Afrikas Kolonien im Würgegriff

Ausbeutung und Misshandlung der Eingeborenen auf dem afrikanischen Kontinent führen zu verzweifelten Aufständen, die von den europäischen Kolonialherren brutal niedergeschlagen werden. Mit dem zentralafrikanischen Kongogebiet hält sich Belgiens König Leopold II. eine Privatkolonie, in der Folter, Hinrichtung und Mord an der Tagesordnung sind.

Nachrichten über unhaltbare Zustände in der belgischen Kongokolonie empören die Weltöffentlichkeit. Nach dem Bericht des britischen Konsuls Roger Casement, der eine mehrmonatige Informationsreise durch die Kongokolonie unternommen hatte, werden die Eingeborenen unter Androhung und Ausführung unmenschlicher Strafen zur Arbeit gezwungen.
Die Eingeborenen sind verpflichtet, ein bestimmtes Quantum des in Europa begehrten und teuren Rohkautschuks an die Belgier abzuliefern. Geschieht dies nicht, greifen die Behörden, die prozentual am Kautschukerlös beteiligt sind, u.a. zu Foltermethoden. Diese Berichte bewegen Casement und den Journalisten Edmund D. Morel am 25. März zur Gründung der »Congo Reform Association«, die weltweit für eine Verbesserung der Zustände im Kongo eintritt.

Deutsch-Südwest: In der Kolonie Deutsch-Südwestafrika bricht am 12. Januar unter Samuel Maharero ein Aufstand der Herero gegen die deutsche Kolonialherrschaft aus. Die Ursachen der Erhebung liegen in der ausbeuterischen Behandlung der Schwarzen durch weiße Händler und in der Landnahme durch weiße Siedler. Am 11. August werden die Herero von der deutschen Schutztruppe in der Schlacht am Waterberg vernichtend geschlagen. Die Überlebenden des Bantu-Hirtenvolkes werden auf Befehl des deutschen Oberbefehlshabers Lothar von Trotha in die Omaheke-Wüste abgedrängt, wo viele verdursten. Der Vernichtungsfeldzug kostet rd. drei Viertel der vormals 80 000 Herero das Leben.
Am 3. Oktober erheben sich unter Führung von Hendrik Witbooi mehrere Gruppen der Nama. Nach einem langwierigen Guerillakrieg wird der Kriegszustand in Deutsch-Südwestafrika erst am 31. März 1907 aufgehoben.

Hendrik Witbooi

Hendrik Witbooi

Der einflussreichste Führer des Kriegervolks der Nama leitet den Aufstand seines Stammes gegen die deutschen Kolonialherren, ehe er im November 1905 bei Kampfhandlungen umkommt. Witbooi wurde 1838 geboren und in einer Schule der Rheinischen Mission erzogen. Mit 25 Jahren konvertierte er zum Christentum. Vor allem die Befürchtung, die Deutschen würden nach der Niederschlagung der Herero auch die Nama vernichten, hat Witbooi dazu bewogen, den Kampf aufzunehmen. Zuvor hatte Witbooi mit den Deutschen kooperiert.
Angola und Mosambik: In militärischen Einzelaktionen versuchen portugiesische Truppen, die Eingeborenen-Stämme zu unterwerfen. Die Herrschaft der ältesten Kolonialmacht in Afrika beschränkt sich auf wenige Städte, den Küstenstreifen und kleinere Gebiete im Landesinnern. Am 25. September erleiden portugiesische Truppen bei einem Feldzug gegen die Cuamato eine Niederlage, die 305 Soldaten das Leben kostet.
Britisch-Somalia: Britische Kolonialtruppen brechen am 11. Januar in einer Schlacht den Widerstand des Scheichs Ibn Muhammad Abd Allah Hassan. Mehr als 1000 seiner Anhänger werden getötet. Es ist der vierte Versuch seit 1900, den Widerstand der islamischen Stämme gegen die britische Kolonialherrschaft zu brechen. Scheich Muhammad ist Mitglied eines Derwisch-Ordens, der den islamischen Glauben durch die europäische Missionierung bedroht sieht.
 

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