Geschichte.

 

Schon vor der Besitzergreifung durch das Deutsche Reich waren Bremer und Hamburger Kaufleute in Togo ansässig. Sie hatten durch Vertrag mit einem Häuptling in Anecho das Recht erworben, dort Handel zu treiben. Mehrere von ihnen vermittelten den Warenverkehr zwischen Deutschland und den Faktoreien in Afrika auf eigenen Segelschiffen. 1882 richtete die Woermann -Linie einen regelmäßigen Verkehr zwischen Hamburg und Westafrika mit Dampfschiffen ein, die auch Togo anliefen. Ein von dem englischen Distriktskommissar in Kitta unternommener Versuch, Anecho durch Truppen besetzen zu lassen, schlug fehl. Hingegen erbaten mehrere Häuptlinge in Anecho deutschen Schutz.

Der zum Reichskommissar für die afrikanische Westküste ernannte Generalkonsul Dr. Gustav Nachtigal (s. d.) schloß am 5. Juli 1884 mit dem Vertreter des Häuptlings Mlapa einen Schutzvertrag ab und hißte am gleichen Tage die deutsche Flagge in Bagida und am folgenden Tage in Lome, der jetzigen Landeshauptstadt, welche damals nur ein von drei Weißen bewohntes ärmliches Fischerdorf war. Am 5. Sept. 1884 schloß der zum Kaiserlichen Konsul mit dem Amtssitz in Lome ernannte Kaufmann Randad mit dem Häuptling Mensah von Porto Seguro einen Schutzvertrag ab. Die deutschen Ansprüche auf Anecho wurden französischerseits bestritten. Anecho wurde vorübergehend von Franzosen besetzt, von diesen jedoch wieder aufgegeben, nachdem die französische Regierung durch Protokoll vom 24. Dez. 1885 das deutsche Protektorat über Anecho anerkannt hatte. 1885 wurde Ernst Falkenthal (s. d.) zum Kaiserlichen Kommissar von Togo ernannt.

Er schlug seinen Amtssitz zunächst in Bagida auf. Auf seine Veranlassung wurde am 30. Nov. 1885 die Polizeitruppe in Togo errichtet. Näheres über ihren Entwicklungsgang und ihre Unternehmungen: G. Trierenberg, Togo, die Aufrichtung der deutschen. Schutzherrschaft und die Erschließung des Landes, Berl. 1914, 3. - 5. Teil. 1886 wurde der Sitz der Zentralverwaltung nach -Sebe bei Anecho verlegt. Falkenthal und dessen Sekretär Grade erwarben im Jahre 1886 die Landschaften Towe, Kewe, Agotime und Agome -Palime, Dr. Ernst Henrici 1887 auch die Landschaft Liati. Am 14. und 28. Juli 1886 wurde durch je einen deutschen und englischen Kommissar die Grenze zwischen dem neu erworbenen deutschen Gebiet und der Goldküstenkolonie westlich von Lome an der, Küste durch ein Grenzzeichen festgelegt. Im Jahre 1887 erfolgte eine ähnliche Abgrenzung östlich Anecho bei der Insel Bayol (s. d.) durch je einen deutschen und französischen Kommissar.

Durch das Abkommen vom 27. April 1887 einigten sich Deutschland und Frankreich dahin, daß die Grenze zwischen Togo und Dahomé bis zum 9. Grad n. Br. hinauf durch den Meridian von Bayol gebildet werden sollte. Durch ein im Jahre 1888 geschlossenes Abkommen verabredeten Deutschland und England, im Hinterlande von Togo und der Goldküste eine Neutrale Zone zu schaffen, innerhalb welcher beide Mächte darauf verzichteten, ausschließlichen Einfluß geltend zu machen. Im gleichen Jahre hatte der damalige Hauptmann Curt von Francois (s. d.) einen kühnen Zug ins Hinterland von Togo unternommen, auf dem er bis ins Mossigebiet vordrang und zahlreiche Schutzverträge mit eingeborenen Häuptlingen abschloß; mit, Ausnahme eines einzigen, in Mamprussi abgeschlossenen Schutzvertrages wurden diese Verträge durch das in der Zwischenzeit geschlossene Abkommen betreffend Schaffung einer neutralen Zone gegenstandslos.

Am 2. Juni 1888 gründete Stabsarzt Dr. Ludwig Wolf die Station Bismarckburg (s.d.), welche verschiedenen Expeditionen als Stützpunkt diente. 1889 unternahm Wolf von Bismarckburg aus einen Zug in das nordöstliche Hinterland von Togo; am 7. Mai 1889 schloß er mit dem Häuptling von Tschaudjo (s. d.) einen Schutzvertrag ab. Wolf starb bei der Fortsetzung seines Zuges im Hinterlande von Dahomé. Am 7. Mai 1890 wurde die Station Misahöhe (s. d.) gegründet. Durch Abkommen vom 1. Juli 1890 einigten sich Deutschland und England über die Grenze zwischen Togo und der Goldküstenkolonie; zwischen dem 1888 an der Küste gesetzten Grenzzeichen und der Mündung des Daka in den Volta (s. d.), wo die Südgrenze der neutralen Zone begann, wurde die Grenze durch dieses Abkommen in ihren wesentlichen Zügen festgesetzt. 1889 übernahm Jesko von Puttkamer (s. d.) an Stelle Falkenthals die Leitung des Schutzgebiets. Am 12. Dez. 1891 schloß Hauptmann Kling mit dem Häuptling von Suburuku, der eine Landschaft des Sugureiches beherrschte und am 19. Dez. des gleichen Jahres mit dem Häuptling von Bafilo Schutzverträge ab.

1893 wurde dem Leiter der Zentralverwaltung an Stelle der Bezeichnung Reichskommissar der Titel Landeshauptmann verliehen. Am 8. Juni 1894 schloß der damalige Stationsleiter von Bismarckburg, Oberleutnant von Doering einen Schutzvertrag mit dem Oberhäuptling von Bassari ab. 1894 wurde die Station Bismarckburg in eine Nebenstation umgewandelt; sie entbehrt seit jener Zeit die dauernde Besetzung durch einen Europäer. An ihrer Stelle wurde am 31. Dez. 1894 Kete - Kratschi als Europäerstation gegründet. In der Zwischenzeit betrieb die französische Regierung eine weitausschauende Politik und ließ durch systematisch angeordnete, mit reichen Mitteln ausgestattete Expeditionen mit eingeborenen Häuptlingen im Hinterlande von Dahoné und im westlichen Sudan Schutzverträge abschließen in der Absicht, in Westafrika ein großes zusammenhängendes Kolonialreich zu gründen. Deutscherseits brach im November 1894 die sog. Togohinterlandexpedition von Misahöhe auf, deren Führung in den Händen des damaligen Stationsleiters von Misahöhe, Dr. phil. Hans Gruner und des Oberleutnants von Carnap - Quernheim lag.

Die zur Durchführung dieser Expedition erforderlichen Mittel waren in der Hauptsache von privater Seite aufgebracht worden. - Am 16. Jan. 1895 schloß Dr. Gruner mit dem Oberhäuptling von Sansane - Mangu einen Schutzvertrag ab, desgleichen von Carnap am 14. Jan. 1895 mit dem Häuptling von Pama und am 21. Jan. desselben Jahres mit dem Häuptling von Matschakuale in Kankantschari; die Häuptlinge von Pama und Matschakuale beherrschten Provinzen des Gurmareiches. In jener für die Erwerbung des Hinterlandes außerordentlich wichtigen Zeit erfolgte ein Wechsel in der Leitung des Schutzgebietes; an Stelle des mit den Verhältnissen des Landes vertrauten Landeshauptmanns von Puttkamer, der nach Kamerun versetzt wurde, übernahm August Köhler (s. d.), in Togo Neuling, die Leitung der Zentralverwaltung. Um die im Hinterlande erworbenen Rechte, insbesondere jene in Sansane -Mangu, auch äußerlich zur Geltung zu bringen, ordnete die heimische Regierung die Errichtung einer Station in Sansane - Mangu an, welche Anfang Februar 1896 durch den damaligen Leutnant Frhr. von Seefried unter Oberleitung des Oberleutnants von Carnap erfolgte.

Infolge widriger Umstände mußte die Station jedoch bald einem farbigen Aufseher zur Verwaltung übergeben werden. Die französische Regierung war demgegenüber nicht untätig geblieben; sie entsandte immer neue Expeditionen und suchte durch militärische Besetzung verschiedener Punkte imHinterlande die sog. Occupation effective zum Ausdruck zu bringen. Als Ende 1895 und Anfang 1896 Nachrichten in Kete - Kratschi eintrafen, daß französische Expeditionen in von Tschaudjo abhängigen Gebieten, mit dessen Oberhäuptling Dr. Wolf einen Schutzvertrag abgeschlossen hatte, die französische Flagge gehißt und Besatzungen stationiert hätten, unternahm der damalige Stationsleiter von Kete -Kratschi, Oberleutnant Graf von Zech, einen Zug nach Tschaudjo und Sugu. In Sugu schloß er am 10. Febr. 1896 mit dem dortigen Oberhäuptling einen Schutzvertrag ab und errichtete in Paratau, der damaligen Hauptstadt des Oberhäuptlings von Tschaudjo, eine kleine Station.

Diese wurde 1897 nach Sokode (s. d.) verlegt und in größerem Maßstäbe ausgebaut. Als im November 1896 in Kete - Kratschi neuerdings Nachrichten über die Tätigkeit französischer Expeditionen im Hinterlande von Togo eintrafen und als insbesondere festgestellt war, daß Frankreich durch Errichtung von Stationen in Kirikiri, Bafilo, Kabu und Pama Togo einzuschnüren und vom Hinterlande abzuschließen gedachte, entschloß sich Graf Zech durch eine von Paratau in der Richtung nach Sugu vorgestoßene Postenkette die französischen Maßnahmen zu erwidern. Er entsandte den Leutnant Frhr. von Seefried über Bassari, Dako, Bafilo und Semere nach Sugu mit dem Auftrage, in Sugu eine Station zu errichten und an geeignet erscheinenden Punkten Schutzverträge mit eingeborenen Häuptlingen abzuschließen. Frhr. von Seefried schloß am 8. Dez. 1896 in Semere einen Schutzvertrag ab und errichtete am 10. Dez. 1896 eine Kleine Station in Sugu in der Nähe des Hauptortes Wangara.

Graf Zech, der dem Frhr. von Seefried über die Ostgrenze Togos folgte, schloß am 1. Jan. 1897 mit dem Häuptling von Tschamba und am 5. Jan. des gleichen Jahres mit dem Häuptling von Agulu Schutzverträge ab, errichtete am 10. Jan. 1897 in Semere eine Station, schloß sodann mit dem Häuptling der Landschaft Logba, welche zu dem damals noch ziemlich unzugänglichen Kaburegebiet gehörte, einen Schutzvertrag ab und errichtete zudem noch Stationen in Sudu und in Bassari, erstere als Gegengewicht gegen die französische Besetzung von Bafilo, letztere als Gegengewicht gegen die französische Besetzung von Kabu. Frhr. von Seefried wurde in Sugu stationiert und später durch einen von der Küste erbetenen weißen Beamten ersetzt. Infolge der feindseligen Haltung des Oberhäuptlings von Dagomba (s. d.) in Jendi und des in Kpembi bei Salaga residierenden Oberhäuptlings des Gondjareiches (s. Gondja) war die Verbindung zwischen Kete - Kratschi und der Station Sansane - Mangu, welche, wie erwähnt, nur von Farbigen besetzt war, unterbrochen. Ende 1896 erhielten Dr. Gruner und Oberleutnant Thierry den Auftrag, die Station Sansane - Mangu zu besetzen.

Der Vormarsch dorthin von Kete - Kratschi aus konnte aber nur unter Aufgebot beträchtlicher Machtmittel bewerkstelligt werden. Um den Durchmarsch nach Sansane - Mangu erzwingen zu können, wurde die Polizeitruppe unter Oberleutnant von Massow und dem Polizeimeister Heitmann. über Kete - Kratschi, Jendi nach Sansane - Mangu entsandt. Dieser schloß sich Dr. Gruner und Oberleutnant Thierry an. Nach heftigen Kämpfen bei Bimbila und Adibo, in welchen der Widerstand der Nanumba und der Dagomba gebrochen wurde, traf die Expedition am 11. Dez. 1896 in Sansane - Mangu ein. In der Zwischenzeit hatten die Franzosen in Gurma eine rege Tätigkeit entfaltet und insbesondere die Häuptlinge von Pama und Matschakuale abgesetzt, welche in Sansane - Mangu Schutz suchten. Dies veranlaßte den damaligen Stationsleiter von Sansane Mangu Dr. Gruner, den Oberleutnant Thierry nach Gurma zu entsenden, um die deutschen Ansprüche auf Pama und Matschakuale zur Geltung zu bringen. Oberleutnant Thierry besetzte Pama und errichtete einen Posten in Matschakuale. Naturgemäß ergaben sich sowohl auf der Postenkette Paratau - Sugu als auch auf der Sansane - Mangu - Matschakuale allerlei Reibungen mit französischen Beamten und Angestellten.

Die Errichtung der beiden Postenketten beschleunigten jedoch die Verständigung zwischen der deutschen und französischen Regierung, welche durch das deutsch - französische Abkommen vom 23. Juli 1897 ihr Ziel fand. Durch das erwähnte Abkommen wurde Frankreich Gurma, Sugu und. Semere zugesprochen, während Deutschland Sansane - Mangu und Tschaudjo und die von ihnen abhängigen Gebiete, sowie einen großen Teil der nördlich des Kara gelegenen, unabhängigen Heidengebiete und endlich das sog. Monudreieck zwischen dem Bayolmeridian, dem Monufluß und der Lagune erhielt. Zwei Jahre später einigten sich auch Deutschland und England über die Aufteilung der neutralen Zone. Durch Vertrag vom 14. Nov. 1899 fielen das Gondjareich, der westliche Teil des Dagombareiches und Mamprussi an England; der östliche Teil des Dagombareichs mit der Hauptstadt Jendi und Tschokossi an Deutschland. Über die zur Abgrenzung des Schutzgebiets unternommenen Expeditionen s. Grenzfestsetzungen, Grenzregulierungen und Grenzexpeditionen. Im Jahre 1897 wurde der Sitz der Zentralverwaltung von Sebe bei Anecho nach Lome verlegt. Dies geschah teils aus gesundheitlichen Rücksichten, teils aber auch wegen der besseren Verbindungen, die Lome nach dem Hinterlande bot. 1898 wurde dem Chef der Zentralverwaltung, welcher bis dahin die Bezeichnung Landeshauptmann führte, der Titel Gouverneur verliehen. Gouverneur Köhler, der, wie oben erwähnt, 1895 als Landeshauptmann nach Togo gekommen war, starb am 19. Jan. 1902 in Lome und wurde durch Waldemar Horn ersetzt, der nur bis Oktober 1903 die Geschäfte leitete.

Ihm folgte, erst stellvertretend, dann seit 1905 endgültig Graf Zech (s. d.). Er trat 1910 zurück. 1911 - 1912 war Edmund Brückner, seit 1912 ist S. H. der Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg (s. d.) Leiter des Schutzgebiets. Nachdem das Schutzgebiet in wesentlichen Zügen seine äußere Umgrenzung gefunden hatte, konnte auch dem inneren Ausbau des Landes größeres Augenmerk zugewendet werden. 1898 wurde die Verwaltungsstation Atakpame gegründet. Die einzelnen Verwaltungsbezirke innerhalb des Schutzgebiets, bis dahin sieben, wurden abgegrenzt. Die örtlichen Verwaltungsbehörden entwickelten eine rege Tätigkeit auf dem Gebiete der Landesbefriedung, des Wegebaues, der Eingeborenengerichtsbarkeit und Eingeborenenerziehung und auf wirtschaftlichem Gebiete. Dem Ausbau fahrbarer Straßen und später von Eisenbahnen wurde besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Näheres über den Ausbau der Verkehrsanlagen s. 13. Verkehrswesen.

Die sich mehrenden kulturellen Aufgaben erforderten erhöhte Geldmittel. Wiederholt wurden durch Erhöhung der Zölle höhere Einnahmequellen erschlossen, und schließlich wurde 1907 zur direkten Besteuerung der eingeborenen Bevölkerung übergegangen (s. 15. Verwaltung). Über die Entwicklung des Schulwesens s. 17. Schulen, Missionswesen. Auf die Entwicklung der Landwirtschaft wurde schon bald nach der Besitzergreifung des Landes durch Errichtung von Versuchspflanzungen seitens der Verwaltung Einfluß zu nehmen getrachtet. In Sebe bei Anecho wurde nach Einrichtung der Zentralverwaltung dortselbst ein Versuchsgarten angelegt, in dem Baumwolle, verschiedenene Gemüsesorten, Kaffee u. dgl. angebaut wurden. Gleich nach der Gründung der Station Bismarckburg wurden dort im Jahre 1889 Versuche mit dem Anbau von Baumwolle, später auch von Kaffee, Tabak, Kola u. a. angestellt.

Im Jahre 1890 wurde ein Sachverständiger nach dem Schutzgebiet entsandt, der durch praktische Versuche feststellen sollte, ob die Vorbedingungen zu einer lohnenden Baumwollkultur im Schutzgebiet vorhanden seien. Dieser nahm die schon vor seinem Eintreffen in Sebe in Angriff genommenen Baumwollkulturversuche in die Hand und legte noch weitere Versuchsfelder in Porto Seguro und Lome an. Wegen Beschränktheit der verfügbaren Mittel wurden diese Baumwollkulturversuche wieder aufgegeben. Ähnlich wie in Bismarckburg wurde auch in Misahöhe bald nach Gründung dieser Station eine Versuchspflanzung angelegt, welche später in größerem Umfange ausgebaut wurde. Gleiches geschah nach der Gründung der Stationen Kete - Kratschi, Sansane - Mangu, Sokode und Atakpame auch an diesen Orten und in späteren Jahren auch in Bassari, Jendi, Kpandu und Ho.

Bald nach Verlegung der Zentralverwaltung von Sebe bei Anecho nach Lome wurde in dem letztgenannten Ort ebenfalls ein größerer Versuchsgarten errichtet. Zusammenfassende Berichte über die Versuchsgärten in Sokode und Bassari im Jahresbericht über die Entwicklung der Schutzgebiete in Afrika und der Südsee 1006/07, Teil D. Togo, über die Versuchsgärten in Lome und Aatakpame desgl. 1907/08 und über die Versuchsgärten in Anecho, Sansane -Mangu und Kete - Kratschi desgl. 1908/09. Über die Geschichte des Baumwollbaues in Togo vgl. KolBl. 1911 S. 229 ff und 282 ff. Im Jahre 1903 wurde auf Veranlassung des Gouvernements vom Vertreter des Kolonialwirtschaftlichen Komitees in Togo eine sogenannte Baumwollschule eingerichtet.

1906 wurde ein land- und forstwirtschaftlicher Beirat beim Gouvernement argestellt. Am Ende des gleichen Jahres erfolgte die Umwandlung der Baumwollschule in eine Acker bau schule, deren Organisation durch Verfügung des Gouverneurs vom 29. Dez. 1906, ABl. Togo 1907 S. 1, festgesetzt wurde. 1908 wurde beim Gouvernement ein besonderer landwirtschaftlicher Beirat angestellt und diesem zugleich die Oberleitung der Ackerbauschule übertragen, die im gleichen Jahre vom Gouvernement übernommen wurde. 1911 wurde eine Baumwollsaatzuchtstelle, 1912 zwei weitere solche errichtet. Die Ackerbauschule in ihrer bisherigen Organisation wurde 1912 aufgehoben und in eine Landeskulturanstalt umgewandelt. Im gleichen Jahre wurden auch Bezirkslandwirtstellen geschaffen; die Obliegenheiten der Bezirkslandwirte sind durch eine Dienstanweisung vom 6. Mai 1912 ABl. Togo S. 333 festgelegt worden; seit 1912 sind drei, seit 1913 fünf Bezirkslandwirte in Togo tätig; drei von ihnen leiten zugleich die Baumwollsaatzuchtstellen.

Über die Geschichte der europäischen Pflanzungen s. 11. Europäische Unternehmungen, a) Pflanzungsunternehmungen. Über die Entwicklung der Forstwirtschaft s. Forstwesen.

Auch der Gesundheitspflege wurde vermehrtes Augenmerk zugewendet. Während nach der Besitzergreifung Togos nur ein Regierungsarzt in dem 1894 gegründeten Nachtigal -Krankenhaus in Anecho tätig war, wurde nach der Verlegung der Zentralverwaltung nach Lome auch dort ein Regierungsarzt stationiert. 1905,wurde in Lome eine Krankenbaracke für Europäer, 1909 das Königin - Charlotte -Krankenhaus, mit dem ein Eingeborenenkrankenhaus verbunden ist, eröffnet. 1907 erfolgte die Stationierung eines Regierungsarztes in Palime, 1912 eines er solchen in Atakpame.

Die Bekämpfung d Pocken und des Aussatzes wurde teils durch Regierungsärzte, teils durch Verwaltungsbeamte mit wechselndem Erfolge durchgeführt. Seit 1906 besteht ein Aussätzigenheim bei Bagida. Seit 1912 erfolgt die Pockenbekämpfung durch besondere Impfärzte. 1908 wurde die systematische Bekämpfung der Schlafkrankheit in die Wege geleitet. Wiederholt sind Forscher mit der Bekämpfung der Genickstarre, des Gelbfiebers und der Tsetsekrankheit der Rinder beschäftigt worden. Die hygienischen Verhältnisse wurden endlich noch durch systematische Bekämpfung der Stechmücken, Regelung der Städtebebauung, Zuschütten von Sümpfen, Erschließung von Wasser, Bau von Brunnen und Aborten nach, Möglichkeit verbessert.

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