Kolonialkrieg in Deutsch-Südwestafrika 1904-1908

Im Deutschen Reich gehen die nichtdemokratischen Kräfte aus den Reichstagswahlen, den sog. Hottentottenwahlen, gestärkt hervor. Benannt sind die Wahlen nach dem blutigsten Krieg der deutschen Kolonialgeschichte, dem Hottentottenkrieg in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, für dessen Fortführung die Gelder verweigert wurden.

Hottentottenwahl
Aus den Wahlen zum zwölften Deutschen Reichstag in Berlin am 25. Januar, den sog. Hottentottenwahlen, gehen Konservative, Nationalliberale und Freisinnige als Sieger hervor. Das Zentrum baut seine Position aus, die SPD muss erhebliche Verluste hinnehmen. Nach den Stichwahlen steht fest, dass das Zentrum mit 105 Mandaten (1903: 100) stärkste Fraktion bleibt, gefolgt von den Deutschkonservativen mit 60 (54) und den Nationalliberalen mit 54 (51) Mandaten. Die Sozialdemokraten stellen nur noch 43 Abgeordnete (81).
Reichskanzler Bernhard Fürst von Bülow wertet den Wahlausgang als Ausdruck nationaler Gesinnung. 1906 hatte die Reichsregierung den Reichstag aufgelöst, nachdem ein Nachtragshaushalt zur  Fortsetzung des Kolonialkriegs gegen die Hottentotten nicht bewilligt wurde.

Die Niederlage der SPD ist u.a. auf das Mehrheitswahlrecht zurückzuführen, nach dem die 397 Reichstagsabgeordneten ermittelt werden. So geben zwar 28,9% der Wähler der SPD ihre Stimme, doch nur 43 Kandidaten ziehen in den Reichstag ein. Umgekehrt erhalten die Deutschkonservativen nur 9,4% aller Stimmen, stellen jedoch 60 Abgeordnete.

Reicht die Mehrheit im ersten Wahlgang nicht aus, findet eine Stichwahl zwischen den beiden erfolgreichsten Kandidaten statt. Während Stichwahlen anfangs nur in etwa 10% der Wahlkreise notwendig waren, finden sie inzwischen in fast 50% der Wahlkreise statt. Hauptgrund ist der hohe Anteil an SPD-Stimmen, die vielfach eine absolute Mehrheit im ersten Wahlgang verhindern.

Hottentotten-Häuptling Jakob Morenga

Hottentotten-Häuptling Jakob Morenga

Hottentottenkrieg: Gemäß einer Order von Kaiser Wilhelm II. wird der Kriegszustand in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika (Namibia) am 31. März aufgehoben. Auch nach dem offiziellen Ende des Kriegs kommt es aber weiterhin zu Gefechten, einige Häuptlinge stehen noch im Feld. Zu den bekanntesten zählt Klein-Hendrik Witbooi, der Sohn des 1905 im Gefecht bei Fahlgras gefallenen Hottentottenführers Hendrik Witbooi. Klein-Hendrik unterwirft sich Anfang August den Kolonialbehörden. Häuptling Jakob Morenga fällt von der britischen Kapprovinz aus in Deutsch-Südwestafrika ein. Bei Kämpfen kommt er in der Wüste um.

Wanderarbeiter: Über alle Parteigrenzen hinweg beschließt das preußische Abgeordnetenhaus am 11. Februar die Verabschiedung eines Gesetzes über Wanderarbeitsstätten. Dort sollen mittellose Männer außerhalb ihres Wohnorts Arbeit, Verköstigung und Obdach erhalten. Jährlich suchen über 200 000 Saisonarbeiter aus dem Osten Arbeit in der deutschen Landwirtschaft.

Aptantenvertrag: Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Heinrich Leonhard von Tschirschky und Bögendorff, und sein dänischer Amtskollege Johan Henrik von Hegermann-Lindencrone unterzeichnen am 11. Januar den sog. Optantenvertrag. Er beseitigt die seit dem deutsch-dänischen Krieg von 1864 bestehenden Spannungen im nordschleswigschen Grenzgebiet. Einer kleinen Gruppe von Dänen in Nordschleswig wird mit dem Abkommen die Option eingeräumt, zwischen der deutschen und der dänischen Staatsbürgerschaft zu wählen.

Eulenburg-Affäre: Vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts II in Berlin beginnt am 6. November der Beleidigungsprozess des Reichskanzlers Bernhard Fürst von Bülow gegen den Schriftsteller Adolf Brand. Brand, der Bülow Vergehen gegen den Homosexuellen-Paragraphen 175 vorgeworfen hatte, wird zu eineinhalb Jahren Gefängnis und zu öffentlicher Widerrufung verurteilt. Der Prozess ist einer der Auswüchse im Rahmen der sog. Eulenburg-Affäre von 1906, die eine Prozesslawine ausgelöst hat. Die Eulenburg-Affäre hat politische Hintergründe, kommt jedoch in einer gesellschaftlichen Atmosphäre ins Rollen, in der ein allgemeiner »Verfall der Sitten« beklagt wird und Urteile gegen »Unsittliche« gefällt werden.

Tierpark Hagenbeck: Der Tierhändler Carl Hagenbeck eröffnet am 7. Mai in einem Hamburger Vorort einen Tierpark, der sich von herkömmlichen Zoos grundlegend unterscheidet und bald Nachahmer in aller Welt findet. In Hagenbecks Zoo leben die Tiere in einer artgerechten Umgebung in Freigehegen, die der Natur nachempfunden sind.

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