Gewässer.

Die Gewässer des Schutzgebiets zerfallen in Quellen, d. h. in das emporquellende Grundwasser außerhalb de Flußläufe, ferner in das zutage tretende Grundwasser innerhalb des Flußlandes, in das oberflächlich dahinströmende Wasser der Riviere und. endlich in die stehenden Gewässer in den Pfannen, in Brunnen sowie in den Vleys und in Bänken. Diesen ziemlich mannigfaltigen Formen des Wasservorkommens ist jedoch allen die Seltenheit ihres- Vorkommens in Vergleich mit feuchteren Ländern eigen.

Eine anderwärts in Afrika so großartige Form der Gewässer, die der Seen, fehlt eigentlich ganz in diesem Gebiet, denn was wir als solche bezeichnen könnten, wie das Einsturzbecken des Otjikotosees, verdient seiner Größe nach eher mit großen Becken verglichen zu werden. Die Quellen sind äußerst selten. Sie werden hauptsächlich durch die warmen Sprudel vertreten, die in einer nordsüdlich das ganze Siedlungsgebiet durchziehenden Zone auftreten, welche im Kaplande bis in die Gegend der südwestlichen Karru zu verfolgen ist. Innerhalb des Schutzgebiets sind ihre Temperaturen hauptsächlich von H. Schinz, K. Dove und Th. Rehbock bestimmt worden.

Einige, wie diejenigen von Klein- und Groß- Barmen, liegen zwischen 60 und 65, die Rehobother Quelle übersteigt 50°, die heißesten sind aber die Sprudel von Omburo mit 76,5° und die stärkste der Windhuker Quellen mit rund 78°. Echte Quellen kommen aber auch außerhalb der Heißquellenzone am Waterberg, ferner bei Grootfontein und am Waterberge vor und liefern zum Teil recht erhebliche Wassermengen. An letzterem bildet die Hauptquelle sogar einen Bach, der sich etwa eine Viertelstunde weit bis in das ebene Land hinaus verfolgen läßt. Auch manche der erbohrten Wasserstellen kann man nunmehr zu den echten Quellen zählen. Das fälschlich als Fontein bezeichnete, innerhalb der Flußbetten oder wenigstens im Seitenlande der Riviere zutage tretende Wasser darf mit diesen echten Quellen nicht verwechselt werden. Namentlich wo sich Felsriegel im Untergrunde des Flußgeschiebes finden, wird der Grundwasserspiegel gehoben, und bisweilen treten seine Wassermassen in Gestalt eines kleinen Baches zutage. Von den echten Quellen unterscheiden sich diese Wasserläufe, die übrigens selten über mehrere hundert Meter Lauflänge hinausgehen, schon dadurch, daß sie nur ganz ausnahmsweise länger als einige Monate fließen. Ihre Ergiebigkeit ist aber keineswegs gering.

An der Wasserstelle von Usab im Swakopbette betrug die oberflächliche Wasserführung noch im August 1892, allerdings nach einer guten Regenzeit im Oberlande, etwa 40 Sekundenliter. Sehr groß können die von den Fonteinen gelieferten Wassermengen selbst ein drittel Jahr nach dem Ende einer ergiebigen Regenzeit sein. So fanden sich nach der besonders günstigen Niederschlagsperiode 1892/93 im Elefantenflusse zwischen Windhuk und Seeis ergiebige Fonteinen von mehreren hundert Metern Länge im Juli an verschiedenen Stellen vor. Charakteristisch für diese Art des Wasservorkommens ist, daß es sich stets um ein Zutagetreten des im Flusse sich talwärts bewegenden Grundwasserstromes, dagegen niemals um ein von oben her zusammengelaufenes Gewässer handelt, das wir stets als "abkommendes" Wasser bezeichnet finden.

Dies zuletzt erwähnte Wasser ist es, das unsere Aufmerksamkeit bei der Berücksichtigung der Gewässer des Landes ganz besonders in Anspruch nimmt. Um seinetwillen dürfen wir die Flüsse des Landes mit Ausnahme der dauernd fließenden Grenzflüsse kurzweg als Regenrinnen mehr oder weniger großen Maßstabes ansehen. Im allgemeinen vollzieht sich bei den der atlantischen Abdachung zugehörenden Flüssen das "Abkommen" nach Art der plötzlichen Füllung eines Wildbaches, d. h. mit unerwarteter Plötzlichkeit und mit wesentlich zerstörenden Wirkungen. Die Dauer des Abkommens ist je nach Ergiebigkeit der es hervorrufenden Regengüsse und nach der Größe des bewässerten Gebiets ganz verschieden.

Von Stunden erstreckt sie sich bis zu Tagen, ja sie kann sich in besonders günstigen Regenzeiten auf einige Wochen ausdehnen. - Die von einem abkommenden Rivier beförderten Wassermengen wechseln natürlich innerhalb ein und desselben Flusses je na eh der Beschaffenheit der Landschaft ungeheuer. Der Natur des Landes entsprechend sind sie im Ursprungsgebiet der Stromrinne, d. h. im Hochlande, viel größer als in der Nähe der Küste. K. Dove stellte am Swakop bei Otjimbingwe in einer sehr ausgiebigen Regenzeit eine Wasserführung von rund 1 Mill. cbm in der Stunde fest; schon das Windhuker Rivier beförderte damals, im Beginn des Jahres 1893, nach starken Regen eine Wassermasse von 15 000 cbm talwärts, bei einem Zuflußgebiet von nur rund 150 qkm.

Dagegen maß L. Schultze oberhalb der Mündung 1905 während eines 13tägigen Abkommens nur eine mittlere stündliche Wasserführung von 27 000 cbm. Die Wasserführung des Schafflusses bei Hatsamas wurde dagegen von Th. Rehbock auf mindestens 25 Mill. cbm im Jahre geschätzt, die des Windhuker Flusses 1896/97 auf insgesamt 9 Mill. cbm. Diese Zahlen dürfen nicht überraschen, wenn man bedenkt, daß derselbe Forscher die Wasserführung des Oranje im Unterlauf während der Hochwasserperiode auf mindestens 7 Mill. cbm in der Stunde schätzt. Dove konnte ferner für das mittlere Hochgebiet feststellen, daß, um die mittleren Riviere zum Abkommen zu bringen, wenigstens eine Regenmenge von 1,5 cm am Tage gefallen sein mußte, was den Charakter dieser Flüsse als denjenigen von Wildgewässern noch mehr beleuchtet. - Ganz anders als diese "atlantischen" Gewässer, zu denen auch das System des Großen Fischflusses und die Zuflüsse des Nossob zu rechnen sind, verhalten sich dagegen die Kalahariflüsse und die Omiramba des Nordens.

Hier, wo die Betten der Wasserläufe ein äußerst geringes Gefälle zeigen, ist die Wasserbewegung träge und die Entwicklung von stärkeren und - auf weite Entfernungen oberflächlich fließenden Rinnen behindert. Michaelsen beobachtete selbst im Mittellaufe des großen Omuramba u Omatako nur wenige Stellen, an denen die Beschaffenheit des Flußbodens auf ein gelegentliches Abkommen schließen ließ. Wie das Abkommen großen Schwankungen unterworfen ist, so wechselt auch in den großen Rivierbetten die Höhe des Grundwasserspiegels je nach der Jahreszeit und nach der Ergiebigkeit der vorangegangenen Regenzeiten.

Im unteren Kuiseb fand Stapff bald nach -den letzten Regen den Grundwasserspiegel im Flusse selbst innerhalb der Namib 0,79 m unter der Oberfläche, schon in 89 m Abstand vom Flusse dagegen schon 0,77 tiefer als dort, in 784 m Abstand von diesem sogar 1,52 m unter dem Grundwasserspiegel innerhalb des Kuisebbettes, während Rehbock unterhalb Otjimbingwe noch im November 1896 nach zwei sehr schlechten Regenjahren noch in 1 - 2 m, am Kanflusse allerdings nicht unter 5 m Tiefe Wasser feststellen konnte. -Wie sehr in dieser Hinsicht die Flüsse mit stärkerem Gefälle, deren Grundwasser durch größere seitliche Zulaufmengen während der Regenzeit bereichert wird, im Vorteil gegenüber den Omiramben trotz des in ihrem Gebiet herrschenden Regenreichtums sind, ergibt nicht allein die Tiefe der früher von den Herero im Omuramba u Omatako gegrabenen "Pützen" d. h. Brunnenlöcher, sondern auch eine Mitteilung des Oberleutnants Fischer, nach der am Südufer des Omuramba u Owambo der Grundwasserspiegel zwischen 12 und 20 m liegt!

Die anderen Arten des Wasservorkommens beschränken sich auf stehende Vorräte, die sog. Pfannen, zudem fast ganz auf den ebenen Norden und Osten der inneren Landschaften. Brunnen, die natürlich den Charakter einer Quelle annehmen können, gab es früher mit wenigen Ausnahmen nur in oder unmittelbar an den Betten der Riviere oder der Omiramba; neuerdings sind durch die Tätigkeit der Bohrkolonnen auch an vielen anderen Stellen solche geschaffen worden. Nicht auf eine bestimmte Landschaft beschränkt, aber doch vorwiegend in dem wechselnden Gelände des Innern anzutreffen sind die eigenthohen Vleys, die indessen, da sie nur vom Regen und nicht durch Grundwasser gespeist werden, nur nach guten Regenjahren bis gegen das Ende der Trockenzeit Wasser enthalten.

Wichtiger als sie sind die zahllosen, fast ganz auf das gebirgige Gelände beschränkten natürlichen Becken, die bisweilen mehrere Jahre hindurch große Wassermengen halten können, selbst wenn sie von Vieh und Wild benutzt werden. Daß sie häufiger sind, als man früher annahm, ergibt die fortdauernde Entdeckung von solchen, die früher nur den Eingeborenen bekannt waren, während der Zeit der beginnenden Besiedelung.

 

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