichen, also der Küstenlinie parallelen Streichungsrichtung der Hochländer im Innern eine Ausbildung starker, westlich ziehender Riviere nicht mehr stattgefunden hat. - Infolgedessen ist nicht nur niedrige Flugsandbedeckung, sondern die Bildung ganzer Dünenlandschaften von gewaltiger Mächtigkeit erfolgt, die das unter ihnen ruhende Urgestein bisweilen tief unter sich vergraben haben.

Kein vom Hochlande herabkommender Regenfluß ist imstande gewesen, diese Sandgebirge zu durchbrechen oder gar ihrem weiteren Vordringen Halt zu gebieten. So hat sich die gänzlich leere und tote Wüstenlandschaft mit all ihren furchterweckenden Merkmalen (Pflanzen- und Wasserarmut) in der Südhälfte des Namib am weitesten in das Innere hinein ausgebreitet, ganz abgesehen von den klimatischen Gründen, die auch dazu führten, und so wirkte die neuerdings erfolgte Auffindung von Lagerstätten des wertvollsten unter allen Edelsteinen gerade in diesem Gebiet dank der durch nichts abzuschreckenden Energie des Menschen um so größere Wunder, als man sie auf Grund des bis jetzt bekannten inneren Baues dieser Ödlandschaft hier am allerwenigsten hatte vermuten dürfen. Entsprechend den bisher berührten Grundlinien im orographischen Bau der südlichen Namib erfolgen auch die Anstiege hier stärker und unvermittelter als in dem Wüstengebiet nördlich vom Kuiseb. Nur 100 km brauchen wir von Lüderitzbucht aus zurückzulegen, um den Boden von Groß - Namaland in einer Meereshöhe von 1400 -1500 m zu betreten, dort, wo bereits kleine Riviere dem Koankiprivier (s. d.) ihr weniges Regenwasser zusenden.

Man bedenke, daß man, um die gleiche Höhe im Norden zu erreichen, auf dem Hochland des Swakop in gerader Linie 250 km landeinwärts wandern muß, während man im nördlichen Hereroland in der gleichen Meeresentfernung erst die Höhe von rund 1200 m antrifft. - Für die Bodengestaltung des Groß-Namalandes ist also die gleiche Richtung der den äußeren Bau bestimmenden Linien maßgebend, wie wir sie soeben in der südlichen Namib kennen gelernt haben. Der Norden dieser geographischen Provinz im weitesten Sinne des Wortes wird noch von den südlichen Teilen des mächtigen zentralen Hochlandes von D. - S. eingenommen.

Übrigens gibt die in dem gewaltigen Auasgebirge (s. d.) am höchsten aufragende Wasserscheide, die sich in dem Südrande des Komaslandes (s. d.) nach Westen zu fortsetzt, eine recht gute Grenze auch für das Groß-Namaland ab. Denn dieses ist, wenn wir aus dem oben erwähnten Grunde von einer Absonderung der Kalahari absehen, das einheitliche Gebiet der dem großen Oranje (s. d.) zugehörigen Flüsse, denen allen die vorwiegende Südrichtung charakteristisch ist. - Wir haben nun im Namalande ebenso wie im Hererolande zwei verschiedene Landschaftstypen vor uns, einen westlichen, gebirgigen, und einen östlichen, durch die völlige Herrschaft der Ebene ausgezeichneten, den man, vom inneren Bau ausgehend, eben als den Anteil des Hottentottenlandes an der Kalahari anzusehen hat.

Die erste der beiden Landschaften läßt sich schon in ihrer äußeren Erscheinung leicht als ein einheitliches Gebiet erfassen. Vom zentralen Hochlande ausgehend gelangt der nach Süden Wandernde in eine mit diesem weder nach Aufriß noch nach der Zusammensetzung der Gesteine zusammenhängende Folge nordsüdlich ziehender Schichten, in denen ältere Kalksteine, Schiefer und Sandsteine überwiegen. Diese langen Tafeln begleiten die ebenfalls nordsüdlichen Senken der Flüsse etwa vom 24° s. Br. an bis in die Nähe des Oranjetales, wobei allerdings zu beachten ist, daß die Porphyrmassen der Naukluft (s. d.), die auch hydrographisch dem Groß Namaland fernstehen, außer Verbindung mit diesem mächtigen Tafellande zu denken sind.

Die oft sehr langgestreckten, steilwandigen, aber auf der Hochfläche weniger wechselnd gestalteten Plateaus werden durch eine tiefe Spalte, deren südlichen Teil der Koankipfluß durchzieht, in einen westlichen und in einen östlichen Zug getrennt und steigen im Mittel nur auf 1500 bis 1600 m an. Dagegen liegt die Talspalte um mehrere hundert Meter über der Sohle des das Gebirgsland im Osten begleitenden Tales des Großen Fischflusses (s. d.), das im Osten bereits in ein flacheres Hochland überleitet. Aus diesem erheben sich im lernen Süden, da wo es jenseits des Löwenflusses nur noch 1100 m mittlere Höhe besitzt, die Massen der Kleinen und der Großen Karasberge (s. d.), die letzteren als wildes Bergland bis zu 2200 m. - Nördlich vom Löwenflusse und im Nordosten von Keetmanshoop beginnt jene endlose Folge tiefgründiger Sandebenen, in denen nur hier und da die Kalke der jüngeren geologischen Vorzeit eine gewisse Verbreitung finden und die man als Kalaharilandschaft bezeichnet. Dünen bilden in diesen Gegenden die einzigen Erhöhungen des Bodens über die sonst unabsehbare Fläche.

Und durch diese riesigen Steppen ziehen in südöstlicher Richtung die Zuflüsse des Nossob wie dieser selbst dahin. Verschwunden sind die tiefen, von steilen Bergrändern begleiteten Täler des westlichen und südlichen Namalandes, verschwunden ist aber auch der felsige Grund, der an vielen Stellen selbst innerhalb der großen Rivierbetten zutage tritt. Kurz, der Charakter des östlichen Namalandes entspricht weit eher dem Bau des östlichen und nordöstlichen Hererolandes, wenngleich das Gefälle des Bodens hier noch ein wenig stärker ist als dort. Bei der inneren Zusammensetzung der Gesteine darf im Großen Namalande es uns nicht wundern, wenn hier weit weniger wichtige mineralische Vorkommnisse zu erwähnen sind als im Hererolande.

Nur an einer Stelle, der Sinclairmine, sind bisher Kupfererze im eigentlichen Namalande aufgeschlossen, und diese liegt, ebenso wie die Fundstellen im Gebiet der Rehobother Bastards, außerhalb der Sedimentgebirge, gehört vielmehr eigentlich schon der Zone der Namib an. Das Hereroland charakterisiert sich in seinem Bau durch einige Züge, die in seinem geschichtlichen und in seinem wirtschaftlichen Entwicklungsgange in mancher Hinsicht ihre Folgen erkennen lassen. Es sind dies einmal die größere Aufgeschlossenheit nach dem Westen, die wenigstens dem Süden dieses Gebiets eine bevorzugte Stellung sicherte, ferner das Fehlen eigentlich trennender Landschaften, denn die meisten der Hochgebiete im Norden tragen diesen Charakter nicht so sehr wie die Tafelländer im Groß- Namalande; zu diesen Besonderheiten kommt aber noch das Vorwiegen der Ebene schon im mittleren Hererolande, für ein Volk von Rinderhirten, wie es die dunkeln Eindringlinge aus dem Norden waren, eine außerordentliche Begünstigung durch die Natur, die ihnen nördlich vom zentralen Hochgebiet eine ungehinderte Ausbreitung gestattete. - Im übrigen haben wir in dem von uns als Hereroland im weiteren Sinne zusammengefaßten Gebiet einige Sonderlandschaften zu unterscheiden.

Da ist zunächst das schon mehrmals erwähnte zentrale Hochgebiet, dessen Süden wir noch zum Groß-Namalande rechneten. Auch nördlich der von uns gewählten, durch den Südabfall des Komaslandes und durch das Auasgebirge gebildeten Grenzlinie gehört dieser gewaltigen Erhebungsmasse noch ein recht beträchtlicher Teil von Südhereroland an. Bildet doch allein das Komasland (s. d.) mit dem zwischen den Auas- und den Onjatibergen (s. d.) bis zum 18° ö. L. weiterziehenden Hochlandkern eine 10 000 qkm umfassende Landschaft von mehr als 1700 m mittlerer Höhe.

Um einen Begriff von der Bedeutung dieses zentralen Hochgebietes zu geben, genüge die Angabe, daß es, über ganz Deutschland gleichmäßig verteilt, dessen mittlere Höhe um rund 130 m vermehren würde! - Während aber in den zum Namalande absinkenden Teilen dieses riesigen Hochgebiets bequeme Wege nur nach Süden führen, ist es in dem dem Hererolande zufallenden Anteil sowohl nach Norden wie auch nach Osten zugänglich. Die breite Talsenke des Windhuker Riviers leitet den Verkehr von Norden her bis in das Herz des Hochgebiets, und, auch hierin liegt ein bestimmender Grund zu der hier gewählten Einteilung der Landschaft. In diesem Kerngebiet liegen endlich auch seine größten, in dem Auas- und dem Onjatigebirge weit über 2000 m emporsteigenden Höhen.

Die steile, bis 1900 m aufragende Umwallung des Komaslandes schließt dieses in gewissem Sinne gegen die leichter von Norden und Osten zugänglichen Flächen und Riviergebiete ab; schon aus diesem leicht verständlichen Grunde war selbst in den Zeiten ihrer größten Ausbreitung der Ostrand des genannten Hochgebiets die Grenze des tatsächlich von den Herero besetzten Gebiets und ein Schutz für die jenes Land durchstreifenden Horden von Haukoin oder Bergdamaras, während die zu den Bantu gehörenden Eindringlinge ihre Werften und Viehposten in günstiger Zeit, durch den Bau der Landschaft in keiner Weise behindert, bis in das Quellgebiet der Nossobflüsse vorzuschieben vermochten.

Auch die Höhe der Täler und Paßlinien ist bezeichnend für die Massenhaftigkeit der Erhebungen auf der Nordseite der erwähnten Linie. Gehen wir von der Mitte des Komaslandes, von Heusis in 1700 m Seehöhe aus, so steigen wir bei Ongeama über den 1900 m hohen Rand des Komaslandes in das Tal von Groß-Windhuk, das unterhalb des Ortes 1630 m über See liegt. Von dort haben wir jenseits Klein-Windhuk und Awis abermals Randhöhen von rund 1900 m zu übersteigen, die uns in das wellige Hochland am Elefantenfluß führen, das noch 50 km östlich von Windhuk die gleiche Höhe über See besitzt wie dieser Ort. - Den Hauptvorzug im Bau des Hererolandes hat man nun in der breiten Trennungszone zu erblicken, die sich, vom Swakoptale durchzogen, zu beiden Seiten von 22° s. Br. vom 17° ö. L. an nach Westen erstreckt.

Sie erschließt das Gebiet dieses Flusses vornehmlich nach Norden, wo nur leichte Bodenwellen das Gelände durchziehen, das auf weite Strecken ebenen Charakter trägt. Hier war demnach nicht allein der gegebene Weg für eine Eisenbahn, auf dessen Bedeutung K. Dove aufmerksam machte, als noch die alte über Tsaobis- Wilhelmsfeste führende Straße vorwiegend im Gebrauch war. Hier setzt sich das flachere Land bis weit in die Hochflächen des mittleren Hererolandes hinein fort, so nördlich vom Swakop im Gebiet von Karibib um rund 100 km. Hier war darum der bequemste Verkehr zwischen dem Gebiet des großen Riviers und dem mittleren Hererolande möglich, und so sehen wir auch gerade im Westen zwischen den Herero des südlichen und des mittleren Landes lebhaftere Beziehungen bestehen als etwa mit den Stammverwandten am Waterberg oder mit denen im Nossoblande. - Das mittlere Hereroland ist, seiner Bodengestalt nach noch weniger scharf von den Nachbargebieten geschieden als der Süden.

Die nördlich von 22° s. Br. beginnende nach Nordwesten streichende Fortsetzung des zentralen Hochlandes ist von diesem nicht allein durch die von Okahandja über Otjosasu einschneidende Senke, sondern auch durch verschiedene von Osten und Norden breit in das Hochland eintretende Täler in viel stärkerem Grade aufgeschlossen als das hohe Südland, so daß es bei seiner geringen Eigenhöhe und bei dem Fehlen größerer Gebirge nach Art der Auas- und Onjatiberge selbst weder Hindernis für den Verkehr noch für die ungehemmte Ausbreitung der Bewohner bietet. Selbst der Kulminationspunkt des ganzen Schutzgebiets, der Omatako (s. d.) (2700 m) vermag daran nichts zu ändern, da es sich hier um einen völlig vereinzelten Bergstock von geringer Flächenausdehnung handelt. Eher schon sind die selbständig aus der Sockelebene aufragenden Massive, wie dasjenige des Erongogebirges (s. d.) als eigene, auch in ihrer Abgeschlossenheit selbständige Sonderlandschaften zu betrachten. Immerhin sind sie nicht mehr ausgedehnt genug und von ebenen Flächen ausreichend umgeben, als daß sie das Bild des mittleren Hererolandes als einer leicht zugänglichen und in ihren einzelnen Teilen gut miteinander verbundenen geographischen Provinz sonderlich zu stören vermöchten.

Im vollsten Maße gilt das indessen erst von dem nördlichen Hererolande. Hier, wo selbst in der atlantischen Mittelzone die Ebene die Oberherrschaft über alle anderen Bodenformen erlangt, ist eine scharfe, auf den Grundlinien des Aufbaus beruhende Grenze schon schwerer zu ziehen. Selbst in den Ebenen des Ostens wird die Abgrenzung des Hererolandes gegen das Groß-Namaland noch durch das Vorhandensein einer im Mittel 1400 m hohen wasserscheidenden Bodenschwelle bedeutend erleichtert. Hier dagegen ist eine solche gegen die Omaheke, das große Sandfeld (s. d.), und gegen das Amboland sowie gegen das von manchen als selbständige Landschaft betrachtete Kaokoveld bedeutend schwerer und jedenfalls nicht auf Grund des orographischen Baues durchzuführen.

Denn im Norden von 21° s. Br. lösen sich die Beste des über die mittelhohen Ebenen aufsteigenden Hochlandes völlig in einzelne Hochländer auf, die, durch weite Ebenen von einander getrennt, nicht einmal ihrer Zusammensetzung nach zu dem Hererolande gehören. Während die Gebirge und Hochländer des südlichen und mittleren Hererolandes mit wenigen nicht gerade vorbreiteten Ausnahmen der Zone uralter Gesteine angehören, ist hier gerade das Umgekehrte der Fall. Mit Ausnahme des von Porphyren gebildeten kleinen Paresisgebirges (s. d.) liegen alle Überhöhungen des nördlichen Hererolandes bereits in einer Zone von Sand- und Kalksteinen, woraus in einzelnen Fällen selbst eine andere Form des landschaftlichen Bildes sich herleitet, die an Einzelheiten im Bau des GroßNamalandes erinnert, wie z. B. in dem Tafellande des Waterberges (s. d.). - Gehen wir von den Höhenverhältnissen aus, so haben wir allerdings auch im nördlichen Hererolande mit der respektabeln Mittelhöhe von etwa 1200 m im Gebiet der freien Fläche zu rechnen.

Das Kaokoveld (s. d.) mit seinen bastionartigen, durch breite Flußtäler von einander getrennten Vorsprüngen stellt dann in gleichem Sinne den Westrand dieses Gebietes dar, wie das Land zwischen mittlerem Kuiseb und Eisib die Überleitung des südlichen und mittleren Hererolandes zur Namib. Übrigens ist es ja auch hydrographisch mit ihm verbunden, und auf Grund geologischer Verschiedenheit allein eine scharfe Trennung in einer Gesamtbetrachtung der Bodengestalt des Schutzgebietes zu konstruieren wäre nicht angebracht, so sehr diese bei der Behandlung der Einzellandschaften eine Rolle spielen darf. Ebensowenig können wir die zum Kalaharibecken gehörigen Ebenen des Ostens, wie die Omaheke bei Betrachtung der Großlandschaften selbständig behandeln, um so weniger, als ihre zum Ursprungsgebiete der großen Kalahariflüsse gehörenden Flächen ja von jeher ein wesentlicher Teil des Hererolandes waren und auch in ihrem jetzigen Kulturstande sind.

- Nach dem Ambolande zu läßt sich schließlich das große Pfannengebiet unter 19° s. Br. als Grenzlandschaft ansehen, wenn gleich daran erinnert werden muß, daß ein deutlicher Gegensatz zwischen den nördlichsten Strichen der Hereroebenen und der erwähnten Landschaft nicht besteht. Höchstens im Gebiet der Otavikalke könnte man einen solchen auf Grund der Bodenzusammensetzung annehmen. Klimatisch und pflanzengeographisch ist die Verwandtschaft beider Gebiete indessen eine sehr weitgehende. Wie wir im Groß-Namaland in vielen Gegenden die eigenartige Entwicklung der Tafelländer mit ihren geradlinigen Horizonten als einen wesentlichen Zug in der äußeren Erscheinung der Landschaft ansehen müssen, so besitzt auch das südliche und mittlere Hereroland einige Umrißformen, die, wieder- und wiederkehrend gewissermaßen zum Charakter des Landes gehören. Namentlich ist es der Gneis in seinen verschiedenen Arten, der, mehr oder weniger steil aufgerichtet, oft als scharfe Kuppe oder auch als gebirgsartiger Höhenzug mit scharfen Kämmen und steilen Rändern erscheint.

Die Kuppe (Kopje der Holländer) ist eine solche bezeichnende Form und dient in den erwähnten Gegenden häufig als weithin sichtbare Landmarke. Dasselbe gilt von den Bergzügen, die selbst da, wo sie gar nicht hoch über das Umland emporsteigen, nicht selten den Eindruck alpiner Ketten im ]deinen hervorrufen; selbst in der Westzone beobachtet man solche Bilder, wie etwa beim Usabborg oder den Khousbergen südwestlich von Usakos. Endlich muß noch eines mit dem innern Bau des Landes zusammenhängenden Unterschiedes gegen das Namaland gedacht werden. Das Hereroland einschließlich des Kaokogebiets ist, wenn man von den Diamanten absieht, die eigentliche Bergbaulandschaft des Schutzgebiets. Kupfererze an vielen Stellen, an einigen auch Blei, neuerdings Zinnerze im Erongogebirge und im Gebiet von Okombahe sowie reiche Eisenerze im Kaokoveld müssen als die wichtigsten Vorkommnisse wenigstens erwähnt werden, wenn von diesem Teil der Kolonie gesprochen wird.

Auch des Marmors in den Bergen bei Karibib mag an dieser Stelle gedacht werden. Das Gebiet der großen Nordebenen, das soeben schon berührt wurde, läßt sich eigentlich seiner Bodengestaltung nach in keinerlei Unterlandschaften mehr trennen. Erhöhungen, die man mit einigem Recht als Gebirge bezeichnen könnte, fehlen ihm völlig, denn die leichte Hebung und Senkung des Geländes im Kaukau- (s. d.) und im Hukwefelde verdient diesen Namen so wenig wie die Dünenwellen innerhalb der unendlichen Sandebenen der Omaheke. Ja, es gibt wenige Stellen innerhalb des großen Länderdreiecks südlich vom Äquator, die auf so ungeheure Entfernungen so geringe Höhenunterschiede zeigen wie dies Gebiet. Vom mittleren Kunene bis Libebe am Okawango, also auf eine Entfernung von rund 700 km, verändert sich die Meereshöhe der sandigen Ebenen kaum merklich.

Erst vom Ostrande des Hukwefeldes steigt man auf eine um kaum 100 m niedrigere Folge von Ebenen herab, in das Flachland, das innerhalb der deutschen Grenzen kurzweg als das Linjantibecken bezeichnet wird. Auch in nordsüdlicher Richtung sind die Höhenunterschiede namentlich im Westen, im eigentlichen Ambolande (s. d.), kaum in die Augen fallend. Von Humbein Angola bis zur Etosapfanne (s. d.) sinkt das Hochland auf 200 km Entfernung kaum um 20 m. Daher sind diese Gebiete zugleich Landschaften unvollkommener Ausbildung der Flüsse, obwohl sie in anderer Beziehung sich durch deren ausreichende Füllung vorteilhaft genug von den anderen Teilen des Schutzgebietes unterscheiden.

Aber Bifurkationen, denen wir hier mehrfach begegnen, Teilung der Rinnen in mehrere Arme und große Ausdehnung der seitlichen Überschwemmungszone sind Merkmale, die man auf weite Strecken verfolgen kann und von denen selbst der große Omuramba (s. d.) des Hererolandes in seinem mittleren und unteren Laufe nicht frei ist. Andererseits fehlt hier den Flüssen mehr noch als selbst dem mittleren Nossob (s. d.) ein tiefes, in das Umland eingeschnittenes Tal, so daß die Landschaft dadurch das Zeichen einer Einförmigkeit aufgeprägt erhält, die fast nur durch den Wechsel der Pflanzenwelt in der Flußlandschaft gemildert wird.

 

Bodengestaltung