Eingeborenenproduktion.

Die Wirtschaftsprodukte der Eingeborenen sind in den verschiedenen Teilen K. auch wesentlich verschiedene. Das Waldgebiet eignet sich mit seiner tiefgründigen Humusschicht vorzüglich für den Ackerbau, ist aber für Viehzucht vollständig unbrauchbar wegen der Tsetsefliege und einiger stets bald auftretender Seuchen. Dagegen sind Jagd und Fischfang im weitesten Maße nutzbringend. Das Grasland ist wegen der Trockenzeit nur zu bestimmten Jahreszeiten für den Ackerbau brauchbar, es fallen eine ganze Anzahl von anspruchsvollen Kulturpflanzen fort. Dafür tritt die Viehzucht hervor, ebenso wie die Jagd, die in den großen Antilopen- und Gazellenscharen der Savannen zu ihrem Nutzen kommt.

Dasselbe ist der Fall in den Tiefländern des oberen Logone, wo wir Viehzucht und Ackerbau vereinigt antreffen. Die Sumpfgebiete am unteren Logone und südlich des Tsadsee eignen sich dagegen mehr für den Ackerbau, da die Viehzucht unter den regelmäßig auftretenden Seuchen sehr leidet. Hier tritt der Fischfang dagegen außerordentlich in den Vordergrund. Was nun zunächst die Jagd anbelangt, so kommt vor allem für den Handel das Elfenbein in Betracht. Die Verbreitung des Elefanten erstreckt sich besonders über das Waldgebiet, dann über das Grasland von Südadamaua und über das Tsadseegebiet.

Im Massivgebiet von Nordadamaua ist er selten. Die hauptsächlichen Elefantenjäger sind die Bagielli des Urwaldgebietes, die von der Erlegung dieses Wildes leben. Sie tauschen das Fleisch und die Zähne an die Neger, in deren Gebiet sie wohnen, gegen Zerealien und ihre sonstigen Bedürfnisse ein. Im Grasland sind die Haussa, vielfach Elefantenjäger. Sie benutzen aber Gewehre, während die Pygmäen ihnen nur mit Lanzen zuleibe gehen. Die Ausfuhr an Elfenbein belief sich im Jahre 1907/08 auf über 1 Mill. M. Seitdem ist sie bis auf 625 500 im Jahre 1910 und weiter auf 536 000 im Jahre 1913 gesunken und wird wohl noch weiter sinken, in dem Maße wie der Elefant der Kultur oder der Verfolgung erliegt. Außer Elfenbein kommen an tierischen Produkten nur noch wenige in geringen Mengen in Betracht.

Erwähnt mögen nur Straußenfedern werden. Am Tsadsee werden die Strauße von den Arabern gejagt. Aber die Produktion ist doch nur gering. Eine weitere wirtschaftliche Betätigung der Eingeborenen, der Fischfang, bringt keine Produkte auf den Weltmarkt. Fischer sind besonders die Urwaldstämme und die am Logone und am unteren Schari, sowie am Tsadsee wohnenden Völker. Wenden wir uns zur Viehzucht, so haben wir schon gesehen, daß dieselbe nur außerhalb des Urwaldes möglich ist. Zwar gibt es Viehbestände, besonders im Kreuzflußgebiet, aber die Tiere sind mager und ziemlich wertlos. Da eine breite Urwaldzone das Grasland von der Küste trennt, so ist dadurch eine Ausfuhr des produzierten Viehes sehr erschwert. Es wird daher Vieh zumeist den Benue abwärts oder über die Westgrenze in englisches Gebiet ausgefühft.

Nur das Kleinvieh, Ziegen und Schweine, kommen auch im Waldlande vor, letztere wohl nur dort. Viehzüchter sind besonders die Bororo-Fulbe, die sich ausschließlich mit Viehzucht beschäftigen, und dann die Lakka, die aber auch eifrige Ackerbauer sind. Im Waldlande sind die Boki nordwestlich von Ossidinge Viehzüchter, aber ihr Vieh stammt aus dem Sudan. Die Qualität des Viehs ist teilweise gering, nur die Rinder der Fulbe sind relativ gut, wohl auch das Vieh der Lakka. Man ist von der Regierung aus bestrebt, die Güte des Viehbestandes durch Einführung guten Viehes zu heben. Der Wert der exportierten Tiere betrug im Jahre 1910 nur 10452 M, während er im Jahre 1906 51170 M und im Jahre 1908 sogar 100000 M betrug. Im Jahre 1913 ist der Betrag wieder auf 20000 M gestiegen. Pferdezucht wird besonders am Logone durch die Lakka und Musgu betrieben.

Doch ist das Pferd in ganz Adamaua bekannt, außer im Baiaplateau, wo auch das Rind nicht vorkommt. Doch haben die Baia für Pferd und Rind Namen. In Bornu wird in geringem Maße Straußenzucht getrieben, doch ist die Produktion minimal. Ehe wir zum Ackerbau übergehen, wollen wir die wildwachsenden Pflanzen betrachten, die der Eingeborene ausnutzt, sei es zum eigenen Gebrauch, sei es als ein von den Europäern begehrter Handelsartikel. Von den letzteren steht Kautschuk an erster Stelle. Die wichtigste Kautschukpflanze ist Kickxia elastica, die im ganzen Urwaldgebiet im Überfluß vorkommt, daneben kommt die Liane, die Landolphia in verschiedenen Arten in Betracht.

Leider wird natürlich von den Eingeborenen bei der Kautschukgewinnung Raubbau getrieben, so daß eine Verminderung der Kautschukbestände von Jahr zu Jahr eintritt. Die Ausfuhr von Kautschuk belief sich im Jahre 1910 auf 11070680 M, und davon sind 10960680 M Sammelprodukte der Eingeborenen und nur 110000 M erst Produkte europäischen Plantagenbetriebes. Das Bild für 1912 ist folgendes: Pflanzungskautschuk 170800 M, Sammelkautschuk 11801671 M. Im Mandaragebirge wird von den Eingeborenen Guttapercha gesammelt, aber bisher nur im Werte von etwa 1000 M. An zweiter Stelle, früher den Wert des gesammelten Kautschuk übertreffend, steht das Sammeln der Ölfrüchte. Die an erster Stelle in Betracht kommende Pflanze ist die Ölpalme, die im ganzen Waldgebiet und stellenweise auch auf dem Plateau, in der Sanagamulde und im Mbamtal vorkommt.

Man kann bei ihr teilweise von einer Kultur sprechen, indem der Eingeborene den Wald, in dem sie vorkommt, von Gebüsch lichtet. Ein anderer für die Ölgewinnung in Betracht kommender Baum ist der Schibaum, der im ganzen Sudan häufig ist. Aus seinen Früchten wird die sog. Schibutter gewonnen. Die Ausfuhr von Schibutter betrug 1910 aber nur für 14 906 M, und bis 1912 ist eine erhebliche Abnahme zu verzeichnen. Dagegen ist die Ausfuhr von Palmkernen von Jahr, zu Jahr gestiegen und wird wegen der großen Häufigkeit der Ölpalme immer wichtiger für die Entwicklung der Kolonie werden. Die Ausfuhr von Kernen betrug im Jahre 1910 3553479 M, im Jahre 1912 4406000 M, die Ausfuhr von Palmöl 1260000 M resp. 1622400 M. Von sonstigen pflanzlichen Produkten ist noch die Kolanuß, deren Produktion sich 1910 auf 50580 M (im Jahre 1912 stieg die Ausfuhr auf 167000 M) belief, und das Gummi arabicum (1912 = 44 300 M) zu erwähnen.

Die Hauptproduktion von Nutzhölzern liegt ebenfalls in den Händen der Eingeborenen, die leider auch hierbei vielfach Raubbau treiben. Es handelt sich hier natürlich hauptsächlich um das Waldlande aus dem etwa 10-15 Arten von Bäumen verwertet werden. An erster Stelle stehen vor allem Mahagoni, Ebenholz, Baumwollholz, Boagossi und Oku-Mie u. a. Die Gesamtausfuhr belief sich im Jahre 1910 auf 144905 M, von denen 124272 M von Eingeborenen produziert wurden, stieg aber im Jahre 1912 bereits auf 700000 M. Erwähnt müssen noch die mineralischen und fossilen Sammelprodukte werden, besonders Kopal und Glimmer, die zur Hälfte, also etwa im Werte von 30000 M, im Jahre 1910 zur Eingeborenenproduktion gehören. Im Jahre 1912 war der ganze Betrag der Ausfuhr. mineralischer und fossiler Rohstoffe 1466 M. - Wir kommen jetzt zu den Erzeugnissen des eingeborenen Ackerbaus, von denen aber für den Welthandel bisher nur der Kakao in Frage kommt, wenigstens in größerem Maße. Die Kulturpflanzen der Waldlandneger, also damit der Bantuneger, sind ganz andere als die der Graslandbewohner. Im Waldland sind die Knollenfrüchte die Hauptnahrungsmittel, vor allen Maniok, Yams und Bataten.

Daneben kommt die Banane in Betracht, ferner Mais, Bohnen, Kürbisse, dann Zuckerrohr, Pfeffer und Tabak als Genußmittel. Im Gegensatz dazu ist die Hauptpflanze der Graslandneger die Hirse, während alle anderen dagegen zurücktreten. Hinzu kommen Mais, Yams, Reis und Erdnüsse. Im Tsadseetiefland wächst der Reis wild und wird auch schon angebaute ebenso wie der Weizen. Die Hauptnahrungspflanze ist aber auch hier die Hirse. Wie gesagt, ist keine dieser Lebensmittelpflanzen als Handelsprodukt wichtig. Dagegen haben die Genußmittel Aussicht, für die Ausfuhr wichtig zu werden, und der Kakaobaum ist es schon jetzt. Von den 3033399 M, die im Jahre 1910 für Kakao erzielt wurden (1912 = 3 721000 M), entfallen 325 543 M (resp. 521260 M) auf die Eingeborenenproduktion, und der Kakaobaum scheint unter den Negern von Jahr zu Jahr beliebter zu werden.

Die Hauptgegenden des Kakaobaus sind der K.berg und die Gegend von Jaunde . Ebenfalls dürften die Kulturen von Faserpflanzen in K. eine große Zukunft haben. Vor allem die Baumwolle findet im Norden gute Existenzbedingungen, und die Regierung sucht den Baumwollbau überall zu heben. Doch ist bisher die Produktion noch nicht für eine wesentliche Ausfuhr groß genug. -Zuletzt müssen wir noch kurz die Erzeugnisse der Eingeborenenindustrie erwähnen. Die Ausfuhr dieser Produkte belief sich im Jahre 1910 auf 42 248 M (1911 = 62 690 M, 1912 = 28 258 M), und die Erzeugnisse bestanden hauptsächlich in Lederarbeiten, Strohflechtereien und Holzwaren. Passarge- Rathgens.

 

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