Pflanzenwelt

 

Nach den bisherigen Forschungen muß angenommen werden, daß Togo in der Vorzeit, wenn vielleicht auch nicht ganz, so jedenfalls zum allergrößten Teil mit Urwald bestockt gewesen ist. Daß das Waldgebiet bis in die nächste Nähe der Küste gereicht haben muß, dürfte daraus hervorgehen, daß bei Porto Seguro und bei Bagida heute noch kleinere Waldstücke zu finden sind.

Für das Verschwinden früherer Urwaldbestände ist in erster Linie die rodende Hand des Menschen verantwortlich zu machen, der immer größere Flächen für die Bodenbebauung in Anspruch genommen und mit Axt und Feuer die einstmals vorhandenen Waldbestände allmählich vernichtet hat. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß der Beginn dieser Waldverwüstung schon in die graue Vorzeit zurückreicht. Die verhältnismäßig große Zahl von Steinperlen und Steinwerkzeugen, welche fast in allen Teilen des Schutzgebiete ' s in der Erde aufgefunden worden sind und noch werden, läßt vermuten, daß Togo schon in der sicherlich weit zurückliegenden Steinzeit ziemlich stark besiedelt war.

Der Prozeß der Waldverwüstung setzte sich bis in die neueste Zeit fort, und noch in der jüngsten Zeit konnte man beobachten., wie von den vorhandenen Waldresten ein Stück nach dem andern der Anlage von Feldern und Kakaopflanzungen geopfert wurde. - Im Walde saugt die aus Laub und anderen abgefallenen Pflanzenteilen bestehende Bodenbedeckung die Niederschläge schwammartig auf, und der über dem Boden ruhende Schatten schützt die Erde vor den austrocknenden Strahlen der Sonne. In den der Walddecke beraubten Landteilen hingegen laufen auf den mehr oder weniger nackten Böden die Regen rasch ab, die humösen Teile des Bodens mit sieh zu Tal reißend.

Die Sonnenstrahlen aber trocknen die im Boden zurückbleibende Feuchtigkeit rasch auf. Die Beseitigung des Waldes übt also sowohl eine sterilisierende als auch eine austrocknende Wirkung auf den Boden aus. Die letztere hat ein allmähliches Sinken des Grundwasserspiegels, wahrscheinlich auch ein Abnehmen der Niederschläge und das Auftreten von Klimaextremen (ausgesprochene Regen- und Trockenzeiten) zur Folge gehabt. Auf die erwähnten Wirkungen ist wahrscheinlich das Entstehen der über den größten Teil von Togo verbreiteten Baumsteppe zurückzuführen.

Auf dem Dünengürtel zwischen Strand und Lagune sind, wie schon erwähnt, noch einige kleinere Urwaldreste, namentlich bei Bagida und Porto Seguro vorhanden; im übrigen ist er, soweit der Mensch das Land nicht für Kulturen in Anspruch genommen hat, von einem schwer durchdringbaren Gebüsch bedeckt. Am Strande wächst, wo das Gebüsch gerodet wird, eine an das Bermudagras erinnernde Grasart (Sporobolus virginicus). An dem der Lagune zugekehrten Rande des Dünengürtels ist die wilde Dattelpalme (Phoenix spinosa) ziemlich häufig; dort finden sich auch ziemlich sterile, grassteppenartige Flächen (Überschwemmungsgebiete). Große Strecken des Dünengürtels sind mit Kokospalmen und Maniok bepflanzt. Mais wird seltener angebaut; hingegen sind an windgeschützten Stellen öfters kleine Anpflanzungen von Ölpalmen zu finden.

Die Togolagunen sind an Mangroven, einer für tropische, im Bereich von Ebbe und Flut liegende Niederungen charakteristischen Baumart, ziemlich arm. Mangroven sind hauptsächlich in der Deltabildung eines Baga benannten, von Agome - Sewa bzw. Agbétsiko nach Süden verlaufenden Wasserarmes zu finden, wo sie in einer, den Wasserverkehr störenden Dichte auftreten. Die in der Lagune befindlichen Inseln, welche häufig Überschwemmungen unterworfen sind, ebenso das an die Lagunenränder sich anschließende Überschwemmungsgebiet ist last nur mit Gras bestanden. Ein am Lagunenufer sehr stark verbreiteter Dornstrauch ist Drepanocarpus lunatus. -

Das nördlich an die Lagunen anschließende Gebiet ist auf weiten Strecken unter Kultur genommen. In der Hauptsache wird dort Mais und Maniok angebaut. An den nicht bebauten Stellen ist das Land von einem übermannshohen, dichten, schwer durchdringlichen Busch bedeckt. Baobabbäume sind in jenem Gebiet außerordentlich häufig, ebenso Antiaris africana. Auch der Seidenwollbaum ist vereinzelt anzutreffen, selten Chlorophora excelsa. Das an die Lagune hinter Anecho sich anschließende Gebiet hat eine üppigere Bewachsung als das hinter Lome befindliche. Hainbildungen sind dort infolgedessen häufiger als hier. An dieses Buschland schließt sich nördlich die sog. Ölpalmzone an. In niederen, kümmerlich aussehenden Exemplaren, offenbar unter dem schädigenden Einfluß der Seebrise leidend, treten die Ölpalmen schon unfern der Küste auf. Zu üppigerem Wachstum gelangen sie erst von einem Gebiet ab, welches im Süden ungefähr durch die Linie Aképe - Bogáme - Akumávhe - Awewe begrenzt wird.

Die ungefähre Nordgrenze der sog. Ölpalmzone wird gebildet durch die Linie Waja - Batome - Assahun - Ahimáho - Gavhé - Agbeluvhoë - Midégodé. Auf den in diesem Gebiete auftretenden Roterdeplateaux findet die Ölpalme vorzügliche Lebensbedingungen (s. Tafel 193). Sie ist dort häufig in großen zusammenhängenden Beständen zu finden. Waldreste sind in dem umschriebenen Gebiete ziemlich häufig anzutreffen; aber von Norden her, z. B. bei Assahun, bei Gavhé und an anderen Plätzen ragt die Togobaumsteppe mit den typischen Vertretern dieser Vegetationsform in die Ölpalmzone herein. Sogar der Schibaum (Butyrospermum Parkii) ist hier, bei Assahun sogar in beträchtlicher Zahl, anzutreffen. Nicht nur an der Nordgrenze, auch innerhalb der Ölpalmzone sind verschiedentlich Baumsteppengebiete, südlich des mit Bado bezeichneten Sumpfgebietes sogar ausgedehnte typische Borassussteppen, d. s. mit zahlreichen Borassuspalmen bestandene Grassteppen (s. farbige Tafel Borassussteppe in Togo), anzutreffen; dort wie überhaupt an den Rändern von Überschwem mungsgebieten kommt auch die wilde Dattelpalme ziemlich häufig vor.

In der Ölpalmzone werden von den Eingeborenen neben Mais und Maniok auch Yams und Erdnüsse angebaut. An die Ölpalmzone schließt sich im Norden die typische Togobaumsteppe an. Sie reicht bis an das Gebirge heran, im Osten erstreckt sie sich in der Monuebene aufwärts bis tief in das Hinterland. Gegen Ende der Regenperiode ist sie mit übermannshohem Gras bestanden, welches, obwohl es büschelartig wächst, doch so dicht steht, daß es vom Fußgänger nur mit Mühe durchdrungen werden kann. In dieser Grasfläche stehen dichter oder weniger dicht, jedoch nie geschlossene Bestände bildend, zahlreiche Baumund Straucharten. Butyrospermum Parkii, Prosopis oblonga, Bauhinia reticulata, Hannoa undulata, Daniella thurifera, Lophira alata, Sterculia tomentosa, verschiedene Akazienarten, Burkea africana, Detaxium microcarpum, Berlinia Kerstingii, Ormosia laxiflora, Pterocarpus erinaceus, Pseudocedrela Kotschyi, Lannea acida, verschiedene Combretum- und Terminaliaarten sind die wichtigsten Charakterbäume. Auch. die Parkia africana ist hier zu nennen.

Es darf aber nicht vergessen werden, daß die Ausbreitung dieses nützlichen Baumes ähnlich wie die der Ölpalme auf die Menschen zurückzuführen ist; findet man ihn doch meistens in der nächsten Umgebung menschlicher Niederlassungen oder in der Nähe verlassener Siedelungen. Während der Trockenzeit dörrt das Steppengras aus. Alljährlich werden ungeheure Flächen des ausgetrockneten Grases teils zu Jagdzwecken, teils zur Erleichterung der Anlage von Feldern, teils aus anderen Gründen von den Eingeborenen in Brand gesteckt; nur Asche und verkohlte Pflanzenteile von schwarzgrauer Färbung bleiben an Stelle des übermannshohen Grases zurück. Die in der Steppe befindlichen Bäume und Sträucher werden durch diese alljährlichen Grasfeuer angesengt und in ihrem Wachstum schwer beeinträchtigt. Nach dem Abbrennen des Grases wird das Gelände außerordentlich übersichtlich, und man kann nun den Habitus der in der Steppe vorkommenden Bäume erst richtig erkennen. Busse bezeichnet den auf regelmäßig abgebrannten Steppen sich herausbildenden Typus der Baumform sehr richtig als Zwetschenbaumtypus. In der Baumsteppe sind vielfach auch noch Vertreter der Waldzone wie Cola. cordifolia, Erythrophloeum guineense, Afzelia africana, Anogeissus leiocarpus, Khaya senegalensis, Chlorophora excelsa, Uapaca togoensis u. a. eingesprengt.

Metzger nimmt an, daß Flächen, auf denen sie vorkommen, noch nicht lange des Urwaldes beraubt sind, während. Flächen, die schon seit Jahrhunderten Baumsteppen bilden, fast nur von xerophytischen Holzarten besetzt sind. - In dieser Zone, besonders in der Nähe des Gebirges wie überhaupt an Standorten, welche teils infolge ihrer Bodenbeschaffenheit, teils infolge ihrer größeren Feuchtigkeit der Walderhaltung günstig waren, sind noch größere und kleinere Stücke meist lichten Waldes erhalten. Aber auch ausgedehnte typische Borassussteppen sind öfters anzutreffen, besonders in der Landschaft Agotime und in Anjanga. -

Die Maiskultur tritt in dem erwähnten Gebiet gegenüber der Yamskultur schon etwas zurück, die Maniokkultur ist noch sehr verbreitet. In den östlichen Teilen des erwähnten Gebietes beginnt schon von Nuatjä, ab die Kultur von Sorghum, welches 'neben Yams als Volksnahrungsmittel eine um so größere Bedeutung erlangt, je weiter man nach Norden vorrückt. - Im Gebirge ändert sich die Vegetation ganz erheblich. Freilich ist die typische Togobaumsteppe in vielen Teilen des das Schutzgebiet in südnördlicher Richtung durchstreichenden Gebirges in größerer Ausdehnung anzutreffen. Im mittleren und nördlichen Teil des Gebirges ist sie sogar die durchaus vorherrschende Vegetationsform; allein tropischer Regenwald ist teils in schmalen, an Gewässer und Schluchten gebundenen Streifen, teils an Gebirgsabhängen, teils an größeren Flächen in breiten Tälern, seltener jedoch auf Bergrücken und Kuppen erhalten geblieben.

In den Lichtungen der Waldgebiete tritt an die Stelle des Steppengrases das hohe starke Elefantengras. Größere Waldflächen sind im südlichen Teil des zentralen Togogebirges (s. Tafel 193), ferner in Akposso (s. Tafel 1), im Kunjagebiet, in Buem und Ntribú, kleinere in Adele und Atjuti zu finden. Tropischer Urwald ist als Uferwald an allen Flußläufen auch außerhalb der Gebirgszone in größerer oder geringerer Breite zu finden. Im nördlichsten Teil von Togo verschwindet allerdings auch vielfach der Uferwald; beispielsweise sind die nördliche Hälfte des Oti, seine Nebenflüsse Kumaga und Kara, ferner der Mochole, ein nördlich des Gambagagebirges zum weißen Volta gehender Fluß, auf langen Strecken ohne Uferwald. Nach Busse stimmt die floristische Zusammensetzung der in Togo vorhandenen Waldbestände im wesentlichen überein mit derjenigen noch bestehender Waldgebiete Obercuineas (Dr. Walter Busse, Das südliche Togo in Vegetationsbildern, herausgegeben von Dr. G. Karsten und Dr. H. Schenck).

In den gerodeten Teilen der Gebirgszone, besonders im südlichsten Teil ist die Ölpalme weit verbreitet; Akposso und Kunja sind noch sehr reich an Ölpalmen. Nach Norden zu nimmt ihre Verbreitung ab, besonders tritt dies etwa von Atjuti ab in die Erscheinung. In Tschaudjo ist sie wieder etwas häufiger vertreten. In größerer Zahl ist sie aber im Gebiet von Kabure und Losso, also ziemlich weit im Norden des Schutzgebietes zu finden. - In verschiedenen Teilen der Gebirgszone ist die einen vorzüglichen Kautschuk liefernde Landolphia owariensis verbreitet. Am häufigsten kommt sie noch in Ntribü, Atjuti und Akposso vor, weniger häufig in Adele, Kebu, Buem und Daji. Im Gebirge südlich Daji ist sie selten, ebenso in Fasau, Bo und im Tschaudjoberglande. Pandanus ist last in der gesamten Gebirgszone zu finden.

Kolabäume von Cola vera kommen in der Gebirgszone, besonders in Buem und Tapa, teils wild, teils in Kultur vor. - In waldreichen südlichen und mittleren Teil der Gebirgszone tritt zur Kultur von Mais, Yams und Maniok noch die von Reis, Mehlbananen und Taro, im nördlichen Teil der Gebirgszone werden in der Hauptsache Yams, Sorghum und Pennisetumhirse als Volksnahrungsmittel angebaut. - Westlich der Gebirgszone, in dem weiten vom Volta und Oti durchflossenen Tiefland, ebenso in dem vom Gambaga nach Osten vorstoßenden Gebirgsland und in der nördlich davon gelegenen Ebene ist in der Hauptsache die typische Togobaumsteppe vertreten. Im Mobagebiet kommt auch eine ausgedehnte Borassussteppe vor. Während im südlichen Teil des erwähnten Tieflandes Yams, Sorghum, Pennisetumhirse und Maniok angebaut werden, tritt in seinem mittleren Teil die Kultur von Maniok, im nördlichen Teil auch die von Yams zurück. Hingegen ist in letzterem der Anbau von Panicum stellenweise sehr verbreitet (s. a. Forstwesen).

 

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