Verkehrswesen.

 

Die Unzugänglichkeit D.-S.s infolge seiner mangelhaften Verbindungen nach außen wie im Innern war der wesentliche Grund für den späten Eintritt dieses Teils von Südafrika in den Betätigungskreis der weißen Rasse.

Noch bis zum Ausgang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts war der aus Südafrika stammende Ochsenwagen das Hauptverkehrs- und Transportmittel des Schutzgebiets. Eigentliche Wege gab es nicht. Der Verkehr folgte den Spuren der Wagen, die vorher in derselben Richtung gezogen waren. Nach außen stand das Schutzgebiet während der ersten Jahre der deutschen Herrschaft über Walfischbai mit Südafrika in mangelhafter Schiffsverbindung.

Eine geordnete Verbindung über Land gab es nicht. Auf Betreiben deutscher Kreise wurde in den neunziger Jahren ein Verkehr durch die Dampfer der Woermann - Linie zwischen Deutschland und der im Schutzgebiet neu geschaffenen Landungsstelle in Swakopmund eingerichtet. Die Gefährdung der Verbindung des Innern mit der Küste infolge des Ausbruchs der Rinderpest im Jahre 1897 gab den Anstoß zur Schaffung der ersten Eisenbahn im Schutzgebiet.

Der Bau dieser Schmalspurbahn von 60 cm Spurweite begann in Swakopmund im September 1897. Sie erreichte Windhuk im Juni 1902. - Die Gründung der Otavi - Minen- und Eisenbahngesellschaft hatte die Entstehung einer zweiten Schmalspurbahn, der zwischen Swakopmund und Tsumeb mit einer Abzweigung von Otavi nach Grootfontein und von Onguati nach Karibib zur Folge. Der Bau wurde 1903 begonnen und 1906 vollendet.

Diese Privatbahn ging im Juli 1910 durch Kaufvertrag in das Eigentum des Schutzgebietes über. - Die erheblichen Schwierigkeiten, welche die Verpflegung der gegen die Hottentotten im Süden des Schutzgebietes kämpfenden Truppen verursachte, führten dazu, daß im Jahre 1905 die Durchquerung der Wüste zwischen Lüderitzbucht und Aus mittels einer Eisenbahn beschlossen wurde. Die Bahn wurde einschließlich ihrer Verlängerung bis Keetmanshoop bis zum Jahre 1908 fertiggestellt. Sie ist in Kapspur (1,067 m) angelegt. Von der Station Seeheim wurde eine Zweigbahn nach Kalkfontein angegliedert. Auch für die Errichtung dieser Zweiglinie waren militärische Gesichtspunkte ausschlaggebend. Die letzten Jahre haben eine Verbindung der Staatsbahnen Swakopmund - Windhuk und Lüderitzbucht - Keetmanshaop gebracht. Diese in nordsüdlicher Richtung verlaufende Bahn hat ebenso wie die Südbahn Kapspur.

Die Schmalspurstrecke Karibib - Windhuk wurde in Kapspur umgebaut. Das früher vernachlässigte Eisenbahnsystem des Schutzgebietes hat hiernach in den letzten Jahren einen unerwarteten Ausbau erfahren, der zu einem Stillstand noch nicht gekommen ist. Im Etat für 1914 ist für den Bau der vor allem für die Arbeiterbeschaffung bestimmten Ambolandbahn die erste Rate angefordert worden. Zur ständigen Vertretung der Bevölkerung in Eisenbahnverkehrsfragen wurde durch V. des Gouv. vom 28. Mai 1912 der Eisenbahnrat ins Leben gerufen; er setzt sich aus sechs vom Landesrat gewählten Vertretern der Berufsstände, aus einem Vertreter der Schutztruppe und aus dem Eisenbahnreferenten des Gouvernements zusammen. (S. a. Eisenbahnen.) -

Ebenso wie der Eisenbahnverkehr hat auch der Nachrichtenverkehr (das Post- und Telegraphenwesen) im letzten Jahrzehnt einen erheblichen Aufschwung genommen. Im Jahre 1913 gab es im Schutzgebiet 102 Post- und Telegraphenanstalten, nämlich 3 Postämter, 25 Postagenturen, 42 Posthilfsstellen und 32 Telegraphenhilfsstellen (ohne Postbetrieb).

Für das Post- und Telegraphenwesen waren an Personal vorhanden: ein Postdirektor in Windhuk, dem sämtliche Post- und Telegraphenanstalten unterstellt sind, 4 Postinspektoren, 43 mittlere Beamte und 25 Unterbeamte, ferner 8 ständige weiße Aushilfskräfte, daneben 91 im Post- und Telegraphendienst beschäftigte Farbige. Die gesamte Länge der Telegraphenlinien im Schutzgebiet betrug 3964 km, die Gesamtlänge der Telegraphenleitungen 6487 km. In 28 Orten waren Ortsfernsprecheinrichtungen vorhanden. Die Länge der Ortsfernsprechlinien betrug 194 km, die Länge der Fernsprechanschlußleitungen 1078 Kilometer. I

n Swakopmund und Lüderitzbucht ist eine Reichsfunkentelegraphenstation vorhanden. In Windhuk ist eine Reichsfunkentelegraphenstation im Bau, die dem direkten Verkehr des Schutzgebiets mit der Heimat über eine gleiche Station in Togo dienen soll. Neben den Reichstelegraphenleitungen gab es noch einzelne von der Schutztruppe betriebene Telegraphenleitungen und - stationen. -Das Telegraphennetz des Schutzgebietes ist an den Weltverkehr vermittelst der englischen Unterseekabel angeschlossen. -

Mit der zunehmenden Einwirkung des Deutschen Reiches auf D.-S. entwickelte sich auch der Schiffsverkehr zwischen den beiden Ländern. An Verbindungen sind vorhanden: die zweimal monatlich in jeder Richtung verkehrenden und in Swakopmund und Lüderitzbucht anlegenden Dampfer der deutschen Ostafrikalinie in Hamburg, die nur Post und Passagiere, keine Fracht befördern; die Dampfer der Woermann - Linie, der Hamburg - Amerika - Linie und der Hamburg - Bremer - Afrika - Linie, die den Frachtverkehr besorgen.

Daneben hat D.-S. alle drei Wochen Anschluß an die Dampfer der Union Castle Line Kapstadt - Southampton durch einen zwischen Swakopmund, Lüderitzbucht, Port Nolloth und Kapstadt verkehrenden Lokaldampfer der Woermann - Linie. Ferner berühren die Dampfer der Houston - Line die Häfen des Schutzgebietes.

 

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