Klima.

Zwei Gebiete, die so gut wie gar keine Ähnlichkeit miteinander besitzen, wird selbst der oberflächliche Beobachter in diesem Schutzgebiet auf Grund der empfangenen Eindrücke unterscheiden, das Küstenland und die untersten Stufen der Namib und das Hochland des Innern. Freilich gibt es auf diesem auch tiefgreifende, die belebte Natur stark in Mitleidenschaft ziehende Verschiedenheiten, aber eine gewisse Ähnlichkeit im Gang der meteorologischen Elemente besteht selbst noch zwischen den gemäßigten Hochgebieten des südlichsten Groß-Namalandes und dem tropischen Gebiet am Okawango-Sambesi.

Ja, diese Unterschiede sind wenigstens in der Temperaturentwicklung selbst absolut geringer als die zwischen einzelnen Gegenden der Küste und dem Innern des Landes. Wir wenden uns zunächst der meeresnahen Zone zu, die als schmaler Streifen mit nach Osten merklicher Abschwächung ihrer Eigenart von der Oranjemündung bis zum Kunene zur Beobachtung gelangt. Um die eigentümliche Stellung dieses Gebiets richtig zu würdigen, muß man sich die niedrige Temperatur der Meeresoberfläche gegenwärtig halten. Diese ist für die Breite ganz ungewöhnlich niedrig.

Nach sorgfältigen Beobachtungen in Swakopmund ergab sieh von 1903/05 eine Mitteltemperatur der Wasseroberfläche von nur 14,3°. Alle nicht gegen die volle Wirkung der über das freie Meer heranwehenden Luft geschützten Teile der Küste haben daher eine sehr geringe Mitteltemperatur. Diese beträgt in Swakopmund nur 15,2° und dürfte sich auf allen offenen Küstenstrichen ähnlich verhalten. Im Februar oder März steigt die Mittelwärme auf rund 17,5°, im August sinkt sie auf 12,4°. Nur wo die Ufer gegen den Einfluß der offenen See und der vorwiegend aus südlichen Richtungen, also vom Wasser auf das Land wehenden Luftströmung geschützt sind, herrscht eine höhere Temperatur. Solche lokal beeinflußten Punkte, insbesondere Lüderitzbucht, dürfen aber für das Küstengebiet als Ganzes nicht zum Vergleich herangezogen werden.

Trotz der niedrigen Temperatur ist aber die Küste frei von den niedrigen Temperaturen, die im Innern häufig genug beobachtet werden. Nachtfrost kommt in unmittelbarer Nähe des Meeres nicht vor, dafür erreicht aber die Temperatur auch zur Zeit ihres Höchststandes selten bedeutende Werte. Im ganzen Jahre liegt das Tagesmaximum in Swakopmund in der Nähe von 20°. Nur ausnahmeweise erreicht es bedeutende Höhen, diese aber, die in dem genannten Ort bis zu 40° und darüber ansteigen können, merkwürdigerweise im Winter und niemals im Sommer.

Das ist die Folge eines föhnartigen Windes aus dem Innern, der naturgemäß nur in der kühleren durch hohen Luftdruck im Hochlande ausgezeichneten Jahreszeit zustande kommen kann. Warme und trockene Winde zu anderer Zeit, die ausnahmsweise einmal eintreten können, sind kein Föhn, wie L. Schultze (s. d.) irrtümlicherweise annimmt, sondern lokal verursachte Wüstenwinde aus der Namib. - Die Hauptluftströmung der Küste und der untersten Namibstufe ist ein vom Meere aufs Land wehender Wind. Sehr selten sind dagegen echte Nordwinde (die Nordnotierungen am Morgen und Abend dürften durch lokale Einflüsse in der Namib zu erklären sein).

Die Wirksamkeit der aus Süd bis West kommenden Winde ist namentlich über Tag sehr stark. Auf sie entfallen in Swakopmund, das als Charakterstation für die offene Küste gelten kann, nicht weniger als neun Zehntel aller um 2 Uhr nachmittags beobachteten Winde, auf reinen Nord dagegen wenig mehr als ein Hunertstel. Auch zeichnen die Winde aus südlicher Richtung, namentlich der reine Süd, sich durch größere Stärke aus als die aus anderen Richtungen kommenden, und im Sommer wächst ihre Kraft oft zu derjenigen stürmischer Winde an. Das ist kein Wunder; ist doch das Gefälle von der See nach dem über der inneren Namib liegenden Luftdruckminimum des Sommers besonders groß. -Eine Eigentümlichkeit der Küstenzone ist der häufige und dichte Nebel, der natürlich auch an freier Küste stärker ist als etwa in der Lüderitzbucht.

Besonders die kühle Zeit ist durch häufige Nebel charakterisiert, und es sind namentlich die Morgenstunden, in denen dieser wie eine dichte Decke über dem Boden liegt. Dann ist nicht nur die Verdichtung auf Dächern usw. so groß, daß das Nebelwasser von diesen stark herabtropft, sondern die Feuchtigkeit durchnäßt sogar die obersten Bodenschichten bis zu einem gewissen Grade. Dagegen ist die Küste so arm an stärkeren, d. h. meßbaren, Niederschlägen, daß sie zu den regenärmsten Strichen der Erde gerechnet werden muß. In Swakopmund Fallen im Jahre kaum 2 cm, d. h. kaum ein Zehntel der an der Nordgrenze der algerischen Sahara jährlich niedergehenden Wassermenge. Ein anderes Bild als die Küste gewährt uns die Namib wenigstens insofern, als Menge und Dauer der Nebel geringer sind als in den dem Meeresufer unmittelbar benachbarten Strichen und als die Wirkungen der weniger gehemmten

Ein und Ausstrahlung sich hier bereits in sehr scharien Gegensätzen sowohl der Jahres, wie auch der Tageszeiten bemerkbar machen. Leider besitzen wir nur vereinzelte Temperaturbeobachtungen aus diesem öden Gebiet. Sie genügen indessen, um die Richtigkeit des Gesagten zu erhärten. So hat man schon in nicht zu großer Entfernung vom Meere im Juli und August Nachtfröste von -10 und -3° beobachtet. Bei Tage aber herrscht, zumal im Sommerhalbjahr, eine ungeheuere Hitze auf den weiten Flächen. Die ungewöhnlich hohe Mitteltemperatur dieses Gebiets ist es, die eine Verlagerung der Zone niedrigsten Luftdrucks nach dem Westen hervorruft, von der weiter unten noch die Rede sein wird. Nicht unerwähnt bleiben darf eine Eigentümlichkeit der über der Westzone ruhenden Luft, die in der verschiedenen Dichte ihrer Schichten ihre Ursache hat.

Dadurch werden zahllose Augentäuschungen hervorgerufen, von der einfachen Vergrößerung und Verzerrung entfernter Gegenstände und Menschen bis zu der echten Fata Morgana, die dem Wanderer Wasserspiegel, in einzelnen Fällen sogar in weiter Ferne befindliche Landschaften vor Augen zaubert, wo er beim Näherkommen nichts weiter erblickt als nackte, trostlose Wüste. - In einer Beziehung besteht leider eine außerordentlich große Ähnlichkeit der Namib mit der Küstenzone im engeren Sinne. Ihre Regenarmut ist nicht viel geringer als an den Ufern des Ozeans. Wo wir die Grenze ziehen sollen, steht nicht genau fest, denn es kommen zeitweilig, wie z. B. in der Regenzeit 1892/93 auch im Westen der Namib starke und ergiebige Regen vor. Aber sie sind so selten, daß man in diesem langgestreckten Gebiet ebensogut auf Jahre hinaus mit gänzlichem Ausbleiben des Niederschlags rechnen muß. Jedenfalls kann man mit Sicherheit nur sagen, daß die Zone sehr schwacher Regen, d. h. das Gebiet mit 5-10 cm mittlerer Jahresmenge, unbedingt schon außerhalb der eigentlichen Namiblandschaften gelegen ist. -

Das Innere des Schutzgebietes zeigt in den wesentlichen Zügen seines Klimas eine große Einheitlichkeit. Tropisch in seiner Temperaturhöhe ist nur der äußerste Norden, während der Gang der Wärme auch hier einigermaßen den im Siedlungsgebiet herrschenden Verhältnissen entspricht. Dieser beruht auf dem Zusammengehen des auch in den echten Tropen herrschenden Gesetzes, nach dem die höchsten Temperaturen gemeinhin vor der Zeit der stärkeren Regen eintreten, mit der verhältnismäßig weiten Entfernung vom Äquator, die in diesem Lande zu einer deutlichen Erniedrigung der Mittelwärme während der Zeit des niedrigsten Sonnenstandes führt. Somit ist Südwestafrika eigentlich ein Übergangsland zwischen der tropischen und der außertropischen Zone, wenngleich es, der Höhe seiner mittleren Temperatur nach, mit Ausnahme der Nordebenen, durchaus zu dieser gehört. Dabei ist selbstverständlich, daß die höchsten Mittel in den trockenen Landschaften des äußersten Südens mehr mit der Zeit des höchsten Sonnenstandes zusammenfallen als in der Mitte und im Norden. Um die genauen Werte der Mitteltemperatur im Sommerhalbjahr zu ermitteln, bedarf es bei der Eintrittszeit und der Ergiebigkeit der Niederschläge einer größeren Anzahl von Jahresreihen, als sie uns vorläufig zur Verfügung stehen.

Alle während der heißen Zeit im nördlichen Nama- und im ganzen Hererolande angestellten Temperaturmessungen können daher nur den Wert angenäherter Zahlen beanspruchen. So erhielt innerhalb der gleichen allein brauchbaren meteorologischen Beobachtungshütte in Groß-Windhuk K. Dove im Januar 1893 eine Mitteltemperatur von 20,0°, Thomas dagegen in demselben Monat des Jahres eine solche von 22,3° (nach Anbringung einer wegen des Unterschiedes der Beobachtungsdaten notwendigen Korrektur). Wenngleich die in der nachstehenden Tafel enthaltenen Zahlen nicht den geringsten Anspruch auf Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit erheben dürfen, da brauchbare Temperaturbeobachtungen eben nur in geringer Menge vorliegen, so erhellt aus ihnen doch der Gang der Wärme einigermaßen hinreichend. Wichtiger als die Benutzung der unzuverlässigen Mittelwerte ist die Kenntnis einiger, dem südwestafrikanischen Klima im Innern fast überall innewohnenden Eigentümlichkeiten. Da ist besonders bemerkenswert die außerordentlich hohe Tagesschwankung.

Selbst im Sommer des Ambolandes ist sie ziemlich groß; im Hereroland wächst sie im Jahresmittel erheblich. Im Sommer beobachtete Thomas in Windhuk einen mittleren Unter schied zwischen dem täglichen Maximum und Minimum von 12,4°, d. i. 3° C mehr als im Juli in Berlin festgestellt ist. Im trockneren Süden und in dem Übergangslande im Westen steigt dieser Unterschied noch ganz erheblich; Range hat in Kuibis in 1300 m Seehöhe im Januar 16,8° im Mittel von 2 Beobachtungsjahren als Tagesschwankung erhalten. Diese sommerliche Abkühlung während der Nacht ist ein großer Vorzug des südwestafrikanischen Klimas, denn es kommt infolgedessen nur selten zu jener so gesundheitsschädlichen Überwärmung der Wohnungen, die in Mitteleuropa die entsprechenden Monate oft genug zu einer Zeit nächtlicher Schlaflosigkeit werden lassen. Die heißeste Nacht, die. K. Dove in dem kühlen und gesunden Windhuk während eines ganzen Sommers beobachtete, wurde in einem nebenbei nicht gerade feuchten Dezember mit einem Temperaturminirnum von genau 20° beobachtet.

Selbst in dem weit wärmeren Omaruru hat Viehe in 254 Sommernächten nur 8 solche mit einer niedrigsten Temperatur von 20 - 21° C verzeichnet. Im Süden kommt diese Gunst des Temperaturganges den Bewohnern trotz der Trockenheit in gleichem Grade zugute. So berichtet Range aus Kuibis, daß in zwei Jahren das Thermometer nur in insgesamt 14 Nächten der beiden Sommer nicht unter 20° sank, dagegen sank es in 70 Nächten während der wärmsten Monate unter die Grenze von 15° herab. Der höchst erfrischenden Sommernacht entspricht andrerseits im Winter eine starke Erwärmung der Luft bei Tage. Da in den Wintermonaten die Sonne fast ununterbrochen von einem so gut wie wolkenlosen Himmel herniederstrahlt, so steigt die Tagestemperatur schon in den ersten Stunden nach Sonnenaufgang stark an. Heidke, dem wir interessante Beobachtungen aus Windhuk verdanken, hat Stundenmittel für 1904/05 mitgeteilt, aus denen hervorgeht, daß selbst im kühlsten Monat dieses Witterungsjahres, dem Juni, um 7 Uhr morgens nur 6,50, um 8 Uhr aber schon 9,7°, um 9 Uhr bereits 13,3° gemessen wurden.

Die Temperatur von 18°, bei der selbst ein empfindlicher Körper das Sitzen in freier Luft verträgt, war um 12 Uhr überschritten und hielt bis nach 5 Uhr nachmittags an. Von 2 - 4 Uhr nachmittags dagegen hielt sich die Mittelwärme auf 20° und etwas darüber, so daß man also um diese Zeit selbst Kranke unbedenklich ohne dicke Kleidung in freier Luft verweilen lassen kann. Bei der Bedeutung, die diese Verhältnisse für die ärztliche Bewertung des südwestafrikanischen Klimas haben, erscheint ihre Mitteilung auch an dieser Stelle im höchsten Grade wünschenswert.

Eine weitere Eigentümlichkeit von besondere Bedeutung ist die Höhe der sommerlichen Maxima der Temperatur. Sie liegen keineswegs so hoch, wie man bei uns vielfach annimmt. Zwar ist das mittlere Tagesmaximum in der heißen Zeit um 5 - 6° höher als in den wärmeren Sommergebieten Deutschlands. Aber die absoluten Höchstwerte der Temperatur sind keineswegs höher als in diesen, sie liegen vielmehr nach unsrer heutigen Kenntnis im Siedlungsgebiet noch unter denen, die in deutschen Städten jeweils zur Notierung gelangen. Dove maß in Windhuk ein absolutes Maximum von 34,8°, Thomas ein solches von 34,5°, Range in Kuibis innerhalb zweier Jahre ein solches von 38,2° (Berlin hat ein absolutes Maximum von 37,0°, Jena ein solches von 39,9°). Die bei einwandfreier Aufstellung der Instrumente gewonnenen Ergebnisse zeigen also, daß die Temperatur sich zwar täglich zu bedeutenderer Höhe erhebt als in unserem deutschen Sommer, daß sie aber selten jene ungewöhnlich hohen Hitzegrade erreicht, die in heißen Perioden auch nördlich der Alpen beobachtet werden.

Bedenkt man, daß die hohen Wärmegrade in Südwestafrika zudem aus noch zu erörternden Gründen viel leichter ertragen werden als bei uns, so wird auch diese Seite des Klimas nicht als eine besondere Unannehmlichkeit empfunden werden. -Selbst von den niedrigsten Temperaturen während der Wintermonate gilt das. Auch diese dürfen uns nicht zu Trugschlüssen hinsichtlich der physiologischen Folgen kalter Winternächte verleiten. Allerdings kommen in allen Teilen des Schutzgebiets selbst ziemlich starke Fröste vor, und in den höchsten Teilen des Landes sowie im Süden sind sie sogar eine in jedem Winter auftretende Erscheinung. Nur über den Grad derselben läßt sich allgemein Gültiges nicht sagen, da sie mehr als jede andere Erscheinung von lokal wirksamen Einflüssen abhängig sind. Namentlich tief eingeschnittene Täler wie das von Otjiseva zeichnen sich vor anderen Gebieten, wie demjenigen der Windhuker Gehänge, durch Häufigkeit und Stärke der winterlichen Nachtfröste aus; ebenso natürlich die Landschaften des Namalandes, in denen die nächtliche Ausstrahlung bereits deutlichere Folgen zeitigt als in den flacheren Landschaften des Hererolandes.

Immerhin weisen die einwandfrei aufgestellten Instrumente nicht die große Zahl der Frostnächte auf, auf die der oberflächliche Beobachter aus der Häufigkeit der Eisbildung auf kleinen Pfützen und des Erfrierens gewisser empfindlicher Gewächse glaubt schließen zu dürfen, bei der die starke Verdunstung und andere Nebenwirkungen der Ausstrahlung ganz entschieden eine Täuschung über das erreichte Minimum. hervorrufen. Dagegen sind als sichere Minima selbst in Olukonda von Rautanen 0,5°, in Windhuk von Dove bereits im Mai 0,2° 10 m über dem Talboden, ebendort von Thomas an der gleichen Stelle im Juni - 3,5°, in Kuibis - 2,8° von Range in neuerer Zeit nachgewiesen worden. In anderen Stationen jener Gegend wurden aber -10° und darunter gemeldet, wohl ebenfalls eine Folge lokaler Ursachen.

Daß in Rehoboth die Dattelpalmen starke Frostschäden aufwiesen, beweist bei der Härte dieser Pflanzen ebenfalls das Auftreten weniger lokal, als vielmehr durch weitverbreitete Temperaturerniedrigung verbreiteter Nachtfröste. Unter allen Umständen kann man auf dem Boden enger Täler und in den unteren Teilen flacher und muldenartiger Senken alljährlich, mit dem Auftreten ausgeprägter, die Kulturpflanzen stark schädigender Frostgrade rechnen.

Um die wichtigste Erscheinung unter allen atmosphärischen Vorgängen im Schutzgebiet, die Niederschläge, in ihren letzten und maßgebenden Ursachen richtig zu würdigen, muß man sich zunächst den Gang des Luftdrucks und mit ihm den Wechsel der Windrichtung im Innern von Südwestafrika vergegenwärtigen. - Während des Winters ruht eine Antizyklone, d. h. ein Gebiet hoben Luftdrucks, über dem südlichen Dreieck des Weltteils,. dessen Kern wir uns etwa im Karrugebiet vorstellen können. Die Folge dieser Erscheinung ist während dieser Jahreszeit ein Vorwiegen südlicher Luftströmungen, die, wenn auch lokal verschiedentlich abgelenkt, sowohl im inneren Nama- wie im Hererolande deutlich als Hauptluftströmung erscheinen.

In Windhuk, wo die Ablenkung nicht so stark ist, wie beispielsweise in Kuibis, überwiegen die dem Passat entsprechenden Winde aus SW bis SO alle anderen während der kühleren Jahreshälfte um ein Vielfaches. In der Regenzeit lassen sich je nach der Stärke der Niederschläge die Winde aus N bis O in deutlichem Zusammenhange mit den Regenmonaten verfolgen. Mit mehr oder weniger lokal verursachten Abweichungen gilt dies Verhältnis im ganzen Innern, wohingegen es mit der Annäherung an den Westen undeutlicher wird. Dieser Umstand im Zusammenhang mit den an der Küste beobachteten Windrichtungen führt, wie K. Dove nachgewiesen hat, mit zwingender Sicherheit zu der Annahme folgender Luftdruckverteilung in der wärmeren Jahreszeit. - Wenn sich die Frühlingswärme stärker zu äußern beginnt, muß sich über den am meisten der Erhitzung unterliegenden Strichen der Namib eine Zone größter Luftauflockerung bilden, in der sinkender Luftdruck ein Hereinströmen der Luft von beiden Seiten verursacht.

Die westlich von dieser Gegend stärker hereinströmenden Winde lehrt uns die Beobachtung kennen. Im Osten, wo die Isobaren nicht so dicht aufeinander folgen und das Gebiet niedrigen Druckes sich weiter in das Innere verschiebt, wird je nach dem Grade dieser Verschiebung und der Vertiefung des Barometerstandes ein mehr oder weniger häufig und lebhaft wehender Wind aus Nord bis Ost beobachtet werden. Die hier dargestellte Lage des den Luftdruck im Sommer kennzeichnenden Minimums muß, je weiter nach Norden und Osten wir uns entfernen, um so sicherer zum Eintreten von Winden aus dem Horizontviertel zwischen N und O führen.

Das bedeutet nichts anderes, als daß die Wahrscheinlichkeit und die Menge des Regens in der Richtung von SW nach NO zunehmen müssen. In der Tat bestätigen alle Beobachtungen im Schutzgebiet die Richtigkeit dieser Annahme. Von Wichtigkeit ist, daß die Lage des regenerzeugenden Luftdruckminimums in Zukunft einmal uns in Stand setzen wird, die größere oder geringere Ergiebigkeit der, Regenzeit um ein bis zwei Monate im voraus zu beurteilen. Die Art, wie dies geschehen wird, kann hier nicht näher erörtert werden, die Tatsache, auf die K. Dove hingewiesen hat, ist indessen schwerwiegend genug für die Landwirtschaft des Schutzgebiets, um hier Erwähnung zu finden. Mit dem eben geschilderten Gange des Luftdruckes hängt nun die zeitliche Verteilung der Niederschläge (s. die Klimatabellen S. 424/25) im Innern der Kolonie auf das engste zusammen. Überall überwiegen daselbst die Regen während der wärmeren Jahreshälfte so sehr, daß man mit vollstem Recht das ganze Land jenseits der Namib als Sommerregengebiet vom ausgesprochensten Charakter bezeichnen muß.

Nur an der Küste vom 21° s. Br. an südwärts und im äußersten Südwesten des Groß-Namalandes kann man auf häufiger auftretenden Regen während des Winters rechnen. Hier vollzieht sich, zunächst fast unmerklich, der Übergang zu der Westzone des Kaplandes, in der die Winterregen der südlichen Halbkugel bei vorwiegend nordwestlichen Winden zu herrschen beginnen. Die Verteilung des Regens über die einzelnen Monate ist nur aus längeren Jahresreihen zu erkennen. Denn ein wesentliches Merkmal der Niederschläge in Südwestafrika ist die Unsicherheit ihres Beginnes und der Wechsel in der Eintrittszeit stärkeren Regens überhaupt. Je weiter nach Nordosten ein Punkt gelegen ist, um so geringer wird allerdings diese Unregelmäßigkeit im Gange der Niederschläge, nachweisbar ist sie aber auch, dort noch in viel höherem Grade als in europäischen Ländern. Im Innern überwiegen durchaus die echten, d. h. die während der drei Hauptsommermonate fallenden Regen.

In diesen, also in der Zeit von Januar bis März, kann man mit der größten Wahrscheinlichkeit auf den Eintritt mehr oder weniger ergiebiger Niederschläge rechnen. Im Frühling, Oktober bis Dezember, fallen ebenfalls schon Niederschläge, doch sind sie weniger reich und ihr Eintreffen nicht so sicher wie in den angeführten Monaten. Bis in den April, ja sogar bis Anfang Mai, verlängern sich die Regen in vielen Fällen, dann aber beginnt- eine Trockenzeit, deren Dauer man auf 5 Monate geringsten Niederschlags ansetzen kann. Diese Zeit ist trotz der im Winter gerade im Süden etwas häufiger beobachteten Niederschläge eine Periode ausgesprochenster Regenarmut, und mit ihren Folgen für Weide und Wasserstellen muß man in allen Teilen des Schutzgebiets rechnen.

Die Menge des Niederschlags ist im Süden sehr gering. Dort fallen selbst in dem weit vom Meere entfernten Warmbad nur noch rund 10 cm, d. h. die Hälfte der an der Wüstengrenze in der algerischen Sahara gemessenen Menge! Bis weit in das Innere zieht sich im GroßNamalande auch die Zone mit weniger als 20 cm jährlichem Niederschlag. Keetmanshoop hat nur 12 cm, erst Hoachanas unter demselben Meridian liegt mit der doppelten Regenhöhe in einer etwas günstigeren Zone. Im Hererolande fällt dagegen die Grenze von 20 cm bereits auf eine wenig östlich von Otjimbingue und Okombahe ziehende, der Küste parallele Linie. Das Innere wird hier je nach Lage und Meereshöhe verschieden beeinflußt, weshalb zur Herstellung genauer Mittel gerade hier das vorhandene Beobachtungsmaterial noch bei weitem nicht ausreicht. Immerhin wissen wir schon jetzt, daß das südliche und mittlere Hereroland außerhalb der regenreicheren Hochzone zwischen 30 und 40, das nördliche und nordöstliche zwischen 40 und 60 cm empfängt, ähnlich wie das Amboland. -

Die Regenmenge erscheint namentlich im Hererolande keineswegs ungünstig. Aber sie ist auch dort bis zu einem gewissen Grade als nicht ausreichend anzusehen. Denn die eben angeführten Mittelwerte werden nur in seltenen Ausnahmefällen erreicht, und Abweichungen vom Mittel nach beiden Seiten bilden die Regel. Entweder bleibt die Regenmenge eines Jahres bzw. einer Regenzeit mehr oder weniger weit hinter dem Durchschnitt zurück, oder aber -allerdings ein weniger häufiger Fall - der Himmel sendet in einer besonders leuchten Niederschlagszeit so ungeheure Regenfluten herab, daß es in allen Teilen des Landes selbst zu förmlichen Überschwemmungen kommen kann. Ist die Trockenheit, die oft mehrere Jahre hintereinander, herrscht, ein schwerer Schaden für Viehzucht und Gartenbau, so nützen auch die in solchen ungewöhnlich nassen Jahren fallenden Regen dem Landwirt nicht sehr viel, da er seine technischen Einrichtungen n icht für solche immerhin seltenen Ereignisse treffen kann. -

Die Niederschläge treten während des Sommers, also in der Mehrzahl, in Form kurzer, bisweilen sehr heftiger und oft von Gewittererscheinungen begleiteter Güsse auf. Landregen sind selten, und die Regen fallen meist am Nachmittag, während die Morgenstunden meist schön und trocken sind. Da auch in den Hochländern des Namalandes die winterlichen Niederschläge selten sind, so bilden Schneefälle ebenfalls ein nicht gerade häufiges Ereignis. Doch sind solche selbst in Windhuk und Gobabis und im Auasgebirge beobachtet, und in den höher gelegenen Plateaus des Südnamalandes kommen sie in jedem Jahre einmal vor. In Schakalskuppe in jenem Gebiet bildete der Schnee am 9. Aug. 1909 sogar eine Decke von 20 cm Mächtigkeit.

Ein Umstand, der von der größten Wichtigkeit für die Beurteilung der Niederschlagsmengen ist, bedarf noch der Erörterung. Man erhält ein vollständig unzureichendes Bild vom Regen in Südwestafrika, wenn man sich mit der Angabe der Mittel sowie der Schwankungen der Niederschlagsmengen begnügt. Vielmehr ist die Berücksichtigung der Häufigkeit größerer Niederschlagsmengen von besonderer Bedeutung. Verdunstung, Entblößung des Bodens von schattenspendenden Gewächsen und mancherlei andere Umstände wirken zusammen, die Wirkung der meisten geringeren Regenfälle unmittelbar nach ihrem Zustandekommen wieder aufzuheben.

Nur die stärkeren Güsse dringen nicht allein tiefer in den Boden ein und tragen so zur Ernährung der größeren Gewächse bei, sondern nur diese liefern auch die von den Gehängen zusammenrieselnden Wassermengen, welche weiterhin zur Speisung des Grundwassers und in günstigen Fällen zur äußeren Füllung der Rivierbetten nötig sind. Nun liegt ja schon in der Zusammendrängung der Regenzeit auf verhältnismäßig wenig Monate und Regentage ein großer Vorteil für das Land. So hat z. B. sogar das trockene Warmbad im Mittel eine viel größere Regendichte als Berlin Im Sommer; denn während in der Reichshauptstadt im Durchschnitt selbst im Juli nur 5,4 mm auf einen Niederschlagstag kommen, kann man in dem genannten Ort auf rund 7 mm an einem solchen rechnen.

In Windhuk ist die mittlere Regendichte etwa ebenso groß wie dort. Das heißt also nichts anderes, als daß in diesem trockenen Lande der durchschnittliche Regenfall der. Pflanzenwelt und den Rinnsalen doch einen viel größeren Nutzen bringt als es nach .der Jahressumme auf den ersten Blick scheinen will. -Von besonderem Wert ist, daß auch die starken, von 15 mm an gerechneten Tagessummen nicht ganz selten sind. Nach einem 7jährigen Durchschnitt fielen in Rehoboth an fast 7 Tagen solche zum Teil weit über diesen Grenzwert hinausgehende Niederschlagsmengen. In drei, allerdings ergiebigen Regenzeiten in dem schon in recht trockener Landschaft gelegenen, etwa an dreien im Mittel, in Windhuk einschließlich der sehr nassen Regenzeit 1892/93 an nicht weniger als 13 im Jahresmittel. Bedenkt man jetzt, daß diese starken Regenmengen sich innerhalb 4 bis höchstens 5 Monaten zu ergießen pflegen, so begreift man leichter als nach den bloßen Regensummen ihre Bedeutung für die Anreicherung des Grundwasservorrats im Lande. - In unmittelbarem Zusammenhang mit der Armut an Niederschlägen steht die Dampfarmut der Atmosphäre im Innern.

An der Küste freilich ist die relative Feuchtigkeit sehr hoch. Dort beträgt sie 80 % im Jahresmittel und 74 % um Mittag und geht nur im Frühwinter unter 70 % herab. Um so schärfer wirkt der Gegensatz, wenn man, aus dem Küstengebiet kommend, wo alle aus Eisen und Stahl gefertigten Gegenstände unrettbar dem Rost verfallen, sich den inneren Landschaften mit ihrer ans Fabelhafte grenzenden Trockenheit der Luft nähert. In Windhuk betrug der relative Dampfgehalt im Mittel eines Jahres nicht mehr als 40 %, und das Minimum im Januar war nur 6 %. In dem heißen und regenarmen Dezember 1892 wurde dort an zwei Tagen sogar ein Tagesmittel von weniger als 10 % festgestellt! Diese außergewöhnliche Dampfarmut der Atmosphäre macht sich auch äußerlich deutlich geltend.

Die Haut nimmt eine lederartige Beschaffenheit an, das Horn der Fingernägel wird spröde, und die Lippen springen nicht selten auf wie bei uns infolge der Kälte. Namentlich zeigen leblose Gegenstände in vielen Fällen ein eigenartiges Verhalten. Fäulniserscheinungen sind verhältnismäßig selten, andrerseits trocknen Holz und andere Dinge, zumal solche europäischer Herkunft, leicht aus, werden rissig und werfen sich. Das dem Boden entsprossene Gras wird zu einem natürlichen Heu, sobald die Regen, während deren Herrschaft es dem Boden entsproß, eine Zeitlang aufgehört haben. Ganz besonders aber ist es die durch die geringe relative Feuchtigkeit ins Ungeheure verstärkte Verdunstung, die mit ihren Folgen in das alltägliche Leben eingreift.

Mehr als durch einen Vorrat leicht schmelzenden Eises kann man das in Leinensäckchen aufbewahrte Trinkwasser auf diese Weise ununterbrochen frisch erhalten. Vor allem aber ist es die lebhafte Abkühlung der Haut infolge des von ihrer Oberfläche ebenso unmerklich wie ständig abdunstenden Wassers, die selbst die höchsten Hitzegrade viel erträglicher erscheinen läßt als wir dies von der unangenehmen Schwüle unsrer heißen europäischen Sommertage jemals behaupten können. Andrerseits ist es diese schnelle Verdunstung aller und jeder Flüssigkeit, die das Land seiner stehenden und fließenden Wasserschätze in so bedauerlich kurzer Zeit beraubt.

Unter allen Umständen ist das Fehlen oder die Seltenheit einiger in andern Ländern weitverbreiteter Krankheiten in D.-S. wieder auf diesen so wichtigen Charakterzug des Steppenklimas zurückzuführen. Die Bewölkung im Innern ist allenthalben gering. Während sie in der deutschen Reichshauptstadt im Jahresmittel 64 % und selbst in den beiden klarsten Monaten noch 54 % beträgt, erreichte sie selbst in dem ungemein regenreichen Januar 1893 in Windhuk nur 73, sank im März auf 47 und im April bereits auf 2 %, um in der Mitte des Winters sich auf kaum 10 % zu heben. Die Kolonie hat somit eine weit weniger dichte Bewölkung als die durch den klaren Himmel am meisten bekannten südlichen Mittelmeerländer.

Im südlichen Namalande hat Range sogar im Jahresmittel in zwei aufeinanderfolgenden Jahren nur 12 und 26 % festgestellt, im Winter sank die Himmelsbedeckung daselbst sogar in 2 Monaten auf weniger als 6 % herab, was jeder sich im Freien aufhaltende Europäer ohne Bedenken für gänzliche Wolkenlosigkeit nehmen würde. - Schließlich muß noch einer weiteren Eigentümlichkeit der Atmosphäre gedacht werden, die im Innern des Schutzgebiets selbst dem einfachsten Beobachter zu denken gibt, Das Zusammentreffen der geringen Dichte der über dem Hochlande ruhenden Luft mit der ungemeinen Dampfarmut bewirkt eine Klarheit und Durchsichtigkeit, die in Europa selbst in den Hochgebirgen des Südens ihresgleichen sucht.

In Zusammenhang damit stehen die wunderbaren Farbenwirkungen, die namentlich den Abendhimmel auszeichnen, zugleich aber die Helligkeit der Gestirne, die auf jeden Neuling im Lande eine wahrhaft überraschende Wirkung ausübt.

Man kann sich von diesen Dingen einen ungefähren Begriff machen, wenn man erfährt, daß man im Scheine des halben Mondes ohne Anstrengung zu lesen vermag und daß man des Nachts den vom Lichte der Venus deutlich auf den Boden gezeichneten Schatten wahrnimmt. Die Durchsichtigkeit der Luft verleiht endlich allen fernen Gegenständen sehr scharfe Umrisse, und nur zu leicht läßt man sich beim Wandern oder Reiten auf den Hochländern zu einer bisweilen recht unangenehmen Unterschätzung der Entfernungen bis zu einem Berge oder einer sonstigen weithin sichtbaren Landmarke verleiten. Selbst beim Schießen auf größere Distanz hat der erst seit kurzem im Lande verweilende Europäer mit einer bei uns unbekannten Größe der Schätzungsfehler zu rechnen. S. die Klimatabellen.

 

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