3. Gewässer

In den zahlreichen Stromschnellen und Wasserfällen, in allerhand auffallenden Richtungsänderungen, im Vorkommen abflußloser Gebiete zeigt sich das jugendlich Unfertige der Entwässerung von D.-O. (S. Tafel 38. Die Angaben über den im allgemeinen sehr geringen Wert der Flüsse als Wasserwege in den Artikeln über die einzelnen. Ebenso die Angaben über die Seen und die Schiffahrt auf ihnen in Einzelartikeln.) Das Hochland schließt zwei größere abflußlose Gebiete ein, das des Rukwasees und das zu beiden Seiten der Ostafrikanischen Bruchstufe. Dies letztere zerfällt wieder in vieleteils große, teils sehr kleine Becken, die aneinander grenzen, ohne daß ihre Entwässerung zusammenhängt. Die wichtigsten sind das Gebiet des Wembäre-Njarasa, des Bubu, Lawa ja Mweri, des Magad und der Massaisteppe (s. d.).

Von ganz fern her greift die atlantische und mittelmeerische Abdachung in das Hochland ein. Die erstere hat sich dank der geringen Meereshöhe des dem Kongo tributären Tanganjika (sein Spiegel liegt in 785 m Höhe) große Teile des zentralen Hochlandes erobert. Der vielfach gewundene Mlagarassi (s. d.) mit seinen trägen Nebenflüssen, vor allem der ihn an Länge erheblich übertreffenden Ugala (s. d.), greift merkwürdig weit nach Osten, noch stärker gegen das Südufer des Victoriasees vor. Der Russisi (s. d.) führt dem Tanganjika die Gewässer des Kiwu zu. Des letzteren hoher Ostrand läßt hier die mittelmeerische Wasserscheide mit den Quellen des wasserreichen Kagera (s. d.) weit nach Westen vordringen. Auch nach Osten greift der Victoriasee mit einigen Zuflüssen ziemlich weit gegen den Ostafrikanischen Graben vor; deren bedeutendster ist der Mara (s. d.). - Alles übrige Land, etwa die Hälfte von D.-O., wird zum Indischen Ozean entwässert.

Trotz der tiefen Lage seines Spiegels, 477 m, gehört zum Njassa, der durch den Schire (s. d.) in den Sambesi (s. d) abfließt, nur ein ganz kleiner Teil dieses Gebietes. Allzu scharf ist der Njassagraben durch die aufgewulsteten Hochlandsränder von der Umgebung abgetrennt. Entsprechend der Ausdehnung des sedimentären Vorlandes sind die zum Indischen Ozean gehenden Flüsse im Süden D.-O.s länger als im Norden. Der Größe nach geordnet sind die vier längsten Flüsse: Rowuma (der Ludjende-Rowuma ist etwa ebenso lang), Ruhudje-Kilombero-Rufiji, Kinjasungwi-Mukondokwa-Mkata-Wami und Lumi-Pangani. Den Wassermengen nach, über die wir leider noch sehr wenig Genaues wissen, dürfte der Wami erst an vierter Stelle stehen. Auffallend ist der Parallelismus in der Richtung des Rowuma und der nordwärts benachbarten nur im Vorland wurzelnden Mbemkuru und Matandu. Sie entspricht wohl der einstigen Abdachungsrichtung, die die Flächen besaßen, als sie zur Kreidezeit über den Meeresspiegel auftauchten. Von kleineren Küstenflüssen sind noch nennenswert: der Kingani und der Umba, beide von Gneishorsten herabkommend. In den Artikeln dieses Lexikons, die die einzelnen Flüsse behandeln, finden sich viele neue Angaben über die Flußlängen. Sie entsprechen Messungen, die meist der Karte in 1:300000 (s. o.), wo möglich solchen größeren Maßstabes ausgeführt wurden.

Die Wasserführung der Flüsse D.-O.s ist sehr ungleichmäßig. Zunächst zeigt sie scharf die jährliche Periode, die sich aus den folgenden klimatischen Angaben ergibt. Ein paar Wochen vor Schluß der Regenzeit und am Ende der Trockenzeit sind im Durchschnitt die Gegensätze am größten. Bei weitem der größere Teil des Flußnetzes von D.-O. trocknet in jedem Jahre aus; so hat z. B. von den Flüssen, die sich auf deutschem Boden von Osten in den Victoriasee ergießen, einzig der Mara das ganze Jahr über Wasser. Aber auch der Einfluß unperiodischer Witterungsschwankungen ist recht stark. Ein einziger großer Regen kann zu gewaltigem Anschwellen führen. Fällt die Regenzeit einmal zum größten Teil aus, so sind selbst die wenigen bedeutenderen Flüsse fast wasserlos. Hiermit muß jede Benutzung der von Schnellen und Fällen freien Teile des Rowuma, Rufiji, Pangani und Kagera rechnen.

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