10. Eingeborenenproduktion.

In dem Wirtschaftsleben des ostafrikanischen Negers spielen die Produkte, welche der Befriedigung seines eigenen Bedarfs dienen, bei weitem die Hauptrolle. Hierfür kommen in erster Linie Ackerbau und Viehhaltung in Betracht. Es gelangen gegenwärtig noch verhältnismäßig wenige Produkte dieser Art zur Ausfuhr, doch hat die Entwicklung der letzten Jahre gezeigt, daß der Eingeborene überall da, wo sich ihm infolge der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse Absatzmöglichkeiten bieten, über seinen eigenen Gebrauch hinaus produziert.

Die sog. Okkupationsprodukte sind fast nur für die Ausfuhr bestimmt. Industrie und Handwerk sind im allgemeinen von geringer Bedeutung. Ackerbau. Das verbreitetste Volksnahrungsmittel des Schutzgebiets ist die Hirse. Sie kommt hauptsächlich in zwei Arten vor: Sorghumhirse (Mtama) und Pennisetumhirse (Mawele). Sie gedeiht fast im ganzen Schutzgebiet. Hirse bedeckt nach Schätzung das größte Areal unter allen Anbauflächen Ostafrikas. In manchen hochgelegenen Gegenden der Kolonie tritt an die Stelle der Hirse Korakan (Eleusine, Ulezi). Es liefert ergiebige Ernten und ist in einzelnen Bezirken das wichtigste Nahrungsmittel. Eleusine wird in den Bezirken Moschi und Langenburg viel und mit Erfolg gebaut.

Alle drei Getreidearten werden auch zu Pombe (Bier) verarbeitet. An Sorghumhirse wurden im Jahre 1912 ausgeführt 1206 t im Werte von 149 551 M. Auch die Maiskultur ist weit verbreitet und bürgert sich vor allem in den von der Mtamakrankheit heimgesuchten Gebieten immer mehr ein. Die Reiskultur ist den Eingeborenen im ganzen Schutzgebiet bekannt. Man unterscheidet den Sumpf- oder Wasserreis und den Bergreis. Die erstere Sorte ist in Ostafrika die wichtigere, sie wird besonders in feuchten Flußniederungen angebaut. Ausgedehnter Reisbau wird schon in vielen Bezirken getrieben. In Urundi und Langenburg kommt Reiskultur mehr und mehr in Aufnahme.

Im Udjidjibezirk wird vor allem in der Luitsche-Ebene viel Reis gebaut. Besonders geschätzt ist der Muansareis, der dem indischen vorgezogen wird. Die Ausdehnungsmöglichkeit der Kultur ist noch sehr groß. Die weiten, zur Reiskultur geeigneten Länder im Innern haben bisher nur wenig zur Versorgung der Küstengebiete beisteuern können, da die Rentabilitätszone des Reises, solange er durch Träger transportiert werden muß, kaum 100 km beträgt. Mit der Verbesserung der Verkehrswege wird der einheimische Reis den jetzt noch in sehr erheblichen Mengen eingeführten indischen Reis allmählich verdrängen können. Ausgeführt wurden 1912 916 t im Werte von 201167 M, dagegen wurden eingeführt ca. 13425 t im Werte von ca. 3,3 Mill. M. Im übrigen wird von Getreidearten nur noch Weizen in nennenswerterem Umfange gebaut, und zwar wurde dieser erst 1905 in der Landschaft Ukinga, Bezirk Langenburg, eingeführt.

Die Eingeborenen schätzen das Weizenmehl sehr. Der Anbau dürfte aber vorläufig einen größeren Umfang nicht annehmen, da das Getreide trotz vorzüglicher Qualität und billiger Preise den Transport auf weitere Strecken bei den jetzigen Verkehrsmitteln nicht lohnt. Als Abnehmer kommen daher nur die Nachbarbezirke und in geringem Maße Britisch-Njassaland in Betracht. Bananen werden hauptsächlich in den Bezirken Tanga, Wilhelmstal, Moschi, Bukoba, Ruanda, Usumbura, Dodoma und Iringa in großer Menge, jedoch nur für den eigenen Gebrauch, gebaut. Am Kilimandscharo, in Bukoba, Usumbura und am Njassa sind sie das Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung. Die Bananen liefern auch eine Faser, welche in der Hausindustrie der Eingeborenen eine Rolle spielt. -

Knollengewächse, insbesondere Maniok und Süßkartoffeln (Bataten) werden überall für den örtlichen Bedarf angepflanzt und sind als Notkulturen sehr geeignet. Sie haben wenig unter ungünstigen Witterungsverhältnissen zu leiden und gedeihen schon auf geringeren Böden. Seltener sind Yams und Taro. Die europäische Kartoffel beginnt in manchen Gebieten neben der weniger schmackhaften Batate heimisch zu werden und letztere zu verdrängen. Hülsenfrüchte werden im Schutzgebiet in vielerlei Arten gepflanzt und bilden als Zukost einen wesentlichen Teil der Volksnahrung. Die wichtigsten Hülsenfrüchte sind: die Vignabohne (Kunde), Strauchbohne (Mbazi), Helmbohne (Mfiwe) und Mungobohne (Tschirokko).

Von Erbsen gedeiht eine vorzügliche Qualität in Gebirgsgegenden. In Westusambara werden auch europäische Bohnen und Erbsen mit gutem Erfolg angebaut. Es ist zu erwarten, daß mit der Verbesserung der Verkehrsverhältnisse diese Produkte auch im Handel eine Rolle spielen werden. Zuckerrohr wird zwar an vielen Stellen des Schutzgebiets gepflanzt, aber fast nur zum sofortigen Genuß verwendet. Die Araber des Panganitales kultivierten früher Zuckerrohr in großem Maßstabe und führten größere Mengen Zucker aus. Durch den fortschreitenden Ausfall der Sklavenarbeit gingen aber ihre Plantagen immer mehr zurück. Die Produktion, welche 1903 noch einen Wert von 200000 M darstellte, fiel bis auf 10000 M im Jahre 1908, um 1910 wieder auf 48000 M zu steigen, wovon allerdings ein beträchtlicher Teil auf eine europäische Unternehmung entfällt (s. 11. Europäische Unternehmungen).

Dattelpalmen werden nur von den Arabern in Tabora gepflanzt, wo sie ausgezeichnet gedeihen. Die Früchte der bestehenden 1000 Palmen genügen lediglich den örtlichen Bedürfnissen. -

Die Ananas hat bisher wenig Beachtung gefunden. Sie wird nur für den örtlichen Bedarf angebaut. -

In den meisten Bezirken des Schutzgebiets wird Tabak von den Eingeborenen gebaut. Er findet als Rauch- und Schnupftabak Verwendung. Im allgemeinen wird der Negertabak von den Europäern nicht verbraucht, weil er zu schwer und starkrippig ist. Die Eingeborenen rauchen besonders gern Zigaretten. Der hierzu nötige Tabak wird fast durchweg aus Holland importiert. Unter den landwirtschaftlichen Produkten der Eingeborenen, welche hauptsächlich zur Ausfuhr gelangen, nehmen die Ölfrüchte die erste Stelle ein. Hier ist zunächst zu nennen das getrocknete Fruchtfleisch der Kokospalme, Kopra. Die Kokosplantagen sind an der Küste und auf den dieser vorgelagerten Inseln gelegen, doch sind Versuche, Palmen auch weiter im Innern anzupflanzen, teilweise erfolgreich gewesen.

Während Araber und Inder sich von jeher der Anlage und Ausnutzung von Kokospflanzen widmeten, findet diese Kultur wegen des sich aus derselben ergebenden sicheren Gewinns jetzt auch bei der Negerbevölkerung mehr und mehr Anklang. Ein großer Teil der Früchte dient den Eingeborenen als Nahrung. Ausgeführt wurden im Jahre 1912 4242 t Kopra im Werte von 1 563 042 M, von denen der größte Teil aus Plantagen der Eingeborenen stammte. Weiter spielen die Erdnüsse eine wichtige Rolle. Die Erdnußkultur ist mehr oder weniger im ganzen Schutzgebiet verbreitet. Zum Hauptproduktionsgebiet hat sich jedoch unter dem Einfluß der englischen Ugandabahn der Muansabezirk entwickelt. Von hier wurden im Jahre 1910/11 allein 1730 t Nüsse ausgeführt.

Daneben kommt an der Küste besonders der Lindibezirk für die Ausfuhr in Betracht. Der Anbau der Erdnuß entwickelt sich trotz ziemlich häufiger Mißernten (Dürre, Kräuselkrankheit) immer mehr zu einer Volkskultur, die der Neger gern annimmt, zumal er sie als Zwischenkultur neben Bohnen, Mais usw. ausüben kann. Der Inlandverbrauch ist so bedeutend, daß in vielen Bezirken die Produktion noch nicht den eigenen Bedarf deckt. Im Jahre 1912 wurden insgesamt ausgeführt 6078 t im Werte von 1273066 Mark. Sesam wird hauptsächlich im Süden sowie im Bagamojo- und Muansabezirk angebaut. Der Verbrauch im Schutzgebiet ist groß, da das Öl als Speiseöl von den Eingeborenen sehr geschätzt wird. In allen größeren Küstenplätzen finden sich Ölmühlen, in denen in primitiver Weise Öl gepreßt wird. Da die Sesampflanze den Witterungseinflüssen gegenüber sehr wenig widerstandsfähig ist, so sind die Ernteerträge und infolgedessen auch die Ausfuhrziffern sehr schwankend. Ausgeführt wurden 1912 1881 t Sesam im Werte von 523719 M.

Als weitere ölliefernde Pflanze muß noch die Ölpalme erwähnt werden. Diese kommt besonders in Ruanda, am Tanganjikasee und im Iringabezirk in größeren Beständen vor. Das Palmöl wird hauptsächlich als Speiseöl und zur Seifenfabrikation von den Eingeborenen verwendet. Eine intensive Ausnutzung der Ölpalmbestände wird erst dann möglich sein, wenn die Ölpalmbezirke durch Verkehrswege aufgeschlossen sind. In letzter Zeit ist die Produktion des Palmöls zurückgegangen, da viele der reichsten Bestände wegen der dort vorkommenden Glossinen zur Bekämpfung der Schlafkrankheit gesperrt werden mußten. Pflanzversuche sind an der Küste und am Victoriasee mit Erfolg unternommen worden. Die Kaffeekultur wird von den Eingeborenen nur im Bezirk Bukoba in nennenswertem Maße betrieben.

Der von dort kommende kleinbohnige, dem arabischen ähnliche Kaffee hat sich innerhalb weniger Jahre auf dem Weltmarkt gut eingeführt und wird lebhaft gefragt. Während im Jahre 1904 der erste nennenswerte Export in Höhe von 7682 kg stattfand, hat sich derselbe im Jahre 1912 auf 672 478 kg im Werte von 749 079 M gehoben. Die Kaffeepflanzungen der Eingeborenen dehnen sich beständig aus, so daß eine weitere Steigerung der Ausfuhr zu erwarten ist. Seit der Erwerbung des Schutzgebiets hat die Verwaltung insbesondere der Baumwollkultur ihr regstes Interesse entgegengebracht. Das Kolonialwirtschaftliche Komitee unterstützt sie in hervorragender Weise in dem Bemühen, den Baumwollbau zu einer Volkskultur zu machen. Da ein erheblicher Preissturz der Baumwolle den Eingeborenen leicht mißtrauisch machen und vom weiteren Anbau abhalten würde, garantiert das Komitee den Produzenten einen Mindestpreis. Ferner belohnt das Komitee gute Leistungen im Baumwollbau durch öffentliche Prämiierungen. Um wirklich gutes, den örtlichen Verhältnissen angepaßtes Saatgut zu gewinnen, sind Saatzuchtstationen (s. d.) eingerichtet worden. Zur Erzeugung einer einheitlichen Marktware wird in jedem Bezirk nur eine Sorte von Baumwollsaat verteilt. Diese Sorte wird von den örtlichen Verwaltungsbehörden im Einverständnis mit den Pflanzern, welche meist die von den Eingeborenen produzierte Baumwolle aufkaufen, bestimmt.

Durch diese Maßnahme ist es in verhältnismäßig kurzer Zeit gelungen, den Baumwollbau in einem großen Teil des Schutzgebiets, insbesondere in den Bezirken Bagamojo, Morogoro, Mohoro, Kilwa, Lindi, Muansa und Bukoba als Volkskultur einzuführen. Die lnlandbezirke kommen vorläufig wegen mangelnder Absatzmöglichkeit weniger in Betracht. In manchen Gegenden, z. B. in Utipa und am Rukwasee wird seit langen Jahren Baumwolle für den eigenen Gebrauch gepflanzt und auf primitiven Webstühlen verarbeitet. Die gesamte Ausfuhr an Baumwolle betrug im Jahre: wovon der größere Teil durch Produktion der Eingeborenen gewonnen wurde. In letzter Zeit sind bei Daressalam und auf der Insel Mafia Versuche mit Nelkenanpflanzungen gemacht worden. Ein abschließendes Urteil darüber ist noch nicht möglich. Nach dem Ackerbau spielt die Viehhaltung im Wirtschaftsleben des ostafrikanischen Negers die Hauptrolle.

An Großvieh werden hauptsächlich Rinder und Esel, an Kleinvieh Ziegen und Schafe gehalten. Auch Hühner gibt es fast überall in großen Mengen. Besonders günstig für die Viehhaltung sind die nördlichen Bezirke sowie Dodoma, Tabora, Iringa, Langenburg, Ruanda und Urundi, während alle Küstenbezirke, mit Ausnahme von Pangani, sowie Morogoro, Mahenge, Ssongea und Bismarckburg wegen der dort vorkommenden Tsetsekrankheit (s. Nagana) und des Küstenfiebers (s. d.) für Viehhaltung wenig geeignet sind. - Außer den genannten Krankheiten werden Rinderpest (s. d.), Katarrhalfieber (s. d.), Milzbrand (s. d.), Lungen- und Brustfellentzündung den Viehbeständen der Eingeborenen zeitweise gefährlich. So hat im Jahre 1892 die Rinderpest den größten Teil des Rindviehbestandes der Kolonie vernichtet und unter den viehzüchtenden Stämmen schwere Hungersnöte hervorgerufen, denen viele Eingeborene zum Opfer fielen. Erst in neuester Zeit können die durch diese Seuche verursachten Schäden als ausgeglichen gelten.

Im Jahre 1912 ist die Rinderpest erneut eingeschleppt worden und hat besonders in dem viehreichen Ugogo erhebliche Opfer erfordert, ohne daß jedoch die Verlustzahlen entfernt die Höhe wie bei dem vorerwähnten früheren Auftreten erreicht hätten. Von einer eigentlichen Viehzucht der Eingeborenen kann man nur bei den Massai, Wassukuma und in Ruanda reden, wo die Zucht mit Verständnis betrieben und Inzucht sorgsam vermieden wird. In allen anderen Gebieten sind Zuchtwahl und Zucht ganz unbekannt. Ohne jede Wahl werden dort alle Rassen durcheinander gehalten, und selbst die Paarung der minderwertigsten Tiere wird nicht verhindert. Hierin Wandel zu schaffen und die Eingeborenen allmählich zur wirklichen Viehzucht herüberzuleiten, ist das Bestreben der Verwaltung. Nach Zählung bzw. Schätzung der örtlichen Verwaltungsbehörden befanden sich im Jahre 1912 im Besitz der Eingeborenen: 3950250 Stück Rindvieh, 22091 Esel und 6398000 Stück Kleinvieh. -

Unter den Ausfuhrprodukten der Viehhaltung nehmen Felle und Häute den ersten Rang ein. Seit dem Bau der Ugandabahn hat der Handel mit diesen Produkten einen mächtigen Aufschwung genommen. Während im Jahre 1900 nur für etwa 100000 M Felle und Häute zur Ausfuhr gelangten, erreichte der Export im Jahre 1912 einen Wert von 4067350 M. Der weitaus überwiegende Teil hiervon stammt aus den Gebieten des Victoriasees. Die Ausfuhr lebenden Viehs ist sehr gering. Von Bedeutung ist aber die Herstellung und der Handel mit Butterfett (Samli). Der Verbrauch von Samli ist im Schutzgebiet sehr groß. Auch der Export hat beträchtlich zugenommen und stellte im Jahre 1911 einen Wert von 187 000 M dar. Im Jahre 1912 stieg der Wert der Ausfuhr auf über 200000 M. Der Binnenhandel mit lebendem Vieh steigt von Jahr zu Jahr. Außer den Eingeborenen der Küstenbezirke verbrauchen auch die europäischen Unternehmungen und größeren Orte erhebliche Mengen von Schlachtvieh aus dem Innern. Unter den sog. Okkupationsprodukten kommen solche tierischer und pflanzlicher Art in Frage. Sie gelangen, wie schon oben gesagt, fast durchweg zur Ausfuhr. -

Von den tierischen Produkten dieser Art ist zunächst das Elfenbein (s. d.) zu nennen. Die Elfenbeinausfuhr, welche bis 1894 dem Werte nach die Hälfte des gesamten Handels des Schutzgebiets ausmachte, ist mehr und mehr zurückgegangen. Im Jahre 1890 wurden noch über 200 t ausgeführt, im Jahre 1900 nur noch 65 t und im Jahre 1906 ca. 19 t. Seitdem hat sich die Ausfuhr wieder langsam gehoben. Sie stieg im Jahre 1912 auf 16 959 t im Werte von 3113115 M. Der Rückgang ist vor allen Dingen auf das rücksichtslose Abschießen der Elefanten zurückzuführen. Auch hat der in früheren Jahren ziemlich bedeutende Durchgangsverkehr aus dem Kongostaat immer mehr nachgelassen. Um der fortschreitenden Vernichtung der wertvollen Elefantenherden Einhalt zu tun, wird der Abschuß nur sehr beschränkt erlaubt, und es werden hohe Jagdscheingebühren und Schußgelder erhoben. Zum Schutze der nicht ausgewachsenen Tiere ist der Handel mit Elefantenzähnen unter 15 kg Gewicht verboten (s. a. Elfenbein). Auch sind einzelne Gebiete zu geschlossenen Wildreservaten (s. d.) gemacht worden, in ihnen ist jede Jagd verboten. An sonstigen Jagdprodukten sind noch Rhinozeroshörner und -häute, Nilpferd- und Wildschweinszähne, Gnudecken sowie Felle von Kolobusaffen und Baumschliefern u. dgl. zu erwähnen; sie haben jedoch für den Handel keine große Bedeutung. -

Auch die Produkte des Meeres, wie Esche, Kaurimuscheln, Schildpatt, Perlen, spielen nur eine verhältnismäßig geringe Rolle. Die Fischerei deckt, obgleich sie ziemlich lebhaft betrieben wird, nicht den großen örtlichen Bedarf. Die Gewinnung von Kaurimuscheln ist sehr zurückgegangen, weil Kauris als Scheidemünze von dem Metallgeld allmählich verdrängt wurden. - Von großer Bedeutung für den Handel des Schutzgebiets ist die Gewinnung von Bienenwachs, das die Eingeborenen den Nestern wilder Bienen entnehmen. Wachs wird fast im ganzen Schutzgebiet gewonnen. Hauptproduktionsgebiet und Handelszentrum für Wachs ist Tabora, auch aus den Bezirken am Victoriasee werden jährlich große Mengen mit der Ugandabahn exportiert. Die größte Menge (für ca. 11/2 Mill. M) wurde im Jahre 1907 ausgeführt. Seitdem hat die Ausfuhr nachgelassen, da in den letzten Jahren die Bienenschwärme unter der anhaltenden Dürre sehr zu leiden hatten. Bei der primitiven Ausbeutungsmethode der Eingeborenen werden die Bienenvölker auch meistens vernichtet. Doch macht infolge der Bemühungen der Verwaltung der bisherige Raubbau schon in einigen Bezirken allmählich einer Art Imkerei Platz. Ausgeführt wurden im Jahre 1912 ca. 347 t Wachs im Werte von 829 057 M. Okkupationsprodukte pflanzlichen Ursprungs sind Kautschuk und Kopal.

Der durch die Sammeltätigkeit der Eingeborenen gewonnene Kautschuk rührt aus wilden Beständen her, und zwar hauptsächlich aus Lianen, welche in den Wäldern des Schutzgebiets vorkommen. Der meiste und beste Kautschuk wird von den Landolphialianen in Donde-Liwale und Mahenge gewonnen. Andere Arten gibt es an der ganzen Küste, am Kilimandscharo und weit im Innern des Schutzgebiets. Die Ausfuhr von wildem Kautschuk hat im Laufe der Zeit infolge der Erschließung neuer Gebiete zugenommen. Sie stieg von ca. 190 t im Jahre 1890 auf ca. 330 t im Werte von 2 902 945 M im Jahre 1910/11, fiel aber im Jahre 1912 wieder auf 172699 kg im Werte von 1119006 M. Die Produktionsziffern für Lianenkautschuk sind beträchtlichen Schwankungen unterworfen, da die Pflanzen in trockenen Jahren nur wenig Milchsaft absondern und die Höhe des Weltmarktpreises stark auf die Sammeltätigkeit der Eingeborenen einwirkt. Da der rücksichtslose Raubbau der Eingeborenen zu einer allmählichen Erschöpfung der wilden Kautschukbestände führen muß, so sind, um auch für spätere Jahre Reserven für die Gewinnung von Lianenkautschuk zu haben, in verschiedenen Teilen des Landes die Lianen führenden Wälder forstlich geschützt worden.

In neuerer Zeit sind die Eingeborenen nach dem Beispiel der Europäer dazu übergegangen, kleinere Kautschukpflanzungen (Manihot Glaziovii) anzulegen, besonders im Süden des Schutzgebiets sowie in den Bezirken Bagamojo, Morogoro, Tabora und Bukoba. Der Kopal (s. d.), ein fossiles oder halbfossiles Harz, welches mit Bernstein eine gewisse Ähnlichkeit hat, wird in einer Tiefe von 1-3 m unter dem Erdboden gefunden. Er wird zur Bereitung von Firnis und Lack verwertet. Als Fundort kommt hauptsächlich der Süden des Schutzgebiets in Frage. Die Ausfuhrziffer ist sehr von dem Marktpreis abhängig, da der Neger nur bei hohen Preisen den Kopal zu sammeln pflegt, während er sich bei sinkenden Preisen einer anderen, bei den guten Lohnsätzen unschwer zu findenden lohnenderen Tätigkeit zuwendet. Die Ausfuhr betrug im Jahre 1912 107862 kg im Werte von 119718 M. Industrie und Handwerk sind im Schutzgebiet wenig entwickelt. Die gewerbliche Tätigkeit der Eingeborenen erstreckt sich nur auf die häusliche Fabrikation von Flecht-, Holz- und Töpferwaren und die Gewinnung von Öl, Seifen und Salz.

An der Küste nimmt die Mattenflechterei den breitesten Raum ein. Die groben Matten werden von altersher zum Trocknen und Verpacken von Landesprodukten verwendet. Das Hauptabsatzgebiet für sie ist Sansibar, wo die Nachfrage mit der Nelkenernte steigt und fällt. Die Waffenschmiederei der Wadschagga, welche früher einen bedeutenden Industriezweig darstellte, ist in den letzten Jahren durch den Eintritt friedlicher Verhältnisse sehr zurückgegangen und wird nur noch vereinzelt betrieben. Das durch fast alle Gebiete im Innern zwischen Victoria- und Njassasee verbreitete Eisengewerbe hat auch jetzt noch, trotz der Möglichkeit der Einfuhr europäischer Fabrikate, ziemliche Bedeutung. Erwähnenswert ist besonders die Feldhackenfabrikation im Ubena- und Langenburgbezirk. In den Handwerkerschulen in Tanga, Tabora, Langenburg und auf vielen Missionsstationen werden von Eingeborenen unter Anleitung von europäischen Lehrmeistern Möbel angefertigt, welche im Schutzgebiet guten Absatz finden.

Eingeborenenproduktion