Europäische Unternehmungen.

Neben der Eingeborenenproduktion, auf der zurzeit von den wichtigsten Ausfuhrartikeln der Kautschuk und die Ölpalmfrüchte zum weitaus größten Teil beruhen, spielen auch die europäischen landwirtschaftlichen Unternehmungen eine bedeutende Rolle. Sie sind für die wirtschaftliche Entwicklung Kameruns insofern von der größten Bedeutung, als bei ihnen eine planmäßige Bewirtschaftung vorherrscht und auf ihnen viele Tausende von Eingeborenen, die eine geregelte Arbeit noch nicht kennen, an eine solche gewöhnt worden sind und gewöhnt werden. Den klimatischen Verhältnissen des Landes entsprechend, sind diese europäischen Unternehmungen ihrer Form nach Plantagenunternehmungen.

Sie entstanden zunächst an den fruchtbaren Abhängen des Kamerunberges, wo schon 1894 fast das ganze brauchbare Land an größere Unternehmungen vergeben war. Im Laufe der Jahre dehnte sich der Plantagenbau auch auf die anderen Bezirke des Schutzgebiets aus und entwickelte sich besonders an der Nordbahn in stärkerem Maße. Im Jahre 1910 bestanden 44 Unternehmungen im Plantagenbau, darunter waren 13 Aktiengesellschaften mit einem Kapital von 13,1 Mill. M und 4 KolonialGesellschaften mit 2,52 Mill. M. Die Zahl der Unternehmungen stieg 1911 auf 52 und 1912 auf 58.

An erster Stelle hinsichtlich der Dauer ihres Bestehens sowie hinsichtlich der bebauten Fläche und ihrer Ertragfähigkeit stehen die Kakaokulturen. Zunächst begannen Anfang der 90er Jahre die Pflanzungen am Kameruner Berge mit dem Anbau von Kakao. Als er sich als lohnend erwies, ging man auch an anderen Stellen des Schutzgebiets zu dieser Kultur über. Der Ernteertrag hat sich langsam aber stetig gehoben, obgleich in manchen Jahren Krankheiten (Braunfäule) und Schädlinge (Rindenwanze) großen Schaden an- richteten. Nach den bisherigen Erfahrungen kann man sagen, daß die Zukunft der Kakaokultur in Kamerun gesichert ist. - Es folgen der Ausdehnung nach die Kautschukplantagen.

Unter den Kautschukpflanzen, die bisher angebaut sind, herrschte bis 1907 die Kickxia elastica vor. Von da an begann man sich immer mehr der Hevea briasiliensis zuzuwenden. Die anderen Kautschukpflanzen, wie Castilloa, Ficus elastica, Manihot u. a., sind nur wenig verbreitet. Gegenüber dem Handelskautschuk, d. h. dem durch Eingeborene aus Wildbeständen gewonnenen und von Händlern aufgekauften Kautschuk, kommt der Plantagenkautschuk hinsichtlich der Menge bis jetzt kaum in Betracht. Sein Anteil an der Ausfuhr wird, steigen, je mehr die an- gepflanzten Bestände an Kautschukbäumen in das zapffähige Alter kommen. -

Auch bei den Ölpalmfrüchten sind die Erträgnisse der europäischen Plantagen im Verhältnis zur Eingeborenenproduktion und zur Gesamtausfuhr noch gering. Immerhin weisen auch diese Kulturen eine dauernde Steigerung in der Zahl der Palmen auf. Seitdem durch Maschinen eine von der menschlichen Arbeitskraft unabhängigere Ausnutzung der Früchte ermöglicht worden ist, wenden sich immer mehr Unternehmungen, zum größten Teil im Neben- betriebe, dieser Kultur zu. Es sind z. B. große Flächen alter Kakaobestände mit Ölpalmen durchgepflanzt worden. Ein Unternehmen verwertet die Früchte der Ölpalme im Hauptbetriebe. Es hat zu diesem Zweck eine leistungsfähige Fabrik errichtet, die die Palmfrüchte teilweise von den Eingeborenen aufkauft, teilweise selbst aus gekauften oder gepachteten Ländereien erntet.

Der Kultur der Ölpalme durch die Eingeborenen in Verbindung mit maschinellen Aufbereitungsanstalten unter europäischer Leitung steht in K. wahrscheinlich eine große Zukunft bevor, da der europäische Markt für Pflanzenfette und -öle jetzt und in absehbarer Zeit fast unbeschränkt aufnahmefähig ist. - Mehlbananen (Planten) werden seit 10 Jahren, meist in Mischkultur, immer mehr gebaut. Sie dienen in erster Linie zur Verpflegung farbiger Arbeiter. Die Versuche, das aus ihnen gewonnene Bananenmehl in größeren Mengen in Deutschland einzuführen, haben noch zu keinem dauernden Erfolg geführt. - Die Kultur der Eßbananen ist neueren Datums. Es sind bereits größere Flächen mit ihnen bepflanzt. Eine Ausfuhr in nennenswerter Menge wird aber erst, im Jahre 1914 einsetzen, da vom 1. Okt. dieses Jahres ab mehrere Kühldampfer, ohne die eine Beförderung dieser Früchte nach Europa nicht möglich ist in die Fahrt nach K. eingestellt werden sollen. - Tabak wurde schon vor mehr als 20 Jahren versuchsweise gebaut. Die Versuche wurden dann in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts wieder aufgenommen. Sie schlugen fehl, weil man auf Boden und örtliches Klima nicht die nötige Rücksicht genommen hatte.

In den letzten Jahren hat man jedoch im Gebiete der Nordbahn ein für Tabakbau anscheinend hervorragend geeignetes Gelände gefunden. Es sind mehrere größere Unternehmen entstanden, die bisher ein vorzügliches dem Sumatratabak mindestens gleichwertiges Erzeugnis geliefert haben. Die bebaute Fläche ist zurzeit noch ziemlich gering, wird aber in den nächsten Jahren bei günstiger Entwicklung der Arbeiterverhältnisse in starkem Maße steigen. Mit dem Anbau von Kola, Baumwolle, Gewürzen und Faserpflanzen ist man über das Versuchsstadium noch nicht hinausgekommen. Wie sich in den Plantagenunternehmen der Anbau der wichtigsten Kulturen in den letzten Jahren entwickelt hat, ergibt sich aus der nachstehenden Übersicht, die allerdings mangels ausreichender Unterlagen Lücken hat und nicht unbedingt zuverlässig ist. Der Bedarf an farbigen Arbeitern ist, wie aus der Zusammenstellung zu ersehen ist, in den letzten Jahren in starkem Maße gestiegen, so daß ihre Beschaffung, da auch die Bahnbauten einen Bedarf von mehreren Tausend haben, zurzeit auf Schwierigkeiten stößt.

Mehrere Pflanzungen beschäftigen sich auch mit kaufmännischen Geschäften, jedoch liegt, der Hauptanteil vom Handel in der Hand reiner kaufmännischer Firmen, von denen sowohl in der Form von Handelsgesellschaften mit höherem Kapital wie auch als Einzelkaufleute eine große Anzahl in K. tätig sind. Im übrigen siehe unter 9. Handel. Die Viehzucht liegt, abgesehen von den Bestrebungen der Regierung auf diesem Gebiete, fast ganz in den Händen der Eingeborenen. Da wo sie von europäischen Unternehmungen betrieben wird, dient sie in der Hauptsache zur Versorgung der weißen Angestellten mit frischem Fleisch. Einige private Versuche in größerem Maßstabe versprechen Erfolg. - Bergbau wird in K. noch nicht betrieben. Zwar wurde das Vorkommen von Salz, Petroleum, Kupfer, Zinn, Glimmer, Kohle, Marmor und einigen anderen Mineralien festgestellt, doch ist ein abbauwürdiges Lager bis jetzt noch nicht nachgewiesen. Die geologische Erforschung des Landes wird fortgesetzt. An gewerblichen Unternehmungen, die im Schutzgebiet noch wenig vertreten sind, sind zu nennen eine Seifensiederei in Duala, die aber noch nicht für die Ausfuhr arbeitet, einige Dampfsägewerke, die das Land mit Möbel- und Bauholz versorgen und einige im Entstehen begriffene größere Holzschlagunternehmen.

Andere kleinere gewerbliche Betriebe (Bäckereien, Sattlereien, Fleischereien, Gastwirtschaften, Baugeschäfte usw.) dienen einem rein örtlichen Bedarf. In Duala und Kribi sind Rechtsanwälte, in Duala auch ein Landmesserbureau. Die Nordbahn gehört der Kamerun-Eisenbahn-Gesellschaft, die ein Kapital von 16 640000 M hat. In Alt-K. sind zwei Konzessionsgesellschaften tätig: Gesellschaft Süd-Kamerun (Kapital 3 000 000 M) und Gesellschaft Nordwest-Kamerun (Kapital 4360000 M). Mit dem Erwerb von Neu-Kamerun sind folgende französischen Gesellschaften übernommen worden: 1. Soeiété de la Sangha Equatoriale, 2. Société de la Mambéré-Sangha (i. L.), 3. Compagnie Commerciale de colonisation du Congo français, 4. Société du Haut-Ogooué, 5. Compagnie de la Ngoko-Sangha, 6. Compagnie française du Haut-Congo, 7. Compagnie forestière Sangha-Oubangui. 8. Compagnie française de 1'Ouhamé-Nana. Die Gesellschaften unter Ziff. 1, 2 und 3 fallen ganz, die übrigen nur zum Teil in deutsches Gebiet. S. a. die einzelnen Gesellschaften unter ihrem Namen.

 

Europäische 
Firmen