Handel.

 

Die ersten Weißen, welche zum Zwecke des Handels das Schutzgebiet betraten, beschränkten sieh auf den Tauschhandel mit den Eingeborenen. 'Als Handelsgegenstände kamen die Rinderherden der Hereros, daneben in geringerem Umfange Elfenbein, Straußfedern, Hörner und Felle in Betracht.

Bis zum Ausbruch des Eingeborenenaufstandes der Jahre 1904 ff vollzog sich der Tauschhandel mit den Eingeborenen meist in der Weise, daß Wanderhändler in das Handelsfeld zogen und die Eingeborenen zum Tauschhandel bestimmten. Die Händler hatten gewöhnlich ihre Waren von den Kaufgeschäften der größeren Plätze, und zwar meist auf Kredit entnommen.

Der Ausfuhrhandel des Schutzgebiets ebenso wie der Handel unter den Weißen war von geringer Bedeutung. Die Einfuhr umfaßte Gegenstände der verschiedensten Art, weil das Schutzgebiet wenig produzierte. Der Aufstand vernichtete den Tauschhandel mit den Eingeborenen, dafür brachte er aber eine erhebliche Einfuhr von Geld ins Schutzgebiet. - Infolge der Anwesenheit einer starken Schutztruppe, der raschen Vermehrung der Bevölkerung und infolge der Bahnbauten hat der Handel des Schutzgebietes in den letzten Jahren eine erhebliche Steigerung erfahren.

Dies gilt nicht nur für die Einfuhr, sondern infolge der Belebung des Bergbaus auch für die Ausfuhr. Die ins Schutzgebiet ein- und ausgeführten Werte ergeben für die Zeit von 1901 -1912 folgende Zahlen:

(Bedauerlicherweise fehlt die Tabelle)

Die Zahlen umfassen für die Jahre 1904 und 1905 nur die in das Schutzgebiet ein- und ausgeführten Privatgüter ohne die Regierungsgüter. Da D.-S. eine nennenswerte Industrie nicht besitzt, umfaßt die Einfuhr Waren der verschiedensten Art. Unter ihnen stehen im Vordergrunde die zur Verpflegung der Weißen und Eingeborenen dienenden Körnerfrüchte, ferner Bier, Feuerwaffen, Gewebe, insbesondere Leibwäsche und Kleider, Eisenmaterial und Maschinen. -

Die Ausfuhr besteht fast ausschließlich aus Mineralien, und zwar rohen Diamanten, rohen und aufbereiteten Kupfererzen und Blei. Die Produkte der Landwirtschaft spielen bislang eine unbedeutende Rolle. Im Jahre 1910 betrug der Wert der ausgeführten Diamanten 26 869 074 M, 1912: 30 414 078 M, derjenige der rohen und aufbereiteten Kupfererze 5 697 208 M, 1912: 6 523 258 M, der des Bleis 861 180 M, 1912: 228 127 M. Dagegen hatte die ausgeführte Wolle nur einen Wert von 76 329 M, 1912: 149 658 M und das ausgeführte Fleisch und Fleischwaren einen Wert von rund 22 603 M, 1912: 28 974 M. - Der Handel mit Alkohol, Feuerwaffen und Munition erfuhr bereits im ersten Jahrzehnt der deutschen Herrschaft in D.S. eine einschränkende Regelung.

Heute ist außerdem der Wanderhandel besonders geordnet. Der Handel mit rohen Diamanten ist dadurch unmöglich geworden, daß die Förderer durch Ksl. Verordnung verpflichtet worden sind, ihre gesamte Produktion an die Diamantenregie des südwestafrikanischen Schutzgebiets in Berlin zum Zwecke der Verwertung abzuliefern. In Zollfragen ist das Schutzgebiet dem Deutschen Reiche gegenüber Ausland.

Andererseits unterliegen auch die von Deutschland nach D.-S. eingeführten Güter demselben Zollsatze wie die Einfuhr aus anderen Ländern. Nach dem geltenden Zolltarif sind nur einige Waren einem hohen Zoll unterworfen. (Näheres s. 14. Verwaltung.) Ein allgemeiner Wertzoll, wie er in den tropischen Kolonien gilt, besteht für D.-S. nicht. Ausfuhrzölle ruhen auf weiblichem Rindvieh, männlichen und weiblichen Angoraziegen, Robbenfellen, Bobskins und Guano. Der Ausfuhrzoll auf Diamanten ist kürzlich aufgehoben und in eine Diamantensteuer umgewandelt worden.

 

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