Gewässer

Man kann in K. fünf große Stromsysteme unterscheiden. Das sind:

a) die Flüsse, die zum Meere fließen,
b) die Flüsse, die dem Benue zufließen, also damit dem Nigersystem angehören,
c) die in das abflußlose Tsadseebecken fließenden Flüsse,
d) die zum Kongo und Ubangi gehörenden Zuflüsse, und
e) ganz im Süden die Quellflüsse einiger Nebenflüsse des Ogowe.

Die Hauptwasserscheide geht bei dieser Verteilung des Flußnetzes auf dem Nordrand des Plateaus von K. entlang, und zwar vom Ebomassiv ausgehend zum Bamendagebirge, dann auf dem Kamm des Kumbohochlandes zum Kamm des Ngaunderehochlandes und von dort zum Baiaplateau, in dessen südöstlichem Teile, dem Hochland von Jadé, wir den Quellknoten des ganzen Gebietes besitzen. Hier entspringen der Sanaga, die Quellflüsse des Ssanga, der Uam, als Quellfluß des Schari, sowie die beiden Quellflüsse des unteren Logone, der westliche Logone und der Penndé. Die Wasserscheiden gehen von diesem Zentrum nach allen Seiten.

Die Wasserscheide zwischen den Flüssen, die zum Meer abfließen, und denen, die dem Kongo zufließen, geht auf der Sanagaschwelle entlang, um von dort nach Süden in die Sumpfwasserscheiden der Njemplatte überzugehen, wo es schwer hält, die Quellflüsse verschiedenen Stromsystemen zuzuteilen. Südlich des Dscha teilt sie sich in zwei Äste, die die Quellen des Iwindo zwischen sich einschließen, die aber beide wenig markant sind. Die Wasserscheide zwischen den Zuflüssen des Tsadbeckens und denen des Kongobeckens ist ebenfalls wenig markant; sie senkt sich mit dem allgemeinen Niveau der Landschaften nach Osten zu.

Ein seltenes Vorkommen ist, daß in K. zwei Stromsysteme, das des Tsadbeckens und das des Niger untereinander durch den Tuburisumpf in Verbindung stehen, und daß zu den feuchten Jahreszeiten ein Teil des Logonewassers dem Meere zugeschickt wird. Man nimmt an, daß hier eine Wasserscheideneroberung vom Benue aus stattgefunden hat, und daß der Mao Kebbi, der Ausfluß der Tuburisümpfe, bestrebt ist, den ganzen oberen Logonelauf sich tributär zu machen.

a) Die Küstenflüsse.
Man kann unter den Flüssen, die ihr Wasser ins Meer führen, zwei Arten unterscheiden, je nachdem sie den der Küste parallel verlaufenden aufgebogenen Rand des inneren Plateaus durchbrochen haben, oder ob sie auf diesem entspringen. Danach spricht man von Vorlandflüssen und Hochlandflüssen. Zu ersterer Kategorie gehören alle kleineren Küstenflüsse sowie auch der Kreuzfluß, der allerdings nur mit seinem Oberlaufe auf deutschem Gebiet liegt. Solche sind z. B. der Akpa Korum, der Ndian, der Meme, ferner Mungo, Wuri und Dibamba, sowie der Lokundje und Lobe und endlich im Süden von Spanisch-Guinea der Ndua. Von den Flüssen, die weit auf das Hochland hinaufreichen, ist der größte der Sanaga, der von dem äußersten Ostrand des Hochlandes entspringt. Ferner gehören zu dieser Kategorie der Njong und der Kampo oder Ntem. Wir wollen mit den kleinen Vorlandflüssen beginnen.

Der Kreuzfluß oder Cross River gehört nur in seinem Oberlaufe zu unserem Gebiet. Seine zahlreichen Quellflüsse entspringen auf dem Rand des Plateaus vom Manengubagebirge bis zum Baliplateau. Er durchfließt dann in westnordwestlicher Richtung das OssidingeTiefland und beschreibt auf englischem Gebiet einen großen Bogen, um die Westkameruner Massivregion zu umgehen. Er mündet mit einem ausgedehnten Ästuar, das mit dem Ästuar von Rio del Rey zusammenhängt. Der Kreuzfluß ist bis Mamfe schiffbar und führt daher einen großen Teil des Handels des westlichsten Teils unserer Kolonien zum Meer. Er fließt völlig von den Quellen bis zur Mündung im Urwald, der aber nicht weit von seinem Talweg nach Norden aufhört. Ossidinge und Mamfe sind die wichtigsten an ihm gelegenen Siedelungen. Die beiden nächsten in das Rio-del-Rey-Ästuar mündenden Küstenflüsse sind der Akpa Korum und der Ndian, ersterer die Grenze gegen Nigeria bildend. Beide entspringen auf dem Anom-Bergland und fließen völlig im Waldland. Sie sind wohl nur in ihren untersten Mündungsgebieten schiffbar, wo sie durch ein Netzwerk von Creeks mit dem Hafen Rio del Rey verbunden sind.

Der nächste ebenfalls in das Rio-del-Rey-Ästuar mündende Küstenfluß ist der Meme, der von den Rumpibergen herabkommend erst nach Süden fließt, dann durch den Kamerunberg nach Westen abgelenkt, diesen umfließt. Für die Schiffahrt kommt er nicht in Betracht. Jenseits des Kamerunberges münden im Kamerunästuar die drei im Unterlauf schiffbaren Flüsse Mungo, Wuri und Dibamba. Der Mungo entspringt an den Westhängen des Bamendagebirges, biegt dann nach Süden um und fließt zwischen Manengubagebirge und Kamerunberg hindurch, um mit einem Netzwerk von Creeks in die Kamerunbucht zu münden. Er ist bis Mundame, also bis zum Beginn des kristallinen Vorlandes, schiffbar. Der Wuri, der längste dieser drei Flüsse, ist bis Jabassi schiffbar und entspringt mit seinen Nebenflüssen auf dem Plateaurand vom Ebomassiv bis zum Manengubahochland. Seine Hauptquellflüsse, von denen wohl der Nkam der Hauptfluß ist, der das ganze Innere des Manengubahochlandes entwässert, sind außerdem noch der Dibombe, der vom Manengubagebirge kommt und bis Nganga schiffbar ist, und der Makombe.

An der Mündung des Wuri liegt der Haupthafen der Kolonie Duala. Der dritte der in die Kameruner Bucht mündenden Flüsse ist der Dibamba, der bis Bengange Schiffahrt erlaubt und auf den Vorbergen des Ebomassives entspringt. Wir überschlagen die großen vom Plateau herabkommenden Flüsse Sanaga und Njong und treffen im Süden zuerst auf den Lokundje, der am Plateaurand entspringt, für die Schifffahrt überhaupt nicht in Betracht kommt. Schon 10 km von der Küste beginnen die Schnellen. Wo der Fluß aus der letzten Plateaustufe heraustritt, liegt Lolodorf. Ebenso wie der Lokundje sind der Kribi und der Lobe im Oberlauf tief eingeschnittene Erosionstäler, im Unterlauf von Schnellen unterbrochene Flüsse, die für die Schifffahrt unbrauchbar sind. An der Mündung des Kribi liegt in einer kleinen Bucht der bedeutendste Handelsplatz von Südkamerun, Kribi. Nahe der Mündung des Lobe liegt Groß-Batanga. Der Hauptfluß von Spanisch-Guinea ist der Uelle, der mit seinen Quellen auf deutschem Gebiet liegt und daher hier betrachtet werden muß. Der Uelle entspringt bei Andum, verläuft erst in westlicher Richtung und durchbricht 2 Stufen des Plateauabfalles, jedesmal erst nördlich oder südlich an ihr entlang fließend.

Vom Meer aus ist der Uelle 20 km mit Dampfbooten schiffbar. Die Schiffbarkeit des Oberlaufes beginnt in Fen und endet in Akulaban. In dem südlich von Spanisch-Guinea gelegenen Munizipfel besitzen wir in dem Temboni noch einen kleinen schiffbaren Küstenfluß, der bis Ekododo mindestens für Küstendampfer befahrbar ist. Der Temboni liegt nur im Unterlauf auf d eutschem Gebiet, während der südlichere, ebenfalls in den Rio Muni mündende Ndua oder Noja fast ganz deutsch ist. Wieweit dieser breite Fluß im Unterlauf schiffbar ist, muß sich durch die Erforschung zeigen. -Von größerer Bedeutung sind die großen Küstenflüsse, die Hochlandflüsse Kampo, Njong und Sanaga. Der Kampo bildet an seinem Unterlaufe die Grenze gegen Spanisch-Guinea. An seiner Mündung liegt der Hafenplatz Kampo, die Schiffahrt auf dem Kampo ist aber von hier aus nur einige Kilometer weit möglich.

Der Ntem, wie der Kampo auch heißt, entspringt etwa auf 12° 36' östl. L. südlich der alten deutschfranzösischen Grenze und läuft zuerst bis Minvul in sumpfigen Niederungen. Dann beginnt die Schiffbarkeit bis zum Einfluß des Kom, der wohl eigentlich der Hauptzufluß des Kampo ist. Beim Einfluß des Ke, der von Süden kommt, ist er schon 200 m breit. Außer dem Kom strömen ihm von Norden noch mehrere wichtige Zuflüsse zu, so der Mboro und der Mwila, die beide aus der Gegend von Ebolowa kommen. Eine eigentümliche Erscheinung ist es beim Kampo, daß er sich zweimal mitten im Gebirge in 2 Arme teilt, die erst nach kilometerlangem Lauf sich wieder vereinigen. Die erste Gabelung findet auf der zweiten Plateaustufe statt, und gleich darauf wiederholt sich das Phänomen noch einmal. Die dritte Gabelung liegt eben vor der Mündung und hat eine Länge von über 45 km.

Der ganze Lauf des Kampo liegt in Urwaldgebiet. Weit wichtiger als der Kampo ist der Njong, der auf der Njemplatte entspringt, im westlichen Lauf den Plateaurand in tiefem, an Wasserfällen reichem Tal durchbricht, um dann in ruhigem, zuletzt südlichem Laufe dem Meer zuzuströmen. An seiner Mündung ist er über 600 m breit und bis Dehane, also etwa 60 km, weit schiffbar. Dann treten die ersten Schnellen auf, die sich, je mehr wir uns dem Plateau nähern, mehren. Die Tappenbeckschnellen sind die letzten, und damit beginnt auch wieder die Schiffbarkeit des Njong, die bis Abong Mbang möglich ist. Die wichtigsten Nebenflüsse des Njong sind der Nkele, der vom Plateaurand herunterkommt und dem Ngong im Vorland zufließt, sowie der Pfalla mit dem Sso, die beide von Süden kommen und noch auf dem Plateau münden. Im Unterlauf fließt der Njong im Urwaldgebiet, im Oberlauf wird er von dichten Galeriewäldern bis hinauf zu seiner Quelle umsäumt. An seinem Oberlaufe liegt das wichtige Abong Mbang, der Endpunkt seiner Schiffbarkeit, weiter unterhalb Akonolinga.

Der mächtigste der direkt zur Küste fließenden Flüsse ist der Sanaga, der auf dem östlichen Rande des Kameruner Plateaus entspringend, dieses also in seiner ganzen Breite durchfließt. Auf seinem ganzen Laufe fließt er hauptsächlich in westsüdwestlicher Richtung. An seiner Mündung ist er durch schiffbare Creeks mit dem Kamerunästuar verbunden. Seine Schiffbarkeit reicht im Unterlauf nur bis Edea, wo die ersten Schnellen auftreten. Er durchbricht den Plateaurand, wo dieser seine Richtungsänderung vornimmt, wodurch eine weite Bucht gebildet wird. Aber auch nach Überwindung der Stufe folgen sich eine Schnelle nach der anderen, so z. B. die Nachtigalschnellen, so daß der Strom nur auf einer ganz kurzen Strecke von etwa 50 km unterhalb Ndo schiffbar ist.

Sein Quellfluß ist der Lom, der auf dem Hochland von Jadé entspringt. Von rechts fließt ihm sein größter Nebenfluß zu, der Djerem, der östlich von Ngaundere entspringt und das Siebenstromland entwässert. Unterhalb hat der Sanaga bereits eine Breite von 500-1000 m. Die nächsten Nebenflüsse von Norden sind der Djam und der Dschi, die beide vom Dommegebirge herabkommen. Unterhalb der Nachtigalschnellen mündet ebenfalls von Norden der Nbam mit seinen Nebenflüssen Kim und Nun. Alle von Süden kommenden Flüsse sind unbedeutend. Wir sehen also, daß der Sanaga den ganzen nördlich der Sanagaschnelle gelegenen Teil des Kameruner Plateaus entwässert, und außer einer kleinen Strecke im Mittellauf und eines Teils des Siebenstromlandes nirgends Schifffahrt erlaubt. Auch der Sanaga ist auf seinem ganzen Verlaufe auf dem Plateau von dichten Galeriewäldern umgeben. Wichtige Orte liegen weder an ihm noch an seinen Nebenflüssen, ausgenommen Edea, den Endpunkt der Schiffbarkeit des Unterlaufs.

b) Das Nigersystem.
Die dem Nigersystem angehörenden Gewässer K.s fließen nur dem diesem tributären Benue zu. Der Benue, ein linker Nebenfluß des Niger, entspringt auf dem Ngaunderehochland, fließt zuerst nach Norden und biegt dann in großem Bogen, die Massivregion Nordadamauas durchfließend, in westliche Richtung um, und nimmt dann seine Hauptrichtung WSW ein. Er verläßt das deutsche Gebiet bei der Einmündung des Faro. Das ganze Benuesystem ist weit hinauf schiffbar. Der Hauptfluß selbst ist bis zur Einmündung des Rei schiffbar, und dieser Nebenfluß ist wieder bis Rei Buba befahrbar. Der Mao Kebbi ist bis Lere der Schiffahrt zugänglich, und der Faro und sein Nebenfluß Mao Deo bis Laro.

Der Benue bildet also die natürliche Ausfuhrstraße für den ganzen Norden von K. Von links empfängt der Benue eine ganze Reihe von Nebenflüssen, die auf deutschem Gebiet entspringen. Nur der Faro, der ebenso wie sein Nebenfluß, der Mao Deo, auf dem Ngaunderehochland entspringt, ist ganz deutsch und bildet nur in seinem unteren Laufe die Grenze gegen englisches Gebiet. Die drei nächstfolgenden, der Taraba, der Donga und der Katsena-Allah, haben ihre Quellen auf dem Kumbohochland. Der Taraba und der Katsena-Allah sind im Unterlaufe schiffbar, doch reicht ihre Schiffbarkeit nicht mehr bis auf deutsches Gebiet. Von den rechtsseitigen Zuflüssen des Benue ist vor allem der Mao Schufi oder Mao Rei, der von den östlichen Ausläufern des Plateaus von Kamerun entspringt, ferner der Mao Sidi und endlich der Mao Kebbi, die beide östlich von Lame entspringen, zu erwähnen.

Der Mao Kebbi ist durch die Tuburisümpfe zur Regenzeit mit dem Logonesystem verbunden, so dass dieses also zeitweise einen kleinen Abfluß zum Atlantischen Ozean besitzt. Ein Nebenfluß des Mao Kebbi, der Mao Lue, kommt vom südlichen Teile des Mandaragebirges herunter. Zwei weitere rechtsseitige Nebenflüsse des Benue, der Tiel und der Kilangi, bilden stellenweise die Grenze gegen Nigeria. Entsprechend der Schiffbarkeit des Benue liegen eine Reihe bedeutender Siedelungen an ihm und seinen Zuflüssen. In der Nähe des Benue selbst liegt, allerdings noch auf englischem Gebiet, Jola, weiter oberhalb Garua. Am Mao Schufi liegt Rei Buba, am Mao Kebbi Bipare und Lere. Am Faro bzw. Mao Deo liegen Kontscha, Tschamba und Laro.

c) Das abflußlose Tsadseebecken.
Wie wir gesehen haben, entwässert zu bestimmten Jahreszeiten ein Teil des Logone zum Benue, aber der Betrag ist zu geringfügig, als daß man nicht das Tsadseebecken als ein abflußloses bezeichnen kann. Die für unser Gebiet in Betracht kommenden Zuflüsse des Tsadsees sind der Schari und sein Nebenfluß, der Logone. Der Quellfluß des Schari ist der Uam, der auf dem Plateau von Jadé in der Nähe von Buala entspringt. Er fließt erst östlich und umgeht die Karéberge in einem nach Norden offenen Bogen. Nach Lenfant sollen 3 Stufen überwunden werden, die jedesmal durch eine Reihe von Schnellen angedeutet sind. Dazwischen liegen Flußstrecken, die mit Booten befahrbar sind. Vom französischen Posten des Uam ab ist die Schiffahrt mit Booten abwärts möglich, also erst auf französischem Gebiet. Wie weit der Unterlauf des Uam für die Flußschiffahrt in Betracht kommt, ist noch unbekannt.

Sein größter Nebenfluß von links ist der Nana Baria, der im Lande der Talla Baia entspringt, aber auch bald das deutsche Gebiet verläßt. Der Uam mündet etwas unterhalb Fort Archambault in den eigentlichen Schari, der fälschlich so benannt wird. Dieser, der sich in den Grib fortsetzt, ist bis Fort Crampel für die Gribingi fortsetzt, ist bis Fort Crampe für die Flußdampfer befahrbar und bildet eine vorzügliche Verkehrsstraße bis zum Tsadsee hin. Nur der unterste Teil des Schari bis zum Einfluß des Logone bei Kusseri bildet die deutsche Grenze. Der Logone bildet bis zu dem Punkte, wo er sich in seine zwei Quellflüsse teilt, die Grenze des deutschen und des französischen Gebietes. Dort übernimmt dann der Penndé, der östlichste der beiden, auch östlich Logone genannt, die Grenzführung bis zum Orte Goré.

Der Penndé entspringt auf dem Hochland von Jadé. Man kann drei Regionen unterscheiden. Die erste von der Quelle bis Bi Namcor mit starker Erosion und daher vielen Schnellen; die zweite bis Dokula in welligem Terrain mit breitem Tal, wo Bootschiffahrt möglich ist, und drittens von Dokula an, wo wahrscheinlich Flußschiffahrt möglich ist. Die letzte Schnelle liegt bei Dimbaia. Der westliche Logone ist wahrscheinlich bis etwas unterhalb Kaitia für die Schiffahrt brauchbar. Oberhalb Kaitia teilt er sich in drei Quellflüsse, in den Lim, der vom Hochland von Jadé kommt, den Mbere, der den Mberegraben durchfließt und auf dem Westende des Baiahochlandes entspringt und den Wina, der seine Quelle noch westlich von Ngaundere besitzt. Ein weniger bedeutender Nebenfluß des Logone ist der Nia, der von den östlichen Ausläufern des Ngaunderehochlandes herunterkommt. In ihrem Unterlaufe teilen sich Logone wie Schari in zahlreiche Nebenarme, die teilweise mit Nebenarmen des Jadseram sich treffen und ein Netzwerk von Kanälen bilden, die das ganze Logonetiefland durchziehen.

Ein solcher Arm ist z. B. der Ebeji, der vom Logone ausgeht und nahe dem Jadseram in den Tsadsee mündet. Südlich von Musgam geht der Matia ab, in den die vom Mandaragebirge kommenden Flüsse Tsanaga und Jegoa münden. Der Jadseram bildet die westliche Grenze von Kamerun. Er entspringt auf dem südlichen Ende des Mandaragebirges und fließt in nördlicher Richtung zum Tsadsee, wo er, wie erwähnt, ein unentwirrbares Netz von Mündungskanälen, die mit denen des Schari-Logone zusammenlaufen, bildet. Wie das Benuesystem weist auch das Tsadseesystem eine größere Periodizität der Wasserzuführung auf, als die vorher behandelten Küstenflüsse. Diese Wasserzuführung richtet sich nach den Niederschlägen und kann beträchtliche Schwankungen in der Schiffbarkeit der Flüsse verursachen. Auch liegt hier eine Reihe bedeutender Siedelungen an den Wasserwegen. So liegt Bakassi am Zusammenfluß von Logone und Penndé. Am Logone liegen ferner Lai (französisch), Musgum, Kusseri, Gulfei; am Jadseram liegen Bama und Dikoa.

d) Das Kongosystem.
Zu diesem System gehören die Flüsse, die dem Kongo und seinem großen Nebenfluß, dem Ubangi zuströmen. Das deutsche Gebiet reicht mit zwei schmalen Zipfeln an diese beiden Ströme selbst, und daher müssen diese erst kurz besprochen werden. Der Kongo fließt vom Eintritt des Ubangi an in südwestlicher Richtung. Von seiner Mündung aus ist er bis Matadi schiffbar. Dann folgt aufwärts der Abschnitt der Schnellen und Fälle, der bis zum Stanley Pool reicht. Von dort ist der Kongo wieder dem Dampferverkehr offen. Das deutsche Gebiet erreicht den Kongo bei der Mündung des Ssanga. Der Ssanga entspringt mit seinem Quellfluß, dem Nana, auf dem Hochland von Jadé und fließt in ungefähr südlicher Richtung. Seine Hauptzuflüsse erhält er von rechts. Zuerst fließt ihm der Mambere zu, der vom Baiabochland kommt.

Beide Flüsse besitzen ein ziemlich starkes Gefälle. Weiter unterhalb mündet bei Nola der Kadei, der bei Kunde entspringt, mit seinen Nebenflüssen, dem Dume, dem Bumbe und dem Libumbe. Der Kadei fließt mit seinen Nebenflüssen im Oberlaufe auf den ebenen Flächen der Njemplatte und wir haben darum im Gebiet des Dume und Kadei eine große schiffbare Flußstrecke. Die Endpunkte dieser Strecken sind am Dume die Dumestation, am oberen Kadei der Ort Bakumbo und am unteren Kadei der Ort Delele. Unterhalb tritt der Kadei in eine Zone von Schnellen ein, die bis Nola hin reichen. Bei Nola beginnt die ungehinderte Schiffahrt des Ssanga, die bis zum Kongo hinunterreicht. Der nächste Zufluß von rechts ist der Dscha, der im Unterlauf auch den Namen Ngoko führt, ebenfalls auf der Njemplatte entspringt, erst westlich verläuft, dann aber in einem kurzen Bogen in ostsüdöstlicher Richtung umbiegt. Der ganze Oberlauf des Dscha wird durch Schnellen unterbrochen, so daß eine Schiffbarkeit erst von Dongo oder Ngoila möglich wird, da die letzten Schnellen oberhalb Dongo liegen.

Sein Nebenfluß, der Bumba, den er von links empfängt, entspringt ebenfalls auf der Njemplatte. Bei der Mündung des Ngoko verläßt der Ssanga das gebirgige Terrain und tritt in das Tiefland ein. Eine Reihe von Verbindungskanälen verbindet ihn mit zwei, ihm parallel verlaufenden, die deutsche Grenze bildenden Flüssen, dem Likuala-Mossaka und dem Likuala-Essubi oder Likuala aux herbes. Ersterer entspringt auf französischem Gebiet am Ostabfall der Schwelle von Guinea und ist bis zum Orte Makua auf französischem Gebiet schiffbar. Letzterer entspringt im Tiefland zwischen dem Ssanga und dem Ubangi und ist bis Botunga schiffbar. Das ganze Flußgebiet des Ssanga liegt bis auf seine beiden Quellflüsse im Gebiete des Urwaldes. Im Tieflande sind die Ufer sumpfig, der Fluß teilt sich in viele Arme, besonders nach der Mündung in den Kongo zu, wo dieser, der Ssanga und die beiden Likuala, ein unentwirrbares Netz von Kanälen bilden.

Auch hier ist der Wasserstand ein jahreszeitlich sich ändernder. Zur Regenzeit steht wohl das ganze Gebiet des unteren Ssanga unter Wasser. An der Mündung des Ssanga liegt Bonga, am Einfluß des Dscha Wesso (französisch), am Dscha Molundu, Ngoila, Dongo. Am Zufluß des Dume, dem Kadei, liegt Nola, an jenem die Dumestation. Am Bumbe liegt Gasa, am Mambere Bania und Carnot. Der Ubangi ist zur Regenzeit bis Bangi mit Dampfern befahrbar. Zur Trockenzeit sind die Schnellen von Singa ein Hindernis. Es ist typisch für die Gründlichkeit der Franzosen, daß sich nicht feststellen läßt, ob diese Schnellen unterhalb der Mündung des Lobai oder oberhalb liegen. Das ist wichtig für den Wert des Ubangizipfels. Vermutlich liegen sie oberhalb, da der Lobai noch 80 km weit schiffbar ist und in sumpfigen Ufern fließt, und die Schnellen meist das Aufhören des Tieflandes bedeuten.

Der Lobai, als der bedeutendste Nebenfluß des Ubangi auf dieser Strecke, entspringt auf dem Plateau von Buar, einem Ausläufer des Hochlandes von Jadé. Sein Nebenfluß wieder ist der Mbaere, der zwischen Ssanga und Lobai fließt. Die Nordgrenze des Ubangizipfels bildet der Pama, dessen Lauf aber noch vollständig unbekannt ist. Ebensowenig wissen wir von den unterhalb des Lobai auf deutschem Gebiete entspringenden, dem Ubangi zufließenden Flüssen, dem Ibenga und dem Motaba.

e) Das Ogowesystem.
Dieses Flußsystem reicht nur mit seinem nördlichsten Teil in das deutsche Gebiet hinein. Die unteren Nebenflüsse des Ogowe, der Abanga und der Okano, liegen nur mit ihren Quellen in Kamerun. Nur der Iwindo mit seinen Nebenflüssen gehört in größerer Erstreckung zum Kameruner Besitz. Der Iwindo, in seinem Oberlauf auch Aina genannt, entspringt nicht weit von der alten deutschfranzösischen Grenze. Er verläuft erst in Sümpfen in östlicher Richtung und biegt dann nach Süden um. Bis zur Mündung des Karagua oder Je, der von Nordosten aus Altkamerun kommt und der bis Ntam mit Booten befahrbar ist, verläuft der Fluß noch auf dem Plateau. Dann treten Hügel auf, der Lauf wird schneller, und einige Schnellen, die aber von der Schiffahrt überwunden werden können, sind vorhanden.

Endgültig Schluß der Schiffahrt ist in Kandjama. Der Dschua, der streckenweise die Grenze bildet, fließt dem Iwindo ebenfalls von rechts zu. Er ist bis fast nach Madjingo hinauf schiffbar. Der Nuna etwas unterhalb mündet von rechts, dann ebenfalls von rechts der Ua und der Mvung. Alle diese Flüsse sind wohl im Oberlauf teilweise fahrbar, aber an ihrem Unterlaufe, ehe sie ins Tal des Ogowe kommen, haben sie, wie auch dieser selbst, eine Reihe von Schnellen zu überwinden. Zuletzt müssen wir noch den in die Gabunmündung fließenden Komo erwähnen, der im spanischen Gebiet entspringt und auf kurzer Strecke durch deutsches Gebiet fließt.

 

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