Kirchen-, Schul- und Missionswesen.

Die erste evangelische Seelsorge für Weiße fand in den neunziger Jahren in Windhuk statt. Seit dem letzten Eingeborenenaufstande der Jahre 1904 ff hat sich das kirchliche Leben der weißen Bevölkerung gehoben. Es bestanden am Ausgange des Jahres 1913 die folgenden evangelischen Kirchengemeinden: Lüderitzbucht, Keetmanshoop, Tsumeb, Grootfontein, Karibib, Omaruru, Usakos, Windhuk und Swakopmund. Die größere Anzahl der Gemeinden besitzt eine Kirche. Sie sind an die preußische Landeskirche angeschlossen. Eine öffentlichrechtliche Organisation besitzen die Kirchengemeinden des Schutzgebietes nicht, insbesondere haben sie nicht das Besteuerungsrecht gegenüber ihren Angehörigen; die Zugehörigkeit zu den Kirchengemeinden ist eine Freiwillige. -

Während die evangelischen Kirchengemeinden von den unter den, Einge borenen tätigen evangelischen Missionen unabhängig sind, wird die Seelsorge unter den Weißen katholischer Konfession durch die katholischen Missionen ausgeübt. An Pfarreien für die weiße Bevölkerung waren 1913 vorhanden: Swakopmund, Usakos, Omaruru, Grootfontein, Tsumeb, Windhuk, Klein-Windhuk und Gobabis. -Der Unterricht unter den Eingeborenen des Schutzgebiets erfolgt ausschließlich durch die dort tätigen Missionen beiderlei Bekenntnisses, staatliche Eingeborenenschulen gibt es nicht.

Die Zahl der Regierungsschulen für die nichteingeborene Bevölkerung hat sich namentlich im letzten Jahrzehnt erheblich vermehrt. Eine beschränkte Schulpflicht für die Kinder der weißen Bevölkerung wurde zuerst durch die GouvV. vom 20. Okt. 1906 eingeführt. Durch die V. vom 28. Okt. 1911 wurde das Prinzip der allgemeinen Schulpflicht weiter ausgedehnt. Am 31. März 1913 gab es im Schutzgebiete 17 Regierungs- und Gemeindeschulen, eine Realschule (Windhuk), eine höhere Knabenschule (Swakopmund) und eine höhere Töchterschule (Windhuk).

Von den 17 Begierungs- und Gemeindeschulen ist diejenige in Windhuk eine fünfklassige mit 5 Lehrkräften, eine (Swakopmund) ist vierklassig, eine (Lüderitzbucht) dreiklassig, zwei (Omaruru und Warmbad) sind zweiklassig mit der entsprechenden Anzahl von Lehrkräften. Die übrigen sind einklassig mit je einer Lehrkraft. Die Gesamtzahl der Schüler betrug im Jahre 1913: 775. Da die Schüler zum großen Teile von Plätzen außerhalb des Sitzes der Schule stammen, sind von den Bezirksverbänden Schulpensionate zur Unterbringung auswärtiger Schüler geschaffen worden. Durch die Selbstverwaltungsverordnung sind die Gemeinde- und Bezirksverbände zu einer Mitwirkung auf dem Gebiete des Schulwesens berufen. Sie haben sich dieser Aufgabe in erfreulicher Weise unterzogen. - Die erste Mission, welche sich in D.-S. betätigte, war die evangelische Rheinische Mission. Im Laufe des 19. Jahrh. drang sie vom Süden kommend bis zum Norden des Schutzgebietes vor, indem sie sowohl bei den Hottentotten wie bei den Hereros festen Fuß faßte.

Beim Beginn des Hereroaufstandes des Jahres 1904 besaß sie im Hererolande eine umfassende Organisation, die infolge des Aufstandes zerstört wurde. Ihre jetzige (1913) Organisation im Hererolande umfaßt 20 Missionare, 3 Missionsschwestern und 7 technische Gehilfen. I m Hererokonferenzgebiete betrug die Zahl der Gemeindemitglieder im Jahre 1913: 17 588. In Gaub unterhält die Rheinische Mission ein Seminar zur Heranbildung eingeborener Gehilfen und in Okahandja eine Erziehungsanstalt für Bastardkinder. Im Namalande waren zu derselben Zeit 9 Missionare einschließlich des Präses. In Keetmanshoop befindet sich eine Erziehungsanstalt für Bastardkinder. Außerdem unterhielt die Rheinische Mission im Ovambolande 4 Missionsstationen, die 1913 mit 3 Missionaren besetzt waren. Neben ihr wirkt im Ovambolande eine zweite Evangelische Mission, die Finnische Missionsgesellschaft, mit dem Sitze in Helsingfors. (S. Mission 2 e und die einzelnen Missionsgesellschaften.) -

Die Katholische Mission hat eine nachhaltige Tätigkeit in D.-S. erst im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrh. aufgenommen. Infolge der ihr zu Gebote stehenden reichen Mittel hat sie aber rasche Fortschritte gemacht. Ihre Tätigkeit umfaßt insbesondere die Seelsorge unter der weißen katholischen Bevölkerung und die Unterhaltung von Schulen und Lazaretten. Die katholische Mission ist eingeteilt in die Apostolische Präfektur Unter -Cimbebasien (s.d.) und die Apostolische Präfektur des Groß-Namalandes (s. d.).

Der Sitz der ersteren ist Windhuk. Sie umfaßt den nördlichen und mittleren Teil der Kolonie. Innerhalb dieses Bezirkes sind tätig: die Oblaten der heiligen und unbefleckten Jungfrau Maria und die Franziskanerinnenschwestern von Nonnenwerth. An Missionspersonal waren im Jahre 1913 vorhanden: 22 Patres, 23 Brüder, 22 Schwestern und eine größere Anzahl eingeborener Gehilfen.

In Klein-Windhuk unterhielt die Präfektur eine Erziehungsanstalt für Bastards, in Döbra und Epuldro Missionsfarmen. Der Sitz der apostolischen Präfektur des Groß-Namalandes ist Heirachabis. Die Präfektur umfaßt den ganzen südlichen Teil des Schutzgebietes. Hier sind die Oblaten des heiligen Franz v. Sales tätig. Es gab 6 Missionsstationen mit etwa 7 Patres und 9 Schwestern. (S. Mission 3 und die einzelnen Missionsgenossenschaften.)

 

Kirchen-, Schul- und
Missionswesen