Geschichte.

Geschichtliche Überlieferungen aus der älteren Zeit haben wir in K. selbst nur sehr wenige und auch diese nur von den hamitischsemitischen islamischen Staaten des Nordens. Im Beginn des Mittelalters wurden die Gobir durch den Druck der nördlich wohnenden Völker aus der Sahara, Air und Asben nach Süden in die Gegenden des Sudans gedrängt und gründeten die sieben echten Haussastaaten. Schon vor diesen Staaten, die im zentralen Sudan gegründet wurden, bestand wahrscheinlich das alte Kanem im Nordosten des Tsadsees, von hamitisch-semitischen Bardoa aus Vorderasien begründet. Dieses wurde frühzeitig mohammedanisch und eroberte das ganze Gebiet des Tsadsees nach langem Kampfe mit den Sso, die vorher im Süden des Tsadsees herrschten.

Doch im 14.-15. Jahrh. wurden die Sefua, das seit langem regierende Herrschergeschlecht, durch die Bulala aus Kanem verjagt und auf die Gegend westlich des Tsadsees beschränkt, wo sie das Reich Bornu gründeten und, sich mit den Sso und den Negern mischend, zu den Kanuri (s. d.) wurden. In dieser Zeit wurden auch die Reiche Dar Fur und Wadai gegründet. Darauf kam von Westen, vom Senegal her, das Hirtenvolk der Fulbe (s. d.), die zuerst friedlich unter den anderen Völkern saßen.

Erst am Anfang des 19. Jahrh. gründete der Scheich Othman dan Fodio ein großes Reich, das vom Niger bis zum Logone und bis nach Südadamaua reichte, mit Sokoto als Hauptstadt. Das Reich Bornu war zwar bestehen geblieben, aber seine Herrscher waren schwach und wenig energisch, aber die Mächte Sokoto und Wadai wurden immer kräftiger. Sokoto dehnte seine Eroberungszüge bis in die Schariländer aus, der Vasallenstaat Adamaua (s. d.) beherrschte den ganzen Norden des Hochlandes von Südadamaua. Nach Süden dehnten die Fulbe ihre Eroberungszüge bis zum Sanaga und weiter aus und verursachten bedeutende Völkerverschiebungen im Süden K.s. Im Norden zogen sich die bedrängten Heidenstämme, die teilweise größere Reiche gebildet hatten, so das Battareich mit der Hauptstadt Kokomi, in die Gebirgsmassive zurück, wohin die Fulbe ihnen mit ihren Pferden nicht folgen konnten.

Im Jahre 1890 drang dann ein ägyptischer Bandenführer, Rabeh, von Osten aus in die Tsadseeländer ein und warf die alten Reiche Bagirmi und Bornu über den Haufen. Damit kommen wir aber in die Zeit der europäischen Entdeckungsreisen hinein, und die Kämpfe der europäischen Expeditionen gegen Rabeh haben gerade zur Erschließung dieser Gebiete beigetragen. - Die Entdeckungsgeschichte K.s gehört fast ganz der neuesten Zeit an. Aus ältester Zeit liegen nur 2 Berichte vor - der eine in den Geschichtsbüchern Herodots, der andere auf Erztafeln eines karthagischen Tempels -, die es wahrscheinlich machen, daß schon im Jahre 550 v. Chr. die Phönizier bei einer Umschiffung Afrikas und später 450 v. Chr. der Karthager Hanno an die Küste K.s gekommen sind.

Aus den folgenden 2 Jahrtausenden liegt keine Kunde über dieses Land vor. Im Jahre 1484 segelte der Portugiese Cao auf der Suche nach dem Wege nach Indien zwischen dem K.berge und Fernando Po durch und ankerte in der Gegend des heutigen Victoria. Seit der Zeit zeigen zwar die Weltkarten, zuerst die Karte Martin Behaims, die charakteristische Linie der Biafra-Bucht in allgemeinen Umrissen, zu einer Besetzung oder Erforschung der K.er Küste hat diese Kenntnis in den nächsten Jahrhunderten aber nicht geführt. Die Niederlassungen der an der übrigen westafrikanischen Küste tätigen Kolonialmächte, zuerst der Portugiesen, dann der Holländer, Engländer, Spanier und Franzosen haben für sie nur als Stützpunkte des Sklavenhandels oder der Schiffahrt nach Indien Bedeutung gehabt.

Für diese Zwecke war die K.-Küste durch ihre Lage in der innersten Ecke der Ausbuchtung, die die afrikanische Westküste bildet, wenig geeignet. Im 19. Jahrhundert nahm die Unterbindung des Sklavenhandels und die Ablenkung des asiatischen Verkehrs durch den Suezkanal den westafrikanischen Niederlassungen auch noch den Rest ihrer Bedeutung und veranlaßte die dort ansässigen Mächte teilweise zur Aufgabe ihrer Niederlassungen. Erst in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts gab die gewaltige Steigerung des Güterverbrauches und der Güterbewegung von allen Teilen der Erde nach den Handelszentren in Mitteleuropa den bisher als wenig wertvoll betrachteten westafrikanischen Gebieten eine neue Bedeutung. Die früher dort tätigen Kolonisationsmächte besetzten ihre alten Niederlassungen wieder, und Deutschland trat als neuer Bewerber hervor. Die Tätigkeit deutscher Kaufleute an der westafrikanischen Küste, ging der deutschen Besitzergreifung Kameruns voraus.

Im Jahre 1862 schon hatte die Hamburger Firma Woermann in Französisch-Gabun eine Handelsniederlassung und in den nächsten Jahren weitere Niederlassungen in Lagos und Akkra und 1868 in Duala angelegt, und dieser ersten Niederlassung an der K.er Küste waren bald weitere deutsche und ausländische Firmen gefolgt. Der politische und kaufmännische Wettbewerb des Auslandes veranlaßte die deutschen Handelsinteressenten zu wiederholten Eingaben an die Reichsregierung, die noch freien Gebiete an der afrikanischen Westküste zu besetzen. Diese Eingaben hatten erst im Jahre 1884 Erfolg. Am 14. Juli 1884 hißte Nachtigal im Auftrage der Regierung in Duala die deutsche Flagge, nachdem dies einige Tage vorher schon in Lome (Togo) geschehen war.

Das Küstengebiet nördlich und südlich von Duala wurde unter dem Widersprüche Englands unter deutsche Schutzherrschaft genommen. Es fand aber bald eine Einigung mit England und auch mit Frankreich statt, auf Grund deren die Küste von Kampo bis Rio del Rey unbestrittener deutscher Besitz wurde. - Das folgende Jahrzehnt diente der Ausdehnung der deutschen Hoheit in das Innere des Landes. Von diesem war zu jener Zeit wenig bekannt. Denn die ersten Forschungsreisen in unsere Kolonie gingen nicht von der Küste aus, wie man wohl annehmen möchte, sondern führten durch die Sahara ins Tsadseegebiet. Die Reisenden benutzten die großen Verkehrsstraßen, die von den Sudanreichen nach Tripolis führten. Im Jahre 1806 kam Hornemann von Tripolis bis zum Niger, wo er ermordet wurde. 1822 erreichten die Engländer Denham (s. d.), Clapperton und Oudney den Tsadsee.

Dann kamen im Jahre 1851/52 die Reisen von Barth (s. d.) und Overweg; Barth drang bis Jola und bis zu den Tuburisümpfen vor. An die letzteren gelangte auch Vogel (s. d.). Durch die Reisen von Rohlfs (1865/67) und Nachtigal (s. d.) (1869/74) wurden die ganzen Tsadseeländer noch weiter bekannt. Flegel (s.d.) reiste 1879 den Benue hinauf und drang auf dem Hochland bis Ngaundere vor. Bis zum Nordrand des Plateaus war K. nach Süden bekannt, als im Jahre 1884 die Besitzergreifung erfolgte. - Damit begann ein neuer Abschnitt der Geschichte. Hatten die Reisen bisher in der Hauptsache wissenschaftlichen, nicht politischen Charakter, so kam es jetzt sehr darauf an, die Landesgrenzen des neu erworbenen Küstenstreifens gegenüber dem Wettbewerb der Nachbarn möglichst weit in das Innere vorzuschieben. An der Küste war man bis dahin überhaupt noch nicht weit vorgedrungen. Die einzigen Erfolge waren die Besteigung des K.berges durch Burton (s. d.) und Mann (1861/62), und nur der Pole Rogoczinsky (s. d). war 1883 bis zum Barombisee gelangt. Auch nach der deutschen Besitzergreifung gelang es einige Jahre lang nicht, über den Küstensaum - hinaus vorzudringen.

1885 erforschten Stubenrauch und Schuckmann das Kalabargebiet, Zöller (s. d.) den K.berg und den unteren Sanaga. Dann gelang es Zintgraff im Dienste der Kolonialverwaltung die Bakossiberge zu erreichen, ferner gründete er die Barombistation am Elefantensee 1888. Im selben Jahr noch erreichte er das Banjangland, aber erst 1889 gelang ihm der Durchbruch zum Grasland. Er erreichte Bali und zog nach Jola, von dort über das Bekomhochland zurückkehrend. 1890 wurde Baliburg gegründet. Im Süden gelang der Aufstieg aufs Plateau schon 1887, wo Kund (s. d.), Tappenbeck (s. d.) und Weißenborn den Njong und Sanaga entdeckten. 1889 wurde hier die Station Jaunde gegründet. Morgen (s. d.) entdeckte 1890 den Mbam und zog den Sanaga entlang zur Küste; im selben Jahre noch führte eine zweite Expedition ihn nach Joko, Tibati, Banjo und Ibi. Dieselbe Route fast führte 1891/92 Stetten (s. d.) und Hering nach Ngambe und von dort über Banjo nach Jola. Inzwischen waren die Franzosen von Osten und Westen in Mittel-K. eingedrungen und hatten überall Verträge abgeschlossen. De Brazza war vom Kongo aus den Ssanga hinaufgefahren, Mizon war vom Benue aus über Kunde und Gasa nach Bania marschiert, Maistre gelangte vom Ubangi zum Schari und von dort nach Lai, Lame und Garua. So war es höchste Zeit, daß 1893 die Expedition von Uechtritz (s. d.) und Passarge (s. d.) von Garua aus nach Bubandjidda, Marua und Ngaundere vorstieß und überall Verträge abschloß.

 Diese Vorgänge führten 1893 und 1894 zu Verträgen mit England und Frankreich, in denen die deutsch-englische Grenze bzw. die deutschfranzösische Grenze festgelegt wurde und damit zur Anerkennung des Kameruner Hinterlandes als deutsches Schutzgebiet von annähernd der Größe Deutschlands. Es folgte nun zunächst bis 1898 eine Zeit der Ruhe, in der man sich darauf beschränkte, die in Besitz genommenen Gebiete in Verwaltung zu nehmen. Neue Vorstöße, die häufig mit Kämpfen verbunden waren, setzten seit 1898 wieder ein. Der östliche Süden des Schutzgebietes wurde vom Kongo-Ssanga her durch Plehn im Jahre 1899 erschlossen. Seine Arbeit setzten in den folgenden Jahren Frhr. v. Stein und Scheunemann fort; ersterem gelang die Überwindung des breiten menschenleeren Urwaldgebietes, das den Südosten des Schutzgebietes von der Küste trennt. Die Buli, im Hinterland der Südküste wurden, nachdem sie 1900 Kribi überfallen hatten, durch v. Bülow unterworfen. Die Wute, die 1899 durch v. Kamptz bereits unterworfen worden waren, wurden 1905 durch Dominik befriedet.

Besonders schwere Kämpfe verursachten in den Jahren 1905 bis 1907 die Bewohner des oberen Njong und Dja; aber erst 1910 wurden hier die Maka, ebenfalls durch Dominik, endgültig unterworfen. Die Keaka und Ekoi am Kreuzfluß bekämpfte 1900 bis 1903 v. Besser und später, 1904, als sie sich wieder erhoben, mit dauerndem Erfolge Mueller, der 1905 auch die Stämme des Manengubagebirges unterwarf. Die Bangwa wurden 1903 zur Botmäßigkeit gebracht, in den folgenden Jahren, hauptsächlich durch Glauning, die zum Bezirke Bamenda gehörigen Stämme. Von hervorragender Bedeutung war die Besetzung des Adamaua- und Tsadseegebietes. Hier hatten 1900 die Franzosen auf deutschem Gebiete den Eroberer Rabeh, der im Herzen des Sudan ein mächtiges Reich gegründet hatte, entscheidend geschlagen. Sollte das Ansehen des Deutschen Reiches dort nicht verloren gehen, so mußte eine Besetzung der Gebiete deutscherseits erfolgen. Diesem Zwecke dienten die Züge von Cramer v. Clausbruch, Dominik, v. Bülow, Rathke und Pavel, die teilweise gefährliche Kämpfe mit dem Sultan von Jola, der von den Engländern aus seiner Residenzstadt vertrieben worden war, zu bestehen hatten.

Nachdem dieser 1902 bei Marua geschlagen worden war, wurde das Tsadseegebiet dauernd besetzt. Die Unterwerfung und Befriedung des Landes hat sich im allgemeinen ohne größere Störungen und ohne erhebliche Rückschläge, wie sie in Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika eingetreten sind, vollzogen. Die Stellung des Gouverneurs wurde nach der vorübergehenden Verwaltung durch Dr. Buchner (s. d.), den Nachtigal mit seiner Vertretung beauftragt hatte, eingenommen durch Frhr. v. Soden (s. d.), v. Zimmerer (s. d.), v. Puttkamer (s. d.), in dessen Verwaltungszeit (1895-1906) hauptsächlich die Erschließung des Schutzgebietes fällt, dann Dr. Seitz (s. d.), Dr. Gleim (s. d.) und (seit März 1912) Ebermaier (s. d.).- Die Grenze des Schutzgebietes gegen die englische Kolonie Nigerien ist durch ein Abkommen vom 11. März 1913 festgelegt worden, das auch über die Schiffahrt auf dem Kreuzfluß er- leichternde Bestimmungen enthält. Die Süd- und Ostgrenze des Schutzgebietes gegen Fran- zösisch-Äquatorialafrika wurde durch ein Abkommen vom Jahre 1908 genau festgelegt. Inzwischen hat diese Grenze durch das deutsch französische Abkommen vom 4. Nov. 1911 ihre Bedeutung verloren.

K. hat durch das Abkommen im Süden und Osten gegen Abtretung des Dreiecks zwischen Logone und Schari und gegen die im Marokko-Abkommen enthaltenen Zugeständnisse eine Vergrößerung ungefähr um die Hälfte seiner Fläche erfahren. Die neuen Gebiete sind deutscherseits zum größten Teil am 1. Oktober 1912, zum kleineren Teil am 1. Januar, 1. April und 1. Juni 1913 in Besitz und Verwaltung genommen worden. Die neuen Grenzen werden durch eine gemischte Kommission festgelegt. Die Grenze zwischen K. und Spanisch-Guinea ist noch nicht in natura festgelegt. S. Erwerbung der deutschen Kolonien 3 und Grenzfest- setzungen.

 

Geschichte