Lage und Grenzen.

Die Kolonie K. liegt im innersten Winkel der Bucht von Guinea, bildet also einen Teil der Guineaküste und trennt das sog. Ober-Guinea von Nieder-Guinea.

Im Verhältnis zu ihrer Größe hat sie nur einen relativ geringen Anteil am Meer. Nach dem Innern, dem Osten zu verbreitert sie sich, so daß sie an der östlichen Grenze vom Kongo bis zum Tsadsee reicht; das ist eine Strecke von über 14 Breitengraden in der Luftlinie. K. erstreckt sich vom 13. Grad n. Br. bis zum 1. Grad s. Br. und vom 7 1/2 bis zum 18 1/2 Grad ö. L.

Das sind beträchtliche Dimensionen und Entfernungen, und es ist ohne weiteres daraus erklärlich, daß sich K. aus landschaftlich und klimatisch verschiedenartigen Regionen zusammensetzt. Wir finden fast alle Übergänge vom trockenen Steppengebiet im Norden, am Tsadsee, bis zum dichtesten Urwald im Süden am Ssanga. Die Grenzen von K., wie sie heute bestehen, sind noch sehr unentwickelt, teilweise sogar noch gar nicht näher festgelegt. Die relative Unkenntnis besonders eines Teils der Grenzgebiete bedingt, daß die Grenzlinie entweder durch Flüsse geführt wird, oder in gerader Linie fest bestimmte Punkte verbindet.

Zu großen Unzulänglichkeiten würde der Bestand der spanischen Kolonie Spanisch-Guinea führen, die als Enklave im deutschen Gebiet liegt, und zwar so, daß sie einen Teil des deutschen Besitzes, nämlich den südlich von ihr liegenden Zipfel vollkommen vom übrigen deutschen Gebiet trennt. Wir grenzen mit unserem Besitz an den dreier anderer Kolonialmächte, nämlich Frankreich, England und Spanien.

An der ganzen Nordwestgrenze grenzen wir an englisches Gebiet, an Britisch-Nigeria. Im Osten und Süden liegt Französisch-Zentralafrika. Von Spanisch-Guinea ist schon gesprochen. Nur mit dem Kongozipfel würden wir den belgischen Kongostaat berühren, wenn nicht die Inseln im Kongo französisch geblieben wären.

Unser Gebiet umfaßt nach neuen Feststellungen des geodätischen Bureaus im KA. rund 795 000 qkm; davon haben wir durch das Abkommen vom 4. Nov. 1911 mit Frankreich (s.-Erwerb der deutschen Kolonien 3) 295000 qkm gewonnen, aber mit dem sog. Entenschnabel 12000 verloren.

Was nun die Grenzen von K. anbetrifft, so sind dieselben teilweise noch nicht festgelegt. Die ganze Süd- und Ostgrenze ist durch den Vertrag vom 4. Nov. 1911 in den Grundzügen bestimmt; die genauere Aufnahme des Grenzgebietes wird aber wohl die Notwendigkeit vieler Abänderungen ergeben. Die Westgrenze ist durch zwei Expeditionen vermessen, aber nur das Stück von Jola bis zum Tsadsee ist bisher gesetzlich festgelegt. Für die Grenze von der Küste bis Jola kommt der Grenzvertrag vom 15. Nov. 1893 mit England in Betracht.

Es hat eine Vermessung bis Jola stattgefunden, aber die z. B. schon in der Karte des großen Kolonialatlas niedergelegten Vertragsentwürfe sind noch nicht ratifiziert. Die Grenze verläuft geradlinig und macht geringe Abweichungen zwischen dem oberen Ende des Rio del Rey bis zu den Schnellen des Kreuzflusses und verläuft von dort fast ebenso geradlinig in der Richtung auf Jola. Für die Strecke Jola-Tsadsee kommt der deutsch.-engl. Vertrag vom 16. Juli 1906 in Betracht.

Die Grenze beschreibt um Jola einen Halbkreis mit etwa 45 km Radius, folgt dem Unterlauf des Faro, geht dann ein Stück den Mao Tiel hinauf und verläuft in nördl. Richtung zum Mao Kilanje und dann zum Jadseram, dem sie bis eben vor Dikoa folgt. Dikoa, das deutsch bleibt, wird in kleinem Bogen umgangen und dann verläuft die Grenze in der Richtung N 25° O bis zum Tsadsee geradlinig (Riebow, Deutsche Kol.Gesetzgebung Bd. I 79, 92, 215, 696; Bd. II 54, 80; Bd. X 277). - Was die Ost- und Südgrenze unseres Schutzgebietes anbelangt, so richtet sie sich vorläufig nach dem Abkommen vom 4. Nov. 1911 zwischen Deutschland und Frankreich.

Sie verläuft vom Massoliee in der Bucht von Monda zur Südostecke von Spanisch-Guinea in gerader Linie. Von dort in einer Linie zur Mündung des Dschua in den Iwindo, darauf ersterem folgend bis Madschingo (franz. bleibend) und darauf von dort geradlinig zum Ngoko-Ssanga-Punkt. Wesso bleibt französisch. Die Grenze geht nun nach SW 6-12 km unterhalb Wesso zum Kandeko und folgt diesem, dem Bokiba und dem Likuala Mossaka bis zum Kongo. Hier ist eine Strecke von 6-12 km deutsch. Dann geht die Grenze den Likuala Essubi aufwärts bis Botungo. Von hier verläuft sie geradlinig nach S bis Bera Ngoko, dann nach Nordw. zur Vereinigung von Lobai und Bodinge und darauf den Lobai abwärts zum Ubangi.

Auch hier folgt sie dem Fluß 12 km, dann steigt sie in gerader Linie zum Pama etwas westlich vom Zusammenfluß mit dem Mbi. Dann den Pama aufwärts und in gerader Linie zum Penndé oder östlichen Logone bei Goree. Nun folgt sie dem Penndé, Logone und Schari bis zum, Tsadsee (DKolZtg. 1911 S. 765). Das spanische Gebiet, Span.Guinea oder Munigebiet bildet eine Enklave in deutschem Besitz. Seine Grenzen werden durch das deutsch-franz. Abkommen vom 24. Dez. 1885 im Norden bestimmt, weil damals noch das ganze südlich der Kampo gelegene Gebiet französisch war, und erst später an Spanien, durch den Vertrag vom 27. Juni 1900, abgetreten wurde.

Im Norden wird die Grenze bis zu dem Punkte, wo der Kampo den 10° östl. Länge schneidet, durch diesen Fluß geführt und von dort auf dem Breitengrad dieses Punktes nach Osten weitergeführt. Im Osten und im Süden wird die Grenze durch den spanisch-französischen Vertrag vom 27. Juni 1900 festgelegt. Im Süden geht sie im Talweg des Muni nach Osten und folgt dem 1° nördl. Breite von dem Punkt an, wo der Utemboni diesen zuerst schneidet.

Die Ostgrenze bildet der 9° östl. Länge von Paris, d. h. 11° 20' östl. Länge von Greenwich. Es hat zwar eine Grenzregulierung im Jahre stattgefunden 1901, aber es ist noch kein Vertrag zwischen den Regierungen abgeschlossen. - Von den dem deutschen Gebiet vorgelagerten Inseln gehören Fernando Po und Annobon den Spaniern, Principe und San Tomee den Portugiesen und von den kleineren Inseln nahe dem Festland Elobi und Corisco den Spaniern.

 

Lage und Grenzen