14. Geld- und Bankwesen.

Seit Ende des 18. Jahrhunderts war in dem ostafrikanischen Schutzgebiet der Maria-Theresien-Taler das vorherrschende Umlaufsmittel neben holländischen und portugiesischen Dukaten, spanischen Dublonen, nordamerikanischen Golddollars usw. Alle diese Münzen wurden jedoch seit Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrh. infolge der stetig sich reger gestaltenden Handelsbeziehungen mit Indien mehr und mehr durch Silber- und Kupfermünzen indischer Prägung verdrängt, so daß in den 80er Jahren, zur Zeit der Übernahme des heutigen Schutzgebiets durch die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, die indische Rupie das unbedingt vorherrschende Umlaufsmittel war. An diesem Zustand wurde in den ersten Jahren nach der Übernahme der Schutzherrschaft nichts geändert. Erst Anfang des Jahres 1890 wurde der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft auf ihren Antrag vom Reichskanzler die Erlaubnis erteilt, eigene Silberrupien und Kupferpesa auszuprägen. -

Die im Jahre 1898 zu Ende geführte indische Währungsreform hatte zur Folge, daß nunmehr auch an eine Regelung des Geldwesens in D.-O. gedacht werden mußte. Nachdem das Reich das Prägerecht wieder an sich gebracht hatte, wurde die Reform im Jahre 1904 in der Weise durchgeführt, daß an Stelle der indischen und der Gesellschaftsrupie eine für Rechnung des Schutzgebiets geprägte neue Rupie trat, welche, statt wie bisher in 64 Pesa, jetzt in 100 Heller eingeteilt wurde. Das Wertverhältnis wurde festgesetzt auf 20 M = 15 Rupien oder 1 Rupie = 11/3 M. -

Gesetzliches Zahlungsmittel in D.-O. ist seitdem die Silberrupie des Schutzgebiets; daneben ist die Gesellschaftsrupie bis zu ihrer Außerkurssetzung als gesetzliches Zahlungsmittel zugelassen worden. Kupfer- und Nickelmünzen brauchen nur bis zum Betrage von 2 Rupien in Zahlung genommen zu werden. Gegenwärtig sind in D.-O. im Umlauf: an Silbermünzen: 2-,1-,1/2- und 1/4-Rupiestücke; an Nickelmünzen: 10- und 5-Hellerstücke; an Kupfermünzen: 5-, 1-, 1/2-Hellerstücke. -

Um den Geldumlauf und die Zahlungsausgleichungen im Schutzgebiet sowie den Geldverkehr des Schutzgebiets mit Deutschland und dem Ausland zu regeln und zu erleichtern, ist am 6. Jan. 1905 nach dem Vorbilde der Reichsbank die Deutsch-Ostafrikanische Bank mit dem Rechte der Notenausgabe gegründet worden. Die Gesellschaft hat ihren Sitz in Berlin und eine Zweigniederlassung in Daressalam. Das Grundkapital beträgt 2 Mill. M. Es ist voll eingezahlt. Die Organe der Gesellschaft sind Vorstand, Verwaltungsrat und Hauptversammlung. Die Deutsch-Ostafrikanische Bank hat das Recht, Noten von 5, 10, 20, 50, 100 oder ein Vielfaches von 100 Rupien bis zum dreifachen Betrage des eingezahlten Grundkapitals auszugeben. Sie ist verpflichtet, in Ostafrika ihre Noten gegen Silberrupie einzulösen und zu ihrem vollen Nennwert in Zahlung zu nehmen. Der Fiskus des Schutzgebiets ist an dem Gewinn der Bank beteiligt. Die Aufsicht über die Gesellschaft übt der Reichskanzler und über den Geschäftsbetrieb im Schutzgebiet außerdem noch ein vom Gouverneur ernannter Kommissar aus.

Gegenwärtig sind an Banknoten im Umlauf solche zu 5, 10, 50, 100 und 500 Rupien. Seit 1911 ist die "Handelsbank für Ostafrika" im Schutzgebiet tätig, mit dem Zweck, Bankgeschäfte jeglicher Art zu betreiben, insbesondere den Geld- und Kreditverkehr in Handel, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft D.-O.s und der benachbarten und Hinterlandsgebiete zu fördern. Sie hat ihren Sitz in Berlin und eine Zweigniederlassung in Tanga. Ihr Arbeitsfeld umschließt hauptsächlich das Hinterland von Tanga und Pangani sowie das Kilimandscharogebiet. Organe der Bank sind Vorstand, Verwaltungsrat und Hauptversammlung. Auf das Grundkapital von 3 Mill. M sind 50 % eingezahlt. Die Aufsicht über die als Kolonialgesellschaft gegründete Bank wird vom Reichskanzler (Reichs-Kolonialamt) geführt.

Um der weißen und farbigen Bevölkerung Gelegenheit zu geben, ihre Ersparnisse sicher und zinsbringend anzulegen, ist im Jahre 1901 die Bezirkssparkasse in Daressalam als selbständiges Kommunalinstitut unter Garantie des Kommunalverbandes Daressalam gegründet worden. Sie wird von einem Kuratorium, bestehend aus dem jeweiligen Bezirksamtmann von Daressalam und zwei weißen Beisitzern, verwaltet und vom Gouverneur beaufsichtigt. Der Geschäftsbetrieb ist dem der heimischen Sparkassen nachgebildet. - Zwecks Gründung einer Genossenschaftsbank für D.-O. schweben gegenwärtig Verhandlungen, welche hauptsächlich von den wirtschaftlichen Verbänden der Nordbezirke des Schutzgebiets betrieben werden. (S. a. Geld und Geldwirtschaft.)

 

Geld- und Bankwesen