Verwaltung.

Die Verwaltung in K. wird durch das Gouvernement in Buea geführt (s. Tafel 77). An der Spitze dieser Behörde steht der Gouverneur, der dem Staatssekretär des RKA. unterstellt ist. Seine Befugnisse sind nicht einheitlich und zusammenfassend geregelt; sie beruhen vielmehr zum Teil auf Gewohnheitsrecht, zum Teil auf zahlreichen Einzelbestimmungen. Er ist nicht nur zum Erlaß von Verwaltungsverordnungen im engeren Sinne, sondern in bestimmten Grenzen auch zum Erlaß von Rechtsverordnungen befugt, die die Allgemeinheit binden. Er ist der oberste Inhaber der Polizeigewalt im Schutzgebiet und hat die oberste Leitung der ganzen Zivil- und Militärverwaltung. Die Schutztruppe ist ihm unterstellt. Er hat die Disziplinargewalt über die Beamten und Schutztruppenangehörigen. (Über Rang usw. s. Gouverneur.) -

Zur Erledigung der Geschäfte der Zentralverwaltung steht dem Gouverneur eine Anzahl von Beamten zur Verfügung, die als "Referenten" die Geschäfte der einzelnen Verwaltungszweige führen. Eine besondere Stellung hat der "Erste Referent", der Direktorialgeschäfte versieht und der in Abwesenheit oder bei sonstiger Verhinderung des Gouverneurs in der Regel auch sein Vertreter ist. Am Gouvernement bestehen zurzeit 10 Referate. Während die Referenten und das übrige Beamtenpersonal dem Gouverneur nach dem Bureausystem nachgeordnet sind, steht ihm der Gouvernementsrat (s. d.) als beratendes Organ zur Seite. Er setzt sich aus dem Gouverneur, aus einer Anzahl von Schutzgebietsbeamten (amtlichen Mitgliedern) und einer Anzahl von Weißen des Schutzgebietes (außeramtlichen Mitgliedern) oder deren Stellvertretern zusammen.

Die außeramtlichen Mitglieder, die vom Gouverneur nach vorheriger Anhörung der Berufskreise berufen werden, müssen in der Zahl von wenigstens 3 berufen werden. Sie müssen zahlreicher sein als die amtlichen Mitglieder, die gleichfalls der Gouverneur bestimmt. Den Vorsitz bei den Verhandlungen des Gouvernementsrats führt der Gouverneur. Die Vorschläge für den jährlichen Haushaltsetat und die Entwürfe der von dem Gouverneur zu erlassenden oder in Vorschlag zu bringenden wichtigeren Verordnungen sind dem Gouvernementsrat vor Einreichung an das Reichskolonialamt vor- zulegen. Er ist nur beratendes Organ; das Gouvernement ist an seine Vorschläge nicht gebunden. - Der Zentralverwaltung ist die örtliche Verwaltung unterstellt. Ihre Einrichtung ist in K. noch nicht abgeschlossen.

Sie ist von der fortschreitenden Erschließung des Landes abhängig und daher bei dem ver- schiedenen Stande der Erschließung in den einzelnen Gebieten nicht einheitlich. Es ist zu unterscheiden zwischen Zivil- und Militärverwaltung. Die Zivilverwaltung wird fortschreitend in den Gebieten eingerichtet, die als befriedet angesehen werden und eine gewisse Gewähr für eine ungestörte wirtschaft- liche und politische Weiterentwicklung bieten; das sind naturgemäß die der Küste zunächst liegenden oder durch Eisenbahnen oder Schifffahrtswege erschlossenen Gebiete. Die in diesen Gebieten errichteten Zivilverwaltungsbezirke werden je nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und Größe und nach dem in Stande ihrer Erschließung von einem Bezirksamtmanne (zurzeit in Duala, Kribi, Victoria, Edea, Jaunde, Lomie, Ebolowa, Jabassi und Ossidinge) oder einem Bezirksleiter (zurzeit in Johann-Albrechts-Höhe, Banjo, Ukoko, Dschang, Ikelemba, Bare, Jukaduma) geleitet.

Von diesen durch selbständige Bezirksleiter verwalteten Bezirken sind die Unterbezirke zu unterscheiden, die in einzelnen Bezirken zur weiteren Dezentralisierung der Verwaltung errichtet worden sind. Ihre Leiter unterstehen zunächst dem Bezirks- amtmanne. Die örtlichen Verwaltungsbehörden verfügen über das für den Geschäftsgang nötige Unterpersonal und zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit in ihren Bezirken über eine Abteilung Polizeitruppe. Das Personal der Polizeitruppe bestand im Jahre 1912 aus 27 Weißen (Reichsangehörigen), und 1155 Farbigen. -

Die Militärverwaltungsbezirke unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Stellung gegenüber dem Gouvernement und der Verwaltungsbefugnisse ihrer Leiter in nichts von den Zivilverwaltungsbezirken. Der einzige Unterschied besteht darin, daß der Leiter der Schutztruppe angehört und gleichzeitig militärische Funktionen hat. Der größte Teil des der Küste ferner liegenden Hinterlandes ist politisch und wirtschaftlich noch nicht soweit erschlossen, daß die Besetzung durch die der Zivilverwaltung zur Verfügung stehende Polizeitruppe die dauernde Ruhe und Sicherheit genügend gewährleisten könnte. Dieses Hinterland wird daher noch durch die militärisch besser geschulte Schutztruppe besetzt gehalten. Zurzeit besteht Militärverwaltung in den Bezirken Bamenda, Dume, Mittel-Sanga-Lobaje, Ober-Sanga-Uam, Ober-Logone, Iwindo und Wolö-Ntem.

In militärischen Angelegenheiten unterstehen die einen Verwaltungsbezirk leitenden Offiziere dem Kommandeur der Schutztruppe, der seinerseits dem Gouverneur unterstellt ist, in Verwaltungsangelegenheiten dagegen unmittelbar dem Gouvernement. -Verschieden hiervon ist die Verwaltung in den sog. Residenturbezirken. Diese werden zwar zur Aufrechterhaltung der deutschen Schutzherrschaft und von Ruhe und Frieden auch von der Schutztruppe besetzt gehalten; die Verwaltung ist aber den einheimischen Machthabern überlassen geblieben, und die Verwaltungstätigkeit der Residenten, die in der Regel Offiziere sind, beschränkt sich auf die politische Vertretung der deutschen Macht, die Überwachung der Verwaltungstätigkeit der einheimischen Machthaber und auf die An- gelegenheiten, die Weiße betreffen. Zurzeit bestehen 3 Residenturen, Garua, Mora und Ngaundere. - Das Personal der K.er Schutztruppe bestand im Jahre 1912 aus 175 Weißen (Reichsangehörigen) und 1550 Farbigen, eingeteilt in 12 Kompagnien, davon eine, die 12., nur vorübergehend bewilligt. Der Kommandeur und Stab der Schutztruppe hat seinen Sitz in Soppo.

Dem Kommando der Schutztruppe war bis vor kurzem auch die in Duala stehende Polizeistammkompagnie unterstellt. - Für die übrigen, neben der allgemeinen inneren Verwaltung bestehenden besonderen Verwaltungszweige - wie Finanz-, Zoll- und Medizinalwesen -, für Land- und Forstwirtschaft, für Bergbau und Verkehrswesen usw. stehen dem Gouvernement die erforderlichen technischen Beamten zur Verfügung. Diese technischen Verwaltungszweige sind zum Teil auch örtlich gegliedert, wie z.B. die Zollverwaltung. Zum größten Teil ist aber bei den örtlichen Verwaltungsbehörden eine scharfe Trennung zwischen diesen technischen Verwaltungszweigen und der allgemeinen Verwaltung nicht durchgeführt, so daß die Geschäfte der Finanz-, Zoll- und sogar der Postverwaltung auch oft durch die Beamten der allgemeinen Verwaltung mit wahrgenommen werden.

Die Zollverwaltung wird in der Hauptsache durch technische Zollbeamte geführt. An den Hauptorten sind Hauptzollämter und Zollämter eingerichtet; daneben bestehen eine ganze Anzahl von Zollnebenstellen an der Küste und entlang der Nordwest- und der Ostgrenze. Das landwirtschaftliche Referat hat bisher eine ausgedehnte Tätigkeit entfaltet. Die Versuchsanstalt für Landeskultur in Victoria befaßt sich mit der Auf- zucht tropischer Nutzpflanzen, der Lieferung von Saat- und Pflanzengut, mit Versuchen zur Hebung der Plantagenwirtschaft, insbesondere des Kakao-, Kautschuk- und Ölpalmenbaues, mit Düngungsversuchen und wissenschaftlichen und technischen Untersuchungen in Laboratorien. (Über die landwirtschaftliche Schule und die Ackerbauschule in Dschang s. Dschang.)

Die Sennerei in Buea, das Vorwerk Buea, die Viehzuchtstationen Dschang, Jaunde und Djuttitsa mit ihren Vorwerken sollen durch Reinzucht eingeführten Viehes, durch Abgabe reinrassiger Zuchtbullen und durch Kreuzung eingeführter Rassen mit dem einheimischen Rind der Hebung der einheimischen Viehbestände dienen. In Golombe ist ein Gestüt errichtet worden. Zur Hebung und Organisierung der Kautschukausfuhr ist die Kautschukinspektion mit den Kautschukkulturstationen Sangmelima, Akonolinga, Dume und Dscha-Posten errichtet worden, wo Kautschukpflanzen aufgezogen und an Eingeborene verteilt und die Eingeborenen von Sachverständigen in der Anzapfung und Aufbereitung des Kautschuks unterrichtet werden. In den Landschaften Bamum und Adamaua sind seit 1911 landwirtschaftliche Sachverständige beschäftigt, um für die Einführung des rationellen Baumwollbaus in diesen Gebieten die nötigen Vorarbeiten zu erledigen. Es sind von ihnen Versuchsstationen in Kuti und Tittog eingerichtet worden. Außer diesen besonderen landwirtschaftlichen Einrichtungen sind den örtlichen Verwaltungsbehörden auch in Duala, Edea, Bare, Yoko, Bamenda, Garua besondere landwirtschaftliche Sachverständige zugeteilt worden, um die auf diesen Stationen eingerichteten Versuchsfelder und -gärten zu besorgen.

Im Jahre 1912 wurde in Nomajos (Bezirk Jaunde) eine Versuchsstation für Eingeborenenkultur errichtet; ferner wurde eine Inspektion für Ölpalm- und Kakaokultur geschaffen. Für die Hebung des Forstwesens stehen 2 höhere Forstbeamte und das nötige Unterpersonal zur Verfügung. Die Medizinalverwaltung hat in den meisten Verwaltungsstationen Regierungs- oder Militärärzte stationiert, denen neben der ärztlichen Praxis in den Stationen die Medizinalverwaltung der einzelnen Bezirke obliegt. Zur Bekämpfung der Pocken sind mehrere Lymphegewinnungsstationen, so in Bamenda, Banjo, Dschang, Garua, Kusseri, Jaunde und Duala, errichtet worden. Als Erfolg der systematischen Pockenbekämpfung konnte festgestellt werden, daß in den letzten Jahren nur wenige vereinzelte Fälle von Pocken vorgekommen sind.

Zur Bekämpfung der Schlafkrankheit ist mit der Errichtung von Sammellagern begonnen worden Für die nächste Zeit ist eine sehr erhebliche Vermehrung des ärztlichen Personals und die Anlage mehrerer neuer Sammellager geplant. Für die in Duala eingerichtete Fleischbeschau und die Erforschung und Bekämpfung der Tierkrankheiten stehen auch einige Tierärzte zur Verfügung. Die Postverwaltung untersteht nicht dem Gouvernement, sondern unmittelbar dem Reichspostamt. Die Postverwaltung wird durch das Postamt in Duala geführt, dem die übrigen Post- und Telegraphenstationen unterstellt sind. Auch die Geschäfte der Postverwaltung werden aber nicht auf allen Stationen von besonderen Postbeamten, sondern zum Teil auch von Beamten der allgemeinen Verwaltung wahrgenommen.

 

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