Am Biberdamm auf der Lauer

Zu Besuch bei den Bibern im Hürtgenwald

Von Dorothee Bürkle

Dämme, Teiche und gefällte Bäume: Ihre Spuren sind im Wald nicht zu übersehen. Lange Zeit waren Biber in der Nordeifel ausgerottet. Vor 20 Jahren wurden sie wieder angesiedelt - mit großem Erfolg.

Die Sonnenstrahlen erreichen nur noch die obersten Baumwipfel. Im Hürtgenwald ist es still, die Luft wird langsam kühl. Plötzlich ist ein lautes 'Platsch' zu hören. "Das ist ein Biber", flüstert Förster Günther Hieke und läuft schnell zum Teich. Im trüben Wasser ist deutlich eine Schwimmspur zu erkennen. Hieke deutet an, leise zu sein: "Meistens bleiben sie eine Minute unter Wasser und tauchen dann wieder auf." Aber auch nach zwei Minuten ist noch kein Biber in Sicht. Zahllose Mücken schwirren indes um uns herum. Der Förster tröstet: "Auf Anhieb einen Biber zu sehen, das wäre ja auch fast so etwas wie ein Sechser im Lotto."

Rinden-Häppchen zum Mitnehmen

Zwei Biberfamilien - die Ober- und die Unterbiber, wie Förster Günther Hieke sie nennt - wohnen südlich der Wehebach-Talsperre. Auf mehr als einem Kilometer Länge haben die fleißigen Wasserbauer einen Bach in ihr Reich verwandelt: Zahllose Dämme und Teiche, in denen jetzt braun-rotes Wasser steht. Ungefähr 15 Biber teilen sich dieses nasse Reich, die Jungen aus diesem Sommer mit eingerechnet. Dass die Biber Nachwuchs haben, sieht Hieke an den frisch angenagten Bäumen. Denn Baumrinde gehört eigentlich nur im Winter auf den Speiseplan der Biber. Im Sommer fressen sie Gräser und Kräuter. "Aber wenn kleine Biber im Bau warten, dann nagen sie lieber ein Stück Baumrinde ab und nehmen es zum Fressen mit in den Bau", erklärt Hieke.

Naturschutz zum Nulltarif

Überall dort, wo die Biber Wasser aufgestaut haben, stehen große abgestorbene Eichen und Buchen. Fast alle kleinen Laubbäume in Bachnähe haben die Nager gefällt. Aber der Förster nimmt ihnen dieses Treiben nicht übel: "Durch ihre Teiche schaffen sie Lebensraum für eine Menge Tierarten." Libellen, Köcherfliegenlarven, sogar Eisvögel und Schwarzspechte hat er im Biberreich schon gesehen. Von den 11.000 Hektar Staatswald in Nordrhein-Westfalen überlässt er den Bibern gerne hier und da zwei Hektar: "Die Biber betreiben hier Naturschutz für uns und das ganz umsonst." Wenn man von den Anschaffungskosten vor über 20 Jahren einmal absehe.

Das geheime Bibertal

Anfang der 80er Jahre setzten die Förster die ersten Biber im Hürtgenwald aus. Dr. Eberhard Schneider von der Uni Göttingen unterstützte das Projekt von Anfang an. Der Forstwissenschaftler erinnert sich: "Nach dem Bau der Wehebach-Talsperre waren die Förster im Hürtgenwald froh, dass sie hier etwas für den Naturschutz tun konnten." Drei Biber-Pärchen wurden bei einer polnischen Biberfarm gekauft. Damals war es gar nicht so einfach, an die in Europa im Mittelalter fast ausgerotteten Tiere zu kommen. "Der Elbe-Biber hätte eigentlich am besten hierher gepasst", blickt Förster Hieke zurück: "Aber damals war die innerdeutsche Grenze auch für Biber geschlossen."

In den ersten Jahren hielten die Förster den Biberbestand nahezu geheim. Sie befürchteten, ein regelrechter Biber-Tourismus könnte einsetzen und die Tiere stören. Inzwischen können die Wasserbauer im Hürtgenwald ihre Anwesenheit schon längst nicht mehr verbergen und Förster Hieke macht sich auch keine Sorgen mehr: Die Biber haben die Nordeifel, weit über den Hürtgenwald hinaus, zurückerobert. Circa 100 Tiere leben heute zwischen Rur und Maas. Und im zukünftigen Nationalpark Eifel dürften sie sich erst recht wohlfühlen.

 

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