13. Verkehrswesen.

Bis vor wenigen Jahren wurde in D.-O. der Gütertransport zu Lande fast ausschließlich durch Karawanen besorgt. In Lasten zu etwa 60 Pfd. wurden die Güter von eingeborenen Trägern auf den Köpfen befördert. Allerdings war auch hierin bald ein erheblicher Fortschritt gegen früher zu verzeichnen. Während sich nämlich noch zu Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts der Karawanenverkehr nur auf den schmalen, gewundenen Negerpfaden abspielte, hatte man seit 1894 damit begonnen, die von der Küste ausgehenden Straßen auszubauen und Brunnen, feste Brücken usw. anzulegen. Die Hauptkarawanenstraßen des Schutzgebiets waren im Norden: Tanga-Kilimandscharo, Pangani-Mgera-Tabora-Udjidji (bzw. Muansa); in der Mitte: Bagamojo (bzw. Sadani oder Daressalam)-(Kilossa)-Mpapua-Kilimatinde-Tabora-Udjidji (bzw. Muansa) Kilossa-Iringa-Njassasee; im Süden: Kilwa (bzw.Lindi))-Ssongea-Njassasee.

Neben diesen Hauptstraßen gab es noch eine Menge Wege geringerer Bedeutung, welche dem lokalen Verkehr oder den Handelsbeziehungen zwischen den einzelnen Völkern und Plätzen dienten. Mit dem fortschreitenden Ausbau der Eisenbahnen des Schutzgebiets (s. Eisenbahnen I) haben diese Straßen und damit auch viele Orte an ihnen einen großen Teil ihrer früheren Bedeutung eingebüßt. Im Norden und in der Mitte sind sie nur noch als Zubringewege zu den Bahnen wichtig. Im Süden ist die alte Handelsstraße Kilwa-Njassasee neben dem Shire-Sambesi-Wege und dem von der Zentralbahn nach Süden abbiegenden Wege Kilossa-Iringa-Neu-Langenburg noch immer die einzige Verbindung mit dem Njassasee. -

Der Ausbau der Karawanenstraßen ermöglichte es, Versuche mit Zug- und Lasttieren zu machen. So wurden im Jahre 1897 und auch neuerdings im Jahre 1910 Kamele als Lasttiere eingeführt. Am Kilimandscharo hatten eingewanderte Buren mit ihren südafrikanischen Ochsenwagen einen regelmäßigen Verkehr zwischen Moschi und Voi an der Ugandabahn und zwischen Aruscha und Mombo einzurichten versucht. Im Süden des Schutzgebiets unternahm man Versuche mit Maultier- und Eselwagen. Alle diese Versuche scheiterten jedoch an der Tsetsekrankheit (s. Nagana), dem Küsten- und Texasfieber (s. d.) und anderen dem Vieh verderblichen Seuchen. Am widerstandsfähigsten erwiesen sich noch Esel und Maultiere, sie finden noch heute in einigen Gegenden als Last- und Zugtiere Verwendung. Weitere Versuche, den Menschen als Transportmittel auszuschalten, sind in neuerer Zeit mit der Indienststellung von Automobilen gemacht worden. Die Schwierigkeiten, die einer Ausdehnung des Automobilverkehrs entgegenstehen, sind jedoch recht erheblich. Abgesehen davon, daß Wagenreparaturen und die Beschaffung von Benzin oft große Schwierigkeiten machen, hat sich die Herstellung und Instandhaltung guter Fahrwege wegen des tropischen Klimas des Schutzgebiets als außerordentlich teuer erwiesen. -

Es bestehen im Schutzgebiet folgende Eisenbahnen:
1. Die Usambara(Nord)bahn von Tanga bis Neu-Moschi am Kilimandscharo, 352 km lang;
2. die von Daressalam ausgehende Mittelland(Zentral)bahn, 1912 bis Tabora (847 km) eröffnet, 1914 vollendet bis Kigoma (Tanganjikasee) (s. Eisenbahnen I).
Im Bau begriffen sind die Eisenbahnen von Tabora zum Kageraknie (Ruandabahn) 481 km lang, sowie von Neu-Moschi nach Aruscha am Meru 86 km lang. -

Was Schiffsverbindungen anbetrifft, so vermittelt den Personen- und Gütertransport zwischen dem Schutzgebiet und Europa hauptsächlich die Deutsche Ostafrika-Linie. Ihre Dampfer verkehren zweimal monatlich, zwischen Hamburg und Tanga und Daressalam. Von letzterem Platz aus fahren Küstendampfer dieser Linie, in der Regel mit direktem Anschluß an die Hauptdampfer, nach Bagamojo, Kilwa, Lindi und Mikindani. Ferner verkehren Dampfer der Ostafrika-Linie regelmäßig zwischen den Häfen des Schutzgebiets und Sansibar und Bombay. - Von geringerer Bedeutung sind die die Schutzgebietshäfen vereinzelt anlaufenden Dampfer der British India Steamship Navigation Co. und anderer Gesellschaften. -

Zur Erzielung einer regelmäßigen Verbindung der einzelnen Küstenplätze untereinander fahren zurzeit auch noch die Gouvernementsdampfer "Kaiser Wilhelm II.", "Rovuma", und "Rufiji" und aushilfsweise die Zollkreuzer "Kingani" und "Wami" in jedem Monat nach einem festen Fahrplan eine Nord- und eine Südfahrt längs der Küste. - Außer mit diesen Dampfern und den gelegentlich verkehrenden europäischen Segelschiffen besteht an der Küste und mit Sansibar und Indien ein ziemlich bedeutender Verkehr mit einheimischen Segelschiffen (Dhaus). Der Dhauverkehr ist jedoch gegen früher zurückgegangen, weil die pünktlichen und sicheren Dampferverbindungen trotz der höheren Kosten dem Transport mit einheimischen Segelschiffen immer mehr vorgezogen werden. - Zur Sicherung der Schiffahrt ist die infolge ihrer Riffe und Sandbänke gefährliche Küste des Schutzgebiets mit Bojen und Leuchttürmen versehen. Ausgebaute gute Häfen mit Ladevorrichtungen haben nur die Städte Daressalam und Tanga. -

Von den Binnenseen im Westen des Schutzgebiets ist der Victoria-Njansa für den Verkehr bis jetzt noch der wichtigste, da dieser jetzt durch die Ugandabahn mit der Küste verbunden ist. Der Dampferverkehr auf diesem See wird in der Hauptsache durch vier große Dampfer der englischen Ugandabahn besorgt. Die Verbindung zwischen den einzelnen deutschen Küstenplätzen stellen ferner der Dampfer "Heinrich Otto" und die beiden Pinassen "Albert Schwarz" und "Schwaben" der Deutschen Njansa-Schiffahrtsgesellschaft her. Daneben befahren eine Anzahl von Dhaus und eine große Menge von Eingeborenenkanus den See. Auf dem Tanganjikasee verkehrt der Gouvernementsdampfer "Hedwig von Wissmann" und der belgische Dampfer "Alexandre Beiomune". Die Einrichtung eines größeren Dampferverkehrs wird nach Vollendung der bei Udjidji endenden Zentralbahn seitens der Ostafrikanischen Eisenbahngesellschaft erfolgen.

Den Lokalverkehr vermitteln größere und kleinere Dhaus und seetüchtige Einbäume, welche auch als Segelboote benutzt werden. Auf dem Njassasee befindet sich neben mehreren Dhaus seit Anfang der 90er Jahre der deutsche Dampfer "Hermann von Wissmann", welcher in regelmäßigen Rundfahrten sämtliche Küstenplätze anläuft. Ferner verkehren auf dem See der kleine Dampfer "Paulus" der Berliner Missionsgesellschaft, sowie fünf größere englische Dampfer. Letztere besuchen zum Teil auch die deutschen Häfen. -

Die Flußschiffahrt ist in D.-O. nur von geringer Bedeutung, da die Flußläufe wegen des stufenweisen Abfallens des Landes vom Innern zur Küste durch zahlreiche Wasserfälle und Stromschnellen unterbrochen werden. Dazu kommen zahlreiche Sandbänke sowie ein fortwährender und unregelmäßiger Wechsel im Wasserstand. Daher können auf den Flüssen des Schutzgebiets fast ausschließlich kleine Eingeborenenboote, welche streckenweise über Land getragen werden können, verkehren. Nur auf dem Unterlaufe des Rufiji fährt als größeres Schiff der Heckraddampfer "Tomondo", welcher mit zwei Leichtern regelmäßig monatlich zweimal die ca. 200 km lange Fahrt bis etwa zu den Panganischnellen macht. - Seit dem 1. April 1891 ist D.-O. an den Weltpostverein angeschlossen. Das Postwesen des Schutzgebiets ressortiert von dem Reichspostamt. Das Hauptpostamt befindet sich in Daressalam. Ihm sind unterstellt das Postamt in Tanga und eine stetig steigende Anzahl von Postagenturen, welche zum Teil von Fachleuten, zum Teil von Angehörigen des Gouvernements, der Schutztruppe oder der Eisenbahnen im Nebenamt verwaltet werden. -

Die Postverbindung des Schutzgebiets mit Europa usw. wird hergestellt durch die Deutsche Ostafrika-Linie (s. oben), ferner durch die monatlich einmal Sansibar anlaufenden Dampfer der Messageries Maritimes und die Sansibar berührenden englischen Postdampfer. Die Verbindung der Küstenpostanstalten untereinander und mit Sansibar besorgen die Gouvernementsdampfer und die Küsten und Bombaydampfer der Deutschen Ostafrika-Linie. Daneben sind die wichtigeren Küstenplätze durch Botenposten verbunden. Nach dem Innern zu erfolgt die Postbeförderung auf den beiden Bahnen, von da aus entspringen Botenposten nach den abseits gelegenen Agenturen. Die Postsachen für Schirati, Bukoba und Ruanda werden im allgemeinen von Mombassa aus mit der Ugandabahn befördert. -

Zur Wahrnehmung des Telegraphendienstes sind folgende Telegraphenlinien im Schutzgebiet gebaut worden: Tanga-Mikindani; Tanga-Aruscha; Daressalam-Kilossa-Tabora-Muansa; Kilossa-Iringa. Die Telegraphenleitungen dieser Linien werden auch zur Abwicklung eines regen Fernsprechverkehrs benutzt. Daneben sind zurzeit 14 Ortsfernsprechnetze vorhanden. Bismarckburg und Udjidji haben eine von Kapstadt ausgehende und bei Udjidji endende Telegraphenlinie. Durch das in Bagamojo und Daressalam einlaufende Kabel der Eastern and South African Telegraph Co. ist das Schutzgebiet über Sansibar an das Welttelegraphennetz angeschlossen. - Seit dem 20. März 1911 sind in Bukoba und Muansa Funkentelegraphenstationen in Betrieb. Eine weitere ist neuerdings in Daressalam errichtet worden. (S. a. Post- und Telegraphenwesen und Funkentelegraphie.)

 

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