Pflanzenwelt.

 

Auch von der Pflanzenwelt des südwestafrikanischen Schutzgebietes gilt, wie vom Klima, der Satz von dem Übergangsgebiet. Tropische Formen sind zwar vorhanden, beschränken sich aber wesentlich auf den Norden; sie drängen sich übrigens auch dort nicht in auffallendem Maße im landschaftlichen Bilde hervor.

Weit mehr als in andern Zonen werden - ein echt afrikanischer Zug - auch die Einzelformen durch die Niederschlagsverhältnisse als durch die Temperatur beeinflußt. Das ist einer der Gründe, weshalb die Art des Massenauftretens, also die pflanzlichen Formationen, weit mehr auf das landschaftliche Bild wirkt, als die einzelnen Gewächse. Die echt tropischen Formen sind vor allem durch eine Palme, die Hyphaene, vertreten, deren Vorkommen auf das nördliche Kaoko, das Amboland und auf die Ebenen nördlich von Tsumeb und Grootfontein beschränkt ist. In diesem Gebiet bildet auch die Adansonie, der Baobab, einen Vorposten tropischer Gewächse.

Eine Phoenixart im nordöstlichsten Flußlande und der Mopanebaum können weiter als äußerlich auffallende Vertreter zentralafrikanischer Vegetation genannt werden. Auf das mittlere und nördliche Hereroland beschränkt sind ferner der Omumboronibonga der Herero, ein stattlicher Baum sowie ein mächtiger Feigenbaum, der gruppenweise auftritt. Weiter nach Süden dagegen wechselt. der Bestand an Holzgewächsen. Wir betreten das Gebiet der Akazien, die in Baumund Buschform die am meisten v ertretene Gattung der größeren Gewächse im Herero- wie im Namalande bilden. Acaeia albida, der Anabaum, ist die stattlichste Axt, die aber im südlichen Hereroland ihre Südgrenze erreicht.

Von den übrigen seien genannt die im ganzen Siedlungsgebiet weitverbreitete Acacia giraffae, der Kameldorn (s. Tafel 47), ferner Acacia horrida (s. Tafel 47) mit ihren gewaltigen Dornen und die Acacia detineus, der berüchtigte Wachtenbetjestrauch der Buren mit seinen mit Widerhäkchen versehenen Dornen. Daneben vorkommende Sträucher, vor allem die niedrigen dornlosen Büsche des Namalandes, ferner die verschiedenen Grasarten, können im einzelnen nicht berücksichtigt werden. Auffallende Formen des Südens bilden dagegen verschiedene Aloearten, die teils als 1 - 2 m hohe Strünke im Innern außerordentlich verbreitet sind, teils wie die Aloe dichotoma, sich auf die Trockengebiete im Westen und Süden beschränken.

Diesen gehören auch die Euphorbien an, unter denen der in der östlichen Namib häufige Milchbusch besonders genannt zu werden verdient. Auch die Melonengewächse sowie zwiebel- und knollenbildende Pflänzchen sind weit im Lande verbreitet. In den Vollwüsten des mittleren Schutzgebiets endlich findet sich als besonders auffallende Erscheinung die sonderbare Welwitschia mirabilis. - Vermehrt wurde das Reich heimischer Pflanzenformen durch eine Anzahl von Kulturgewächsen, die durchweg denen des Mittelmeerklimas entsprechen. Neben den auch in ganz Mitteleuropa verbreiteten Gemüsen und Obstsorten und neben dem Weizen gedeihen, genügende Bewässerung vorausgesetzt, der Mais, ferner recht gut Wein, Pfirsiche, Feigen, Orangen und Zitronen und, als nicht unwichtige Pflanze, in vielen Gegenden sogar die Dattelpalme.

Von den Tropen her hat als verbreitetstes Kulturgewächs auch das Sorghum in den nördlichsten Landschaften eine Heimat gefunden. - Wichtiger als die soeben erwähnten Einzelformen der Pflanzenwelt ist die Art, in der sich diese über das Land verbreiten. Spiegeln die Formationen der Gewächse doch nicht allein Gunst und Ungunst des Klimas, nebenbei auch die mehr oder weniger große Bedeutung des Grundwassers wieder, sondern sie zeigen auch dem Kenner südafrikanischer Länder deutlicher als eingehende Untersuchungen den Wert oder Unwert der Landschaft in wirtschaftlicher Beziehung.

Die Wüste zeigt die größte Pflanzenarmut, ja gänzliche Pflanzenleere nur im Gebiet der Dünenregion mit ihren Sandwehen. Sie ist daher am ödesten in der Küstenregion von Groß-Namaland, während sie im Norden, wo weite Flächen sich frei von Sand ausbreiten, eine zwar niedere, aber doch an Arten nicht ganz arme Pflanzenwelt besitzt, die allerdings in nicht allzuvielen Exemplaren sich zeigt. Der Übergang nach dem Innern wird durch eine Zone derber Wüstengewächse gebildet, unter denen der Milchbusch mit seinen zahllosen grünen Verästelungen bereits erwähnt wurde.

In dieser Zone bilden die mit Gras, Buschwerk und selbst mit stattlichen Bäumen bestandenen Seitengelände der größeren Flüsse, wie des Kuiseb, des Kan und Swakop und der nördlichen Riviere eine Unterbrechung, die sie dem Auge als freundliche Oasen zeigen. Erst in rund 50 km von der Küste beginnen am Swakop und nördlich von ihm die ersten Grasflecken, während man im Namalande eine wohl um die Hälfte längere Strecke zurückzulegen hat, ehe man die sehr vereinzelt stehenden Büschel dieser ersten Anzeichen der beginnenden Steppe bemerkt.

Die Aloe, die vorher nur in den Tälern der kleineren Riviere zu entdecken war, zeigt sich auch im freien Gelände, und selbst Akazien erblickt man, freilich außerhalb der Grundwassergebiete der trockenen Riviersenken nur an den Berghängen als ganz vereinzelte Büsche. Schließlich werden Grasfläche und Buschbestand auch in der ebenen Landschaft dichter, rotblühende Aloestauden mit ihrem an eine Miniaturpalme erinnernden Bau beleben die Felsen, und der Baumwuchs in den sich verbreiternden Tälern wird kräftiger und schließt sich stellenweise förmlich zu lichten Galeriewaldungen zusammen.

Endlich aber, auf dem weiteren Wege nach Osten, erreicht man die dichten Buschbestände, von reichen Grasflächen unterbrochen, die hoch über den baumbestandenen, bisweilen üppig bewachsenen Tälern die sanfteren Gehänge der Gebirge und der Hochländer bekleiden und über denen sich der nackte Fels nur dort noch zeigt, wo Steilheit der Böschung und scharfes Geröll die größeren Gewächse hindern, Wurzel zu fassen. Schließlich aber geht dies Gelände in die weiten Flächen des Ostens über, in denen je nach der Regenmenge und der Lage des Grundwasserspiegels das Land abwechselnd von freier Graslandschaft oder von savannen- und parkähnlichen Beständen eingenommen wird. - Wohlvermerkt ist dies Bild das der Pflanzenformationen im Hererolande. Im äußersten Norden, treten zu diesen auch die echten, nicht mehr an das Grundwasser gebundenen Laubwälder.

Anders wieder im Süden, wo bereits im Bastardlande, wie schon Andersson hervorhob, die Dornbuschbedeckung dünner und weniger häufig wird, bis sie schließlich von 24° s. Br. an südlich sich auf Fluß- und Grundwassergebiete des Fischfluß- und Nossobsystems beschränkt und im übrigen von einer freien Graslandschaft abgelöst wird, in der viel häufiger als im Norden die an die Karru erinnernde Verbreitung kleiner dornloser Sträucher als bemerkenswerteste Eigentümlichkeit anzuführen ist. Je nach der Regenhöhe auf den Plateaus ist diese Pflanzenwelt dichter oder, wie im südlichsten Teile des Innern, geradezu eine ähnliche, wie wir sie an der Grenze der Namib im Hererogebiet eben angetroffen haben. Einzelne

Besonderheiten des pflanzlichen Lebens fallen dem Beobachter besonders auf. Die weitgehende Anpassung an das Klima zeigt sich nicht etwa nur in der Art der Bewehrung gegen Trockenheit und Strahlung sowie gegen die großen Temperaturunterschiede. Selbst die Zeit des Aufblühens im Frühling läßt dieses Anschmiegen des in den größeren Pflanzen schlummernden Lebens an den mittleren Beginn der ersten Regen erkennen, denn sie findet auch dann noch zu der gleichen Zeit statt, in der noch gar kein Regen gefallen ist. Auch die Aufgabe, deren sich die dichteren Bestände der größeren Pflanzen, zumal die holzigen, langlebigen unter ihnen, im Leben der Natur zu entledigen haben, wird um so deutlicher dort erkennbar, wo menschliches Eingreifen das ursprüngliche lebendige Kleid des Steppenbodens eingeschränkt oder gar vernichtet hat.

Selbst die dichten, stark verästelten und darum auch im Winter Schatten spendenden Buschwaldungen erfüllen eine wichtige, durch keine Grasfläche je zu leistende Aufgabe, indem sie den Boden gegen die austrocknende Gewalt der Sonnenstrahlen und gegen die in gleicher Richtung wirkende Kraft des Windes in geradezu idealer Weise schützen. Das Versiegen von ehemals fließenden Fontänen, das allgemeine Zurückgehen des Grundwassers in diesem Lande erklärt sich bei gleichgebliebener Regenmenge zur Genüge aus dieser immer weiter fortschreitenden Entblößung der Steppe von ihren ursprünglichen Holzbeständen; diese allein vermag uns vollkommen ausreichend die Erscheinungen begreiflich zu machen, die man irrtümlicherweise einer Veränderung des Klimas in historischer Zeit hat zuschreiben wollen.

 

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