Schulen und Missionswesen.

 

Die Verwaltung verfolgte durch Errichtung von Schulen den Zweck, Eingeborene in der deutschen Sprache so weit auszubilden, daß sie sowohl im Bereich der Verwaltung, als auch bei Privatunternehmern als farbige Hilfskräfte wie Dolmetscher, Schreiber, Zollaufseher, Heilgehilfen, Handlungsgehilfen u. dgl. verwendet werden konnten. Die Heranbildung solchen Personals ermöglichte der Verwaltung sowie den Privatunternehmern Ersparnisse an kostspieligem Europäerpersonal, den Eingeborenen den Eintritt in verhältnismäßig gut bezahlte und sozial gehobene Stellungen. - Dieser Zweck wurde zu erreichen versucht durch Einrichtung von Volksschulen, in welchen sich die Eingeborenen die deutsche Sprache, ferner elementare Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen sowie in einigen anderen nützlichen Fächern aneignen konnten.

Mit der Entwicklung des Schutzgebietes traten aber erhöhte Anforderungen an das farbige Hilfspersonal heran, so daß die in den Volksschulen erworbenen Kenntnisse nicht mehr ausreichten; es trat das Bedürfnis hervor, die Eingeborenen noch gründlicher für ihre Berufe vorzubilden und sie mit weiteren Kenntnissen zu versehen als mit der elementaren Volksschulbildung. Zu diesem Zweck ist eine Fortbildungsschule mit zweijährigem Lehrgang als Oberstufe für die Volksschulen des Schutzgebietes eingerichtet worden. Neben diesen praktischen Zwecken verfolgte die Verwaltung aber auch ein wichtiges nationales Ziel, nämlich die Verbreitung deutscher Art und deutscher Sprache unter den Eingeborenen, welche infolge ihrer früheren Handelsbeziehungen und des regen Verkehrs nach benachbarten, unter britischer Oberhoheit stehenden Gebieten englischen Einflüssen stark ausgesetzt waren.

Schickten doch angesehene Eingeborene ihre Söhne mit Vorliebe nach den "High Schools" englischer Kolonien. Um der deutschen Sprache die ihr gebührende Stellung zu verschaffen, wurde im Verordnungswege die Erteilung fremdsprachlichen Unterrichts an den Schulen T.s verboten. Regierungsvolksschulen unter Leitung je eines europäischen Lehrers, dem eine Anzahl farbiger Hilfslehrer zur Seite steht, befinden sich in Anecho und in Lome. Erstere wurde 1891, letztere 1902 gegründet. Seit 1. April 1912 besteht unter Leitung eines Farbigen eine weitere Regierungsschule auf der Regierungsstation Sokode, welche einen ähnlichen Ausbau erfahren soll wie die Schulen in Anecho und Lome. Der Lehrgang der Regierungsvolksschulen ist sechsjährig.

Nach Beendigung des sechsjährigen Lehrganges werden die Schüler einer Abgangsprüfung vor einer Prüfungskommissien des Gouvernements unterzogen. Anstellung im Regierungsdienste erhalten nur solche Schüler, welche die Abgangsprüfung bestanden haben; auch der Eintritt in die Regierungsfortbildungsschule wird vom Bestehen der Prüfung abhängig gemacht. Am Ende des Schuljahres 1912 befanden sich in der Regierungsschule in Anecho 148, in der Regierungsschule in Lome 133 eingeborene Schüler. Die Regierungsschule in Sokode wurde von 23 Schülern besucht. - Ende Januar 1911 wurde in Lome die Regierungsfortbildungsschule eröffnet. Sie hat mit Januar 1912 ihr zweites Schuljahr begonnen und wurde von 37 Schülern besucht, die sich auf 2 Klassen verteilen.

1903 wurde in Verbindung mit den Werkstätten in Lome eine Regierungshandwerkerschule errichtet, in welcher Eingeborene im Tischler-, Schlosser- und Schneiderhandwerk ausgebildet werden. Im Lehrjahre 1911 betrug die Zahl der Handwerksschüler 17 davon waren 13 Tischler-, 4 Schlosserlehrlinge. 1912 wurde die Handwerkerschule aufgehoben, weil 3 leistungsfähige Privatbetriebe in Lome sich mit der Heranbildung farbiger Handwerker beschäftigen. Die Verwaltung unterhielt in Nuatjä (s.d.) ferner noch eine Ackerbauschule, welche aus einer 1904 auf Anregung des Gouverneurs vom Kolonialwirtschaftlichen Komitee gegründeten Baumwollschule hervorgegangen ist. Sie wurde im Jahre 1912 in einen Musterbetrieb für die im Lande angebauten Produkte umgewandelt (ABl. Togo 1912 S. 241 u. 242). In T. sind 4 Missionsgesellschaften tätig, die evangelische Norddeutsche Missionsgesellschaft (s. d.), die katholische Gesellschaft des Göttlichen Wortes (s. d.), die Basler Missionsgesellschaft (s. d.) und die Wesleyanische Mission (s. d.).

a) Die Norddeutsche Missionsgesellschaft unterhält in T. an europäischem Personal 16 ordinierte Missionare, 3 nichtordinerte Missionare, 11 Missionsfrauen und 2 Schwestern. An farbigem Personal 90 Lehrer (darunter 6 Pastoren) und 12 Lehrerinnen. Die Zahl der aus der norddeutschen Missionsgesellschaft hervorgegangenen eingeborenen Christen beträgt 7112. Sie unterhält: 147 Knabenschulen, 1 Mädchenschule, 6 Kleinkinderschulen, 1 Fortbildungsschule, 1 Lehrerseminar. -

b) Die katholische Gesellschaft des göttlichen Wortes (Steyler Mission), die seit 1892 die Apostolische Präfektur T. (seit 1914 Vikariat) versieht, unterhält an europäischem Personal 44 Priester, 14 Laienbrüder, 22 Schwestern, an farbigem Personal 205 Lehrer und 10 Lehrerinnen. Die Zahl der aus der Steyler Mission hervorgegangenen Christen beträgt 14657. Sie unterhält. 181 Knabenschulen, 14 Mädchenschulen, 2 Kleinkinderschulen, 1 Fortbildungsschule, 1 Lehrerseminar, 1 Handwerkerschule (s. a. den folgenden Art. Togo, Apostolisches Vikariat). -

c) Die Basler Mission begann erst 1912 ihre Tätigkeit in Nordtogo; sie baut bei Jendi eine Station. Die beiden dorthin entsandten Missionare beschäftigen sich vorläufig nur mit der Erlernung der Eingeborenen - Sprache. -

d) Wesleyanische Methodistenmission. Sie unterhält kein europäisches Personal, an farbigem Personal 16 Lehrer und 3 Lehrerinnen. Die Zahl der aus ihr hervorgegangenen Christen beträgt 830. Sie unterhält 7 von Knaben und Mädchen besuchte Schulen. Der Personalstand ist angegeben nach dem Stande vom 31. Dez. 1912, die Zahl der Schulen nach dem Stande vom 1. April 1913. S. Mission, evangelische u. Mission, katholische.

 

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