Eingeborenenproduktion.

 

a) Landwirtschaft. Die Ackerbaumethoden der Eingeborenen sind im allgemeinen noch ziemlich primitiv. Brachwirtschaft ist vorherrschend. Düngung wird nur in beschränktem Maße ausgeübt. Die Bedeutung des Fruchtwechsels ist den Eingeborenen bekannt. Es wird ausschließlich Hackbau getrieben. Die Handhabung des Pfluges ist den Eingeborenen unbekannt. Die Bestrebung der Verwaltung, die Pflugkultur einzuführen, ist bisher zahlreichen Schwierigkeiten begegnet. Einen Anhaltspunkt für die Beurteilung der landwirtschaftlichen Produktion der Eingeborenen bietet die Ausfuhrstatistik. Es werden aber nicht alle Arten von Landeserzeugnissen, welche von den Eingeborenen hervorgebracht werden, ausgeführt; ein großer Teil wird im Schutzgebiet selbst verbraucht; er ist aus der Statistik nicht ersichtlich; hierunter fallen die für Ernährungszwecke hervorgebrachten Feldfrüchte, wie Sorghum, Pennisetumhirse, Reis, Taro, Erderbsen, Bohnen u. a. m. Aber auch von den in der Ausfuhrstatistik namhaft gemachten Landeserzeugnissen wie Mais, Maniok, Yams, Palmkerne, Palmöl, Erdnüsse usw. ist in der Ausfuhrstatistik nur der wirklich zur Ausfuhr über die Landesgrenzen gelangende Teil in Anrechnung gebracht, nicht aber der im Lande selbst konsumierte Teil, welcher die exportierten Mengen zuweilen erheblich übertrifft. Es ist also schwer, sich von der gesamten landwirtschaftlichen Produktion der Eingeborenen ein einigermaßen zuverlässiges Bild zu machen. Untenstehende Tabelle zeigt eine Übersicht der Ausfuhr der wichtigsten Landeserzeugnisse nach Mengen und Wert. Die wegen ihrer Beziehungen zum Mutterlande wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Eingeborenen sind:

I. Palmkerne und Palmöl. Sie werden aus den Früchten der Ölpalme (s. d.) gewonnen. Die Ölpalmen sind in Süd- und Mittel - Togo in der sog. Ölpalmzone, sowie im südlichen Teil der Gebirgszone sehr stark, im Kabureund Lóssogebiet ziemlich stark verbreitet (s. 6. Pflanzenwelt).

Die vorhandenen Ölpalmbestände verdanken ihre Existenz in erster Linie dem Eingriff des Menschen in die Natur; sie sind in größerer Menge überall da zu finden, wo der Eingeborene früher vorhandene Waldgebiete zu Bebauungszwecken gerodet hat. Ihre Vermehrung auf den Rodungen ist zum Teil auf natürlichem Wege erfolgt, und es bedurfte nur der schonenden Hand des Menschen, um die Schößlinge zur Entwicklung zu bringen. Zum Teil haben die Eingeborenen selbst durch Auspflanzen junger Ölpalmschößlinge zur Vermehrung der Ölpalmbestände beigetragen. Vor nicht sehr langer Zeit wurden Palmkerne und Palmöl über die Seegrenze überhaupt nicht ausgeführt; der Handel mit Europa war damals noch so wenig entwickelt, daß alkoholhaltige Getränke nur in verhältnismäßig geringen Mengen nach Westafrika gelangten. In jener Zeit wurde wahrscheinlich sehr viel mehr Palmwein verbraucht, als es heute der Fall ist. Der aus den Ölpalmen gewinnbare Palmwein dürfte die Eingeborenen veranlaßt haben, den Anbau und die Schonung von Ölpalmen in einem Maßstabe zu betreiben, der ihren Haushaltsbedarf an Palmöl und Palmkernen weit übertraf. Aus der obigen Übersicht ist zu ersehen, daß die Ausfuhr von Palmkernen und Palmöl, und man darf mit Sicherheit annehmen, auch die Produktion, ganz erheblichen Schwankungen unterworfen ist. Im wesentlichen sind diese Schwankungen zurückzuführen auf die Verschiedenheit der Niederschläge in den einzelnen Jahren. Die Erfahrung hat gezeigt, daß auf ein regenreiches Jahr immer ein Jahr mit guten Erträgen an Kernen und Öl folgt. Besonders günstig wirken auf die Ertragsfähigkeit der Ölpalmen mehrere aufeinanderfolgende Jahre mit großen Niederschlägen. Umgekehrt folgen auf Trockenjahre Jahre mit geringen Erträgen an Kernen und Öl. -

II. Mais. Der zur Ausfuhr gelangende Mais wird hauptsächlich in den Gebieten zwischen der Lagunenniederung und der Ölpalmzone, teils in dieser selbst, teils auch noch in Gebieten nördlich davon produziert. Wie aus der obigen Übersicht hervorgeht, hat die Maisausfuhr im Jahre 1908 eine erstaunliche Höhe erreicht und ist seitdem auffallend zurückgegangen. Der Rückgang der Ausfuhr ist wohl in erster Linie darauf zurückzuführen, daß die Eingeborenen in den auf das Jahr 1908 folgenden Jahren durch die Produktion von Palmöl und Palmkernen bzw. durch den Zwischenhandel mit diesen Erzeugnissen so viel verdient haben, daß sie nicht genötigt waren, Mais in dem Umfange anzubauen, wie es der Fall war in den Jahren, welche auf die an Palmöl und Palmkernen außerordentlich ertragsarmen Jahre 1905 und 1906 folgten (Graf Zech, Togo, im Jahrbuch über die deutschen Kolonien, Essen 1912). Zum Teil dürfte der Rückgang der Maisausfuhr auch darauf zurückzuführen sein, daß dem Boden durch den außerordentlich intensiven Maisbau in den Jahren 1907 - 1908 zu viel Nährstoffe entzogen worden sind. -

III. Baumwolle (s. d.) wird von den Eingeborenen meist als Zwischenkultur zwischen anderen Feldfrüchten, seltener in besonders angelegten, meist kleinen Baumwollfeldern hervorgebracht. Die Beteiligung der verschiedenen Landesteile des Schutzgebietes an der Baumwollproduktion ist aus der nebenstehenden tabellarischen Übersicht erkennbar. Die Zahlen dieser Tabelle enthalten auch geringfügige von europäisch geleiteten Pflanzungsunternehmungen erzeugte Baumwollmengen. Die in den Jahren 1907/08 und 1908/09 im Bezirk Lome - Land erzeugten Baumwollmengen sind in den Zahlen der Bezirke Anecho und Atakpame enthalten. -Näheres über den Baumwollbau in T. s. KBl. 1911 S. 229 und 282. -

IV. Kakao (s. d.) wird hauptsächlich in den waldigen Gebieten der Gebirgszone angebaut. Da Kakao für seinen Anbau Waldboden erfordert, seine Kultur also waldfeindlich ist, hat die Verwaltung angesichts des geringen Bewaldungsprozentes des Schutzgebietes vermieden, die Eingeborenen zum intensiveren Anbau von Kakao, anzuregen. Durch eine derartige Anregung würde die wahllose Vernichtung auch solcher Waldbestände verursacht worden sein, deren Schonung im Interesse des Wasserhaushalts des Schutzgebietes geboten ist. Nach Inkrafttreten der Waldschutzverordnung und Freigabe solcher Gebiete, deren Entwaldung ohne Einfluß auf den Wasserhaushalt ist, wird der Kakaobau Rascher entwickelt werden können. -

V. Kopra. Die Kokospalme (s. d.) wird hauptsächlich auf dem schmalen Dünenstreifen zwischen Strand und Lagunenniederung angebaut. Wohlhabende und intelligente Eingeborene haben sich sogar der plantagenmäßigen Kultur der Kokospalme mit Erfolg gewidmet. Von den in der obigen Ausfuhrübersicht angegebenen Kopramengen rührt nur ein Teil von Eingeborenenpflanzungen her; von der Pflanzungsgesellschaft Kpeme (s. 10. Europäische Unternehmungen) sind folgende Kopramengen ausgeführt worden, welche in der obigen Übersicht mitenthalten sind: 1906 5 t, 1907 18 t, 1908 25 t, 1909 60 t, 1910 85 t, 1911 127 t, 1912 133 t. -

VI. Erdnüsse (s. d.) werden fast überall angebaut. Ihre Ausfuhr über die Seegrenze hat bisher noch keine Bedeutung erlangen können; da Nord - T. durch eine Bahn noch nicht erschlossen ist, konnten bisher nur Erdnüsse aus Süd - T. auf den europäischen Markt gebracht werden. In Süd - T. fällt die Reife der Erdnüsse in eine Zeit, in welcher die Luftfeuchtigkeit einen besonders hohen Grad erreicht, und in der der Himmel im allgemeinen bewölkt ist, so daß das Trocknen der Erdnüsse Schwierigkeiten begegnet. Feucht verschiffte Erdnüsse werden aber während des Seetransportes leicht ranzig und gelangen dann in verdorbenem Zustande im europäischen Hafen an. Die Erdnußausfuhr wird voraussichtlich eine größere Bedeutung erlangen, sobald die trockneren Gebiete Nord - T.s durch eine Bahn erschlossen sein werden. -

VII. Kautschuk (s. d.) wird von den Eingeborenen faßt ausschließlich von wildwachsenden Kautschukpflanzen gewonnen. Kautschukkultur wird bisher kaum betrieben. Kautschuk wird hauptsächlich aus den in der Gebirgszone vorkommenden Lianen und seit einer Reihe von Jahren auch aus den in Süd - T. zahlreich vorkommenden Ficus Vogelii sowie aus Clitandra elastica gewonnen. Der Lianenkautschuk kommt meist in kleinen Bällen in den Handel und ist ein hochwertiges Erzeugnis. Der aus dem Ficusbaume und aus der Clitandra elestica gewonnene Kautschuk. kommt in Kuchenform in den Handel; er ist von geringerer Güte. In einzelnen Gegenden des Schutzgebietes, besonders im südlichsten Teil der Gebirgszone sind die Lianenbestände infolge Raubbaus vernichtet oder wenigstens reduziert worden; doch scheinen die Bestrebungen der Verwaltung, den Raubbau zu verhindern, teilweise erfolgreich gewesen zu sein. -

VIII. Groß- und Kleinvieh, Geflügel. Die Rindviehzucht wird hauptsächlich in dem tsetseärmeren Nord - T. getrieben. Der Gesamtbestand des Schutzgebietes an Rindern beträgt rund 77 000 Haupt. Sie werden vielfach von Seuchen, wie Rinderpest, Milzbrand, Lungenseuche und Tsetsekrankheit heimgesucht. Die Möglichkeit, Rinder als Arbeitstiere sowohl für Pflugkultur als auch für Lasttransporte zu verwenden ist abhängig von der Möglichkeit, Rinder gegen Tsetsekrankheit zu immunisieren oder sie vor ihr zu schützen. Schweine, Ziegen, Schafe und Geflügel werden last überall gezüchtet; eine Schätzung der vorhandenen Bestände liegt nicht vor.

b) lndustrie. Von weit geringerer Bedeutung als die landwirtschaftliche Produktion der Eingeborenen ist ihre industrielle Betätigung. Die verschiedenen Handwerke, vor allem das Maurer-, Zimmer-, Tischler-, Schlosser-, Schmiede-, Goldschmiede- und Schneiderhandwerk, die Gerberei, die Bearbeitung von Leder, die Weberei, das Färben von Garnen und Tüchern ist im Schutzgebiete ziemlich verbreitet. In der Gegend von Banjeli (s. d.) ist sogar die Eisenverhüttung in hoher Blüte; für die Beziehungen des Schutzgebiets zum Mutterlande haben all diese Gewerbe eine wesentliche Bedeutung noch nicht erlangen können.

 

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