Millionär aus Texas erobert den Westwall

Scheid/Aachen. Wir müssen uns Harlan Crow als einen geschichtsbewussten, vielleicht spleenigen, jedenfalls aber schwerreichen Texaner vorstellen. Ein Mann, der nicht viele Worte macht, sondern handelt.

Seine Leidenschaft gilt den Heldentaten der amerikanischen Streitkräfte - und dafür schreckt er weder vor Kosten noch vor Mühen zurück. Ganz in der Nähe von Dallas hat Harlan Crow ein Privatmuseum gebaut, in dem auch eine Statue von Saddam Hussein und mehrere Stalin-Figuren stehen.

Demnächst wird die Inventarliste des Hauses um schwere Betonhöcker aus der Eifel erweitert - ein Stück aus dem Westwall, mit dem Hitlers Armee die Panzer der Alliierten stoppen wollten. Der Texaner hat einfach eine 14 Meter lange «Höckerlinie» gekauft und will sie in seine Heimat transportieren lassen.

 

Die Bagger rücken an: Wegen des schlechten Wetters ruhen derzeit die Arbeiten am Westwall im Eifelort Scheid, doch schon bald sollen die Höcker ausgegraben und nach Texas verschifft werden. Foto: Fritz-Peter Linden

Kein Denkmal

Die Aufsehen erregende Aktion spielt sich in dem kleinen Eifelort Scheid ab, knapp jenseits der Grenze zu Rheinland-Pfalz. Was nicht unwichtig ist, denn in NRW wäre Crow mit seinem Ansinnen gescheitert. Hier stehen große Teile der Befestigungsanlage unter Denkmalschutz.

In Rheinland-Pfalz hingegen sieht man das nicht so eng. Im Gegenteil: Im konkreten Fall der Höcker von Scheid sind alle Beteiligten glücklich über das Kaufangebot aus Texas. «Die Gemeinde wollte die Höcker schon seit geraumer Zeit los werden, denn sie erschweren die Bewirtschaftung von zwei landwirtschaftlichen Grundstücken», erklärt Norbert Kraff vom zuständigen Bundesvermögensamt in Trier. Zuständig deshalb, weil der Westwall Eigentum des Bundes ist. Nun wird dieser Wunsch Wirklichkeit - und «kostenneutral» obendrein.

Crow war im vergangenen Jahr mit seinem Angebot bei der Behörde vorstellig geworden. Kurz zuvor war der Texaner, der Mitglied in der «American Battle Monuments Commission», einer Art amerikanischer Kriegsgräberfürsorge, durch Deutschland gereist und hatte Gedenkstätten des Zweiten Weltkriegs besucht.

Dabei kam ihm die Idee, die so genannten Drachenzähne zu kaufen und in seinem Privatmuseum außerhalb wieder aufzubauen. Über das Militär-Museum im luxemburgischen Diekirch kam der Kontakt zum Bundesvermögensamt in Trier zustande. Der Deal wurde perfekt gemacht.

Über den Kaufpreis will Kraff keine konkreten Angaben machen: «Das deckt gerade mal den Zeit- und Personalaufwand». Billig wird die Aktion gleichwohl nicht. Denn die Höcker müssen mitsamt Unterbau ausgegraben und in acht Stücke geschnitten werden. «So etwas ist uns noch nicht untergekommen», sagt Manfred Klein von der Bauunternehmung Balter in Hellenthal-Losheim zu dem Auftrag.

Wegen des schlechten Wetters ruhen die Arbeiten derzeit. Doch sobald wie möglich sollen die Bagger wieder angreifen. Die Höcker werden dann per Tieflader nach Bremerhaven transportiert und dort gen Texas eingeschifft. Klein wird hinterher fahren und den Aufbau in dem Museum bei Dallas überwachen.

Was das alles kostet? Kein Kommentar. Geld scheint für den Mann aus dem Westen aber keine große Rolle zu spielen. Kleinere Teile des ausgegrabenen Walls lässt Crow in Europa und stellt sie dem Museum in Diekirch und dem Truschbaum Museum im belgischen Lager Elsenborn zur Verfügung.

Den Menschen im Eifelort Scheid geht dem Vernehmen nach der ganze Trubel um die Betonhöcker bereits gehörig auf die Nerven. In NRW wird es garantiert nie so weit kommen. Der Westwall wird nicht verkauft, heißt es kategorisch bei der Kölner Bezirksregierung. Basta!

© Aachener-Zeitung 30. Jan. 2004

 

Verkauf des Westwalls