Yosemite, California

"Ahwahnee", ein vor Staunen geöffneter Mund, diesen Namen hatten die Indianer ursprünglich Yosemite gegeben.

Und für John Muir, den legendären amerikanischen Pionier, war das Tal in der Sierra Nevada Kaliforniens gar, "das glorreichsten Wunder der Natur".

"Yosemite" - 1864 vom amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln als "Public Preserve" dem Staat Kalifornien zugesprochen - 1890 zum Nationalpark erklärt, und 1984 zum Weltnaturerbe - ist heute eines der am meisten besuchten Naturwunder der USA.

Millionen von Touristen bestaunen jedes Jahr die Granitfelsen El Capitan oder Half Dome und vor allem die unzähligen Wasserfälle, die nach der Schneeschmelze im Frühjahr zu Tal stürzen. Vier große Wasserfälle haben den Park berühmt gemacht, und die Bilder vom Yosemite -, Vernal -, Nevada- oder Bridalveilfall sind ein fester Bestandteil der amerikanischer Folklore. "Es ist nicht entscheidend, was man sieht, sondern wie man es sieht", hat einer der wichtigsten amerikanischen Landschaftsfotografen, Ansel Adams, festgestellt und es ist ihm gelungen, in seinen einmaligen schwarz-weiss Bildern, weniger die Wirklichkeit, als vielmehr die Gefühle des Betrachters abzubilden. Mit einer Reise durch alle vier Jahreszeiten lässt sich dies auch heute noch in Farbe nachvollziehen und dann entsteht - um noch einmal John Muir zu zitieren - "Ein atemberaubendes Wechselspiel - nicht nur an der einen oder der anderen Stelle - sondern überall wohin man schaut.

Entwicklung:

Naturdenkmal: Nationalpark mit 3082,83 qkm, »beherrscht« durch die Sierra Nevada mit Felsdomen und dem 914 m tiefen Yosemite Valley, Canyons wie der Tenaya Canyon sowie 300 Seen

UNESCO-Ernennung 1984

Flora und Fauna:
27 verschiedene Vegetationstypen und 16 Waldtypen mit 37 Baumarten wie Kalifornische Kiefer, Coloradotanne, Zucker- und Gelbkiefer; drei Gebiete mit ausgedehntem Bestand an Mammutbäumen, darunter der sogenannte »Grizzly Giant«, in der subalpinen Zone Drehkiefer und Berghemlock vorherrschend, die reiche Flora des Parks umfaßt insgesamt 1400 Pflanzenarten; 74 Säugetierarten wie Streifenhörnchen, Gelbbäuchiges Murmeltier, Schwarzbär, Kojote, Dickhornschaf, selten zu sehen Fichten- und Fischermarder; 230 Vogelarten wie der im Park nistende Bartkauz

"The deepest beauty of nature"!
"The primal song of the wilderniss"-
"The ultimate Glory in Change" -

"Ein atemberaubendes Wechselspiel - nicht nur von Stunde zu Stunde - von Tag zu Tag - sondern - über alle Maßen! - von Jahreszeit zu Jahreszeit".

So euphorisch wurde Yosemite von amerikanischen Pionieren wie John Muir gepriesen. Dabei waren sich die Erforscher dieser Landschaft in der Sierra Nevada Kaliforniens aber auch bewußt, daß selbst die großartigsten Beschreibungen daran scheiterten mussten - etwas in Worte zu fassen, was gesehen und erlebt werden wollte, und das jeden, der dieses Tal zum erstenmal zu Gesicht bekam, unwillkürlich verstummen lies.

"Ahwahnee"! - der vor Staunen geöffnete Mund - diesen Namen hatten sich die Ureinwohner von Yosemite gegeben.

Nach der Legende lebten sie hier im Westen der USA, bis eine mysteriöse Krankheit - der Schwarze Tod - fast ihren ganzen Stamm ausrottete.

Die wenigen Überlebenden zogen sich in die Berge zurück und wagten sich erst Generationen später wieder ins Tal zurück.

Um nicht erneut den "Zorn der Götter" herauszufordern, änderten sie ihren Namen in "Yosemites" - ein Synonym für den widerstandsfähigsten aller Bergbewohner, den "Grizzly Bären".

"Wenn ich Yosemite einem Freund zum ersten Mal zeigen wollte - hat einer der amerikanischen Pioniere geschrieben - dann würde ich einen grauen Wintertag wählen".

"Der Schock ist nicht so gewaltig, wenn die Berge zunächst noch unter dichten Wolken verborgen bleiben - Auge und Seele können sich Zeit lassen, und erst wenn sich der Nebel dann langsam verzieht, darf sich der Vorhang öffnen, zu einer Vorstellung, die einmalig ist auf dieser Welt: Auf der Spiegelbühne des Flusses Merced: El Capitan ein Granitmonolith von über 1000 Meter Höhe.

Ganz gleich von welchem Blickpunkt - vom Tal oder den Bergen - jeder der Schauplätze hat seinen Namen. "Inspiration Point" nach einem Wintersturm.

Unter der Rubrik "Sights to See", eines amerikanischen Reiseführers, heisst es ganz lakonisch "Besuchen sie das Tal im Frühjahr - Das ist die beste Zeit - denn da ist der Schnee in den Bergen der Sierra Nevada geschmolzen, und Bäche und Flüsse lassen das Eiswasser in unzähligen Kaskaden und Wasserfällen zu Tal stürzen.

"The primal Song of the wilderniss" das Rauschen und Donnern der Wassermassen ist am lautesten vor dem Yosemite Fall zu hören. Er ist mit über 800 Metern der höchste Wasserfall - und in den Frühjahrsmonaten so mächtig - das selbst, wenn sein Lied an den gegenüberliegenden Talwänden bereits verhallt, - die riesige Wasserfontäne immer noch als silberner Streifen auszumachen ist.

Es sind vier grosse Wasserfälle die den Park berühmt gemacht haben, und jeder hat seine eigene Charakteristik. Ein breites Band wie eine weiße Wand, - Der "Vernal Fall". Wild, und ungezähmt wie die Berge der Sierra Nevada - und nur nach einen stundenlangen Fussmarsch zu erreichen: Der Nevada Fall. Zuletzt der "Bridalveilfall" - Ein Brautschleier aus Eiswasser, von den Indianern treffender "Pohono" - "vom Winde verweht"- genannt.

An einem Frühlingstag soll hier eine junge Indianerin, in die Gischt hineingezogen worden sein. Entsetzt liefen ihre Freundinnen hinunter zum Fuße des "Pohono" um nach ihr zu suchen, doch es war keine Spur zu finden, und so glaubten sie, dass Körper und Seele des Mädchens für immer im Wasserstaub gefangen waren.

"Es ist nicht entscheidend, was man sieht, sondern wie man es sieht", hat einer der bedeutensten amerikanischen Landschaftsfotografen festgestellt und Yosemite dabei jahrzehntelang nur in Schwarz und Weiss gesehen. Sein Name war Ansel Adams und in seinen Bildern wollte er weniger die Wirklichkeit, als vielmehr seine Gefühle abbilden. Diese Fotos sind nicht von Adams, sondern von unserer Kamera, aber sie sprechen für seine Sicht.

"Wenn ich Yosemite einem Freund zum erstenmal zeige, hat Adams gemeint, dann muss dieser früh aufstehen. Wir fahren im Morgengrauen gemeinsam hinauf zum "Glacier Point". Adams hat diesen Blick vom legendären "Overhanging Rock" noch erlebt. Viele Wagemutige haben ihn auf die unterschiedlichste Art und Weise genossen, und manchmal auch nicht überlebt. "Hier geht es 1000 Meter in die Tiefe und unten wartet kein Leichenbeschauer auf dich" - Selbst solche drastische Warnungen reichten nicht aus, und deshalb ist das Betreten des Felsens heute verboten,

Der Blick fällt jetzt "gesichert" ins Tal doch "Glacier" - der "Gletscherpoint" - ist immer noch der beste Platz um die Entstehungsgeschichte Yosemites nachzuvollziehen.

Hier ist vor 250 000 Jahren eine gigantische Eismuräne durchgezogen und hat mit ihrer Kraft das Tal und die benachbarten Berge zurechtgeschliffen.

So verdankt auch "Half Dome" - mit fast dreitausend Metern der höchste Berg Yosemites - seine heutige Form dem Gletscher. Ursprünglich ist das Massiv - durch hohen Druck - in intensiver Hitze unter der Erde geformt - nach Ansicht von Geologen über 85 Millionen Jahre alt.

In den Erzählungen der Indianer ist die Geschichte des Berges dagegen wie immer prosaischer. "Ein streitlustiges Ehepaar das Neid und Missgunst in das Tal gebracht" hat, wurde zur Strafe in Steine verwandelt - in den Half Dome und das gegenüberliegende Felsmassiv.

Ein Morgen in Yosemite. Mit dem beginnenden Tag beginnt ergiesst sich im Frühling auch ein stetig anwachsender Strom von Touristen ins Tal.

Der rote Teppich im "Ahwahnee" ist ausgerollt. Das Hotel mit dem bedeutungsvollen Namen ist der erste grosse Bau, der Anfang des letzten Jahrhunderts im Park entstanden ist. Die monumentale Konstruktion aus ganzen Baumstämmen und grob zugehauenen Felsbrocken ist aus Yosemite nicht mehr wegzudenken, und trotzdem entzündet sich an ihr - und den anderen Hotels immer wieder die Diskussion - wie viel Tourismus ist erlaubt?

Der Blick aus dem Fenster zeigt wie dicht Hotelanlage und scheinbar unberührte Landschaft beieinander liegen. Radikale Landschaftschützer hatten schon vorgeschlagen alle Hotels abzureissen. Dazu fordern Sie seit Jahren, die Autos aus dem Park zu verbannen und damit die Zahl von über drei Millionen Besuchern im Jahr einzuschränken. Vor allem in den Sommermonaten verstellen sich die Touristen oft auch immer wieder gegenseitig die Landschaft.

Dabei ist diese Jahreszeit lange nicht so reizvoll, wie der Winter oder Frühling. Die Intensität der Sonne lässt im Sommer fast alle Wasserfälle versiegen.

Der Bridalveilfall ist nur noch ein dünnes Rinnsal, und der wasserreichste im Winter - der Yosemitefall - verschwindet völlig.

Wer sich nicht nur mit dem ausgetrocknete Flussbett begnügen will, muss deshalb die Ferngläser und Kameras auf andere "Attraktionen" richten.

Es sind Bergsteiger die hier El Capitan erobern wollen, und für einen Aufstieg bis zu einer Woche in den senkrechten Granitwänden hängen.

"The fallen Monarch" - der gefallene Monarch und sein Wurzelwerk gehören weiter zum obligatorischen Programm jedes Yosemitebesuchs. Der Baumriese liegt am Eingang der "Mariposa Grove" einem Waldstück mit den ältesten und grössten Bäumen dieser Erde. Über 2700 Jahre alten "Giant Sequoias".

Wenn wir den Park einem Freund zum ersten Mal zeigen wollten, würden wir uns für den Herbst entscheiden - dann kehrt die Ruhe zurück und das Herbstlicht "glänzt" mit einer unbeschreibliche Vielseitigkeit an Farben und Stimmungen. So wird der Gang durch das Tal und wieder hinauf zum "Inspiration Point", im wahrsten Sinnen des Wortes, zur Inspiration.

"Yosemite"!! 1864 vom amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln als Public Preserve - als Naturschutzgebiet - dem Staat Kalifornien zugesprochen.

1890 zum Nationalpark erklärt - und 1984 zum Weltnaturerbe - ist nach den Worten von John Muir - " The deepest beauty of nature"!

Nicht nur in einer Szene. Nicht nur an der eine oder der anderen Stelle - sondern überall - wohin man schaut - das glorreichste Wunder der Natur!

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Yosemite