Geld- und Bankwesen.

 

Da während der ersten Zeit der deutschen Herrschaft der Güterverkehr nach Südwestafrika fast ausschließlich von der Kopkolonie aus erfolgte, war es natürlich, daß überwiegend englisches Geld im Schutzgebiete im Umlauf war. Durch Verfügung des Ksl. Kommissars vom 1. Aug. 1893 wurden Zahlungen in englischem Gelde bei den öffentlichen Kassen grundsätzlich anerkannt und geregelt.

Mit der zunehmenden Beeinflussung des Schutzgebietes durch den deutschen Handel und die deutsche Schiffahrt kam auch deutsches Geld in größerer Menge nach Südwestafrika. Der Gouverneur sah sich deshalb veranlaßt, durch V. vom 15. Dez. 1900 die deutsche Reichsmarkrechnung allgemein einzuführen und als gesetzliche Zahlungsmittel nur noch deutsche Münzen zuzulassen. Die jetzige Regelung des Geldwesens i m Schutzgebiet beruht auf der V. des RK., betr. das Geldwesen der Schutzgebiete außer Deutsch- Ostafrika und Kiautschou, vom 1. Febr. 1905.

Nach ihr gilt in den Kolonien die Reichsmarkrechnung. Gesetzliches Zahlungsmittel sind sämtliche Münzen, die auf Grund reichsgesetzlicher Bestimmungen im Reichsgebiete gesetzliches Zahlungsmittel sind, jedoch mit der Maßgabe, daß neben den Reichsgoldmünzen und den Talern auch die Reichssilbermünzen für jeden Betrag in Zahlung genommen werden müssen und daß die Nickel- und Kupfermünzen sowohl im Privatverkehr als auch im Verkehr mit den amtlichen Kassen gesetzliches Zahlungsmittel bis zum Betrage von 5 M sind. -

Das Bankwesen des Schutzgebietes hat erst seit dem letzten Eingeborenenaufstande einen Aufschwung genommen. Bis dahin beschränkte es sich auf die Bankabteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika und auf die rein örtliche Spar- und Darlehnskasse in Gibeon. Daneben bestehen heute an örtlichen Bankinstituten der Swakopmunder Bankverein, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung, hauptsächlich von Handwerkern und Gewerbetreibenden Swakopmunds gegründet, und die Deutsch - Südwestafrikanische Genossenschaftsbank, eingetragene Genossenschaft m. b. H. in Windhuk, mit einem im wesentlichen auf die weitere Umgebung Windhuks beschränkten Tätigkeitsfelde.

Bankgeschäfte aller Art betreibt die Deutsche Afrikabank A.-G. mit dem Sitze in Hamburg. Sie hat in Windhuk, Swakopmund und Lüderitzbucht Zweigniederlassungen. Die Befriedigung des städtischen Bodenkredits und den Betrieb von Treuhandgeschäften hat die Südwestafrikanische Bodenkredit - Gesellschaft, eine im Jahr 1912 in der Form einer deutschen Kolonialgesellschaft in Berlin gegründete Hypothekenbank, aufgenommen. Durch Ksl. V. vom 9. Juni 1913 ist zur Förderung der Landwirtschaft die Landwirtschaftsbank für Deutsch-Südwestafrika geschaffen worden. Ihr Grundkapital beträgt zehn Millionen Mark, welches der Bank vom Schutzgebiet geliehen wird. Die Bank ist eine juristische Person des öffentlichen Rechtes. Ihr Sitz ist Windhuk.

 

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