Bei „Stepp meets Jazz“ trifft Doris auf Lothar

Lothar Scharf (ein vorletztes Mal 59) „ist das für Darmstadt, was der Louis Armstrong für die Welt ist“, sagt Doris Meinhardt (schon 61). Sie muss es wissen, denn sie ist als Kusine dritten Grades eine geborene Scharf und kennt ihn schon sein ganzes Leben. Lothar Scharf ist eher mit dem Titel „Vorzeige-Drummer“ zufrieden. Seit 45 Jahren macht Jazzmusik – das sind drei Viertel seines bisherigen Lebens.

1955 hat er bei den „Long Luis Jazz Babies“ begonnen, 1956, an seinem sechzehnten Geburtstag, hatte er seinen ersten Fernsehauftritt. „Damals gab’s in Darmstadt drei Fernseher“, erinnert sich Doris Meinhardt. „Einen im Café Ludwig, einen bei der Studentenverbindung in der Kahlertstraße und einen in der Gaststätte Baltes.“ Als er drei Stunden nach der Liveübertragung zu seinen Eltern ins Baltes kam, wunderten sich die Leut’, erzählt Scharf. „Wieso bist dann du hier, du worst doch ewwe noch im Fernsehn.“

In Darmstadt und Berlin hat er studiert, bei den dortigen Symphonikern war er Solo-Paukist, mit deutschen und internationalen Jazzgrößen hat er zusammengespielt – ein Leben für die Musik. Besonders gern erinnert er sich an die Afrika-Tournee, die das Goethe-Institut organisiert hat. „In Berlin heiß’ ich nur Neger-Lothar, weil ich so braun war und mit den Schwarzen immer getrommelt hab’“, sagt er. Die Auftritte in New York und New Orleans mit der Darmstädter Jazz-Formation „En Haufe Leit“ seien aber auch nicht schlecht gewesen.

Am Sonntag wird Lothar Scharf sechzig. Dass Kusine Doris zum Gespräch die eine oder andere Anekdote beisteuert, liegt daran, dass die beiden vor der großen Sache am Samstagabend in der Bessunger Knabenschule noch einiges zu besprechen haben. Doris ist nämlich Stepptänzerin. Und weil sie Jazz liebt und Lothar den Stepptanz, heißt es am Samstag „Stepp meets Jazz“. Um 20.30 Uhr beginnt eine Stepptanz-Gala mit allen Darmstädter Stepptanzgruppen. - Um 22.30 folgt eine Jazz-Session mit „The Boogie Man“ und „En Haufe Leit“ als Übergang in Lothars Geburtstag. Seit Jahren haben sie vor, mal was gemeinsam zu machen. Jetzt ist es endlich so weit.

Weil Lothar Scharf aber davor einen Gig hat, am Sonntagvormittag in Biebesheim antreten muss und abends mit seinem Quintett im Platanenhof vor dem Jazz-Institut spielt, und weil er eigentlich mal dringend nach seinem Herz gucken lassen müsste, wird dieses Wochenende „hart“, wie er sagt. Deshalb ist er „schon auch froh“, wenn der Rummel rum ist.

Übrigens, sagt Doris Meinhardt, sei Lothar echt ein hübscher Kerl gewesen, der die Damenwelt durchaus verzaubert hätte. „Aber der hat die gar net bemerkt.“ Und Lothar Scharf lacht. „Die schönsten Mädchen“, sagt er, „waren immer die Trommeln.“

Birgit Femppel 21.6.2002

 

Lothar´s Geburtstag