Handel.

Die Übersicht zeigt, daß der Gesamthandel, im letzten Jahrzehnt eine nur im Jahre 1908 durch die allgemeine Welthandelskrise vorübergehend unterbrochene, stark aufsteigende Richtung gehabt hat. Die besonders bemerkenswerte Zunahme seit dem Jahre 1909 ist zum großen Teil auf die gesteigerte Bautätigkeit und auf die fortschreitende Vollendung der Nord- und Mittellandbahn zurückzuführen. Die Vergleichung der Ein- und Ausfuhrziffern ergibt, daß K. mehr Werte einführt als ausführt, was darauf schließen läßt, daß erhebliche Kapitalsinvestierungen im Lande stattgefunden haben und noch stattfinden. Von dem Gesamthandel des Jahres 1912 entfielen 47 Mill. M auf den Handel mit Deutschland, und zwar 27,2 Mill. M auf die Einfuhr aus Deutschland und 19,8 Mill. M auf die Ausfuhr nach Deutschland. -

An zweiter Stelle stand England mit 5,5 Mill. M Einfuhr und 3 Mill. M Ausfuhr, also 8,5 Mill. Gesamthandel. Der Handel mit den übrigen Wirtschaftsgebieten ist sehr gering. Mit den afrikanischen Nachbargebieten betrug er 1912 971000 M in der Einfuhr und 181000 M in der Ausfuhr; mit Amerika 230 800 M in der Einfuhr; mit Frankreich 30000 M in der Einfuhr und mit den übrigen Ländern zusammen 231000 M in der Einfuhr und 221 000 M in der Ausfuhr. Der Anteil der Regierung an der Einfuhr betrug 5,4 Mill. M. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß die Materialien für die Eisenbahnbauten, die im Jahre 1912 im Werte von ungefähr 0,9 Mill. M (1910 5 Mill., 1911 2,4 Mill.) eingeführt worden sind, nicht für Rechnung der Regierung eingeführt wurden. -

Von der Einfuhr des Jahres 1912 kamen für 32,9 Mill. M (191128 Mill. M) über die Küste und für 1,3 Mill. M (1911 1,3 Mill. M) über die Binnengrenzen. Sieht man von der Einfuhr an Eisenbahnmaterial, die ganz über Duala ging, ab, so entfielen von den Gesamthandelsziffern des Jahres 1912 auf Duala 26,4, Kribi 20,3, Victoria 5,7, Molundu 1,4, Garua 1,0, Rio del Rey 0,9 Mill. M. Die Entwicklung der Ausfuhr der Hauptausfuhrartikel in den letzten Jahren geht aus der nachstehenden Übersicht hervor. Es wurden ausgeführt (in Millionen Mark): An erster Stelle steht danach dem Werte nach der Kautschuk. Er ist fast ganz von Eingeborenen produziert worden; die Europäerpflanzungen haben noch nicht 1% zu der Ausfuhrmenge beigetragen. Durch den Gebietszuwachs ist die überragende Bedeutung des Kautschuks für die Ausfuhr noch verstärkt worden, da in Neu-K. die Ausfuhr bisher zu einem noch größeren Prozentsatz aus Kautschuk (80 bis 90 %) bestanden hat als in Alt-K. und auch in Neu-K. der Kautschuk ganz aus der Eingeborenenproduktion stammt. Hauptproduktionsbezirke sind in Alt-K. die Bezirke Joko, Dengdeng, Dume, Lomie und Molundu, in Neu-K. das ganze Ssanga- und Joindogebiet.

Kautschuklianen kommen auch noch nördlich vom Urwaldgebiete in den Uferwäldern des Graslandes vor. Wie lange der aus wilden Beständen stammende Kautschuk seine führende Stellung als Ausfuhrprodukt, die er seit 1904 inne hat, noch wird behalten können, ist sehr zweifelhaft, da er durch die Eingeborenen großenteils im Wege des Raubbaus gewonnen wird und eine wirksame Bekämpfung des Raubbaus sich bisher trotz aller Bemühungen der Regierung als nahezu unmöglich erwiesen hat. Der Preisrückgang auf dem Kautschukmarkt im Jahre 1907/08 hatte für das Jahr 1908 einen erheblichen Rückgang der Ausfuhr zur Folge gehabt. Dieser Rückgang ist im Jahre 1909 jedoch schon wieder eingeholt und in den folgenden Jahren bedeutend überholt worden.

Von der Ausfuhr des Jahres 1911 waren nur rund 68000 M Pflanzungskautschuk, das übrige sog. Handelskautschuk, d. h. als natürliches Erzeugnis des Urwaldes gesammelter Kautschuk. Hiervon gingen für 10,5 Mill. M nach Deutschland, für 0,7 Mill. M nach England. An zweiter Stelle steht die Ausfuhr von Palmkernen, die im Jahre 1910 die Kakaoausfuhr überholt hat. Die starke Steigerung der Ausfuhr an Palmkernen in den letzten Jahren ist hauptsächlich auf das Fortschreiten des Eisenbahnbaues, der reiche Ölpalmgebiete erschloß, zurückzuführen. Von der Palmkernausfuhr des Jahres 1912 gingen für etwa 3,5 Mill. M nach Deutschland, für 0,7 Mill. nach England. Auch die Palmkerne, stammen zum weitaus größten Teil aus Eingeborenenproduktion. Es ist bei der steigenden Bewegung der Preise für Palmöl und Palmkerne zu erwarten, daß diese Produkte in Zukunft eine noch größere Bedeutung für die Eingeborenenproduktion gewinnen, als sie bisher schon hatten, da die Ertragsfähigkeit der Ölpalmen durch die Ernten nicht verringert wird, wie dies bei den Kautschukpflanzen die Regel ist. Die Ölpalmpflanzungen der Eingeborenen sind bisher von geringem Umfang und auf die Umgebung der Stationen beschränkt, wo Saatgut und junge Pflanzen an die Eingeborener verteilt werden. Die Ausfuhr in Kakao in der letzten Jahren zeigt eine nicht sehr starke, aber stetige Zunahme.

Von der Ausfuhr des Jahre 1911 waren für 2,8 Mill. M Pflanzungskakao und für 0,5 Mill. M sog. Handelskakao, d. h. auf Eingeborenenpflanzungen geernteter Kakao. Für 3,9 Mill. M gingen nach Deutschland, für 0,2 Mill. M nach England. Die hauptsächlichsten Ausfuhrgebiete für Eingeborenenkakao sind die Umgebung von Victoria und die Ufer des Mungo-, Wuri-, Dibombe-, Sanaga- und Dibambaflusses, ferner die des Ndonga- und Quaquakriks. Die Eingeborenen ziehen den Kakao hauptsächlich in Gartenkultur, so daß der Anbau der einzelnen Besitzer durchschnittlich gering ist. Dadurch hat bisher die Aufbereitung der Ernten gelitten. Eine planmäßige Organisierung der Aufbereitung und Ausfuhr des Eingeborenenkakao läßt er warten, daß in Zukunft für ihn eine bessere Marktbeschaffenheit erzielt wird.

Die Palmölausfuhr zeigte in den letzten Jahren gegenüber dem Jahre 1907 einen merklichem Rückgang und hat erst im Jahre 1911 den Stand von 1907 wieder erreicht und etwas überholt. Diese langsame Entwicklung der Palmölausfuhr gegenüber der bedeutenden Steigerung der Ausfuhr von Palmkernen wird darauf zurück- geführt, daß die zur Herstellung des Öles notwendige Arbeit von Männern geleistet wird und daß diese in den letzten Jahren in großer Zahl bei den Eisenbahnbauten beschäftigt waren, so daß für die Herstellung des Öles nicht genügend Arbeitskräfte vorhanden waren. Neuerdings wirkt die maschinelle Bearbeitung der Ölpalmfrüchte (s. oben unter 8) günstig auf die Ausfuhrzahlen für Palmöl ein. Von der Palmölausfuhr des Jahres 1912 gingen für 0,7 Mill. M nach Deutschland und für 0,8 Mill. M nach England. - Die Elfenbeinausfuhr zeigte wie überall an der westafrikanischen Küste seit Jahren einen Rückgang. Das ist einmal auf die strengeren Maßnahmen zum Schutze der Elefanten und auf das allmähliche

Aufhören der Zufuhr sog. fossilen Elfenbeins zurückzuführen (s. Elfenbein). Ein großer Teil der Ausfuhr stammt aus Französisch-Äquatorialafrika, von wo das Elfenbein über Garua ausgeführt wird. Gegen die genannten Ausfuhrartikel bleiben die übrigen wie Ebenholz, Njabinüsse, Kolanüsse, Schinüsse, Guttapercha usw. an Bedeutung weit zurück. Auch diese stammen ganz oder zum größten Teil aus der Eingeborenenproduktion. Ebenso spielt die Ausfuhr aus der im Graslande und weiter im Norden bestehenden Vieh- und Pferdezucht der Eingeborenen eine geringe Rolle. Im Jahre 1911 wurden im Residenturbezirk Adamaua 255500, im Residenturbezirk der Tsadseeländer 80000 Stück und im Verwaltungsbezirk Banjo 60000 Stück Zeburinder und in den übrigen Bezirken im ganzen etwa 10000 Stück buckellose Rinder gezählt. Die frühere Ausfuhr nach den englischen und französischen Nachbargebieten hat in den letzten Jahren aufgehört und ist nach dem fleischarmen Urwaldgebiete K.s gegangen.

Die Pferdezucht ist auf Adamaua und die Tsadseeländer beschränkt. Es wurden im ganzen etwa 14000 Pferde und 2000 Ponys gezählt. Rationelle Vieh- und Pferdezucht wird von den Eingeborenen bisher nur in geringem Maße betrieben. Die Bestrebungen der Regierung gehen dahin, durch Errichtung eines Gestütes in Adamaua und durch Einrichtung von Rindviehzuchtstationen sowie durch Belehrung der Eingeborenen eine Höherzüchtung herbeizuführen und durch eine Vermehrung des tierärztlichen Personals den manchmal verheerend auftretenden Tierseuchen, vor allem der Lungenseuche beim Rindvieh, entgegenzuwirken (s. a. Rindviehzucht und Pferdezucht). Die Tatsache, daß die Ausfuhr im wesentlichen auf Kautschuk, Öl, Palmfrüchten und Kakao beruht, verbürgt eine weiter aufsteigende und stetige Entwicklung der Ausfuhr und, da von der Ausfuhr die Kaufkraft der Eingeborenen und von dieser hauptsächlich die Einfuhr abhängt, auch die entsprechende Entwicklung des Gesamthandels.

Bei allen diesen Produkten mit Ausnahme des Kautschuks sind die Aussichten für die nächste Zeit günstig. Durch die Mittellandbahn werden in den nächsten Jahren bisher nicht zu verwertende, reiche Ölpalmbestände erschlossen werden, und die Marktverhältnisse für Ölfrüchte versprechen für die nächste Zeit die gleich günstige Entwicklung wie in den letzten Jahren. Die Kakaoausfuhr läßt eine weitere Steigerung erwarten, da bisher noch nicht alle Pflanzungen erntereif sind und weitere Pflanzungen, besonders auch durch Eingeborene, angelegt werden. Schlecht dagegen sind die Aussichten für den Kautschuk, der in der letzten Zeit infolge des gesteigerten Ertrages der ostasiatischen Kautschukpflanzungen einen derartigen Tiefstand im Preise erreicht hat, daß der wilde Kautschuk aus Kamerun zurzeit nur mit Verlust ausgeführt werden kann. Immerhin liegt in der Zusammensetzung der Ausfuhr aus mehreren Produkten, die für ihr Gedeihen und ihren Absatz ganz verschiedene Vorbedingungen haben, eine starke Gewähr dafür, daß auch bei zeitweiligem Versagen eines Produktes die Entwicklung des Gesamthandels nicht dauernd aus ihrer steigenden Richtung gebracht wird.

Die Zusammensetzung und Entwicklung der Einfuhr in den letzten Jahren geht aus der nachfolgenden Tabelle hervor. Es wurden eingeführt (in Millionen Mark): Die Übersicht läßt den schon erwähnten Zusammenhang zwischen Ausfuhr und Einfuhr erkennen. Der Rückgang der Ausfuhr im Jahre 1908 hat auch einen Rückgang der Einfuhr in diesem und im folgenden Jahre und die Ausfuhrsteigerung im Jahre 1909 eine bedeutende Zunahme der Einfuhr in den folgenden Jahren zur Folge gehabt. Das kommt besonders in der Einfuhr von Geweben zum Ausdruck, die der am meisten begehrte Verbrauchs- und Tauschartikel der Eingeborenen sind. Von der Einfuhr an Textil- und Filzwaren im Jahre 1912 stammen etwa 6,2 Mill. aus Deutschland und 2,9 Mill. aus England; es ist aber anzunehmen, daß der Anteil der englischen Einfuhr noch größer ist, da ein Teil der deutschen Verschiffungen englische Produkte umfaßt. Die starke Konkurrenzfähigkeit der englischen Gewebeindustrie kommt also auch hier, wie überall an der westafrikanischen Küste, zum Ausdruck.

Von dem an zweiter Stelle stehenden Einfuhrartikel - Fleisch, Fische und tierische Nahrungsmittel - kamen für etwa 3,1 Mill. M aus Deutschland für 0,4 Mill. aus England. Etwa die Hälfte dieser Einfuhr besteht aus Stockfischen, einem Hauptnahrungsmittel der eingeborenen Arbeiter. Die an dritter Stelle genannte Einfuhrgruppe - nicht besonders benannte Eisenwaren - wird zum größten Teil für die Bedürfnisse der Eingeborenen eingeführt. Die für die Bahnbauten und sonstigen Zwecke eingeführten Eisenwaren sind in dieser Einfuhr nicht enthalten, nämlich Roheisen, eiserne Schienen und Stangen mit rund 0,7 Mill. M, Wellblech, Nägel usw. mit 0,2 Mill. M, Waren aus anderen unedlen Metallen mit 0,5 Mill. M, Maschinen, Fahrzeuge aller Art und Geräte mit 0,7 Mill. M.

Bei der letzten Gruppe ist zu erwähnen, daß die Einfuhr der Maschinen für landwirtschaftliche Betriebe gegen 1910 erheblich zugenommen hat. Die Zunahme der Reiseinfuhr ist auf die weitere Ausdehnung des Bahnbaues und auf regeren Verkehr zurückzuführen. Die Geldeinfuhr hat auch im Jahre 1912 wieder zum größten Teil aus Silbergeld bestanden. Es ist in diesem Jahre aber auch ein größerer Posten Papiergeld (2,6 Mill. M) eingeführt worden. Die Zollverhältnisse sind in K. durch die Zollverordnung vom 1. Aug. 1911 (Amtsblatt für K. 1911 Nr. 16 S. 331) und die Zolltarifverordnung vom gleichen Tage geregelt. Letztere hat aber inzwischen mehrere wichtige Veränderungen erfahren, zuletzt durch Verordnung vom 10. Sept. 1913 (Amtsblatt für K. Nr. 29 S. 401). Danach ist der Einfuhrzol1 im allgemeinen ein Wertzoll, der bei Geweben 15. v. H., bei Eisenwaren 20 v. H., im Übrigen 10 v. H. beträgt. -Nur wenige Waren sind mit einem besonderen, nach Maß oder Gewicht berechneten Einfuhrzoll belegt, nämlich alkoholische Getränke, Waffen, Pulver, Salz, Tabak, Reis und getrocknete Fische; einzelne Waren gehen zollfrei ein, hauptsächlich Maschinen und Materialien, die für die Investierung im Lande bestimmt sind oder wissenschaftlichen und medizinischen Zwecken dienen..

Ausfuhrzöl1e werden erhoben von Kautschuk, Elfenbein, frischen Kolanüssen und lebenden Nutztieren. Nutztiere sind mit einem Ausfuhrzoll belegt worden, um die Ausfuhr von Vieh und Pferden aus den nördlichen Bezirken K.s nach den benachbarten fremden Kolonien zu unterbinden, mit dem Erfolge, daß diese Ausfuhr auch merklich abgenommen und sich mehr nach dem fleischarmen Süden K.s gelenkt hat. Im Jahre 1911 wurden etwa, 14000 Rinder vom Norden nach dem Süden getrieben. Für die Zollverhältnisse des in dem sog. vertraglichen Kongobecken liegenden Teiles K.s, nämlich die Südostecke AltK.s und den größten Teil Neu-K.s, sind die Bestimmungen der Berliner und Brüsseler Generalakte maßgebend. Die Träger des Binnenhandels waren früher hauptsächlich die an der Küste wohnenden Eingeborenenstämme. Ihr Handel ist aber mehr und mehr von den in K. tätigen europäischen Unternehmungen (s. Abschnitt 10) zurückgedrängt worden. Die am Gummihandel interessierten deutschen Unternehmungen hatten sich bis vor kurzem zu einem Gummisyndikat zusammengeschlossen. Außerdem haben die im südlichen Teil tätigen Firmen zur Vertretung ihrer Interessen die Handelskammer von Süd-K. gegründet, die auf dem Gebiete des geschäftlichen und öffentlichen Lebens eine lebhafte Tätigkeit entfaltet. Nach ihrem Muster hat sich vor kurzem auch in Duala eine Vereinigung zur Vertretung der Handelsinteressen Dualas und Mittel-K.s gebildet.

In den letzten Jahren haben sich die aus dem Norden kommenden Haussahändler mehr und mehr im Binnenhandel ausgebreitet; der Zwischenhandel in Kautschuk, Elfenbein und Vieh liegt größtenteils in ihren Händen. - Für Neu-K. liegen genaue Ziffern über den Handel nicht vor. Der auf Neu-K. entfallende Teil des Gesamthandels von Französisch-Aquatorialafrika wird von französischer Seite auf 10-12 Mill. Franken geschätzt. Im Verhältnis der Ein- und Ausfuhr von Französisch-Äquatorialafrika entfielen davon etwa 6,5 Mill. Fr. auf die Ausfuhr und 3,5 Mill. Fr. auf die Einfuhr. Die Ausfuhr bestand fast ganz aus Kautschuk und, etwas Elfenbein. Bemerkenswert für das Verhältnis zwischen Ein- und Ausfuhr in NeuK. ist, daß in Französisch-Äquatorialafrika im Gegensatz zu Alt-K. seit Jahrzehnten mehr ausgeführt als eingeführt wird.

 

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