Die Republik Tansania (942 626 Quadratkilometer) ging 1964 aus dem Zusammenschluss von Tanganyika und Sansibar hervor.
Der Festlandsteil von Tansania (Tanganyika) ist entlang der Küste überwiegend eben und flach; den größten Teil der Fläche nimmt aber eine Hochebene mit einer mittleren Höhe zwischen 1 000 und 1 500 Metern ein. Im Nordosten und Südwesten erheben sich isolierte Berggruppen. Der Kilimanjaro, ein vulkanisches Bergmassiv – mit 5 895 Metern die höchste Erhebung Afrikas – befindet sich im Nordosten des Landes nahe der Grenze zu Kenia. Drei der großen Seen Afrikas liegen an den Grenzen Tansanias: Der Tanganyikasee bildet einen Teil der Westgrenze, durch den Victoriasee im Nordwesten verläuft die Grenze zu Uganda, und der Malawisee begrenzt das Land im Südwesten. Der Malawisee und der Tanganyikasee sind Teil des Ostafrikanischen Grabensystems, eines ausgedehnten Verwerfungssystems, das sich vom Nahen Osten bis Moçambique erstreckt.

Sansibar liegt etwa 30 Kilometer vor dem Festland; die Insel ist rund 90 Kilometer lang und hat eine Fläche von 1 660 Quadratkilometern. Sie ist die größte Koralleninsel vor der afrikanischen Küste. Pemba, ungefähr 40 Kilometer nordwestlich von Sansibar, ist 68 Kilometer lang und hat eine Fläche von 982 Quadratkilometern. Beide Inseln sind größtenteils sehr flach.

Geschichte
Im 8. Jahrhundert n. Chr. richteten arabische Kaufleute auf Sansibar und anderen Inseln vor der Küste Ostafrikas Handelsstationen ein; von dort aus trieben sie Handel mit dem Festland
Im Lauf der Zeit wurden einige dieser Inseln, darunter Sansibar und Kilwa, zu unabhängigen muslimischen Sultanaten mit gemischter arabischer und afrikanischer Bevölkerung. Im 16. und 17. Jahrhundert standen sie unter portugiesischem Einfluss, im 18. Jahrhundert wurden Sansibar und Pemba von den Sultanen aus Muscat und Oman unterworfen. 1828 verlegte der Sultan von Oman, Said al-Busaidi, seine Residenz nach Sansibar. Hier förderte er die Erzeugung von Gewürznelken und Palmöl und betrieb Sklavenhandel mit dem Festland. Sein Herrschaftsgebiet umfasste auch Teile des Festlandes, war aber eher ein kaufmännisches als ein territoriales Reich. Seine Nachfolger hatten keine rechtlichen Ansprüche auf das Land, das sie als Kaufleute beherrschten. Als die europäischen Nationen in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts mit der Aufteilung Afrikas begannen, konnten sie die Deutschen und Briten nicht an einer Annexion hindern. Nachdem die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft vom Sultan einen Teil der Insel erworben hatte, wurde Sansibar 1890 durch einen vertraglich festgelegten Tausch zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien zum britischen Protektorat. (Das Deutsche Reich erhielt dafür Helgoland.) Der Sultan hatte nur noch zeremonielle Bedeutung, die meisten wichtigen Entscheidungen wurden von den Briten getroffen. Sultan Khalifa Ibn Harub nutzte seinen Einfluss zur Unterstützung der britischen Herrschaft. Nach seinem Tod entließ Großbritannien Sansibar am 9. Dezember 1963 als Sultanat in die Unabhängigkeit. Die Insel war politisch zerstritten. Einige Wochen später wurden die konservative Regierung und der Sultan in einer blutigen Revolution gestürzt; die linksgerichtete Afro-Shirazi Party unter Amani Karume errichtete die Volksrepublik Sansibar und Pemba.
 

Fossile Funde in der Olduvaischlucht und in einigen anderen Landesteilen belegen, dass das Gebiet bereits vor Millionen von Jahren durch Hominiden der Gattung Australopithecus, Vorfahren des heutigen Menschen, besiedelt war. In historischer Zeit war das Gebiet des späteren Tanganyika von verschiedenen Bantu-Gruppen – darunter Chaga, Hehe, Gogo, Yao und Nyamwesi – sowie von Masai und anderen nilotischen Gruppen bewohnt. Ab dem 16. Jahrhundert stand das Küstengebiet unter dem Einfluss der Portugiesen, die später jedoch von Oman-Arabern verdrängt wurden.

Der Deutsche Carl Peters reiste 1884 ohne Regierungsauftrag nach Ostafrika, schloss mit Häuptlingen unter Anwendung krimineller Methoden so genannte Schutzverträge ab und erwarb auf diese Weise riesige Flächen für das Deutsche Reich. Ab 1885 wurden die Grenzen Tanganyikas in mehreren Verträgen zwischen verschiedenen europäischen Staaten ausgehandelt; so einigten sich das Deutsche Reich und Großbritannien 1890 im Helgoland-Sansibar-Vertrag über ihre Einflussbereiche in Ostafrika. Koloniale Interessen in dem Gebiet hatten außer Deutschland und Großbritannien auch Portugal und Belgien. Die Verträge übertrugen die Gebiete des heutigen Tanganyikas, Ruandas und Burundis an das Deutsche Reich (Deutsch-Ostafrika). Sansibar, Kenia und Uganda wurden den Briten zugesprochen, das Kongobecken ging größtenteils an Belgien, Moçambique an die Portugiesen. Die Deutschen investierten große Summen in Tanganyika, um den Nordteil mit Kaffee- und Teeplantagen profitabel zu machen. 1905 kam es zum Maji-Maji-Aufstand. Die antikolonialistisch motivierte Erhebung, die durch Einführung einer Hüttensteuer ausbrach, wurde nach blutigen Kämpfen und einem zweijährigen Buschkrieg 1907 von den Kolonialtruppen niedergeschlagen.

Der 1. Weltkrieg machte die Pläne zur Nutzbarmachung des Landes zunichte, auch in Deutsch-Ostafrika kam es zu Kämpfen. Eine behelfsmäßige Schutztruppe von 12 000 Afrikanern und 4 000 Deutschen unter General Paul von Lettow-Vorbeck konnte sich lange gegen die 250 000 Mann von belgischen, britischen, portugiesischen und südafrikanischen Truppen halten. Nach ihrem Rückzug nach Moçambique, später Nord-Rhodesien, kapitulierte sie schließlich im November 1918. Die Sieger teilten sich das Land; der Völkerbund machte Tanganyika, den größten Teil von Deutsch-Ostafrika, zum britischen Mandatsgebiet (Tanganyika Territory innerhalb Britisch-Ostafrika).

Da die britische Verwaltung während der zwanziger Jahre wenig Maßnahmen zur Kolonialisierung ergriff, baute sich in Tanganyika – anders als im benachbarten Kenia – kein Siedler-Problem auf. Das zeigte sich auch in der Übergangszeit vor der staatlichen Unabhängigkeit. Die größte Partei, die 1954 gegründete Afrikanische Nationalunion Tanganyikas (Tanganyika African National Union, TANU) unter Julius Nyerere war eine gemäßigte Organisation, die ihre Anhängerschaft aus allen ethnischen Gruppen und nationalen Gebieten erschloss. Nyerere wurde nach der Unabhängigkeit Tanganyikas im Dezember 1961 erster Ministerpräsident; ein Jahr später wurde das Land mit Nyerere als Staatspräsident zur Republik. Tanganyika verblieb im Commonwealth.
Im Januar 1964 überstand Nyerere einen fehlgeschlagenen Militärputsch. Um seine Regierung gegen revolutionäre Umtriebe zu stärken, begann er in der Folgezeit Gespräche mit Ministerpräsident Amani Karume von Sansibar; am 26. April führten diese Gespräche zur Bildung der Vereinigten Republik Tansania.
Der erste Präsident Tansanias, Julius Nyerere (*1922), war 23 Jahre lang im Amt. Während seiner Herrschaft wurde Sansibar im Jahr 1964 Teil der Republik. Nyerere machte Tansania zum einzigen Land des Kontinents, das eine afrikanische Sprache als Amtssprache hat.
Die Übereinkunft lag in gegenseitigem Interesse. Sansibar erhielt Hilfeleistungen vom Festland, und Nyerere konnte ganz legal die Revolution auf Sansibar dämpfen. Er wurde Präsident der Union, Karume wurde der erste Vizepräsident. Jedes der Gebiete behielt sein eigenes Parlament und Rechtssystem, ein weiteres Abkommen für mehr Integration war aber vorgesehen. Diese Integration erwies sich jedoch als schwierig, trotz der Föderation blieben die beiden Teilgebiete des Staates sehr unterschiedlich. Die Regierung in Sansibar war wesentlich radikaler und doktrinärer als die Tanganyikas. Auf dem Festland wurden mehrere Wahlen abgehalten, nicht hingegen auf der Insel. Wenn auch die TANU bis 1977 die einzige zugelassene Partei auf dem Festland war, so gab es dennoch für jeden zu besetzenden Sitz in der Regel mehr als einen Kandidaten. Während man in Tanganyika dem britischen Rechtssystem folgte, wurde das Gerichtswesen auf Sansibar 1970 umorganisiert: man führte Volksgerichtshöfe mit drei Mitgliedern ein, Verteidiger waren nicht zugelassen. Aufgrund dieser unterschiedlichen Rechtssysteme lehnten die Gerichte des Festlandes die Auslieferung von Gefangenen nach Sansibar ab. Nach der Ermordung Karumes 1972 wurde Aboud Jumbe dessen Nachfolger; unter ihm nahm der politische Einfluss Sansibars ab. 1977 schlossen sich die TANU und die Afro-Shirazi Party, die einzige Partei Sansibars, zusammen und bildeten unter dem Vorsitz von Nyerere die Einheitspartei Chama Cha Mapinduzi (CCM, Revolutionäre Staatspartei).

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Kurze Geschichte Tansanias