Verwaltung.

 

Die Zentralverwaltung des Schutzgebietes befand sich unmittelbar nach der Erklärung der deutschen Schutzherrschaft in Bagida, später in Sebe bei Anecho. Seit 1897 befindet sie sich in Lome. An der Spitze der Zentralverwaltung des Schutzgebietes steht der Gouverneur, dem zugleich konsularische Befugnisse für die englische Goldküstenkolonie und Französisch - Dahomi übertragen sind. Ihm sind ein erster Referent, zugleich Stellvertreter in Abwesenheitsfällen, sowie eine Anzahl Hilfsarbeiter beigegeben. Je einer von ihnen bearbeitet die allgemeinen wirtschaftlichen Angelegenheiten (dazu die Eingeborenen - Politik das Schul- und Missionswesen und die Personalien), die Rechtsfragen (dazu die Konsulatsangelegenheiten und die den Landbesitz des Fiskus betreffenden Sachen), das Finanzwesen, das Zollwesen, das Gesundheitswesen, die landwirtschaftlichen Angelegenheiten, die forstwirtschaftlichen Fragen, die bautechnischen Angelegenheiten, die maschinentechnischen und die die Verkehrsanlagen betreffenden Angelegenheiten, das Militärwesen, das Vermessungswesen (dazu die den meteorologischen Dienst betreffenden Angelegenheiten).

Der Referent für das Finanzwesen ist zugleich Kommissar des Gouverneurs zur Beaufsichtigung des Geschäftsbetriebes der Deutsch - Westafrikanischen Bank und der bei ihr errichteten Sparkasse. Dem Referenten für das Zollwesen obliegt die Oberleitung des gesamten Zolldienstes, dem forstwirtschaftlichen Referenten die Leitung der Aufforstungen (s. Forstwesen) dem Referenten für das Bauwesen die Oberaufsicht über den Werkstättenbetrieb des Gouvernements, dem Referenten für das Verkehrswesen die Aufsicht über den Betrieb der fiskalischen Verkehrsanlagen, welche an die Deutsche Kolonial - Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft verpachtet sind. Der landwirtschaftliche Referent führt zugleich die Oberaufsicht über das landwirtschaftliche Versuchswesen und die Tätigkeit der Bezirkslandwirte. Der Referent für die Vermessungsangelegenheiten und den meteorologischen Dienst ist zugleich der Vorstand der beim Gouvernement errichteten Bergbehörde. Außer den vorbezeichneten Hilfsarbeitern steht dem Gouverneur auch das erforderliche Bureaupersonal zur Verfügung. Bei allen Behörden des Schutzgebietes werden, soweit die dienstlichen Interessen es gestatten, farbige Hilfskräfte zur Erledigung der Geschäfte herangezogen. - Im Schutzgebiete befindet sich eine Polizeitruppe in Stärke von 2 Offizieren, 6 Unteroffizieren und rund 550 Farbigen.

Von diesen befindet sich eine Kompagnie unter einem Offizier und einem Unteroffizier in Lome zur Verfügung des Gouverneurs, während die übrigen den Lokalverwaltungen zugeteilt sind. T. ist in folgende Verwaltungsbezirke eingeteilt: Lome - Stadt, Lome - Land, Anecho, Misahöhe, Atakpame, Kete - Kratschi, Sokode und Sansane - Mangu. Den Leitern der Lokalverwaltungen (Bezirksamtmännern oder Bezirksleitern) obliegt neben der Gerichtsbarkeit über die Eingeborenen die Ausübung der Polizeigewalt, der Ausbau bzw. die Unterhaltung der Wege, die Einwirkung auf die Eingeborenen in hygienischen und wirtschaftlichen Fragen, sowie die Leitung der fast in allen Bezirken vorhandenen Versuchspflanzungen. Den Bezirksamtmännern oder Bezirksleitern sind da, wo die wirtschaftlichen Verhältnisse es erheischen, Bezirkslandwirte beigegeben. Über die Aufgabe der letzteren: ABl. Togo 1912 S. 333 und 334. - Der ordentliche Etat des Schutzgebietes für das Jahr 1913 balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 40 57 136 M. Seit dem Jahre 1903 hat T. einen Reichszuschuß nicht mehr erfordert. Die wichtigsten Einnahmen sind die Zölle, welche nach dem vorläufigen Rechnungsabschluß für 1912 rund 1 863 000 M betrugen. Von den im Schutzgebiet eingeführten Waren wird, soweit nicht spezifische Zölle vorgesehen und soweit sie nicht von Einfuhrzöllen befreit sind, ein Wertzoll von 10% erhoben.

Spezifische Zölle bestehen für Spirituosen, Tabak, Salz, Zucker, Petroleum, Feuerwaffen, Pulver und Fische afrikanischen Ursprungs. Von Spirituosen mit einem Alkoholgehalt von 50 % Tralles wird ein Zoll von 0,80 M für das Liter erhoben. Dieser Zoll steigt, bei einem Alkoholgehalt von mehr ab 50 % Tralles für jedes Prozent um 1,6 ? und sinkt bei einem Alkoholgehalt von weniger als 50 % Tralles für jedes Prozent um 1,6 ?. Im Bezirk Sansane - Mangu sowie in dem größten Teil des Bezirkes Sokode dürfen Spirituosen zum Zweck des Verkaufs oder Abgabe an Eingeborene überhaupt nicht eingeführt werden. In den Städten Lome und Anecho ist eine direkte Besteuerung der Eingeborenen eingeführt; diese hat im Jahre 1912 rund 22 000 M erbracht. In allen übrigen Landesteilen sind die arbeitsfähigen männlichen Eingeborenen verpflichtet, für die Regierung an 12 Tagen des Jahres Steuern in Form von Arbeit zu leisten, aber berechtigt, die Arbeitsleistung durch eine Geldabgabe abzulösen.

Die Ablösung der Steuerarbeiten durch Geld hat im Jahre 1912 rund 696 000 M erbracht. Nennenswerte Steuereinnahmen erbringt endlich noch die Spirituosen - Schank- und Verkaufs - Steuer (1912 rund 68 000 M), die Abgabe vom Handelsgewerbe (1912 rund
32 000 M) und die Gummihandel - Erlaubnisschein - Steuer (1912 rund 34 000 M). An sonstigen Abgaben, Gebühren und verschiedenen Verwaltungseinnahmen, wie Gerichtskosten, Gerichts- und Polizeistrafen, Betrieb der Krankenhäuser und Polikliniken, Wegegebühr u. dgl. sind im Jahre 1912 rund 258 000 M eingegangen. -Der vom Pächter der Verkehrsanlagen (Landungsbrücke in Lome, Küstenbahn Lome - Anecho, Inlandbahn Lome - Palime und Hinterlandbahn Lome-Atakpame) zu entrichtende Pachtzins beträgt für das Jahr 1912 547 500 M. -

Aus den erwähnten Einnahmen deckt das Schutzgebiet sämtliche Verwaltungskosten einschließlich der Kosten für die Polizeitruppe und die Verzinsung und Tilgung der vom Reich zum Zweck der Eisenbahnbauten gewährten Darlehen und der Schutzgebietsanleihen. - Zur Beratung der Haushaltsentwürfe und der Entwürfe der zu erlassenden Verordnungen beruft der Gouverneur den Gouvernementsrat (s. d.), außerdem bespricht der Gouverneur in besonders dazu anberaumten Beratungen mit den Leitern der örtlichen Verwaltungsbehörden, mit den Vertretern der Missionen und mit der Kaufmannschaft alle wichtigeren kulturellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten des Schutzgebietes.

 

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