Landwirtschaft und Viehzucht.

 

Der dauernde Reichtum D.-S.s beruht in seiner natürlichen Geeignetheit für Viehzucht. Die Rindermassen der Hereros lockten schon im 18. und 19. Jahrh. den weißen Händler an. Die Farmsiedelungen unter deutscher Herrschaft waren ebenfalls von Anfang an überwiegend auf Viehzucht gerichtet. Der nicht sehr fruchtbare Boden gestattet aber nur die Haltung verhältnismäßig beschränkter Viehherden auf großen Flächen. Andererseits erleichtert die natürliche Beschaffenheit der Weide die Farmwirtschaft insofern, als das Vieh das ganze Jahr hindurch auf das Weidefeld hinausgetrieben werden kann und eine Fürsorge für die schlechtere Jahreszeit im allgemeinen nicht erforderlich ist.

Der extensive Charakter der Viehzucht hat die Folge gehabt, daß die Farmen eine ungewöhnliche Größe besitzen. Im Norden des Schutzgebietes umfassen die Farmen jedenfalls mehrere tausend Hektar, in der Mitte mindestens fünf Tausend und im Süden bis zu zehn Tausend und mehr. Eine Verminderung der Farmengröße wird eintreten können, sobald mehr dazu übergegangen wird, durch Anbau von Luzerne und anderen Futtermitteln eine größere Viehhaltung auf kleineren Flächen zu ermöglichen.

Während die Regierung vor Einziehung des Eingeborenenlandes im Anschluß an den letzten Aufstand nicht sehr bedeutende Flächen zum Verkauf als Farmland besaß, verfügt sie jetzt über den größeren Teil des Grund und Bodens des Schutzgebietes. Außerdem haben ihr mehrere Landgesellschaften vertragsmäßig das Recht zum Verkauf eines großen Teils ihres Landes für Rechnung der Gesellschaften eingeräumt. Ansiedelungslustige können außer von der Regierung direkt von den Landgesellschaften zu deren Bedingungen Farmland erwerben. Die Regierung sucht die Entwicklung der Farmwirtschaft dadurch zu fördern, daß sie das Land zu niedrigen Preisen und unter weitgehender Bewilligung von Zahlungsfristen abgibt.

Die Zahl der in Privatbesitz befindlichen Farmen in D.- S. belief sich im Jahre 1913 auf insgesamt 1331, von denen 108 Pachtungen waren. Von der angegebenen Zahl waren 193 Farmen nicht bewirtschaftet. Der Gesamtflächeninhalt aller in Privatbesitz befindlichen Farmen betrug 13 393 606 ha. (Tabelle) Die Einfuhr von Zuchttieren wird dadurch erleichtert, daß den Privaten die Kosten des Transportes seitens der Regierung tunlichst abgenommen werden. Im Interesse der Pferdezucht ist in Nauchas eine Regierungszuchtstation eingerichtet, deren Hengste den Farmern unter günstigen Bedingungen zur Verfügung stehen.

Die rasche Wiederbestockung der Farmen nach der Vernichtung des Viehs durch den letzten Eingeborenenaufstand ist nur durch größere Regierungstransporte aus der Kapkolonie möglich gewesen. - Neben der Farmwirtschaft gibt es im Schutzgebiet die sog. Kleinsiedelung. Ihr Schwergewicht liegt nicht in der Viehhaltung, sondern im Garten- und Ackerbau. Kleinsiedelungen sind deshalb namentlich auf den Alluvialböden der Riviere entstanden. Sie befassen sich mit dem Anbau von Kartoffeln, Mais, Orangen, Zitronen, Tabak und sonstigen Feld- und Gartenfrüchten. Während früher in den beteiligten Kreisen die Auffassung herrschte, Südwestafrika eigne sich nur wenig für Ackerbau und Gartenwirtschaft, hat in der letzten Zeit eine optimistischere Einschätzung dieser Möglichkeiten stattgefunden. Namentlich werden mit dem sog. Trockenfarmsystem in den verschiedensten Teilen des Schutzgebietes Versuche gemacht.

Die Regierung hat auf der Regierungsfarm Neudamm eine landwirtschaftliche Versuchsstation für Trockenkultur eingerichtet. Hauptsächlich Mais und Kartoffeln werden auf den Regenfall angebaut. Der Anbau von Luzerne und Tabak ist meist nur auf Grund künstlicher Bewässerung möglich. Die forstwirtschaftlichen Unternehmungen der Regierung befinden sich meist noch im Versuchsstadium. Neben den Regierungsgärten in Windhuk dienen 4 Forstgärten in verschiedenen Teilen des Landes diesen Zwecken Der Forstgarten in Ukuib hatte im Jahre 1912 auf einer Fläche von 27,19 ha einen Bestand von 7387 Dattelbäumen. -Zwecks Hebung des Tabakbaus ist eine amtliche Tabakversuchsstation in Okahandja eingerichtet worden. -

Wein wächst in vielen Teilen des Schutzgebietes unter günstigen Bedingungen. - Der Obstbau hat meist noch mit Schwierigkeiten zu kämpfen. - Der landwirtschafttreibenden Bevölkerung ist durch die Schaffung des Landwirtschaftsrats auf Grund der GouvV. vom 27. Mai 1913 Gelegenheit zur Wahrung und Förderung ihrer Gesamtinteressen gegeben worden. Der Landwirtschaftsrat soll die Verwaltung beraten und ihr Anregungen geben. Er setzt sich aus den bezirksweise gewählten Vertretern der selbständigen Landwirte zusammen.

 

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