4. Klima.

(S. die meteorologischen Tabellen am Schluß von 4, das Kärtchen der Niederschläge und das der Gesundheitsverhältnisse.) Während D.-O. bis auf 1° Breitenunterschied an den mathematischen Äquator heranreicht, ist es mit seiner Nordgrenze etwa 14° vom thermischen entfernt. An der Grenze Ostafrikas, gegen den Sudan und am Roten Meer, kommen sehr viele höhere, mittlere und maximale Temperaturen vor als in D.-O. Da die Sonnenstrahlung die wichtigste Ursache der atmosphärischen Zirkulation ist, seien in der folgenden Tabelle die Daten der senkrechten Sonnenstände, damit zugleich die der Tag- und Nachtgleichen des Herbstes und des Frühlings, gegeben für Breiten der Nord- und Südgrenze von D.-O., ferner für die von Moschi, Tanga, Daressalam und Kilwa: Da diese Punkte sämtlich auf der Südhalbkugel liegen, ist für sie gleichmäßig der 22. Juni der Tag des niedrigsten Sonnenstandes. Hinter dem Vorgang der Strahlung bleiben seine verschiedenen Wirkungen meist erheblich zurück (z. B . ist bei uns der Juli und nicht der Juni der wärmste Monat). Für D.-O. ist der Juli so gut wie allgemein der am wenigsten warme Monat. -

 Auch der Dezember und Januar haben für unser Gebiet nicht nur insofern eine Bedeutung, als in ihnen der zeitliche Mittelpunkt der Erwärmung der großen dreieckigen Südhälfte Afrikas liegt. Zwar erhält der Äquator die großen täglichen Wärmemengen durch Strahlung an dem Tag, wo die Sonne durch seinen Zenit geht und ihm zugleich möglichst nahe steht, also am 21. März (etwas weniger am 23. Sept.). Aber schon wenn wir etwa 10° s. Br. überschreiten, übertrifft die Wärmemenge, die der längste Tag der Südhalbkugel, der 22. Dez., liefert, diejenige der beiden Tage mit den senkrechten Sonnenständen. Mit dem Stand der Sonne verschiebt sich das Gebiet stärkster aufsteigender Luftströme und stetigen niederen Luftdrucks, damit die große Doppelzirkulation der Passate samt den Hochdruckgebieten an ihren äußeren Grenzen, gegen die gemäßigten Klimate hin. Mit dem Jahresweg der Sonne wandern auch die höchsten Temperaturen, mit ihr der Eintritt der Wärmeregen, die für den Gürtel zwischen den Wendekreisen so charakteristisch sind. Mit dem täglichen Lauf der Sonne verschieben sich die beiden täglichen Maxima und Minima des Barometerstandes. Auch in D.-O. haben wir überall diese so auffällig regelmäßig täglich wiederkehrenden Bewegungen des Luftdrucks, die - von seltenen Fällen abgesehen - das Barometer für die Wettervoraussage ungeeignet machen.

Zwischen 9a und 10a Ortszeit, im Innern etwas später als an der Küste, tritt der höchste, etwa um 4p der niedrigste Luftdruck des Tages ein, der Unterschied zwischen beiden beträgt an der Küste im Jahresmittel rund 2,6 mm; daneben tritt ein zweites Maximum zwischen 10 p und 11 p, ein zweites Minimum um 3a auf, mit einem Unterschied von rund 0,9 mm. Damit bleibt die tägliche hinter der jährlichen Schwankung erheblich zurück. Letztere erreicht an der Küste durchschnittlich etwa 5 mm. Der Februar oder März ist hier im allgemeinen der Monat des niedrigsten mit etwa 758 mm, der Juli oder August der des höchsten Luftdrucks mit etwa 763 mm. Je nach der zeitlichen Lage der Tage höchster Sonnenstände zu den Perioden stärkster Erwärmung und Luftauflockerung kann man in D.-O. drei klimatische Gebiete unterscheiden. Wie für ganz D.-O. der 22. Juni der kürzeste Tag mit dem niedrigsten Sonnenstande ist, haben alle drei Gebiete als wenigst warmen Monat im Durchschnitt den Juli, seltener den Juni oder August. Das ganze Süddreieck Afrikas hat vom Juni ab Winter. Ein Band hohen Luftdrucks zieht sich von Ozean zu Ozean entlang dem Wendekreis des Steinbocks durch den Kontinent. Nördlich davon weht der Südostpassat; freilich wird dieser Ast der großen Luftzirkulation, besonders nördlich des Kanals von Mozambique, derartig gefördert durch das kontinentale Gebiet niederen Luftdrucks über dem stark erhitzten Sudan und der Sahara, daß es fraglich wird, ob man ihn als einen eigentlichen Passat zu bezeichnen hat. - Diese Zeit des Südostpassats von Ende Mai bis Anfang November ist für D.-O. im allgemeinen die trockenere Zeit oder auch eine strenge Trockenzeit, zugleich die kühle oder weniger warme Zeit. Nur im äußersten Nordosten der Kolonie, von Pangani an der Küste nordwärts und in Usambara, hat der Juli eine Regenzeit, die dritte dieses Gebiets nach Dauer, Ergiebigkeit und zeitlicher Stellung.

Es sind Steigungsregen, die die an der Luvseite der Erhebungen, insbesondere von Usambara, zum Aufsteigen plötzlich gezwungene, weil sich schnell bewegende Passatluftströmung abgibt. Der Umstand, daß im Juli das Land im Vergleich zum benachbarten Meer hier schon ziemlich abgekühlt ist, befördert die Kondensationsmöglichkeit. - Dies Land mit den drei Regenzeiten ist ein Teilgebiet des durch zwei Regenzeiten gekennzeichneten weiteren Nordostens von D.-O. Er ist die eine der drei klimatischen Provinzen des Landes. Seine Begrenzung bildet eine Linie, die etwa längs dem Rufiji bis zu dessen Panganifällen verläuft, sich dann durch die Mkata-Senke (s. d.) und an der W-Grenze von Nguru hinzieht, weiterhin westlich ausgreifend das Gebiet des Kilimandscharo und Meru noch umfaßt und unter 37° ö. L. in Britisch-Ostafrika eintritt. - Schon Anfang Oktober hat dies Gebiet seine höchsten Sonnenstände, damit beginnt die sommerliche Erhitzung. Der bis dahin herrschende Südostwind wird durch den Nordostmonsun abgelöst. In der Übergangszeit weht bald dieser bald jener. Im Wechsel der wenig heftigen Winde können sich die durch die Erhitzung hervorgerufenen aufsteigenden Luftströme am besten entfalten. Sie sind es, die im November und Dezember für ein bis anderthalb Monate die erste, die "kleine" Regenzeit bringen; sie ist nach Dauer und Menge die zweite. Obwohl also nicht der Monsun selbst die Regen hervorruft, wollen wir doch dieses Gebiet als das des Monsunklimas von D.-O. bezeichnen, was durch den weiteren, im folgenden dargelegten Einfluß des Windes noch annehmbarer wird.

Der Nordost-Monsun, der besonders kräftig im Januar und Februar weht, vermittelt den Zusammenhang zwischen asiatischer und afrikanischer Luftdruckverteilung. Zur Zeit seiner vollen Entwicklung bedeutet er ein Strömen der Luft von dem kontinentalsten und stärksten Hochdruckgebiet der Erde, dem winterlichen Zentralasien, über den Indischen Ozean hin zu dem Gebiet niederen Luftdrucks über dem südlichen Afrika. Im Januar und Februar läßt diese kräftige Luftströmung im Nordosten von D.-O. nur wenig Niederschläge aufkommen; so kann sich in diesen Monaten die höchste Wärme des Jahres entwickeln. Einer der beiden Monate ist der wärmste des Jahres, obwohl der senkrechte Sonnenstand erst wieder Anfang März eintritt. Alsdann wird wiederum die Ausbildung starken Aufsteigens der Luft begünstigt durch Nachlassen und Wechsel der großen horizontalen Luftströmungen; während des Übergangs vom Nordostmonsun zum Südostpassat spielt sich die große Regenzeit ab, die zwei, in manchen Jahren fast drei Monate in der Folge des März bis Mai umfaßt. Die fortschreitende Abkühlung des Gebietes, das immer stärkere Wehen des Passats bringen schließlich die regenarme, kühle Jahreszeit. Die Gabelung der Regenzeit in eine kleine und eine große ist nicht in jedem Jahr im ganzen Gebiet des Monsunklimas sehr deutlich, zumal gegen die Grenzen hin. Nennen wir erst Monate, die unter 30 mm Regen haben, Trockenmonate, so fehlen solche in einem großen Teil des Monsungebiets völlig. -

Nach Obigem tritt das jährliche Temperaturmaximum unseres Monsungebiets mit ein- bis zweimonatlicher Verspätung nach der Sommersonnenwende (der Südhalbkugel), das Minimum ebenso lange nach der Wintersonnenwende ein (vgl. oben die noch etwas größere Verspätung des Minimums und Maximums des Luftdrucks); beide Vorgänge folgen sich ebenso in den größten Teilen Europas; man hat deshalb gesagt, daß das Monsungebiet D.-O.s den europäischen Typus der jährlichen Wärmekurve habe. Freilich ist im übrigen der Unterschied groß genug; vor allem ist die für die organische Natur so ungemein bedeutungsvolle jährliche Temperaturschwankung, d. h. die Differenz der Temperaturen des wärmsten und kühlsten Monats auch in dem Monsungebiet D.-O.s durchaus tropisch gering; sie beträgt hier durchschnittlich an der Küste zwischen 4° und 5°, im benachbarten Innern etwa 1° mehr. Die mittlere Jahrestemperatur an der Küste ist knapp 25 1/2°, das Januarmittel etwa 27 1/2°, das des Juli etwa 23° (s. die Tabellen). Der Hauptgrund der geringen Schwankung liegt natürlich in den wenig großen Unterschieden zwischen den Sonnenhöhen und den Tageslängen der verschiedenen Jahreszeiten. Überall wird in D.-O. die jährliche von der mittleren täglichen Schwankung der Temperatur, der Differenz zwischen dem Mittel der täglichen Maxima und dem der Minima, erheblich übertroffen.

Während sie unmittelbar an der Küste, von Tanga bis Daressalam, etwa 7° beträgt, steigt sie weiter südlich, mehr noch landeinwärts, bis über 12°. Sowohl die niedrigsten als auch die höchsten je in D.-O. beobachteten Einzeltemperaturen gehören dem Binnenland an (s. die Tabellen; auch aus den besonders heißen mittleren Gebieten des Vorlandes ist bisher keine Temperatur von 40° bekannt geworden). Das entspricht verhältnismäßig kühlen Nächten, und an sie knüpft der Satz an: Die Nacht ist der Winter der Tropen. Sehr viel bessere Geltung hat für mehr als neun Zehntel von D.-O.: Die Trockenzeit ist der Winter der Tropen. Das zweite klimatische Gebiet, das größte, schließt sich an das des Monsunklimas nach Süden und Westen zu an. Seine Grenze verläuft vom Tanganjika (s. d.) her etwa dem 4° s. Br. entlang, aber die Küste bis Udjidji ausschließend, zuletzt nö. auf den Meru zu, wo sie sich mit der Binnengrenze des Monsunklimas trifft. - Schon gegen die Südgrenze des Monsungebiets haben sich die kleine und die große Regenzeit einander immer mehr genähert. An der Rufijimündung ist die Pause schon in manchem Jahr undeutlich; andererseits ist sie auch südlich der Klimagrenze, in Kilwa, selbst in Lindi noch gelegentlich erkennbar. Im allgemeinen aber haben wir keine Zweiteilung mehr, sondern eine Regenzeit, ein paar Wochen später beginnend als die "kleine" des Nordostens, etwa einen Monat früher endigend als die "große" jener Gegend. Das entspricht dem Umstand, daß hier im Süden zwischen den beiden Hochständen der Sonne ein im Maximum um zwei Monate kürzerer Zwischenraum liegt als im Norden von D.-O., daß die Periode größter Wärmezufuhr nicht durch einen Wärmerückgang unterbrochen wird, und daß das benachbarte, dauerhafte, aber nicht sehr tiefe Minimum, dessen Mittelpunkt etwa unter 20° s. Br. und 27° ö. L. liegt, seinen Einfluß ausübt. -

Man hat dies Klima als Passatklima schlechthin bezeichnet; das ist kein völlig zutreffender Name. Wir sahen schon, daß der Südostpassat erheblich weiter nordwärts vordringt. Und die für das Gebiet so charakteristische eine Regenzeit spielt sich gerade nicht zur Zeit der Alleinherrschaft des Passats ab, sondern im Südsommer; dann überwiegt hier der Einfluß des kontinentalen, eben erwähnten Minimums. Andererseits wird im Nordsommer auch der über das südliche und innere D.-O. hinwehende Passat unterstützt durch die Lage des kontinentalen Gebiets niedrigen Luftdrucks über der Nordhälfte Afrikas. Man wird daher das Klima unseres Gebietes als kontinentales Passatklima bezeichnen. Diese Klimaprovinz hat eine sehr ausgeprägte Trockenzeit auch in ihren ans Meer grenzenden Teilen.

Im Innern fällt oft monatelang kein Tropfen Regen. Selbst die regenreichen Gebiete am Nordnjassa haben einige Trockenmonate. Die kräftig entwickelten und andauernden Wärmeregen (nicht Zenitalregen !) unseres kontinentalen Passatklimas bewirken es, daß die Temperaturen über die Zeit der zenitalen Sonnenstände hinaus nicht weiter steigen können. Unmittelbar ehe die Regenzeit einsetzt, wird das Maximum der Jahrestemperatur erreicht. Es fällt meist in den November; seltener tritt es schon (z. B. in Tabora) im Oktober ein, an der Küste manchmal doch erst im Dezember oder gar im Januar (z. B. in Kilwa), durch Regenpausen bedingt. Geht im April unter dem Einfluß des wieder kräftig einsetzenden Südostpassats die Regenzeit zu Ende, so steht die Sonne schon so weit nördlich, daß es nicht mehr zu ganz hohen Temperaturen kommen kann. Das ist etwa dieselbe jährliche Wärmeverteilung, wie sie auch Vorderindien hat, der indische Temperaturgang. Die jährliche Schwankung ist hier zum Teil noch geringer als im Monsunklima, nur im höher gelegenen südwestlichen Binnenland kommen etwas höhere Werte vor, ohne daß irgendwo 7° erreicht wird. Die mittlere Jahrestemperatur der südlichen Küste beträgt fast 26°, der wärmste Monat hat etwa 28°, der wenigst warme etwa 24° (Temperaturen im Hochland s. unten und die Tabellen). Die tägliche Schwankung ist höher als im Monsunklima, im Südwinter recht beträchtlich.

Ihr Jahresmittel beträgt an der Küste 7-10°, auf den Hochflächen des Innern steigt es auf 14°. - Der Nordostmonsun, dessen Mitwirkung beim Zustandekommen der Regenpause des Monsunklimas im Januar und Februar dargelegt wurde, drängt auch im angrenzenden Gebiet des kontinentalen Passatklimas den Südostpassat etwas zurück, nur kommt er hier nie zur Alleinherrschaft. Das kontinentale Passatklima dringt an der Küste nur bis 8° s. Br. vor, während es im Innern bis auf 4° s. Br. gelangt. Das erklärt sich dadurch, daß im Norden die entgegenwirkende Kraft des Nordostwindes durch den langen Weg, über Land allmählich nachläßt. Der Monsunstrom ist in D.-O. auch schwächer als der des Passats. Während die Höhe der als Monsun einherfließenden Luftmasse an der Küste gegen 2000 m beträgt, scheint die Passatschicht hier eine Mächtigkeit von gegen 5000 m zu erreichen. Auch die Lage des kontinentalen Minimums beeinflußt den Grenzverlauf des kontinentalen Passatklimas. Die Grenzen des dritten Gebiets, das den Victoriasee umgibt, also den Nordwesten der Kolonie einnimmt, sind durch die der beiden andern gegeben. Es schließt auch das Nordende des Tanganjika sowie den Kiwu, damit das ganze Zwischenseengebiet (ausgenommen den Südwestzipfel) ein. Der Äquator durchschneidet den Victoriasee etwa 25 km von dessen Nordufer. So können in diesem Gebiet die beiden Tag- und Nachtgleichen mit ihren zenitalen Sonnenständen zur Wirkung kommen. Es stellen sich also in der Regel zwei Temperaturmaxima im Jahre ein, das erste in einem der Monate Januar bis April, häufiger gegen das Ende dieser Reihe, das andere, bald ein wenig höher, bald ein wenig niedriger als das erstere, in einem der Monate August bis November, meist im Oktober. Die zwei dazwischen liegenden kühlsten Monate fallen in den Dezember bis März, meist in den Dezember, und in den Mai bis August, meist in einen der beiden letzten. Aber es kommt auch gelegentlich vor, daß andere als die angeführten Monate kühlste oder wärmste sind, ferner daß der Gang der Temperatur im Jahre drei höchste und drei niedrigste Werte aufweist.

Und alle diese Zahlen weichen voneinander noch viel weniger ab, als in den anderen Teilen D.-O.s; die jährliche Schwankung beträgt oft noch nicht 11/2° , erreicht selten einmal 3°. Alle diese Erscheinungen sind durch die Nähe des Äquators bedingt. Man spricht deshalb von Äquatorialklima. Trotz vieler, oft wie zufälliger Abweichungen ist die Regel für den jährlichen Temperaturgang die, daß zwei wärmste Monate in der Umgebung der Tag- und Nachtgleichen, zwei kühlste in der Nähe der Sonnenwenden liegen. - Die mittlere Jahrestemperatur an der Süd- und Ostküste des Sees beträgt etwa 22°, das Mittel des wärmsten etwa 23°, des wenigst warmen 211/2°. Die Werte der Westküste sind jeweils um 2° niedriger (s. Victoriasee und die Tabellen). Das Jahresmittel der täglichen Schwankung liegt zwischen 61/2° in den regenreichen (Bukoba) und 15° in den regenarmen Gebieten (Schirati). - Im äquatorialen Gebiet gibt es im allgemeinen zwei Regenzeiten, die durch regenärmere getrennt sind. Zeitlich folgen die Regen den höchsten Temperaturen; sie unterdrücken wohl auch ein noch höheres Ansteigen der letzteren. Die ergiebigere Regenzeit fällt in die Monate März bis Mai. Am regenreichsten ist im Durchschnitt der April, im Süden z. B. in Usumbura oft der März, im Norden gelegentlich der Mai. Die Richtung der Verschiebung entspricht wieder der vorausgegangenen Wanderung des Sonnenstandes.

Die kleinere Regenzeit liegt innerhalb der Monate Oktober bis Januar. Ähnlich wie im Monsungebiet ist sie ziemlich unsicher, sowohl nach der Zeit des Eintritts als nach Menge. Besonders am Ostufer des Sees bleibt sie häufig aus. - Die Regenpause liegt innerhalb der Monate Januar bis März, falls man überhaupt von einer solchen sprechen kann. An der Westküste, z. B. in Bukoba, läßt der Regen gewöhnlich nur ein wenig nach. Abgesehen von dieser Gegend ist die Trockenzeit sehr ausgeprägt, am meisten im Osten und Südosten des Gebietes, gegen die zentralen Hochländer der Kolonie hin (s. o.). Die trockensten Monate sind in der Regel Juni und Juli, auch August. Selten einmal treten im August oder September ziemlich erhebliche Niederschläge auf, so z. B. im östlichen Ukerewe. Die im Vorstehenden gegebene klimatische Einteilung beruht im wesentlichen auf den Eigenschaften der Verteilung der Temperaturen und der Regen über das Jahr. Hierbei wären also die absoluten Werte der Temperaturen und die absolute Menge der Niederschläge nicht berücksichtigt. Die Unterschiede der wirklichen Temperaturen an der Küste und im Hochland sind nicht so groß, daß Verteilung der Erscheinungen der organischen Natur durch sie grundlegend beeinflußt würde. Trotz mancher Unterschiede im einzelnen sind Pflanzen und Tierwelt des Vorlandes in einiger Entfernung von der Küste der des zentralen Hochlandes sehr ähnlich. Die zentralen Hochlandsflächen besitzen eine beträchtliche positive Anomalie, d. h. die Mitteltemperaturen sind dort, z. B. in Tabora, aber auch am Süd- und Ostufer des Victoriasees, z. B. in Muansa, etwa 3° zu hoch im Vergleich zur Küste, wenn man als normale Temperaturabnahme für 100 m Anstieg 0,5° annimmt.

Tabora hat bei 1237 m Höhe eine mittlere Jahrestemperatur von 22,5° (s. Tabelle) statt von 19,1°. Gebirgige Teile des Innern, die die Hochfläche überragen, besonders auch die Gebirgsstöcke am Rand des Hochlands, wie z. B. die Gneishorste, sind dagegen umgekehrt zum Teil zu kühl. Kwai in Westusambara hat bei 1684 m Höhe das Jahresmittel 16,2° statt 17,2°. Die jährliche Regenmenge greift viel tiefer als irgendein anderes Element des Klimas in die räumliche Anordnung der Pflanzen und Tierwelt Ostafrikas, ja auch in die des Menschen, nach Zahl und Rassenzugehörigkeit, ein. Für die Art der Bodenkultur und für ihre Ergiebigkeit ist die Regenmenge, hier fast noch mehr als die Verteilung des Niederschlags über das Jahr, von sehr großer Bedeutung. Eine klimatische Einteilung aber auf Grund der Menge ist deshalb schwierig, weil bei etwas niedrigerer Temperatur, wie sie trotz deren Anomalie im Hochland dort zu finden ist, eine kleinere Regenmenge dieselbe Wirkung auf die Vegetation hat, wie eine größere an der Küste. Auch Bewölkung und Luftfeuchtigkeit spielen hier eine Rolle. Immerhin ließe sich der Versuch machen, eine solche Linie bestimmter, gleicher Regenmenge bei der Abgrenzung zu verwerten, wenn nicht die Areale mit Regenmengen, die eine von der Tropensteppe sich wesentlich unterscheidende Vegetationsform hervorbringen, so klein wären. Etwa 35 000 qkm der Landfläche von D.-O. bekommen mehr als 1500 mm Regen im Jahr, etwa 12 000 mehr als 1750 mm, d. i. nur 1/28 oder 1/82 der Fläche von D.-O. Diese Inseln stärkeren Regens sind die randlichen Gneishorste: Usambara, Nguru, Uluguru, wozu noch Upogoro in ähnlicher Lage tritt, ferner Kilimandscharo und Meru. Ost- und Südosthänge haben, entsprechend den Regenwinden, hier überall bedeutende Niederschläge, die bei den drei erstgenannten über 2000 mm ansteigen, nur an einer besonders günstig gelegenen Stelle am Osthang Ulugurus sogar 4000 mm übertreffen (s. Emin-Plantage).

Weiter im Innern liegen zwei Gegenden mit über 1500 mm Regen. Am Westufer des Victoriasees werden 2000 mm erreicht. Hier wirkt einmal die Nähe des Sees - zwischen ihm und seinen Küsten besteht ein System örtlicher Land- und Seewinde - dann aber die über ganz Ostafrika vorherrschende östliche und südöstliche Windrichtung. Die Mächtigkeit der Luftschicht des Südostpassats beträgt hier noch 3000-4000 m. Ähnliche Einflüsse sind es, die das Gebiet im Nordwesten des Njassa so regenreich machen; im Kondehochland fallen in größerem Bezirk über 2000 mm. Steigt man an den genannten Gebirgen über eine gewisse Höhe, 1400-1800 m empor, so nehmen die Regen wieder ab; schließlich tritt Regenarmut und große Lufttrockenheit auf (s. Kilimandscharo). Die durchschnittliche Regenmenge des ganzen D.-O. bleibt hinter diesen hohen Werten sehr zurück. Man kann sie zu etwa 900 mm veranschlagen. Das beigegebene Kärtchen der Niederschläge zeigt im Nordosten von D.-0. zwei Gebiete mit unter 500 mm als die regenärmsten. Diese Angaben sind nicht durch Beobachtungsreihen belegt, die östliche besitzt aber Wahrscheinlichkeit. In einigen anderen Gebieten des NO von D.-O. wurden so geringe Regenmengen tatsächlich beobachtet (s. Ostfuß von Pare, Nordfuß des Meru, Turu). Ebensowenig Regen dürfte das Land am Fuß der Ostafrikanischen Bruchstufe (s. d.) und am Njarasa (s. d.) erhalten. - Im allgemeinen ist die Dauer der Beobachtungen in D.-O. noch zu kurz, um einigermaßen genau zu wissen, wie sehr besonders regenreiche und sehr regenarme Jahre vom Durchschnitt der ganzen Reihe abweichen dürften. Solche Schwankungen sind von erheblichem Einfluß auf das organische Leben, vor allem auf die Bodenkultur. Immerhin läßt sich bisher erkennen, daß im Gebiet des Monsunklimas, besonders an der Küste, diese Unregelmäßigkeiten der Niederschläge erheblich größer sind als im kontinentalen Passatgebiet, zumal in dessen binnenländischem Bezirk, wo sie etwa denen Mitteleuropas gleichkommen.

Die Ernteaussichten im Monsunklima für Kulturen, die solchen Schwankungen nicht gewachsen sind, sind danach wenig zuverlässig. Zur Vervollständigung des klimatischen Bildes gehören u. a. noch die Angaben über Sonnenscheindauer nebst Bewölkung und über Feuchtigkeit (s. d.). Natürlich ist im allgemeinen während der Regenzeiten die Sonnenscheindauer verhältnismäßig kurz; merkwürdig aber ist, daß im Küstengebiet des Monsunklimas die kleine Regenzeit und die folgende Regenpause es zu so viel Sonnenschein kommen lassen, daß hier der Südsommer erheblich sonniger ist als die andere Jahreshälfte, besonders die Monate Juli und August. Das kontinentale Passatgebiet dürfte den meisten Sonnenschein gegen Ende der Trockenzeit und in der ersten Hälfte der Regenzeit erhalten. Im Äquatorialgebiet tritt die längste Sonnenscheindauer dagegen etwa im Nordsommer ein. Gebirgsstationen haben überall viel stärkere Bewölkung, als die der Küste und der Hochebene. Im Küstengebiet wird im System der Land- und Seewinde durch die herrschende allgemeine Windrichtung die Bewegung von der See her erheblich verstärkt. So ist die Luftfeuchtigkeit hier überall sehr hoch (s. Tabelle Daressalam). Insbesondere ist sie in der Zeit vor und gleich nach Sonnenaufgang ganz bedeutend.

An der Küste nimmt die Feuchtigkeit von Süden nach Norden zu, in Lindi beträgt die relative etwa 78, in Tanga etwa 83%. Im Innern, im kontinentalen Passatgebiet, herrscht eine für die Tropen verhältnismäßig recht große Lufttrockenheit, selbst während der Regenzeit (s. Tabelle Tabora). Das gilt auch für die Ostküste des Victoriasees, im Gegensatz zur Westküste. Das Land am Nordende des Njassa schließt sich der Art seiner Erhebung nach den Gebirgsinseln an, die in gewissen Höhenlagen auch das Land am Meer noch an Feuchtigkeit übertreffen; hier erreicht Amani (s. d.) mit einem Jahresmittel von 86% den höchsten bisher für D.-O. sicher festgestellten Wert. - Tau tritt in der kühlen Jahreszeit überall auf, ist in der Nähe der Küste recht stark; besonders große Mengen wurden bei Mikindani beobachtet. - Gewitterbildung ist auch während der Regenzeit an der Küste im allgemeinen nicht besonders häufig, tritt nur in einzelnen Jahren auch im Januar und Februar stark auf. Der kühlen Zeit fehlen Gewitter fast völlig; dasselbe gilt für die Hochländer. An der Westküste des Victoriasees und an den Südosthängen der Gebirgsinseln kommen in jeder Jahreszeit Gewitter vor, doch ist selbst hier die äußerst intensive Gewitterbildung, wie man sie aus anderen Tropengebieten kennt, nicht zu finden. Die nachstehenden, von Dr. Heidke aufgestellten Klimatabellen geben über die Verhältnisse von Daressalam (Küste), Tabora (im Innern an der Tanganjikabahn), Moschi (am Kilimandscharo) und Neuwied (Victoriasee) genauere Auskunft, die Niederschlagstabelle über den jährlichen Gang des Regens einiger weiterer Orte (vgl. auch die Angaben bei den Artikeln über die einzelnen Orte und Landschaften).

 

Klima