Ngorongoro

Jeden Morgen das gleiche Schauspiel: dichter Nebel stürzt vom Rand des Ngorongoro-Kraters 500 Meter in die Tiefe und löst sich kurz vor dem Boden auf. Der Kraterboden ist ein abgeschlossenes Oval von 17 x 19 Kilometern, in der Mitte ein "Natronsee". Auf engstem Raum leben hier unzählige Vögel und über 20 000 große Säugetiere. Ein Refugium für viele bedrohte Arten.

Bis in die 70er Jahre siedelten die Massai noch innerhalb des Kraters. Aber zu viele Wilddiebe konnten sich unter den Viehzüchtern verstecken und die Massai wurden umgesiedelt. Wer heute nachts im Ngorongoro angetroffen wird, ist entweder ein Ranger oder ein Wilderer. Tagsüber aber treiben die Massai ihr Vieh den Kraterrand hinunter und lassen es dort weiden und trinken. Seite an Seite mit Büffeln, Gnus oder Zebras.

Flusspferde gehen tagsüber nur selten an Land. Normalerweise grasen sie nachts und liegen bis zum Einbruch der Dunkelheit faul im Wasser.

In der Trockenzeit ist der größte Teil des Sees verdunstet und hat eine weiße Salzfläche hinterlassen. Nur ein Tümpel aus konzentrierter Natronlauge ist übriggeblieben. Flamingos ernähren sich von den Algen und Kleinstlebewesen darin.

Hyänen haben bei den Menschen das schlechte Image von Aasfressern, obwohl das in der Tierwelt eine wichtige Aufgabe ist. Außerdem sind sie auch erfolgreiche Jäger.

Hyänen leben in großen Sippenverbänden, in denen die Weibchen den Ton angeben.

Auch die Löwen sind gesellige Tiere, und es gibt viele von ihnen im Ngorongoro - vielleicht sind sie hier tatsächlich die Könige, jedenfalls lassen sich andere Raubkatzen nur selten blicken.

Fressen und gefressen werden; im Krater scheinen alle wohlgenährt. Die Hyänen, die Löwen, auch (die Beutetiere:) Zebras, Antilopen, Gazellen, Gnus.

Die relative Abgeschlossenheit und der Wasserreichtum haben aus dem Kesselboden ein Land im Überfluss (ein Paradies für Wildtiere) gemacht.

Auch die notorische Jagdschwäche der Löwen hat hier kaum Auswirkungen. Vielleicht war dieses Weibchen auch gar nicht richtig hungrig...

Der Ngorongoro ist Teil und Spiegelbild des großen Serengeti-Ökosystems. Um den Salzsee herum gibt es Grassteppen und Sümpfe, Wälder und Flüsse, Seen und wüstenähnliche Zonen mit Wanderdünen. Fast die gesamte Tier- und Pflanzenwelt Ostafrikas ist hier zu finden.

Bis vor zwei Millionen Jahren lag der Gipfel des Ngorongoro noch über 5000 Meter über dem Meeresspiegel. Dann begann er, langsam in sich zusammen zu fallen. Heute liegt sein höchster Punkt auf 2300 Metern.

Der Krater liegt in einer geologisch hochaktiven Zone am Bruch der afrikanischen Kontinentalplatte inmitten einer Reihe weiterer Vulkane.

Der Lengai - der heilige Berg der Massai. Auf seinem Gipfel erkennt man noch den Aschekegel des letzten Ausbruchs.

Der Empakai hingegen hat seine feurigen Zeiten schon lange hinter sich. Sein Krater ist mit Wasser gefüllt - ein Paradies für Vögel.

Zwischen Ngorongoro und den unendlichen Weiten der Serengeti liegt die Oldovai Schlucht. Das Paradies für Archäologen und Anthropologen auf der Suche nach den Wurzeln der Menschheit. Schädel des homo habilis haben sie hier gefunden. Und Fußabdrücke der noch älteren Lucy - wissenschaftlich "homo australopethicus". Vor ca. 1,9 Millionen Jahren gingen zwei dieser Vormenschen durch ein Feld von Lava-Asche. Kurz darauf fiel ein neuer Ascheregen nieder, bedeckte die Fußabdrücke und konservierte sie so..

Der ganze Stolz der Wildhüter und Zoologen im Krater sind die Nashörner. Sie (die Rhinos) sind nach jahrzehntelanger Wilderei immer noch akut vom Aussterben bedroht, aber ihr Bestand wächst ganz langsam wieder. 13 scheue Exemplare lebten 1996 in den Grassteppen des Ngorongoro.

Die Oxpicker sind ihre ständigen Begleiter. Die kleinen Vögel ernähren sich vom Ungeziefer in Haut und Kot der Rhinozerosse und schlagen Alarm, wenn nachts Raubtiere umherschleichen.

Die Zahl der Nashörner innerhalb des Kraters reicht noch nicht für eine überlebensfähige Population, aber vielleicht sind die Jungen eines Tages unternehmungslustig genug, sich über den Rand zu wagen und in der Serengeti Partner zu suchen.

Auch die Ngorongoro-Waldelephanten verlassen den Krater immer wieder, bis auf wenige ältere Tiere, für die der steile Aufstieg wohl doch schon zu anstrengend ist.Pech für die Bäume und ihre Bewohner...

So abgeschlossen der Krater von Ngorongoro auch wirkt, es ist ein dynamisches Ökosystem im stetigen Austausch mit seiner Umgebung.

In der Regenzeit, wenn sich die Wildtiere der Serengeti wieder auf die große Wanderung begeben, werden Zigtausend Gnus und Zebras einen Abstecher in den Ngorongoro-Krater machen.

Sofern ihnen der Mensch keine Zivilisationsbarrieren in den Weg stellt.

Daten und Fakten

Naturdenkmal:
8288 qkm Naturschutzgebiet; Ngorongoro-Krater mit einem Durchmesser von 16 bis 19 km einer der größten, nicht »gefluteten« Krater der Welt

Unesco-Ernennung: 1979

Flora und Fauna:
Akazienwälder und Grasland mit Akazienarten wie Acacia xanthophloea bis zu 4000 Kaffernbüffel, wenige Elefanten und Anubispaviane, 7000 Weißbartgnus, 4000 Steppenzebras, 3000 Thomsongazellen, Löwen, Servale und Schakale, zudem wenige, von der Ausrottung bedrohte Spitzmaulnashörner (11-15 im Jahr 1995) unter den 400 Vogelarten Zwergflamingos, Strauße und die bis zu 14 kg schwere Riesentrapp

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