12. Handel.

Der Handel D.-O.s hat sich in den letzten Jahren infolge des fortschreitenden Ausbaus der Eisenbahnen und anderer Verkehrswege und der dadurch gesteigerten Produktion ganz bedeutend entwickelt. Tauschhandel ist nur noch in den abgelegeneren Gegenden üblich, im übrigen Schutzgebiet ist er durch Bargeldverkehr verdrängt worden. Der Wert des Binnenhandels ist schwer zu schätzen, er steigt aber von Jahr zu Jahr, wie vor allem die zunehmenden Erträge der Gewerbesteuer ergeben. Den Kleinhandel besorgen neben den Eingeborenen besonders die Inder, welche fast in allen Plätzen Ostafrikas anzutreffen sind und infolge ihrer Genügsamkeit auch da bestehen können, wo europäische Händler keinen Verdienst finden würden. Der Außenhandel wird in der Hauptsache durch deutsche Handelshäuser vermittelt, daneben sind einige andere europäische und auch mehrere indische Großfirmen tätig. Der Gesamtaußenhandel des Schutzgebiets hat sich seit 1900/01 wie folgt entwickelt: Der Außenhandel verteilt sich auf zwei verschiedene Wirtschaftsgebiete.

Das weitaus wichtigere ist das Küstengebiet mit seinem Hinterland, das durch die Nord- und Zentralbahn sowie durch den Träger-, Fluß- und Fuhrwerksverkehr an das Meer angeschlossen ist. Der Handel über die Küstenplätze betrug im Kalenderjahre 1912 69.771.551M. Der Rest im Betrage von 11 955 955 M entfiel auf das binnenländische Wirtschaftsgebiet. Letzteres ist durch zwei größere Verkehrswege an den Weltverkehr angeschlossen, im Süden durch die Schiffahrt und Eisenbahn über Chinde, im Norden durch die britische Ugandabahn; letztere ist durch ihre Verbindung mit der Dampfschiffahrt auf dem Victoriasee von großer Bedeutung für den Handel über die Binnengrenze geworden. Der Gesamthandel über Muansa, Bukoba und Schirati betrug im Jahre 1912 11543170 M. -

Der Handel des Schutzgebiets mit Deutschland bewegt sich in aufsteigender Linie. Er steht seit 1905 an erster Stelle und stellte im Jahre 1912 einen Wert von 43646400 M dar (1913 einen solchen von 48978000 M). Die bedeutendsten Handelsplätze des Schutzgebiets sind die beiden Ausgangspunkte der Eisenbahnen Daressalam (32321000 M) und Tanga (25320915 M), sodann Bukoba (5 423 844 M), Muansa (5 375 558 M) und Lindi (3 949 153 M). Erst an neunter Stelle folgt Bagamojo (1170 991 M), das vor Erbauung der Eisenbahnen als Sansibar gegenüberliegender Ausgangspunkt der Hauptkarawanenstraße in das Innere die wichtigste Handelsstadt der Küste war. - Die Gesamtausfuhr des Schutzgebiets stellte im Jahre 1912 einen Wert von 31 418 382 M (1913 35 551 000 M) dar; dar- an war Deutschland beteiligt mit 17 826 839 M (1913 20 921000 M). Von der Gesamtausfuhr entfielen auf die Küstenplätze 25079776 M, auf die Binnenplätze 6338606 M. Die wichtigsten Ausfuhrprodukte waren: Hiervon stammten Plantagenkautschuk, Sisalhanf und Gold fast ausschließlich aus europäischen Unternehmungen, wildwachsender Kautschuk, Häute und Felle, Kopra, Elfenbein, Insektenwachs und Erdnüsse durchweg aus der Eingeborenenproduktion bzw. Okkupation, Kaffee und Baumwolle waren gemischten Ursprungs (s. 11. Europäische Unternehmungen und 12. Eingeborenenproduktion).

Vom Victoriasee aus über die Ugandabahn wurden überwiegend ausgeführt: Häute und Felle, Gold und Erdnüsse, die übrigen Artikel gelangten zum größten Teil über die Küstenplätze zur Versendung. Von anderen Ausfuhrartikeln sind noch zu nennen: Bau-, Nutz- und Edelhölzer, Glimmer, Sesam, Kopal, Hirse, Gerbhölzer, Reis, Zucker, Mais usw. Die Gesamteinfuhr des Schutzgebiets betrug im Jahre 1912 50309164 M (1913 53359000 M); hiervon wurden Produkte im Werte von 25.819.600 M (28057000 M) aus Deutschland eingeführt. Von der Gesamteinfuhr entfielen auf die Küstenplätze 44.691.700 M, auf die Binnenplätze 5617400 M. Haupteinfuhrartikel waren:

Die Einfuhr von Baumwollwaren, welche zum weitaus größten Teil für die Eingeborenen bestimmt waren, hat sich in den letzten 5 Jahren infolge der gesteigerten Kaufkraft der Neger mehr als verdoppelt. Unter den Herkunftsländern stand Deutschland mit ca. 3,5 Mill. M an der Spitze, Indien war mit ca. 3,1 Mill. M beteiligt, wobei aber zu bemerken ist, daß die Einfuhrstatistik nur die Herkunft der Ware im Handel, nicht aber das Ursprungsland der Fabrikation angibt. Die Eisenwaren wurden hauptsächlich zum Bau von Eisenbahnen, Feldbahnen, Brücken und Minenanlagen verwandt. Sie stammten, ebenso wie die Maschinen, durchweg aus Deutschland. Der Reis kommt aus Indien. Sonstige Einfuhrartikel waren: Nahrungsmittel aller Art, Metallwaren, Zement, Tabakfabrikate, Feuerwaffen und Munition, Drogen- und Apothekerwaren, Petroleum usw.

 

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