Handel.

 

Im Schutzgebiet ist zu unterscheiden zwischen dem Umtausch von Landeserzeugnissen verschiedenster Art zum Zweck des Verbrauches im Inlande bzw. in den Nachbargebieten, dem sog. Binnenhandel und dem Umtausch von über See eingeführten, meist europäischen Erzeugnissen gegen meist nach Europa auszuführende Landeserzeugnisse des Schutzgebietes, dem sog. Außenhandel. -

a) Binnenhandel. Er liegt ausschließlich in den Händen der Farbigen und erstreckt sich sowohl auf Erzeugnisse der Landwirtschaft wie Mais, Yams, -Maniok, Palmfrüchte, Pfeffer, Erdnüsse, Bohnen, Ochro, Schafe, Ziegen, Geflügel, fertig zubereitete Speisen, kurzum auf Viktualien aller Art, als auch auf Erzeugnisse der einheimischen Industrie, wie Hacken, Hackenstiele, einheimische Zeuge und Garne, Matten, Töpfereien, Schnitzwerk u. a. m. Dieser Handel wickelt sich auf äußerst zahlreichen, im ganzen Schutzgebiet zerstreut liegenden Märkten ab, und zwar in der Hauptsache gegen Barzahlung. Von großer Bedeutung bei diesem Binnenhandel ist der Handel mit afrikanischem Salz, welches in den Lagunen von Adda und Kitta im englischen Goldküstengebiet gewonnen wird. Ferner der Handel mit getrockneten und geräucherten Fischen. Erstere stammen hauptsächlich aus Kitta im englischen Goldküstengebiet, letztere aus dem Lagunengebiet von Dahomé. Ein Teil der Fische wird auch im Schutzgebiet selbst sowohl an der Küste als auch in den Lagunen gefangen und für den Handel zubereitet. - Dem Binnenhandel zuzuteilen ist auch der sog. Sudanhandel. Er ist für das Schutzgebiet in der Hauptsache Durchgangshandel und beruht auf dem Austausch von Kolanüssen, welche hauptsächlich in Akim und Asante hervorgebracht werden, gegen Groß- und Kleinvieh, Schibutter, Bittersalz, einheimische Gewebe und Geflechte des Sudans. Der Sudanhandel wird ausschließlich durch Eingeborene, meist Mohammedaner, vermittelt, welche sowohl einzeln als auch in Karawanen häufig mit Lasttieren reisen. Tschokossi-, Dagomba- und Tschaudjoleute sind hieran häufig als Zwischenhändler beteiligt. Der Sudanhandel durchquert das Schutzgebiet von Nordost nach Südwest und umgekehrt. Die Zentren, in welchen sich der Aufkauf von Kola und demnach auch die Hauptumsätze an Sudanhandelswaren abspielen, liegen in der englischen Goldküstenkolonie, dem Hauptproduktionsgebiet der Kolanüsse; sie wechseln zuweilen je nach den Maßnahmen der englischen Verwaltung. Ein wichtiges solches Zentrum ist Salaga. Die wichtigsten Durchgangsplätze in T. für den Sudanhandel sind Bassari (s. d.), Sansane - Mangu (s. d.), Jendi (s. d.) und Sokode (s. d.). - Den Gesamtumfang des Binnenhandels abzuschätzen ist bisher nicht möglich gewesen. -

b) Außenhandel. Er liegt ausschließlich in den Händen europäischer Handelshäuser (s. 10. Europäische Unternehmungen). Diese haben in Lome, Anecho, Palime und Atakpame größere Faktoreien, meist unter Leitung von europäischen Angestellten, seltener unter Leitung intelligenter Farbiger. Diese Faktoreien unterhalten größere Lager europäischer Waren, in welchen die Eingeborenen ihren Bedarf decken. Hier wird meist auch der Aufkauf von Landeserzeugnissen bewirkt, welche nach Europa verschifft werden. Außer den in den oben genannten Orten vorhandenen größeren Faktoreien unterhalten die Handelshäuser, besonders an größeren Orten und Märkten, zahlreiche kleinere Nebenfaktoreien und Läden, welche meist unter Leitung von Farbigen stehen. Zum Einkauf von Landeserzeugnissen halten sich die Handelshäuser zahlreiche farbige Einkäufer. Der Einkauf europäischer Waren in den Faktoreien und Läden durch die Konsumenten und der Ankauf von Landeserzeugnissen durch die Aufkäufer von den Produzenten erfolgt meist gegen Barzahlung. Die europäischen Handelshäuser bedienen sich zu ihren Umsätzen ferner noch zahlreicher farbiger Händler, welche aus den Faktoreien Waren vielfach auf Vorschuß erhalten und Zahlung nach Absatz teils in Geld, teils in Landeserzeugnissen leisten. Haupteinfuhrartikel für die Eingeborenenbevölkerung sind: Reis, Mehl, Backwaren, Zuckerwaren, Tabak, Branntwein, Salz, Petroleum, Seife, Zündhölzer, Glasperlen, Baumwollgarne und -gewebe, Ton- und Porzellanwaren, Bleistangen, Buschmesser und andere landwirtschaftliche Geräte, Steinschloßgewehre und Handelspulver. Dazu treten die von den Europäern benötigten Nahrungs- und Genußmittel, Getränke und Kleidungsstücke, ferner: Maschinen und Material für Verkehrs- und industrielle Anlagen, sowie für Bauzwecke. Die Entwicklung des Gesamtaußenhandels des Schutzgebietes, einschließlich des Handels über die Landgrenzen, soweit dieser statistisch faßbar war, geht ans der nachstehenden Übersicht hervor.

In dieser Übersicht sind bis einschließlich 1905 die Einfuhrwerte berechnet nach dem Preis der Waren im Herkunftslande, zuzüglich der bis zum Einfuhrhafen entstandenen Spesen und zuzüglich der im Einfuhrhafen erhobenen Eingangszölle, vom Jahre 1906 ab ebenso, jedoch ohne die entrichteten Eingangszölle; das ein- und ausgeführte Bargeld ist in den vorstehenden Zahlen enthalten.

 

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