Westwall: Ein Stück Geschichte

Nordeifel. Die öffentliche Hand ist knapp bei Kasse. Aber manche Töpfe scheinen noch voll zu sein.
 

Die Bundesregierung will 35 Millionen Euro ausgeben, um Teile des 630 Kilometer langen Westwalls zu beseitigen.

Die Verteidigungsanlage aus dem Zweiten Weltkrieg mit Bunkern und Panzersperren durchzieht auch die Nordeifel; sie reicht vom Niederrhein bei Kleve bis Weil am Rhein nahe der Schweizer Grenze.

Der Eifelverein lehnt den Abriss der geschichtsträchtigen Bunkeranlagen ab und fordert: Der Westwall darf nicht heimlich beseitigt werden. Dabei haben die Arbeiten längst begonnen.

Auf einem Höhenrücken bei Schleiden rückten bereits letzten Herbst die Bagger an. Schweres Gerät beseitigte Beton und Stahl und verfüllte die Hohlräume mit Erdreich. Die gechleiften Bunker lagen teils weitab vom Wegenetz. Eine Gefahr ging kaum von ihnen aus.

Natuschützer protestierten schon vor Jahren auch gegen Bunker-Abriss im Kalltal. In den unzugänglichen Ruinen hatten geschützte Tiere Unterschlupf gefunden.

Der Eifelverein, der sich im Rahmen einer Fachtagung mit dem Problem beschäftigte, verweist auf die historische Dimension des Bauwerks und erwartet, dass der Westwall künftigen Generationen als Mahnmal und ein Stück praktischer Geschichtsunterricht erhalten bleiben müsse.

Wanderungen zu den Bunkern und Höckern gehören längst zum festen Wanderprogramm von Ortsvereinen des Eifelvereins. So sind auf gebiet der Stadt Nideggen, «Im Buhlert», drei Bunker über Wanderwege erreichbar.

Und der Geschichtsverein Hürtgenwald hat einen «Pfad des Gedenkens» an die erbitterten Schlachten dort errichtet. Bei Einheimischen wie bei Touristen stießen die Reste des Westwalls auf reges Interesse, weiß der Eifelverein.

Die Kulturwarte des Vereins haben angeregt, dass sich das Bundesvermögensamt mit den Gemeinden auf eine praktikable Unterhaltung der Anlagen verständigt. Hier könnten auch Vereine und interessierte Gruppen tätig werden.

Bisher stießen solche Vorschläge auf eisiges Schweigen bei den zuständigen Bundesdienststellen. So hörten der Eifelverein und die Gemeinde Simmerath keine Reaktion, als sie vorgeschlagen hatten, Bunker gegen Ablöse ins Eigentum zu übernehmen und die Ruinen als Mahnmal zugänglich zu machen.

(wts) (11.06.2003 | 17:56 Uhr)

 

Westwall - Eine Geschichte