Tierwelt.

 

Südwestafrika gehört auf Grund seiner Fauna zur südafrikanischen Region, d. h. es besitzt ursprünglich die gleichen Gattungen und Arten wie die Kapkolonie und die Hochländer am Oranje. Nur im Norden und Nordosten gesellen sich zu dieser vorwiegend der Steppe angehörigen Tierwelt die Arten des südlichen Zentralafrika. Es kann hier so wenig wie bei der Pflanzenwelt auf eine Aufzählung auch nur aller auffallenderen Formen eingegangen werden. Zugleich muß bemerkt werden, daß manche derselben bei der schnellen Veränderung, der gerade die Tierwelt in der Besiedelung erschlossenen Ländern unterliegt, seit dem Beginn der neunziger Jahre eine starke Verringerung erfahren hat, und daß zahlreiche Arten seitdem nur noch in entlegenen Gebieten ihr Dasein fristen, die noch um 1890 im mittleren Schutzgebiet verbreitet waren.

So wurde noch kurz vor dieser Zeit das letzte Rhinozeros im westlichen Komaslande gesehen, und noch 1893 gab es bei Naosonnobis Giraffen und den Löwen. Letzterer kam sogar als streifendes Raubwild bis ins südliche Hereroland; während das edelste Wild der Erde, der Elefant, bereits seit Jahrzehnten aus dem Hererolande sich nach Norden zurückgezogen hatte. Wenn aber der Wildstand sich gegen früher so stark vermindert hat, so ist er doch im Vergleich mit Europa immer noch reich zu nennen.

Auch sind eine Menge von Tieren wirtschaftlich wertvoll, so daß ein entschiedener und auf das ganze Schutzgebiet ausgedehnter Wildschutz nur zu berechtigt ist. Selbst das Küstenmeer und die Ufer sind, ganz im Gegensatz zu ihrer sonstigen Öde, reich an Tieren. Abgesehen von der Fülle zum Teil gut verwertbarer Fische (s. Tafel 45/46) beherbergen die kühlen Gewässer der Bengueladrift wertvolle Pelzrobben, die Küste aber ist ein Tummelplatz für zahllose Vögel, unter denen der den Guano liefernde Pinguin, ferner der besonders an der Lagune von Walfischbai außerordentlich häufige Flamingo genannt zu werden verdienen. - Das Reich der Sänger findet in Südwestafrika eine Vertretung der meisten und wichtigsten Gattungen.

Die Familie der Affen wird durch den überall, namentlich im Hochlande, verbreiteten Bärenpavian repräsentiert, der sich in Gärten und Pflanzungen recht unliebsam bemerkbar machen kann. Groß ist die Zahl der Raubtiere. Vom Löwen, der freilich auf die entlegensten Gebiete des Nordens zurückgedrängt ist und selbst in der Kalahari nur noch ausnahmsweise vorkommen dürfte, bis zum kleinen wieselartigen Erdmännchen sind so ziemlich alle Gattungen außer dem Bären vertreten. Überall verbreitet sind Leopard und der ihm verwandte Gepard, ferner verschiedene Schakale, besonders der schöne Schabrackenschakal (s. Tafel 48) sowie die gefleckte Hyäne. Seltener ist der Erdwolf, ebenfalls eine Hyänenart, häufig dagegen der Luchs (Rooikat der Buren) und kleinere Wildkatzen. Den Herden gefährlich ist der in Rudeln jagende wilde Hyänenhund (Lycaon piotus).

Ein seltsamer Bewohner von Felslöchern ist der Klippdachs, während noch sonderbarer die in weichgründigem Boden vorkommenden Erdferkel und ein Schuppentier den Beschauer anmuten. Stachelschweine, Springhasen, die neben echten Hasen weit verbreitet sind, mögen unter den kleineren Säugern der Steppe erwähnt werden. Dagegen beschränkt sich das afrikanische Wildschwein auf den Nordosten des Schutzgebietes. - Am reichsten vertreten sind die Gattungen und Arten der freien Landschaft und der unabsehbaren Ebene. Besonders die Antilopen (s. Tafel 48) sind heute noch in großer Menge und Artenzahl vorhanden. Nachdem die Elenantilope auf das Kaokogebiet beschränkt ist, werden die großen Arten durch das im gebirgigen Teil des Hererolandes nicht seltene Kudu sowie durch das Hartebeest, die Kaamaantilope vertreten.

Im mittleren Teile lebt in Rudeln auch die Oryxantilope, während der zierliche Springbock in großen Scharen die Ebenen im Westen und die freieren Flächen des Innern beweidet. Mehrere kleinere meist paarweise auftretende Antilopen bevölkern die Felsgebiete und das Gestrüpp der Flußtäler. Im Norden begegnet man auch noch dem Gnu, in den feuchteren Landschaften endlich auch einigen zentralafrikanischen Hornträgern, wie dem Wasserbock, der Lecheantilope und anderen. Neben all diesem gehörnten Wilde vervollständigen endlich zwei Arten des Zebra die Schar südwestafrikanischer Bewohner der freien Steppe aus dem Säugetierreich, während der früher im Hererolande ebenfalls vorkommende Büffel heute selbst im Norden ausgestorben ist.

Noch mehr als unter dem mittleren Wilde hat das Vordringen neuzeitlicher Waffen den Bestand an den Riesen der Steppe und Savanne gelichtet und auf ein kleines Gebiet beschränkt, das ehedem bis zum Oranjefluß verbreitet war. Noch in den sechziger Jahren fand Andersson das Hochwild Afrikas im ganzen mittleren Schutzgebiet in großen Mengen. Jetzt zeigt sich der Elefant in geringer Menge nur noch im Nordosten der tropischen Landschaft, die Giraffe und das zweihörnige Rhinozeros, das die Bastards von Rehoboth noch um 1870 bei Windhuk erlegten, nur noch im Kaoko und den Nordostgegenden. Das Flußpferd, das im inneren Schutzgebiet niemals als ständiges Wild vorhanden war, kommt in den großen Grenzflüssen vor.

Ebenfalls reich an Arten und Größe der Rudel und Völker ist die geflügelte Tierwelt vertreten. Nashornvögel und Webervögel sowie graue Halbpapageien und grüne Sittiche beleben mit unzähligen, teilweise sehr schön gefärbten Vögeln mittlerer Größe den Busch und die lichten Baumgruppen der Grundwassergebiete. Dort wimmelt es auch von Tauben, die häufig genug dem Raubgeflügel zum Opfer fallen, unter dem selbst stattliche Adler eine Rolle spielen. Mehr nützlich als der Flugwelt gefährlich ist der gewaltige Aasgeier und seiner guten Eigenschaften wegen von jeher auch von den Eingeborenen geschont der Sekretär oder Schlangenadler, der eifrige Feind der scheußlichsten Bewohner unserer Kolonie. Bieten schon diese Vertreter der Flugwelt ein Bild reichen Lebens, so wird es noch übertroffen durch die ungeheuren Scharen der Laufvögel, die den größten Teil des Innern bevölkern und wegen ihrer Menge auf Grund ihres Wohlgeschmacks zu den wertvollsten Jagdtieren des Landes gerechnet werden dürfen. Perlhühner, fasanenähnliche Steppenhühner, mehrere Trappen, darunter eine von riesenhafter Größe, ebenso Verwandte unseres europäischen Rebhuhns sind die wichtigsten von ihnen.

Viel seltener und nur an geeigneten Stellen findet man Wildenten und Wasserwachteln. - Keines von all diesen Tieren kommt indessen an Bedeutung dem großen Laufvogel des Schutzgebiets, dem Strauß, gleich, der die freie Landschaft nicht allein im Innern, sondern auch in der der Farmwirtschaft dauernd unzugänglichen Namib beweidet und der, dank einer rechtzeitig durchgeführten Schonung, in durchaus nicht geringer Zahl vorhanden ist. - Von den übrigen Wirbeltieren sind namentlich die Reptilien sehr reich vertreten. Eidechsen in größter Fülle und den buntesten Farben beleben die Felsen; einige erreichen eine bedeutende Größe, doch die gewaltigste von ihnen, das Krokodil, ist natürlich auf die ständig fließenden Flüsse des Nordens beschränkt. Schildkröten werden in den Steppen häufig angetroffen. Kein einziges Reptil aber genießt einen so unheimlichen Ruf wie die Schlangen, von denen neben harmlosen Nattern die gefährliche Puffotter und die Naja, die Kobra Afrikas, überall vorkommen.

Auch eine Art Homviper sowie eine giftige Sandschlange sind, die letztere namentlich im Westen, nicht selten. Weniger häufig, aber ganz harmlos ist die afrikanische Riesenschlange, der Python, die besonders in den bergigen Landschaften und im Norden vorkommt, allerdings weit weniger zahlreich als die gefährlichen Arten. - Die Welt der niederen Tiere, durch Skorpione, Spinnen, hornissenartige Wespen, durch Mücken, Fliegen, Tausendfüße, Sandflöhe und andere Tiere dem Menschen unangenehm, besitzt in der Honigbiene eine im Innern weit verbreitete nützliche Vertreterin. Falter und Motten, vor allem aber Käfer und einige sonderbare Heuschrecken vervollständigen die auffallenderen Formen. Recht lästig für Weide und Garten sind die in einzelnen Jahren erfolgenden Einfälle ungezählter Scharen der berüchtigten Wanderheuschrecke.

Ein anderes oft schädliches Tier, die Termite, wird dagegen hauptsächlich im Hererolande und den nördlichen Landschaften angetroffen. - Die Zahl der Süßwassertiere ist beschränkt. Frösche und einige Fischarten, diese besonders in den ständig vorhandenen Wasseransammlungen des Großen Fischflusses, sind zu erwähnen. Die Natur hat Südafrika zu einem Lande des Massenauftretens bestimmter Weidetiere gemacht. So ist die Individuenzahl selbst der größeren Steppenbewohner heute noch ziemlich groß; in früheren Jahrzehnten war sie so ungeheuer, daß das Wild in diesem Lande geradezu die Staffage der landschaftlichen Erscheinung bildete, auch waren und sind bestimmte Antilopen hier durch eine stattlichere Entwicklung des Baues ausgezeichnet als in den afrikanischen Ländern, in denen ihnen nicht so riesige, zusammenhängende Weideflächen zur Verfügung standen.

Andrerseits bedingte der Reichtum an Huftieren und an Steppengeflügel wiederum eine auffallende Häufigkeit der Raubtiere. Von diesen sind namentlich die kleineren durch Winterfelle ausgezeichnet, welche die ihrer tropischen Artgenossen an Schönheit übertreffen und zur Entstehung einer bodenständigen Industrie, der Herstellung geschmackvoller Felldecken, namentlich bei den Hottentotten, Anlaß gaben. Andere, wie der Strauß und der Springbock, sowie einige andere Weidetiere, sind imstande, in kurzer Zeit so weite Strecken zu durchwandern, daß sie mit der dürftigsten Weide und mit weit von einander entfernten Wasserstellen zufrieden waren. Sie bilden die Vertreter des Lebens noch in Landschaften, in denen, wie in der Namib, auf jede Verwertung des Landes durch Haustiere verzichtet werden muß.

Sie vermochten sich daher bis in die Zeit in nicht unbedeutender Menge zu erhalten, in der ihnen eine verständige Jagdschutzverordnung Sicherheit gegen die allzustarke Verfolgung durch den Menschen gewährte. Von welcher Bedeutung selbst die Reste des alten Tierreichtums für das Schutzgebiet sind, geht daraus hervor, daß, von der Nutzung im Lande selbst ganz abgesehen, an Wildhäuten und Fellen 1900, also nach einer schon starken Besetzung des Siedlungsgebietes, für nicht weniger als 26 000 M, an Federn des wilden Straußes gleichzeitig für 66 000 M ausgeführt wurden, gleich einem Zehntel des damaligen Ausfuhrwertes, ja unter Einrechnung der Robbenfelle 12,5 vom Hundert. S. a. Tierwelt der deutschen Schutzgebiete, Zoologie und Jagd. Die Haustiere des Landes waren ursprünglich nur das hochbeinige, schlanke Hererorind, das viel weniger zahlreiche kleinere Rind des Ambolandes sowie das bereits mit holländischen Tieren gekreuzte Rind des Groß - Namalandes.

Ferner wurden gehalten das Fettschwanzschal Südafrikas, die südafrikanische Hausziege und wenig minderwertiges. Geflügel. Pferde, die sich namentlich im Besitz der Hottentotten und Bastards befanden, stammten zum größten Teil aus der Kapkolonie. - Neuerdings hat sich das Bild unter dem Einflusse der Rinderpest und der Tätigkeit der Europäersiedlung völlig geändert. Zwar trifft man unter dem allenthalben gehaltenen Kleinvieh noch vorwiegend die eben genannten einheimischen Rassen. Daneben aber hat namentlich im Süden die Vermehrung des Bestandes an Wollschafen und Angoraziegen Fortschritte gemacht, die Rinderrasse ist aufgebessert, und neben der Haltung der genannten Tiere ist auch eine rationell betriebene Pferdezucht im Lande selbst aufgenommen. Neu unter dem Haustierbestand sind das Schwein, bessere Geflügelsorten und das für einzelne Gegenden sehr wichtige Kamel sowie die schon erwähnte Angoraziege und das Wollschaf. S. a. Viehzucht, Pferdezucht, Schafzucht.

 

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